• August Wilhelm von Schlegel to Helmina von Chézy

  • Place of Dispatch: Coppet · Place of Destination: Paris · Date: 18.10.1807
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Helmina von Chézy
  • Place of Dispatch: Coppet
  • Place of Destination: Paris
  • Date: 18.10.1807
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 210‒212.
  • Incipit: „[1] Coppet d. 18 Oct. [180]7
    Hier haben Sie noch einige Bemerkungen über den Anwary, liebe Freundin, wenn sie anders noch zeitig [...]“
    Manuscript
  • Provider: Biblioteka Jagiellońska, Krakau
[1] Coppet d. 18 Oct. [180]7
Hier haben Sie noch einige Bemerkungen über den Anwary, liebe Freundin, wenn sie anders noch zeitig genug ankommen: dieses Laster der Saumseligkeit im Schreiben suche ich vergeblich abzulegen. Ich habe Ihre zweyte Abschrift genau mit der ersten verglichen, und die meisten Änderungen glücklich gefunden; um alles aus dem Grunde zu beurtheilen, müßte man die Verse mit der prosaischen Übersetzung und diese mit dem Original zusammenhalten: es ist aber sehr anmuthig und gewiß so gut wie wenige Nachbildungen Orientalischer Poesie. Ich muß es Ihnen recht hoch anrechnen, daß Sie das Gedicht für mich so leserlich mit lateinischen Buchstaben abgeschrieben: ich hätte es für den Druck bestimmt geglaubt und ihnen zurückgeschickt, wenn Sie nicht etwas für mich darunter gekritzelt hätten.
Mein Bruder rühmt mir sehr einige Übersetzungen altfranzösischer Gedichte und ein Stück aus dem Lancelot von Ihnen. Ich wäre begierig diese Sachen zu lesen, bis jetzt habe ich nichts davon zu Gesicht bekommen können.
Wegen der vortrefflichen Dichterin Mad. Brun muß ich noch eine Antwort auf Ihre fast unschuldige Anfrage nachhohlen. Ey ey, liebes [2] Kind! ist es Ihnen noch niemals vorgekommen, daß man sich die Freyheit mit der Tochter schön zu thun, durch einige Artigkeiten gegen die Mutter erkauft? Was Frau v. St[aël] in einer Anmerkung zur Corinne über sie sagt, ist eine geringe Erwiederung unsäglich vieler, mündlich schriftlich und gedruckt geäußerter Bewunderung und Anbetung. Ich habe viel über die Zweydeutigkeit des Ausdrucks gescherzt : lʼune des femmes de son pays. Das ist natürlich Dänemark, und so hat sie es nur mit Oehlenschläger auszumachen.
Die Mahlerin Le Brun hat einige Zeit auf unserm Schlosse zugebracht, und ein Bild der Besitzerin entworfen, in der Idee einer improvisirenden Corinne. Sie hat es mitgenommen um es in Paris zu vollenden und auf die nächste Ausstellung zu bringen. Es ist gewiß eine ihrer besten Arbeiten, natürlich hat sie großen Fleiß darauf gewandt. Wenn Sie und Frl. v. Winkel einige Bekanntschaft mit ihr haben, sollten sie das Bild zu sehen suchen, es würde Sie interessiren. Ähnlich ist es ungemein.
Wie copirt nur Frl. v.W.[inkel] ein so gipsernes aus steifer Nachahmung der Antike und gemeiner Natur zusammengeflicktes Gemählde, wie das von David? Da ist sie ganz auf dem unrechten Wege und wird, fürchte ich, die Frucht ihrer [3] früheren Studien einbüßen. Oder hat sie etwa eine äußere Veranlassung dazu? Wenn man aber etwas rechtes leisten will, sollte man sich durch nichts von dem einzig rechten ablenken lassen.
Mir däucht in Ihrem letzten Briefe ist mehr Heiterkeit, Geduld und Muth als in den vorhergehenden. Ich wollte, ich könnte diese Stimmung mündlich unterstützen, der Himmel weiß aber wann ich wieder nach Paris komme. Unser Aufenthalt hier zieht sich in die Länge, nun gewiß bis über die Mitte des nächsten Monats hinaus. Es heißt, wir werden den Winter in Deutschland zubringen: ich glaube noch nicht recht daran, weil ich es wünsche.
Ich unterhalte mich damit, einstweilen allerley über meine Reisen zu schreiben. Ob man das wird drucken können, ist eine andre Frage. Mich wundert, daß Tourneisen die französische Schrift nicht erscheinen läßt, die schon so lange fertig ist. Grüßen Sie Klinger bestens von mir, wenn Sie ihn sehen. Leben Sie recht wohl und behalten Sie mich in gutem Andenken.
[1] Coppet d. 18 Oct. [180]7
Hier haben Sie noch einige Bemerkungen über den Anwary, liebe Freundin, wenn sie anders noch zeitig genug ankommen: dieses Laster der Saumseligkeit im Schreiben suche ich vergeblich abzulegen. Ich habe Ihre zweyte Abschrift genau mit der ersten verglichen, und die meisten Änderungen glücklich gefunden; um alles aus dem Grunde zu beurtheilen, müßte man die Verse mit der prosaischen Übersetzung und diese mit dem Original zusammenhalten: es ist aber sehr anmuthig und gewiß so gut wie wenige Nachbildungen Orientalischer Poesie. Ich muß es Ihnen recht hoch anrechnen, daß Sie das Gedicht für mich so leserlich mit lateinischen Buchstaben abgeschrieben: ich hätte es für den Druck bestimmt geglaubt und ihnen zurückgeschickt, wenn Sie nicht etwas für mich darunter gekritzelt hätten.
Mein Bruder rühmt mir sehr einige Übersetzungen altfranzösischer Gedichte und ein Stück aus dem Lancelot von Ihnen. Ich wäre begierig diese Sachen zu lesen, bis jetzt habe ich nichts davon zu Gesicht bekommen können.
Wegen der vortrefflichen Dichterin Mad. Brun muß ich noch eine Antwort auf Ihre fast unschuldige Anfrage nachhohlen. Ey ey, liebes [2] Kind! ist es Ihnen noch niemals vorgekommen, daß man sich die Freyheit mit der Tochter schön zu thun, durch einige Artigkeiten gegen die Mutter erkauft? Was Frau v. St[aël] in einer Anmerkung zur Corinne über sie sagt, ist eine geringe Erwiederung unsäglich vieler, mündlich schriftlich und gedruckt geäußerter Bewunderung und Anbetung. Ich habe viel über die Zweydeutigkeit des Ausdrucks gescherzt : lʼune des femmes de son pays. Das ist natürlich Dänemark, und so hat sie es nur mit Oehlenschläger auszumachen.
Die Mahlerin Le Brun hat einige Zeit auf unserm Schlosse zugebracht, und ein Bild der Besitzerin entworfen, in der Idee einer improvisirenden Corinne. Sie hat es mitgenommen um es in Paris zu vollenden und auf die nächste Ausstellung zu bringen. Es ist gewiß eine ihrer besten Arbeiten, natürlich hat sie großen Fleiß darauf gewandt. Wenn Sie und Frl. v. Winkel einige Bekanntschaft mit ihr haben, sollten sie das Bild zu sehen suchen, es würde Sie interessiren. Ähnlich ist es ungemein.
Wie copirt nur Frl. v.W.[inkel] ein so gipsernes aus steifer Nachahmung der Antike und gemeiner Natur zusammengeflicktes Gemählde, wie das von David? Da ist sie ganz auf dem unrechten Wege und wird, fürchte ich, die Frucht ihrer [3] früheren Studien einbüßen. Oder hat sie etwa eine äußere Veranlassung dazu? Wenn man aber etwas rechtes leisten will, sollte man sich durch nichts von dem einzig rechten ablenken lassen.
Mir däucht in Ihrem letzten Briefe ist mehr Heiterkeit, Geduld und Muth als in den vorhergehenden. Ich wollte, ich könnte diese Stimmung mündlich unterstützen, der Himmel weiß aber wann ich wieder nach Paris komme. Unser Aufenthalt hier zieht sich in die Länge, nun gewiß bis über die Mitte des nächsten Monats hinaus. Es heißt, wir werden den Winter in Deutschland zubringen: ich glaube noch nicht recht daran, weil ich es wünsche.
Ich unterhalte mich damit, einstweilen allerley über meine Reisen zu schreiben. Ob man das wird drucken können, ist eine andre Frage. Mich wundert, daß Tourneisen die französische Schrift nicht erscheinen läßt, die schon so lange fertig ist. Grüßen Sie Klinger bestens von mir, wenn Sie ihn sehen. Leben Sie recht wohl und behalten Sie mich in gutem Andenken.
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