• Johann Gottfried Ludwig Kosegarten to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Jena · Place of Destination: Bonn · Date: 25.10.1820
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johann Gottfried Ludwig Kosegarten
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Jena
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 25.10.1820
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-33958
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.13,Nr.50
  • Number of Pages: 3S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 25,5 x 20,7 cm
  • Incipit: „[1] Jena den 25ten Okto. 1820.
    Hochwohlgeborner
    Hochgeehrtester Herr Professor!
    Ihr gütiges Geschenk; das erste Heft der Indischen Bibliothek, habe ich [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Hanneder, Jürgen
  • Varwig, Olivia
[1] Jena den 25ten Okto. 1820.
Hochwohlgeborner
Hochgeehrtester Herr Professor!
Ihr gütiges Geschenk; das erste Heft der Indischen Bibliothek, habe ich vor einiger Zeit empfangen, und ich sage Ihnen meinen verbindlichsten Dank dafür. Mit desto größerem Vergnügen habe ich aus demselben Ihre Ansichten über Indische Literatur und Philologie wahrgenommen, als das, was ich früher hierüber mir gedacht habe, mit jenen Ansichten größtentheils übereinstimt; w. z. B. in Hinsicht der Unzweckmäßigkeit, die mannichfaltigen Indischen Sylbenmaaße in Übersetzungen immer nachzuahmen, und die Indische Mythologie, ehe wir sie noch gehörig kennen, gleich von Anfang mit Griechischer oder andrer zu identificiren; und der Nothwendigkeit, aus alten Quellen die Darstellungen der Religion und Mythologie zu schöpfen. Gegen einiges andre von Ihnen vorgetragene he[ge] ich freylich noch Zweifel. Der Hexameter giebt, wie Sie sagen, den Indischen Dichtungen eine mehr klassische Form; aber, wenn nun diese Dichtungen eine solche Form nicht schon wirklich haben, darf der Übersetzer sie Ihnen geben? Verschiedene Zwecke können auch beym Übersetzen verfolgt werden; einer der ersten bleibt aber doch immer, wie mich dünkt, das Original zu zeigen, wie es ist. Die Stellen, die ich im Nala beybehalten, [2] können allerdings im Deutschen nicht ganz mit der großen Mannichfaltigkeit, welche sie im Sanskrit haben, wiedergegeben werden, jedoch ziemlich, und erlauben einen natürlichen Periodenbau. Die von mir gemachten bin ich freylich weit entfernt als Muster zu betrachten; größere Übung kann auch hier zu größerer Vollendung führen. Die Bemerkungen über Bopps Nalus in Ihrer Ind. Bibliothek finde ich sehr richtig; z. Th. ist Ihr Tadel aber doch, wie es mir scheint, nur in der unbeholfenen Übersetzungsweise gegründet; er hat wohl richtiger verstanden, als der Leser aus der Übersetzer schließen kann. In einigen Worten aber, w. z. B. mithunaṃ, bhuvanaṃ, hat er sich offenbar vergriffen, und ich bin ihm, aus Mangel eines Lexikons, in den mehrsten dieser Fälle gefolgt. Ich konnte in lexikalischer Hinsicht nichts andres als einen, mühsam von mir gesammelten Vorrath von Wörtern benutzen, der natürlich sehr oft nicht ausreichte. Erst diesen Sommer war ich so glücklich den Cosha geliehen zu erhalten, und da ich auf Wilsons Wörterbuch noch gar keine gewisse Aussicht hatte, so begann ich sogleich den Index des Cosha abzuschreiben, die Bedeutung natürlich beyfügend. Diese Arbeit hat mich denn seither sehr beschäftiget, und ich werde noch eine Weile daran zu thun haben, denn das viele Aufschlagen raubt Zeit. So lange und so oft ich schon Wilson von London verlangt habe, so ist er mir doch noch bis jetzt nicht zugekommen; ich weiß daß in Berlin schon mehrere Exemplare sind. Menus Gesetzbuch dagegen und einige andre Sachen habe ich vor kurzem bekommen, und ich werde mich daher mit dem Commentare zu jenem zunächst bekannt zu machen suchen. Hamiltons Genealogisches Werk, auf welches Sie [3] mich aufmerksam zu machen die Güte hatten, werde ich mir kommen lassen. Herrn Otmar Franks Chrestomathia Sanscrita ist Ihnen wohl schon zu Gesichte gekommen; man muß dem guten Willen und der Beharrlichkeit des Verfassers Gerechtigkeit wiederfahren lassen, durch welche er, trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten, und wohl ganz fehlender Unterstützung, doch endlich etwas zu Stande gebracht hat. Sonst scheint mir freylich an der Anlage und an der Ausführung des Werkes manches ausgesetzt werden zu können; das Äußere ist auch nicht zierlich, wie alles was ich in dieser Art durch Steindruck noch geliefert gesehen habe. Immer fehlt Schwärze und Schärfe der Züge. Mich dünkt, Hr. Frank hätte vielleicht mit nicht größeren Lasten und Schwierigkeiten Typen anschaffen können.
Nach den von Hrn. v. Imhof hinterlassenen Sachen habe ich mich auf Ihren Wunsch erkundiget; die Generalin Helwig war grade selbst hier. Ich erfuhr, daß einiges dieser Sachen verkauft worden, nach Göttingen, und an Herrn Geh. Rt. v. Göthe, das übrige sich aber noch im Besitz der Frau Generalin befinde, besonders Gemählde. Sie hatte ein kleines, sehr intressantes bey sich, welches einen alten Indischen Maler aus Dehli, der in ihres Vaters Diensten gestanden, vorstellte. Zu Ihrer Reise nach Paris, welche sehr erwünscht für Sie seyn muß, wünsche ich viel Glück. Sehr würden Sie mich verbinden, wenn Sie mir auch von dort aus über die Indischen Studien einiges mittheilen wollten. Haben Sie die Güte, mich dem Hrn. von Chezy zu empfehlen. Mit der größten Hochachtung habe ich die Ehre zu beharren
Ihr
ergebenster Diener
H. G. L. Koßegarten.
[4] [leer]
[1] Jena den 25ten Okto. 1820.
Hochwohlgeborner
Hochgeehrtester Herr Professor!
Ihr gütiges Geschenk; das erste Heft der Indischen Bibliothek, habe ich vor einiger Zeit empfangen, und ich sage Ihnen meinen verbindlichsten Dank dafür. Mit desto größerem Vergnügen habe ich aus demselben Ihre Ansichten über Indische Literatur und Philologie wahrgenommen, als das, was ich früher hierüber mir gedacht habe, mit jenen Ansichten größtentheils übereinstimt; w. z. B. in Hinsicht der Unzweckmäßigkeit, die mannichfaltigen Indischen Sylbenmaaße in Übersetzungen immer nachzuahmen, und die Indische Mythologie, ehe wir sie noch gehörig kennen, gleich von Anfang mit Griechischer oder andrer zu identificiren; und der Nothwendigkeit, aus alten Quellen die Darstellungen der Religion und Mythologie zu schöpfen. Gegen einiges andre von Ihnen vorgetragene he[ge] ich freylich noch Zweifel. Der Hexameter giebt, wie Sie sagen, den Indischen Dichtungen eine mehr klassische Form; aber, wenn nun diese Dichtungen eine solche Form nicht schon wirklich haben, darf der Übersetzer sie Ihnen geben? Verschiedene Zwecke können auch beym Übersetzen verfolgt werden; einer der ersten bleibt aber doch immer, wie mich dünkt, das Original zu zeigen, wie es ist. Die Stellen, die ich im Nala beybehalten, [2] können allerdings im Deutschen nicht ganz mit der großen Mannichfaltigkeit, welche sie im Sanskrit haben, wiedergegeben werden, jedoch ziemlich, und erlauben einen natürlichen Periodenbau. Die von mir gemachten bin ich freylich weit entfernt als Muster zu betrachten; größere Übung kann auch hier zu größerer Vollendung führen. Die Bemerkungen über Bopps Nalus in Ihrer Ind. Bibliothek finde ich sehr richtig; z. Th. ist Ihr Tadel aber doch, wie es mir scheint, nur in der unbeholfenen Übersetzungsweise gegründet; er hat wohl richtiger verstanden, als der Leser aus der Übersetzer schließen kann. In einigen Worten aber, w. z. B. mithunaṃ, bhuvanaṃ, hat er sich offenbar vergriffen, und ich bin ihm, aus Mangel eines Lexikons, in den mehrsten dieser Fälle gefolgt. Ich konnte in lexikalischer Hinsicht nichts andres als einen, mühsam von mir gesammelten Vorrath von Wörtern benutzen, der natürlich sehr oft nicht ausreichte. Erst diesen Sommer war ich so glücklich den Cosha geliehen zu erhalten, und da ich auf Wilsons Wörterbuch noch gar keine gewisse Aussicht hatte, so begann ich sogleich den Index des Cosha abzuschreiben, die Bedeutung natürlich beyfügend. Diese Arbeit hat mich denn seither sehr beschäftiget, und ich werde noch eine Weile daran zu thun haben, denn das viele Aufschlagen raubt Zeit. So lange und so oft ich schon Wilson von London verlangt habe, so ist er mir doch noch bis jetzt nicht zugekommen; ich weiß daß in Berlin schon mehrere Exemplare sind. Menus Gesetzbuch dagegen und einige andre Sachen habe ich vor kurzem bekommen, und ich werde mich daher mit dem Commentare zu jenem zunächst bekannt zu machen suchen. Hamiltons Genealogisches Werk, auf welches Sie [3] mich aufmerksam zu machen die Güte hatten, werde ich mir kommen lassen. Herrn Otmar Franks Chrestomathia Sanscrita ist Ihnen wohl schon zu Gesichte gekommen; man muß dem guten Willen und der Beharrlichkeit des Verfassers Gerechtigkeit wiederfahren lassen, durch welche er, trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten, und wohl ganz fehlender Unterstützung, doch endlich etwas zu Stande gebracht hat. Sonst scheint mir freylich an der Anlage und an der Ausführung des Werkes manches ausgesetzt werden zu können; das Äußere ist auch nicht zierlich, wie alles was ich in dieser Art durch Steindruck noch geliefert gesehen habe. Immer fehlt Schwärze und Schärfe der Züge. Mich dünkt, Hr. Frank hätte vielleicht mit nicht größeren Lasten und Schwierigkeiten Typen anschaffen können.
Nach den von Hrn. v. Imhof hinterlassenen Sachen habe ich mich auf Ihren Wunsch erkundiget; die Generalin Helwig war grade selbst hier. Ich erfuhr, daß einiges dieser Sachen verkauft worden, nach Göttingen, und an Herrn Geh. Rt. v. Göthe, das übrige sich aber noch im Besitz der Frau Generalin befinde, besonders Gemählde. Sie hatte ein kleines, sehr intressantes bey sich, welches einen alten Indischen Maler aus Dehli, der in ihres Vaters Diensten gestanden, vorstellte. Zu Ihrer Reise nach Paris, welche sehr erwünscht für Sie seyn muß, wünsche ich viel Glück. Sehr würden Sie mich verbinden, wenn Sie mir auch von dort aus über die Indischen Studien einiges mittheilen wollten. Haben Sie die Güte, mich dem Hrn. von Chezy zu empfehlen. Mit der größten Hochachtung habe ich die Ehre zu beharren
Ihr
ergebenster Diener
H. G. L. Koßegarten.
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