• Friedrich Schleiermacher to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Braunschweig · Date: 06.12.1800
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich Schleiermacher
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Braunschweig
  • Date: 06.12.1800
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich: Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. Hans-Joachim Birkner u. Hermann Fischer. Berlin u.a. 1980ff. Abt. 5, Bd. 4. Briefwechsel 1800 (Briefe 850‒1004). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 1994, S. 348‒350.
  • Incipit: „[1] Berlin d. 6t. Dec.
    Hier liebster Freund haben Sie Schadows Brief; er ist lakonisch genug das ausführlichere davon aber ist dieses [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-34477
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.25,Nr.20
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19 x 11,7 cm
    Language
  • German
[1] Berlin d. 6t. Dec.
Hier liebster Freund haben Sie Schadows Brief; er ist lakonisch genug das ausführlichere davon aber ist dieses daß ihm eigentlich Fiorillos Idee nicht gefällt, was nemlich die Zeichnung des ganzen Monuments betrift. Er nennt es einen unreinen Geschmak und meint der Hauptzwek warum Sie von Ihrer ersten Idee abgegangen wären nemlich die Vergrößerung der Figuren könne eben so gut durch die Vergrößerung der ganzen Urne erreicht werden; dies würde ein weit edleres Kunstwerk werden, und ebenfalls über Ihren Preis nicht herauskommen. Doch meinte er mit einem genaueren Anschlage einer nach diesem Maaßstabe vergrößerten Urne wolle er noch bis zu Ihrer Antwort warten. Ueber die Figuren wollte er sich nicht ausführlich erklären bis Sie die seinigen gesehen hätten – Vielleicht werden Sie diesen in manchen Stüken den Vorzug geben. Den Hades würden Sie wol ungern fahren laßen, und vielleicht auch die Darstellung der Mutter als Niobe. Das Beste ist nun, daß Sie bald herkommen und selbst mit ihm reden; mündlich macht sich das Alles weit beßer und einig werden Sie gewiß mit ihm da er große Lust zu der Sache hat und seine Anschläge bis jezt noch immer unter Ihrer Erwartung sind[.] Er hat nun, da sein Fürst von Dessau aufgestellt ist Kopf und Zeit [2] frei, und wenn die Sache nur bald in Richtigkeit kommt so wird das Kunstwerk auch gewiß zu der Zeit da Sie es wünschen zu Stande kommen. Erschrekt haben Sie mich durch Ihre lezte Aeußerung darüber, die mir von Carolinens Gesundheitszustand einen sehr traurigen Begrif geben könnte; ich hoffe indeß daß das nur eine vorübergehende trübe Ansicht gewesen ist.
Wie steht es denn aber mit Ihrem Herkommen? Beresford sagte mir vor ein Paar Tagen ein Buchhändler von Ihren Freunden habe ihm schon vor 6 Wochen gesagt Sie würden in 14 Tagen hier sein, und dann für immer hier bleiben. Er wünscht sehr Sie noch hier zu sehen und war herzlich betrübt da ich ihm sagte ich hätte nicht Ursach Sie vor Neujahr zu vermuthen. Indessen hoffe ich mein Verlangen soll Ihnen eben so lieb sein als Beresfords Ungeduld, und am meisten rechne ich darauf, daß Ihr Geschäft mit Schadow Sie bald herführen wird. Im Wirbel werden Sie zwar auch genug sein das geht in Berlin nicht anders; aber ich hoffe Sie doch beßer zu genießen schon meiner Natur wegen da eine erste Bekanntschaft für mich allemal etwas sehr schwerfälliges ist
Die Kozebuade erwarte ich schon jeden Posttag mit Sehnsucht. Tiek schreibt auch etwas gegen Falk und Merkel p[.] Wenn er seiner ersten Idee treu bleibt es bloß didaktisch zu machen und [3] ohne zu zeigen wie dumm und abgeschmakt sie ihre Polemik betreiben so kann es recht gut sein, sollte er sich aber doch nicht enthalten können an diese Menschen Spaß zu verschwenden, das sollte mir leid thun. Noch unwichtigere Sachen dieser Art die bei Gelegenheit eines neuen Lustspiels das Chamäleon zwischen Tiek und Iffland, auf der Policei vorgefallen sind, schreibe ich Ihnen nicht erst weil sie zu lokal sind, und man doch das Alles über Ihrer Teufelei vergeigen wird
Von Jena weiß ich herzlich wenig. Friedrich hat mir zwar geschrieben daß Goethe da ist, aber nichts von dessen Beschäftigungen, und von sich hat er leider nichts sagen können als daß er liest; die Lucinde scheint immer noch nicht fertig werden zu wollen. Der Florentin, der hier schon wahrscheinlich auf Anstiften der Unger häßlich verläumdet worden war, ist ja ein recht artiges Buch und hat mir viel Freude gemacht. Wieviel davon auf Rechnung meines Antheils an der Verfasserin kommt kann ich freilich noch nicht sagen da ich ihn nur sehr flüchtig gelesen habe.
Empfehlen Sie mich Ihrer Trauernden, und laßen Sie bald wieder von sich hören, noch lieber aber sehen, die Teufelei und den Teufel selbst.
Schleiermacher
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[1] Berlin d. 6t. Dec.
Hier liebster Freund haben Sie Schadows Brief; er ist lakonisch genug das ausführlichere davon aber ist dieses daß ihm eigentlich Fiorillos Idee nicht gefällt, was nemlich die Zeichnung des ganzen Monuments betrift. Er nennt es einen unreinen Geschmak und meint der Hauptzwek warum Sie von Ihrer ersten Idee abgegangen wären nemlich die Vergrößerung der Figuren könne eben so gut durch die Vergrößerung der ganzen Urne erreicht werden; dies würde ein weit edleres Kunstwerk werden, und ebenfalls über Ihren Preis nicht herauskommen. Doch meinte er mit einem genaueren Anschlage einer nach diesem Maaßstabe vergrößerten Urne wolle er noch bis zu Ihrer Antwort warten. Ueber die Figuren wollte er sich nicht ausführlich erklären bis Sie die seinigen gesehen hätten – Vielleicht werden Sie diesen in manchen Stüken den Vorzug geben. Den Hades würden Sie wol ungern fahren laßen, und vielleicht auch die Darstellung der Mutter als Niobe. Das Beste ist nun, daß Sie bald herkommen und selbst mit ihm reden; mündlich macht sich das Alles weit beßer und einig werden Sie gewiß mit ihm da er große Lust zu der Sache hat und seine Anschläge bis jezt noch immer unter Ihrer Erwartung sind[.] Er hat nun, da sein Fürst von Dessau aufgestellt ist Kopf und Zeit [2] frei, und wenn die Sache nur bald in Richtigkeit kommt so wird das Kunstwerk auch gewiß zu der Zeit da Sie es wünschen zu Stande kommen. Erschrekt haben Sie mich durch Ihre lezte Aeußerung darüber, die mir von Carolinens Gesundheitszustand einen sehr traurigen Begrif geben könnte; ich hoffe indeß daß das nur eine vorübergehende trübe Ansicht gewesen ist.
Wie steht es denn aber mit Ihrem Herkommen? Beresford sagte mir vor ein Paar Tagen ein Buchhändler von Ihren Freunden habe ihm schon vor 6 Wochen gesagt Sie würden in 14 Tagen hier sein, und dann für immer hier bleiben. Er wünscht sehr Sie noch hier zu sehen und war herzlich betrübt da ich ihm sagte ich hätte nicht Ursach Sie vor Neujahr zu vermuthen. Indessen hoffe ich mein Verlangen soll Ihnen eben so lieb sein als Beresfords Ungeduld, und am meisten rechne ich darauf, daß Ihr Geschäft mit Schadow Sie bald herführen wird. Im Wirbel werden Sie zwar auch genug sein das geht in Berlin nicht anders; aber ich hoffe Sie doch beßer zu genießen schon meiner Natur wegen da eine erste Bekanntschaft für mich allemal etwas sehr schwerfälliges ist
Die Kozebuade erwarte ich schon jeden Posttag mit Sehnsucht. Tiek schreibt auch etwas gegen Falk und Merkel p[.] Wenn er seiner ersten Idee treu bleibt es bloß didaktisch zu machen und [3] ohne zu zeigen wie dumm und abgeschmakt sie ihre Polemik betreiben so kann es recht gut sein, sollte er sich aber doch nicht enthalten können an diese Menschen Spaß zu verschwenden, das sollte mir leid thun. Noch unwichtigere Sachen dieser Art die bei Gelegenheit eines neuen Lustspiels das Chamäleon zwischen Tiek und Iffland, auf der Policei vorgefallen sind, schreibe ich Ihnen nicht erst weil sie zu lokal sind, und man doch das Alles über Ihrer Teufelei vergeigen wird
Von Jena weiß ich herzlich wenig. Friedrich hat mir zwar geschrieben daß Goethe da ist, aber nichts von dessen Beschäftigungen, und von sich hat er leider nichts sagen können als daß er liest; die Lucinde scheint immer noch nicht fertig werden zu wollen. Der Florentin, der hier schon wahrscheinlich auf Anstiften der Unger häßlich verläumdet worden war, ist ja ein recht artiges Buch und hat mir viel Freude gemacht. Wieviel davon auf Rechnung meines Antheils an der Verfasserin kommt kann ich freilich noch nicht sagen da ich ihn nur sehr flüchtig gelesen habe.
Empfehlen Sie mich Ihrer Trauernden, und laßen Sie bald wieder von sich hören, noch lieber aber sehen, die Teufelei und den Teufel selbst.
Schleiermacher
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