• August Wilhelm von Schlegel to Helmina von Chézy

  • Place of Dispatch: Genf · Place of Destination: Paris · Date: 02.03.1809
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Helmina von Chézy
  • Place of Dispatch: Genf
  • Place of Destination: Paris
  • Date: 02.03.1809
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 231‒232.
  • Incipit: „[1] Genf d.2ten März [180]9
    Liebes Kind, was fangen Sie nur immer mit Ihren Briefen an? Ihr letzter vom 10ten Febr. ist [...]“
    Manuscript
  • Provider: Biblioteka Jagiellońska, Krakau
    Language
  • German
[1] Genf d.2ten März [180]9
Liebes Kind, was fangen Sie nur immer mit Ihren Briefen an? Ihr letzter vom 10ten Febr. ist gestern angekommen, also volle vierzehn Tage in Paris liegen geblieben. Ich antworte ohne Verlust eines Posttags, Sie werden mich aber schon der Nachläßigkeit beschuldigt haben. Hier ist eine Anweisung auf das Verlangte, wie Sie die Summe in Ihrem vorletzten Briefe bestimmt haben. Sie dürfen es mir gar nicht wieder hieher schicken, sondern wenn es Ihre Bequemlichkeit erlaubt, dann melden Sie mirs, und ich bitte Sie, eine Rechnung für mich in Paris zu bezahlen.
Es ist mir lieb zu hören, daß Sie Ihren Kleinsten endlich abgewöhnt haben. Pflegen Sie nun ja Ihre Gesundheit, und bringen Sie ums Himmel willen keine künftigen Conscribirten mehr auf die Welt; es giebt ihrer schon genug.
Ihre beyden Gedichte sind sehr artig, besonders haben Sie das schwierige Sylbenmaaß in Elisens Geburtstag mit Leichtigkeit durchgeführt. Nur will ich Ihnen dabey einen kleinen Kunstgriff bemerken. Wenn die unmittelbar nach einander fallenden Reime ihre volle Anmuth haben sollen, so müssen es nicht Worte derselben Art, zweyerley Ausdrücke für eine Sache seyn, sondern die Wortfügung und der Sinn muß fortgehn. In der Wiege liege, schöne Töne, das ist vollkommen, aber Liebe, Triebe, schleichen, weichen [2] und viele andre dieser Art bey weitem nicht so gut.
Nächsten Herbst hoffe ich nach Paris zu kommen, und dann wollen wir über Ihr dichterisches Talent, über Ihre schriftstellerischen Arbeiten und über alles andre recht viel vertraulich mit einander sprechen.
Danken Sie Koreff von meinetwegen, daß er sich bey Ihnen wie bey mir als der freundschaftliche Arzt bewiesen. Ich bin ihm seit lange einen Brief schuldig gewesen, aber ich stecke kläglich in Arbeiten, bis ich die Messe vom Halse habe, wo ein zweyter Band des Spanischen Theaters und meine dramaturgischen Vorlesungen erscheinen.
Mit dem Wallenstein mögen Sie wohl recht haben, indessen lassen wir das gut seyn. Ich habe in einer Anzeige, die Sie vielleicht im Morgenblatt oder der allgemeinen Zeitung lesen werden die bessere Seite herausgekehrt. Frau v. St[aël] urtheilt hierin, wie es die Freundschaft eingiebt.
Friedrichen habe ich Nachricht von Ihrer veränderten Lage gegeben, er nimmt gewiß immer viel Antheil an Ihnen. Er ist in Wien, seine Frau ist auch dort, und es geht ihnen recht gut. Er arbeitet viel, besonders in der Deutschen Geschichte, zunächst ein historisches Schauspiel, oder vielmehr eine Reihe von Schauspielen: Carl V. Auf Ostern erscheinen seine Gedichte gesammelt bey Hitzig in Berlin. Auch wird er die Europa fortsetzen.
[3] Sagen Sie Hrn. Chezy, in Wien solle ein orientalisches Magazin erscheinen, ich will ihm die französische Ankündigung sous bande schicken, jetzt ist sie aber verliehen. Es wäre verdienstlich, wenn er etwas dahin schenken wollte, denn freylich für jetzt können die Herausgeber nichts versprechen als ein Exemplar. Indessen ist es gewiß das Mittel in ganz Europa gelesen zu werden. Friedrich ist auch Theilnehmer. Man hat in Wien sehr gute Druckereyen für die orientalischen Typen.
Leben Sie tausendmal wohl, meine kleine Freundin, ich bin Ihnen recht von Herzen gut und wünsche Ihnen alles Gute und Liebe. Fr.[au] v. St.[aël] hat Ihre Übersetzung aus dem Hafiz noch oft vorgelesen. Es ist schön, daß Sie den Chateaubriand übersetzen. Möge es Ihnen eben so viel Vortheil als Ehre einbringen!
Das Mandat ist auf Mss. Bazin et Co. Melden Sie mir doch gleich den Empfang.
[1] Genf d.2ten März [180]9
Liebes Kind, was fangen Sie nur immer mit Ihren Briefen an? Ihr letzter vom 10ten Febr. ist gestern angekommen, also volle vierzehn Tage in Paris liegen geblieben. Ich antworte ohne Verlust eines Posttags, Sie werden mich aber schon der Nachläßigkeit beschuldigt haben. Hier ist eine Anweisung auf das Verlangte, wie Sie die Summe in Ihrem vorletzten Briefe bestimmt haben. Sie dürfen es mir gar nicht wieder hieher schicken, sondern wenn es Ihre Bequemlichkeit erlaubt, dann melden Sie mirs, und ich bitte Sie, eine Rechnung für mich in Paris zu bezahlen.
Es ist mir lieb zu hören, daß Sie Ihren Kleinsten endlich abgewöhnt haben. Pflegen Sie nun ja Ihre Gesundheit, und bringen Sie ums Himmel willen keine künftigen Conscribirten mehr auf die Welt; es giebt ihrer schon genug.
Ihre beyden Gedichte sind sehr artig, besonders haben Sie das schwierige Sylbenmaaß in Elisens Geburtstag mit Leichtigkeit durchgeführt. Nur will ich Ihnen dabey einen kleinen Kunstgriff bemerken. Wenn die unmittelbar nach einander fallenden Reime ihre volle Anmuth haben sollen, so müssen es nicht Worte derselben Art, zweyerley Ausdrücke für eine Sache seyn, sondern die Wortfügung und der Sinn muß fortgehn. In der Wiege liege, schöne Töne, das ist vollkommen, aber Liebe, Triebe, schleichen, weichen [2] und viele andre dieser Art bey weitem nicht so gut.
Nächsten Herbst hoffe ich nach Paris zu kommen, und dann wollen wir über Ihr dichterisches Talent, über Ihre schriftstellerischen Arbeiten und über alles andre recht viel vertraulich mit einander sprechen.
Danken Sie Koreff von meinetwegen, daß er sich bey Ihnen wie bey mir als der freundschaftliche Arzt bewiesen. Ich bin ihm seit lange einen Brief schuldig gewesen, aber ich stecke kläglich in Arbeiten, bis ich die Messe vom Halse habe, wo ein zweyter Band des Spanischen Theaters und meine dramaturgischen Vorlesungen erscheinen.
Mit dem Wallenstein mögen Sie wohl recht haben, indessen lassen wir das gut seyn. Ich habe in einer Anzeige, die Sie vielleicht im Morgenblatt oder der allgemeinen Zeitung lesen werden die bessere Seite herausgekehrt. Frau v. St[aël] urtheilt hierin, wie es die Freundschaft eingiebt.
Friedrichen habe ich Nachricht von Ihrer veränderten Lage gegeben, er nimmt gewiß immer viel Antheil an Ihnen. Er ist in Wien, seine Frau ist auch dort, und es geht ihnen recht gut. Er arbeitet viel, besonders in der Deutschen Geschichte, zunächst ein historisches Schauspiel, oder vielmehr eine Reihe von Schauspielen: Carl V. Auf Ostern erscheinen seine Gedichte gesammelt bey Hitzig in Berlin. Auch wird er die Europa fortsetzen.
[3] Sagen Sie Hrn. Chezy, in Wien solle ein orientalisches Magazin erscheinen, ich will ihm die französische Ankündigung sous bande schicken, jetzt ist sie aber verliehen. Es wäre verdienstlich, wenn er etwas dahin schenken wollte, denn freylich für jetzt können die Herausgeber nichts versprechen als ein Exemplar. Indessen ist es gewiß das Mittel in ganz Europa gelesen zu werden. Friedrich ist auch Theilnehmer. Man hat in Wien sehr gute Druckereyen für die orientalischen Typen.
Leben Sie tausendmal wohl, meine kleine Freundin, ich bin Ihnen recht von Herzen gut und wünsche Ihnen alles Gute und Liebe. Fr.[au] v. St.[aël] hat Ihre Übersetzung aus dem Hafiz noch oft vorgelesen. Es ist schön, daß Sie den Chateaubriand übersetzen. Möge es Ihnen eben so viel Vortheil als Ehre einbringen!
Das Mandat ist auf Mss. Bazin et Co. Melden Sie mir doch gleich den Empfang.
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