• August Wilhelm von Schlegel to Johannes Schulze

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Berlin · Date: 02.08.1829 bis 06.08.1820
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Johannes Schulze
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Berlin
  • Date: 02.08.1829 bis 06.08.1820
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 482‒486.
  • Incipit: „Bonn d. 2ten Aug. 1829
    Hochgeehrtester Herr Geheime-Rath!
    Wiewohl ich nicht das Vergnügen hatte, seit meiner letzten Sendung von Ew. Hochwohlgeboren erfreuliche Nachrichten [...]“
    Manuscript
  • Provider: Biblioteka Jagiellońska, Krakau
    Language
  • German
Bonn d. 2ten Aug. 1829
Hochgeehrtester Herr Geheime-Rath!
Wiewohl ich nicht das Vergnügen hatte, seit meiner letzten Sendung von Ew. Hochwohlgeboren erfreuliche Nachrichten zu empfangen, weiß ich doch gewiß daß Sie meiner im Besten gedacht haben. Ich schmeichle mir sogar mit dem Gedanken, Sie hätten meine Vorrede zum Râmâyana gelesen: ich schließe dieß aus dem jüngst erhaltenen Schreiben des Herrn Ministers.
Zuvörderst sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank für die besorgte Ausfertigung der jährlichen Remuneration für den Dr. Lassen.
Dann habe ich ein schon früher vorgetragenes Anliegen zu wiederholen, ja noch dringender als damals zu erneuern. Es betrifft meinen Neffen, den Dr Schlegel. Ich eröffnete Ihnen vor zwei Jahren seine Lage als Collaborator am Johanneum in Hamburg. Das Scholarchat ist dort ganz und gar eine Sache der Gunst und der Familien-Verbindungen geworden. So lange mein seliger Bruder, der General-Superintendent Schlegel in Harburg lebte, hatte mein Neffe einen Grund in so nachtheiligen Verhältnissen auszudauern, um die Nachbarschaft seines bejahrten Vaters nicht zu verlassen. Nun aber, da er die leidige Überzeugung gewonnen hatte, daß seinen gerechten Ansprüchen auf Beförderung niemals entsprochen werden würde, hat er seine Entlassung begehrt, wobei man ihm das Zeugniß der wohl erfüllten Amtspflicht nicht hat verweigern können. Seit diesem Frühling lebt er in meinem Hause, und benutzt hier mit Eifer alle Mittel, die sich ihm hier darbieten, gelehrten Umgang, Bibliotheken und Besuch der Vorlesungen, um sich zu einem Schulamt noch besser vorzubereiten. Er ist ein fleißiger, gründlicher und gewissenhafter Mann, den ich unbedenklich empfehlen darf. Ich werde seinethalb an den Herrn Minister selbst schreiben, so bald er nach Berlin zurückgekommen seyn wird. Nach dem schmerzlichen Trauerfalle, an dem ich den herzlichsten Antheil genommen, wagte ich nicht ihm beschwerlich zu fallen. Ich bitte Sie, mein verehrtester Gönner, bei vorkommenden Gelegenheiten zu einer Anstellung meines Neffen zu gedenken. Meine Wünsche für ihn und seine eignen Erwartungen sind sehr mäßig und bescheiden, und ich darf also wohl um so eher hoffen sie erfüllt zu sehen.
Einer meiner Schüler im Sanskrit, Dr Kalthoff, der auch unter Prof. Freitags Leitung anhaltend das Arabische erlernt hat, ist nach seiner Promotion, wozu er eine recht wackre Abhandlung über die Ehegesetze des Manu eingeliefert hat, auf seine eignen Kosten nach Paris gereist, um dort das Studium der orientalischen Sprachen fortzusetzen. Auf meine Empfehlung ist er von Hrn. Abel Rémusat sehr gut aufgenommen worden, hat sogar die Erlaubniß erhalten, Manuscripte aus der Königl. Bibliothek zu Hause zu benutzen, und hört fleißig Vorlesungen über das Arabische, Persische und Sanskrit bei Silvestre de Sacy, Chezy u.s.w. Er schreibt mir, seine Eltern würden die Kosten nicht länger als ein Jahr bestreiten, er wolle bei dem Ministerium sein unterthäniges Gesuch um ein Reise-Stipendium einreichen. Sie werden mich unendlich verpflichten, wenn Sie dieß unterstützen wollen. Schon vor zwei Jahren hat der Dr Kalthoff das Accessit bei einer Preisfrage über den Anaxagoras erhalten. Er verdient in der That, daß etwas für ihn geschehe, wäre es auch nur pour la rareté du fait, daß ein Becker in Warendorf in Westphalen so viel aufwendet, um die wissenschaftliche Bildung seines Sohnes zu fördern. Wie hätte man das vor funfzehn Jahren denken können? Es ist billig, dergleichen aufzumuntern.
Ich sende Ihnen meine Vorrede zum Hitôpadêśa. Die Übersetzung des sinnreichen Buches, welche bald folgen wird, soll Ihnen hoffentlich mehr Freude machen.
Professor Rosen aus London ist einige Tage bei mir gewesen, und hat mir das neueste aus Asien mitgebracht. Der junge Mann hat Gewandtheit und rüstige Thätigkeit; seine Lage ist für jetzt noch nicht glänzend, aber er wird seinen Weg schon machen. Nur fehlt es ihm freilich in London sehr an wissenschaftlichem Umgange in seinem Fache: denn die Veterane sind ziemlich versteinert und jungen Nachwuchs giebt es in England nicht.
Durch Rosen habe ich denn auch eine genauere Vorstellung von der Londoner Universität bekommen, da er mir manches erzählen konnte, und die darüber erschienenen offiziellen Schriften mitgebracht hatte. Sie haben mir auf meine Anfrage wegen der von dorther empfangenen Einladung noch nicht geantwortet. Die bei der Universität zu haltende Vorlesung reizt mich nicht so sehr, als eine andre, die ich daneben für die große Welt halten könnte: etwa eine Übersicht der Alterthümer, Litteratur und Wissenschaften Indiens: dieß möchte sogar eine politische Bedeutung haben, in dem Augenblicke wo die Discussion im Parlament über das zu erneuernde Privilegium der Compagnie beginnt. Sehr viele Engländer, vornehme Staatsmänner nicht ausgenommen, haben nur verworrene oder ganz verkehrte Vorstellungen von Indien: die Methodisten haben auch hierauf einen nachtheiligen Einfluß gehabt.
Auf jeden Fall werde ich auf nächsten Sommer um Urlaub nachsuchen, um mit der Erholung eine gelehrte Reise zu verbinden. Ich arbeite viel; die Herausgabe zweier wichtigen Sanskritischen Texte in Einem Jahre, mit einem Zwischenraume von nur drei Monaten: das ist, denke ich, ziemlich glänzend. Und zuvor hatte ich doch auch nicht gefeiert. Von England schreibt man mir viel schönes über meinen Râmâyańa. Wenn sich dieß nur in Realitäten ausspräche! Der Zustand meiner Finanzen macht mir dieß ungemein wünschenswert. Ich weiß sonst in der That nicht wie ich die Mittel zur raschen Fortsetzung herbeischaffen soll.
Bopp scheint mir, im Vertrauen, seit einigen Jahren rückwärts zu gehen. Doch nein! er bleibt wohl nur auf derselben Stelle stehn; aber eben dadurch kommt er zurück, weil die Sache selbst vorrückt. Ich schenke ihm gern sein schülerhaftes Latein und seine kauderwelschen Übersetzungen ins Deutsche; aber er ist wirklich schwach in der Interpretation, und zur philologischen Kritik hat er vollends kein Talent. Dieß kommt von dem Mangel an classischer Bildung. Am meisten Werth haben seine grammatischen Arbeiten. Indessen sucht er auch hier Originalität anzubringen, wo sie nicht hingehört. Er macht Neuerungen in gleichgültigen Dingen, und wiederholt immerfort seine Lieblingshypothesen. Er spricht am Eingange seiner Vorrede mit Geringschätzung von den Indischen Grammatikern, die er doch gar nicht kennt. Er hält dieses freilich sehr schwere Studium für entbehrlich. Ich habe ihm an einigen Beispielen bewiesen, daß er viel von ihnen hätte lernen können. Darüber ist er böse geworden, und hat mir einen ganz ungehörigen Brief geschrieben, so daß ich höflichst den ferneren Briefwechsel ablehnen mußte. So stehen wir nun mit einander, und es thut mir leid. Was ich früher für ihn gethan, scheint Hr. Bopp ganz vergessen zu haben.
Sie, mein verehrtester Herr Geheimerath, kennen meine litterarische Laufbahn zu gut, als daß Sie der Eifersucht irgend einigen Einfluß auf mein Urtheil zuschreiben sollten. Mein Ehrgeiz ging darauf, daß die Deutschen die Engländer in diesem Fache übertreffen möchten. Ich für meine Person könnte gern von diesem Schauplatze abtreten, und mich an der Lust des eignen Forschens und Betrachtens begnügen. Außerdem habe ich an Hrn. Lassen einen Schüler gebildet, der mein Werk fortsetzen wird, und für den die schwierigsten Aufgaben gemacht sind. Sein kritischer Commentar zum Hitôpadêśa ist bereits fertig. Wir wollen denn auch das so übel verrufene Orientalistische Latein wieder zu Ehren zu bringen suchen.
Nun muß ich Ihnen noch mit einer Bitte beschwerlich fallen. Der Baron von Meyendorf, der seine Gesandtschaft nach der Tartarei beschrieben, sendet mir Abgüsse von seinen wichtigsten Münzen. Sie sollen, wie mir seine Schwägerin versichert, bereits in Berlin seyn. Wollten Sie wohl die Gewogenheit haben, bei der Russischen Gesandtschaft in Berlin Nachfrage thun zu lassen? Und wenn da nichts ist, bei der Preußischen Gesandtschaft in St. Petersburg? – Ich begehrte diese Abgüsse in Bezug auf meine Abhandlung über die Baktrischen und Indo-Scythischen Münzen.
Zugleich könnte dann wohl die Einlage auf einem der beiden Wege zu ihrer Bestimmung gelangen. Ich sende sie nicht geradezu, weil ich, lange Zeit ohne Nachrichten von dem Baron Schilling, nicht weiß, ob er gegenwärtig in St. Petersburg ist. Sie werden die Ursache meines Schreibens in der Vorrede zum Hitôpadêśa finden.

d. 6ten Aug. Mein Brief ist wieder einige Tage liegen geblieben, wie es mir immer zu gehen pflegt. Ich empfehle alle meine Anliegen Ihrer Gewogenheit und bitte um Verzeihung, daß ich Ihnen so beschwerlich fallen muß. Leben Sie recht wohl und behalten Sie mich in wohlwollendem Andenken. Mit der ausgezeichnetsten Verehrung
Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
A. W. v. Schlegel
Denken Sie nur, daß die gebenedeyete Anstalt der Censur mir zwei Exemplare von meinem kostbaren Ramayana und ebensoviele vom Hitôpadêśa kostet. Das eine behält der Censor, das andre verdirbt er mir mit seinem Imprimatur. Dazu werde ich ihm noch Gebühren bezahlen müssen für die Lesung dessen was er nicht versteht und nicht lesen kann. Aber hierum will ich mich mahnen lassen: es ist gar zu himmelschreiend. Es hat ein etwas prahlerischer Artikel über die Verschönerung von Bonn in den Zeitungen gestanden. Indessen ist es wahr, daß die Stadt durch Schleifung der Festungswerke nach der Cölnischen Seite und durch Anlegung einer neuen Straße sehr gewonnen hat. Als Präsident des zu diesem Zwecke gestifteten Vereins, habe ich mich weder Zeit noch Mühe dauern lassen um die Sache zu fördern.
Bonn d. 2ten Aug. 1829
Hochgeehrtester Herr Geheime-Rath!
Wiewohl ich nicht das Vergnügen hatte, seit meiner letzten Sendung von Ew. Hochwohlgeboren erfreuliche Nachrichten zu empfangen, weiß ich doch gewiß daß Sie meiner im Besten gedacht haben. Ich schmeichle mir sogar mit dem Gedanken, Sie hätten meine Vorrede zum Râmâyana gelesen: ich schließe dieß aus dem jüngst erhaltenen Schreiben des Herrn Ministers.
Zuvörderst sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank für die besorgte Ausfertigung der jährlichen Remuneration für den Dr. Lassen.
Dann habe ich ein schon früher vorgetragenes Anliegen zu wiederholen, ja noch dringender als damals zu erneuern. Es betrifft meinen Neffen, den Dr Schlegel. Ich eröffnete Ihnen vor zwei Jahren seine Lage als Collaborator am Johanneum in Hamburg. Das Scholarchat ist dort ganz und gar eine Sache der Gunst und der Familien-Verbindungen geworden. So lange mein seliger Bruder, der General-Superintendent Schlegel in Harburg lebte, hatte mein Neffe einen Grund in so nachtheiligen Verhältnissen auszudauern, um die Nachbarschaft seines bejahrten Vaters nicht zu verlassen. Nun aber, da er die leidige Überzeugung gewonnen hatte, daß seinen gerechten Ansprüchen auf Beförderung niemals entsprochen werden würde, hat er seine Entlassung begehrt, wobei man ihm das Zeugniß der wohl erfüllten Amtspflicht nicht hat verweigern können. Seit diesem Frühling lebt er in meinem Hause, und benutzt hier mit Eifer alle Mittel, die sich ihm hier darbieten, gelehrten Umgang, Bibliotheken und Besuch der Vorlesungen, um sich zu einem Schulamt noch besser vorzubereiten. Er ist ein fleißiger, gründlicher und gewissenhafter Mann, den ich unbedenklich empfehlen darf. Ich werde seinethalb an den Herrn Minister selbst schreiben, so bald er nach Berlin zurückgekommen seyn wird. Nach dem schmerzlichen Trauerfalle, an dem ich den herzlichsten Antheil genommen, wagte ich nicht ihm beschwerlich zu fallen. Ich bitte Sie, mein verehrtester Gönner, bei vorkommenden Gelegenheiten zu einer Anstellung meines Neffen zu gedenken. Meine Wünsche für ihn und seine eignen Erwartungen sind sehr mäßig und bescheiden, und ich darf also wohl um so eher hoffen sie erfüllt zu sehen.
Einer meiner Schüler im Sanskrit, Dr Kalthoff, der auch unter Prof. Freitags Leitung anhaltend das Arabische erlernt hat, ist nach seiner Promotion, wozu er eine recht wackre Abhandlung über die Ehegesetze des Manu eingeliefert hat, auf seine eignen Kosten nach Paris gereist, um dort das Studium der orientalischen Sprachen fortzusetzen. Auf meine Empfehlung ist er von Hrn. Abel Rémusat sehr gut aufgenommen worden, hat sogar die Erlaubniß erhalten, Manuscripte aus der Königl. Bibliothek zu Hause zu benutzen, und hört fleißig Vorlesungen über das Arabische, Persische und Sanskrit bei Silvestre de Sacy, Chezy u.s.w. Er schreibt mir, seine Eltern würden die Kosten nicht länger als ein Jahr bestreiten, er wolle bei dem Ministerium sein unterthäniges Gesuch um ein Reise-Stipendium einreichen. Sie werden mich unendlich verpflichten, wenn Sie dieß unterstützen wollen. Schon vor zwei Jahren hat der Dr Kalthoff das Accessit bei einer Preisfrage über den Anaxagoras erhalten. Er verdient in der That, daß etwas für ihn geschehe, wäre es auch nur pour la rareté du fait, daß ein Becker in Warendorf in Westphalen so viel aufwendet, um die wissenschaftliche Bildung seines Sohnes zu fördern. Wie hätte man das vor funfzehn Jahren denken können? Es ist billig, dergleichen aufzumuntern.
Ich sende Ihnen meine Vorrede zum Hitôpadêśa. Die Übersetzung des sinnreichen Buches, welche bald folgen wird, soll Ihnen hoffentlich mehr Freude machen.
Professor Rosen aus London ist einige Tage bei mir gewesen, und hat mir das neueste aus Asien mitgebracht. Der junge Mann hat Gewandtheit und rüstige Thätigkeit; seine Lage ist für jetzt noch nicht glänzend, aber er wird seinen Weg schon machen. Nur fehlt es ihm freilich in London sehr an wissenschaftlichem Umgange in seinem Fache: denn die Veterane sind ziemlich versteinert und jungen Nachwuchs giebt es in England nicht.
Durch Rosen habe ich denn auch eine genauere Vorstellung von der Londoner Universität bekommen, da er mir manches erzählen konnte, und die darüber erschienenen offiziellen Schriften mitgebracht hatte. Sie haben mir auf meine Anfrage wegen der von dorther empfangenen Einladung noch nicht geantwortet. Die bei der Universität zu haltende Vorlesung reizt mich nicht so sehr, als eine andre, die ich daneben für die große Welt halten könnte: etwa eine Übersicht der Alterthümer, Litteratur und Wissenschaften Indiens: dieß möchte sogar eine politische Bedeutung haben, in dem Augenblicke wo die Discussion im Parlament über das zu erneuernde Privilegium der Compagnie beginnt. Sehr viele Engländer, vornehme Staatsmänner nicht ausgenommen, haben nur verworrene oder ganz verkehrte Vorstellungen von Indien: die Methodisten haben auch hierauf einen nachtheiligen Einfluß gehabt.
Auf jeden Fall werde ich auf nächsten Sommer um Urlaub nachsuchen, um mit der Erholung eine gelehrte Reise zu verbinden. Ich arbeite viel; die Herausgabe zweier wichtigen Sanskritischen Texte in Einem Jahre, mit einem Zwischenraume von nur drei Monaten: das ist, denke ich, ziemlich glänzend. Und zuvor hatte ich doch auch nicht gefeiert. Von England schreibt man mir viel schönes über meinen Râmâyańa. Wenn sich dieß nur in Realitäten ausspräche! Der Zustand meiner Finanzen macht mir dieß ungemein wünschenswert. Ich weiß sonst in der That nicht wie ich die Mittel zur raschen Fortsetzung herbeischaffen soll.
Bopp scheint mir, im Vertrauen, seit einigen Jahren rückwärts zu gehen. Doch nein! er bleibt wohl nur auf derselben Stelle stehn; aber eben dadurch kommt er zurück, weil die Sache selbst vorrückt. Ich schenke ihm gern sein schülerhaftes Latein und seine kauderwelschen Übersetzungen ins Deutsche; aber er ist wirklich schwach in der Interpretation, und zur philologischen Kritik hat er vollends kein Talent. Dieß kommt von dem Mangel an classischer Bildung. Am meisten Werth haben seine grammatischen Arbeiten. Indessen sucht er auch hier Originalität anzubringen, wo sie nicht hingehört. Er macht Neuerungen in gleichgültigen Dingen, und wiederholt immerfort seine Lieblingshypothesen. Er spricht am Eingange seiner Vorrede mit Geringschätzung von den Indischen Grammatikern, die er doch gar nicht kennt. Er hält dieses freilich sehr schwere Studium für entbehrlich. Ich habe ihm an einigen Beispielen bewiesen, daß er viel von ihnen hätte lernen können. Darüber ist er böse geworden, und hat mir einen ganz ungehörigen Brief geschrieben, so daß ich höflichst den ferneren Briefwechsel ablehnen mußte. So stehen wir nun mit einander, und es thut mir leid. Was ich früher für ihn gethan, scheint Hr. Bopp ganz vergessen zu haben.
Sie, mein verehrtester Herr Geheimerath, kennen meine litterarische Laufbahn zu gut, als daß Sie der Eifersucht irgend einigen Einfluß auf mein Urtheil zuschreiben sollten. Mein Ehrgeiz ging darauf, daß die Deutschen die Engländer in diesem Fache übertreffen möchten. Ich für meine Person könnte gern von diesem Schauplatze abtreten, und mich an der Lust des eignen Forschens und Betrachtens begnügen. Außerdem habe ich an Hrn. Lassen einen Schüler gebildet, der mein Werk fortsetzen wird, und für den die schwierigsten Aufgaben gemacht sind. Sein kritischer Commentar zum Hitôpadêśa ist bereits fertig. Wir wollen denn auch das so übel verrufene Orientalistische Latein wieder zu Ehren zu bringen suchen.
Nun muß ich Ihnen noch mit einer Bitte beschwerlich fallen. Der Baron von Meyendorf, der seine Gesandtschaft nach der Tartarei beschrieben, sendet mir Abgüsse von seinen wichtigsten Münzen. Sie sollen, wie mir seine Schwägerin versichert, bereits in Berlin seyn. Wollten Sie wohl die Gewogenheit haben, bei der Russischen Gesandtschaft in Berlin Nachfrage thun zu lassen? Und wenn da nichts ist, bei der Preußischen Gesandtschaft in St. Petersburg? – Ich begehrte diese Abgüsse in Bezug auf meine Abhandlung über die Baktrischen und Indo-Scythischen Münzen.
Zugleich könnte dann wohl die Einlage auf einem der beiden Wege zu ihrer Bestimmung gelangen. Ich sende sie nicht geradezu, weil ich, lange Zeit ohne Nachrichten von dem Baron Schilling, nicht weiß, ob er gegenwärtig in St. Petersburg ist. Sie werden die Ursache meines Schreibens in der Vorrede zum Hitôpadêśa finden.

d. 6ten Aug. Mein Brief ist wieder einige Tage liegen geblieben, wie es mir immer zu gehen pflegt. Ich empfehle alle meine Anliegen Ihrer Gewogenheit und bitte um Verzeihung, daß ich Ihnen so beschwerlich fallen muß. Leben Sie recht wohl und behalten Sie mich in wohlwollendem Andenken. Mit der ausgezeichnetsten Verehrung
Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
A. W. v. Schlegel
Denken Sie nur, daß die gebenedeyete Anstalt der Censur mir zwei Exemplare von meinem kostbaren Ramayana und ebensoviele vom Hitôpadêśa kostet. Das eine behält der Censor, das andre verdirbt er mir mit seinem Imprimatur. Dazu werde ich ihm noch Gebühren bezahlen müssen für die Lesung dessen was er nicht versteht und nicht lesen kann. Aber hierum will ich mich mahnen lassen: es ist gar zu himmelschreiend. Es hat ein etwas prahlerischer Artikel über die Verschönerung von Bonn in den Zeitungen gestanden. Indessen ist es wahr, daß die Stadt durch Schleifung der Festungswerke nach der Cölnischen Seite und durch Anlegung einer neuen Straße sehr gewonnen hat. Als Präsident des zu diesem Zwecke gestifteten Vereins, habe ich mich weder Zeit noch Mühe dauern lassen um die Sache zu fördern.
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