• August Wilhelm von Schlegel to Jacob Grimm

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Unknown · Date: 28.02.1827
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Jacob Grimm
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 28.02.1827
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 449‒451.
  • Incipit: „Bonn d. 28sten Febr. 1827
    Mein hochgeehrtester Herr und Freund!
    Ich war sehr erfreut über Ihr Schreiben vom 16ten d. M. Nur ermahne [...]“
Bonn d. 28sten Febr. 1827
Mein hochgeehrtester Herr und Freund!
Ich war sehr erfreut über Ihr Schreiben vom 16ten d. M. Nur ermahne ich Sie, Ihr gutes Vorhaben einer Reise nach Bonn nicht zu leicht aufzugeben oder zu vertagen. Die Schwierigkeiten pflegen sich zu beseitigen, wenn man eine Sache ernstlich will, und zeitig Anstalten dazu trifft. Sie können bei dem begehrten Urlaub dieses in der That als eine gelehrte Reise vorstellen, die auch Ihrer Amtsführung zu Statten kommen wird. Freilich darf ich den früheren Ansprüchen meines Freundes Welcker auf Ihre Bewirthung nicht in den Weg treten; aber ich denke, er wird sich gefallen lassen, da er keine eigne Küche hält, mit Ihnen zusammen alle Mittage bei mir eingeladen zu seyn. In welchem Zeitpunkte Sie auch kommen mögen, ich werde mich von Geschäften und Arbeiten so viel thunlich frei zu machen suchen, um meine Stunden ganz Ihnen widmen zu können.
Sie erhalten hiebei das letzte Heft meiner Indischen Bibliothek. – Sie werden sehen, daß ich nicht wohl abbrechen konnte, um für Ihre Aufsätze Raum zu machen. Das Heft ist schon vor einigen Wochen erschienen, ich habe es an Hrn. Heeren selbst geschickt, der sich, was mir lieb ist, an die höflichen Formen hält.
In der zuversichtlichen Hoffnung, Sie recht bald zu sehen (zu Anfange Aprils vermuthlich) verspare ich alles auf unsre Unterredungen, da es mich zu weit führen würde, auf den wissenschaftlichen Inhalt Ihres Briefes einzugehen. In den meisten Punkten bin ich ganz mit Ihnen einverstanden.
Ich bin zweifelhaft geworden, ob ich aus meinen Erörterungen über Ihre Grammatik nicht lieber eine eigne Schrift machen, als sie der Indischen Bibliothek einrücken soll. Zwar gehören sie ganz in diese, es wird viel Sanskrit darin vorkommen, indessen sollen sie doch besonders den gründlichen Forschern des Altdeutschen bestimmt seyn. Auch fürchte ich, sie fallen zu weitläuftig aus, und ich möchte mich nicht gern im Raume beschränken lassen.
Sollte man nicht den König von Baiern bewegen können, etwas für die Herausgabe der Sächsischen Harmonia Evangeliorum zu thun? S.[eine] M.[ajestät] hat mir immer viel Wohlwollen und Zutrauen bewiesen. – Könnte man nicht etwa auch dem Mailändischen Ulfilas durch den Fürsten Metternich beikommen, da die Italiäner so verstockt sind? Der Abate Mai ist ein wunderlicher Heiliger, er hat sich an dem apokryphischen Leben Alex.[andri] M.[agni] das unverantwortlichste Verfahren erlaubt. Zu der Rüge habe ich längst die Materialien in Händen.
Durch Ihre Grammatik sind neue kritische Ausgaben aller altdeutschen Denkmale nothwendig, und ich füge hinzu, auch möglich geworden. Selbst den Ulfilas nehme ich nicht aus, auf den doch der meiste kritische Fleiß verwendet ist.
Ich bin erstaunt gewesen, aus einer Recension von Ihnen in den Göttingischen Anzeigen zu sehen, daß Rask den alten Adelungischen Sauerteig von den unregelmäßigen Verben wieder aufgerührt hat. Überhaupt will ich ihm sein Verdienst nicht absprechen, nur mit Ihnen muß er nicht an demselben Tage genannt werden. Und dann der verstockte Einfall, Dänisch zu schreiben! – Das beste von Bopp ist meines Erachtens seine Abhandlung über die persönlichen pronomina.
Leben Sie recht wohl, und empfangen Sie die Versicherung meiner aufrichtigsten Verehrung.
Ihr ergebenster
A. W. v. Schlegel
Bonn d. 28sten Febr. 1827
Mein hochgeehrtester Herr und Freund!
Ich war sehr erfreut über Ihr Schreiben vom 16ten d. M. Nur ermahne ich Sie, Ihr gutes Vorhaben einer Reise nach Bonn nicht zu leicht aufzugeben oder zu vertagen. Die Schwierigkeiten pflegen sich zu beseitigen, wenn man eine Sache ernstlich will, und zeitig Anstalten dazu trifft. Sie können bei dem begehrten Urlaub dieses in der That als eine gelehrte Reise vorstellen, die auch Ihrer Amtsführung zu Statten kommen wird. Freilich darf ich den früheren Ansprüchen meines Freundes Welcker auf Ihre Bewirthung nicht in den Weg treten; aber ich denke, er wird sich gefallen lassen, da er keine eigne Küche hält, mit Ihnen zusammen alle Mittage bei mir eingeladen zu seyn. In welchem Zeitpunkte Sie auch kommen mögen, ich werde mich von Geschäften und Arbeiten so viel thunlich frei zu machen suchen, um meine Stunden ganz Ihnen widmen zu können.
Sie erhalten hiebei das letzte Heft meiner Indischen Bibliothek. – Sie werden sehen, daß ich nicht wohl abbrechen konnte, um für Ihre Aufsätze Raum zu machen. Das Heft ist schon vor einigen Wochen erschienen, ich habe es an Hrn. Heeren selbst geschickt, der sich, was mir lieb ist, an die höflichen Formen hält.
In der zuversichtlichen Hoffnung, Sie recht bald zu sehen (zu Anfange Aprils vermuthlich) verspare ich alles auf unsre Unterredungen, da es mich zu weit führen würde, auf den wissenschaftlichen Inhalt Ihres Briefes einzugehen. In den meisten Punkten bin ich ganz mit Ihnen einverstanden.
Ich bin zweifelhaft geworden, ob ich aus meinen Erörterungen über Ihre Grammatik nicht lieber eine eigne Schrift machen, als sie der Indischen Bibliothek einrücken soll. Zwar gehören sie ganz in diese, es wird viel Sanskrit darin vorkommen, indessen sollen sie doch besonders den gründlichen Forschern des Altdeutschen bestimmt seyn. Auch fürchte ich, sie fallen zu weitläuftig aus, und ich möchte mich nicht gern im Raume beschränken lassen.
Sollte man nicht den König von Baiern bewegen können, etwas für die Herausgabe der Sächsischen Harmonia Evangeliorum zu thun? S.[eine] M.[ajestät] hat mir immer viel Wohlwollen und Zutrauen bewiesen. – Könnte man nicht etwa auch dem Mailändischen Ulfilas durch den Fürsten Metternich beikommen, da die Italiäner so verstockt sind? Der Abate Mai ist ein wunderlicher Heiliger, er hat sich an dem apokryphischen Leben Alex.[andri] M.[agni] das unverantwortlichste Verfahren erlaubt. Zu der Rüge habe ich längst die Materialien in Händen.
Durch Ihre Grammatik sind neue kritische Ausgaben aller altdeutschen Denkmale nothwendig, und ich füge hinzu, auch möglich geworden. Selbst den Ulfilas nehme ich nicht aus, auf den doch der meiste kritische Fleiß verwendet ist.
Ich bin erstaunt gewesen, aus einer Recension von Ihnen in den Göttingischen Anzeigen zu sehen, daß Rask den alten Adelungischen Sauerteig von den unregelmäßigen Verben wieder aufgerührt hat. Überhaupt will ich ihm sein Verdienst nicht absprechen, nur mit Ihnen muß er nicht an demselben Tage genannt werden. Und dann der verstockte Einfall, Dänisch zu schreiben! – Das beste von Bopp ist meines Erachtens seine Abhandlung über die persönlichen pronomina.
Leben Sie recht wohl, und empfangen Sie die Versicherung meiner aufrichtigsten Verehrung.
Ihr ergebenster
A. W. v. Schlegel
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