• August Wilhelm von Schlegel to Johannes Schulze

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Unknown · Date: 18.04.1842
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Johannes Schulze
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 18.04.1842
    Printed Text
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 573‒575.
  • Incipit: „Bonn d. 18ten April 1842
    Mein hochverehrter Freund und Gönner!
    Ich habe unsern für mich so wichtigen und zugleich so anziehenden Briefwechsel lange [...]“
    Manuscript
  • Provider: Kraków, Biblioteka Jagiellońska
    Language
  • German
Bonn d. 18ten April 1842
Mein hochverehrter Freund und Gönner!
Ich habe unsern für mich so wichtigen und zugleich so anziehenden Briefwechsel lange ruhen lassen, aber ich hoffe zuversichtlich, daß Sie mein Stillschweigen nicht misgedeutet haben werden. Mehrere Monate hindurch hat mir meine Gesundheit böse Händel geschafft. Die alten Übel, woran ich seit einem Viertel-Jahrhundert litt, – ich rechne gar nicht mehr nach Jahren, sondern nach Jahrhunderten; – waren mit erneuerter Stärke erwacht. In einer Nacht war der Ausbruch so heftig, daß ich die Cholera erwartete. Darüber verfiel ich in eine Art von Lethargie. Endlich habe ich mich aus der Ermattung aufgerafft, und sehr angestrengt gearbeitet. Nun aber verschob ich das Schreiben absichtlich: ich wollte Ihnen eine kleine Überraschung bereiten, die Ihnen hoffentlich nicht unwillkommen gewesen ist. Die Vorrede zu einem Bande von nicht weniger als 34 Bogen ist in Ihren Händen. Der Grund, warum ich eine Sammlung meiner französischen Schriften veranstaltet habe, und zwar gerade jetzt, in der kürzesten Frist, ist Ihnen gewiß gleich auf den ersten Blick klar geworden: durch jedes Wort würde ich Ihrem Scharfsinne zu nahe treten.
Erlauben Sie mir, die ganze Sendung der für Berlin bestimmten Exemplare, wie sich versteht postfrei, an Sie zu adressiren. Vor allem gebührt Ihnen das erste Exemplar. Ich wünsche, daß die übrigen hohen Gönner die Ihrigen durch Sie empfangen mögen. Unsern Herrn Minister werde ich bitten, beim Könige für mich die Erlaubniß auszuwirken, Sr. Majestät das Buch zu Füßen zu legen.
Mit Buchhändlern, Parisern oder Deutschen, wegen des Verlags zu unterhandeln, hätte nur Aufenthalt verursacht, und vermuthlich doch zu keinem ersprießlichen Resultate geführt. Ich entschloß mich also kurz, auf meine Kosten und unter meinen Augen drucken zu lassen. Ich bin es ja schon gewohnt, für die Förderung der Wissenschaft und den Ruhm der Universität mein Vermögen zuzusetzen. Aber zugleich habe ich mir eine höchst mühselige Arbeit aufgeladen: zuvörderst die strenge Durchsicht meiner zum Theil vorlängst abgefaßten Schriften, dann die viermalige Correctur jedes Druckbogens. Die Durchsicht würde vielleicht mancher Freund für überflüßig gehalten haben; denn mein Styl ward von den Kennern immer als correct anerkannt, der Inhalt mochte noch so sehr der bisher geltenden Meynung widersprechen.
Was meine Verhandlungen mit der akademischen Commission betrifft, so werde ich Ihnen alle bedeutenden Actenstücke abschriftlich senden. Ich habe neulich wieder, nothgedrungen, eine Protestation, ein Manifest ausgehen lassen. Es wird eben so wenig fruchten als alles bisherige. Lassen Sie mich nicht weiter davon sprechen. Mein Entschluß ist gefaßt. Mir ist es einzig darum zu thun, Se. Majestät von meinem Eifer zu überzeugen. Wenn ich dieß erlangt habe, werde ich mich mit tausend Freuden zurückziehn.
Meine schwache Hoffnung, daß das schwierige Unternehmen noch in die rechte Bahn gelenkt werden könne, ist auf Sie, mein hochverehrter Herr, gegründet. Sie werden den Übereilungen vorzubeugen wissen, und interim aliquid fit.
Indessen bin ich nicht müßig. Die Werke Friedrichs des Großen gehen mit mir zu Bett und stehen mit mir auf. Nächstens kommt die fortgesetzte Prüfung der Lesearten.
Hätten wir doch einige Aussicht, Sie wieder am Rhein zu sehen! Jetzt könnte ich Ihnen Zimmer in meinem Hause anbieten, das ich überhaupt ganz zu Ihren Diensten stelle.
Empfangen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten Verehrung und aufrichtigen Anhänglichkeit.
Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
A. W. von Schlegel
Bonn d. 18ten April 1842
Mein hochverehrter Freund und Gönner!
Ich habe unsern für mich so wichtigen und zugleich so anziehenden Briefwechsel lange ruhen lassen, aber ich hoffe zuversichtlich, daß Sie mein Stillschweigen nicht misgedeutet haben werden. Mehrere Monate hindurch hat mir meine Gesundheit böse Händel geschafft. Die alten Übel, woran ich seit einem Viertel-Jahrhundert litt, – ich rechne gar nicht mehr nach Jahren, sondern nach Jahrhunderten; – waren mit erneuerter Stärke erwacht. In einer Nacht war der Ausbruch so heftig, daß ich die Cholera erwartete. Darüber verfiel ich in eine Art von Lethargie. Endlich habe ich mich aus der Ermattung aufgerafft, und sehr angestrengt gearbeitet. Nun aber verschob ich das Schreiben absichtlich: ich wollte Ihnen eine kleine Überraschung bereiten, die Ihnen hoffentlich nicht unwillkommen gewesen ist. Die Vorrede zu einem Bande von nicht weniger als 34 Bogen ist in Ihren Händen. Der Grund, warum ich eine Sammlung meiner französischen Schriften veranstaltet habe, und zwar gerade jetzt, in der kürzesten Frist, ist Ihnen gewiß gleich auf den ersten Blick klar geworden: durch jedes Wort würde ich Ihrem Scharfsinne zu nahe treten.
Erlauben Sie mir, die ganze Sendung der für Berlin bestimmten Exemplare, wie sich versteht postfrei, an Sie zu adressiren. Vor allem gebührt Ihnen das erste Exemplar. Ich wünsche, daß die übrigen hohen Gönner die Ihrigen durch Sie empfangen mögen. Unsern Herrn Minister werde ich bitten, beim Könige für mich die Erlaubniß auszuwirken, Sr. Majestät das Buch zu Füßen zu legen.
Mit Buchhändlern, Parisern oder Deutschen, wegen des Verlags zu unterhandeln, hätte nur Aufenthalt verursacht, und vermuthlich doch zu keinem ersprießlichen Resultate geführt. Ich entschloß mich also kurz, auf meine Kosten und unter meinen Augen drucken zu lassen. Ich bin es ja schon gewohnt, für die Förderung der Wissenschaft und den Ruhm der Universität mein Vermögen zuzusetzen. Aber zugleich habe ich mir eine höchst mühselige Arbeit aufgeladen: zuvörderst die strenge Durchsicht meiner zum Theil vorlängst abgefaßten Schriften, dann die viermalige Correctur jedes Druckbogens. Die Durchsicht würde vielleicht mancher Freund für überflüßig gehalten haben; denn mein Styl ward von den Kennern immer als correct anerkannt, der Inhalt mochte noch so sehr der bisher geltenden Meynung widersprechen.
Was meine Verhandlungen mit der akademischen Commission betrifft, so werde ich Ihnen alle bedeutenden Actenstücke abschriftlich senden. Ich habe neulich wieder, nothgedrungen, eine Protestation, ein Manifest ausgehen lassen. Es wird eben so wenig fruchten als alles bisherige. Lassen Sie mich nicht weiter davon sprechen. Mein Entschluß ist gefaßt. Mir ist es einzig darum zu thun, Se. Majestät von meinem Eifer zu überzeugen. Wenn ich dieß erlangt habe, werde ich mich mit tausend Freuden zurückziehn.
Meine schwache Hoffnung, daß das schwierige Unternehmen noch in die rechte Bahn gelenkt werden könne, ist auf Sie, mein hochverehrter Herr, gegründet. Sie werden den Übereilungen vorzubeugen wissen, und interim aliquid fit.
Indessen bin ich nicht müßig. Die Werke Friedrichs des Großen gehen mit mir zu Bett und stehen mit mir auf. Nächstens kommt die fortgesetzte Prüfung der Lesearten.
Hätten wir doch einige Aussicht, Sie wieder am Rhein zu sehen! Jetzt könnte ich Ihnen Zimmer in meinem Hause anbieten, das ich überhaupt ganz zu Ihren Diensten stelle.
Empfangen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten Verehrung und aufrichtigen Anhänglichkeit.
Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
A. W. von Schlegel
· Konzept , 18.04.1842
· Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
· Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.25,Nr.61
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