• Charlotte Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Harburg, Elbe · Place of Destination: Bonn · Date: 01.02.1840
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Charlotte Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Harburg, Elbe
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 01.02.1840
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34097
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.23,Nr.19
  • Number of Pages: 3S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 20,8 x 13 cm
  • Incipit: „[1] Theurster Bruder!
    Die Veranlassung dieses Briefs ist das einliegende Schreiben des Doctor Mathäi. Ich schrieb ihn kürzlich und bat ihm [...]“
  • Editors: Funk, Gerald · Varwig, Olivia
[1] Theurster Bruder!
Die Veranlassung dieses Briefs ist das einliegende Schreiben des Doctor Mathäi. Ich schrieb ihn kürzlich und bat ihm um Nachrichten von meinen unglüklichen Sohn, darauf erhielt ich beykommende Antwort, die ich Ihnen überschicke geliebter Bruder, weil Sie daraus die jetzige Lage der Dinge ersehen können. Daß der unglükliche Kranke den 16ten Jan. nach Hildesheim abgegangen ist, wird Ihnen Amalia in Auftrag von mir, geschrieben haben, den ich war damals zu krank um es selbst zu thun. Auch werden Sie meiner armen leidenden Minchen ihren Brief unter meinen Couvert vom 9ten vorigen Monaths erhalten haben! Ihre vielen Geschäfte haben Sie gewiß am Schreiben verhindert, den von Ihrer gütigen Theilnahme sind wir ja versichert die [2] haben Sie uns ja zugesagt, und bereit erklärt mit uns für den Unglüklichen zu sorgen, sich seiner anzunehmen und mit Ihren Mitteln beyzustehn. Wie viel ist ihm dieser Beystand nicht werth den wenn ich auch für ihm alles thue was ich in meinen Kräften steht, so ist das doch nicht hinreichend. Der Wirthin hat er so vieles verdorben, an Möbeln, Betten und dergleichen davon will sie mir die Rechnung einschicken, auch glaube ich, daß mann den Doctor Mathäi für seine bißherigen Bemühungen wohl vergüten müste, vielleicht liesse er sich dadurch bewegen die Curatell noch länger zu behalten, den Sie werden aus seinen Briefe sehn daß er sich gerne davon endledigen will, und meint dies könte woll einer aus der Verwandschaft übernehmen, wer würde sich aber dazu bereit finden? Ich wüste keinen, auch sind sie Alle zu entfernt. Wenn Sie geliebter Bruder ihn einmal deßhalb schrieben so glaube ich er liesse sich überreden. – Daß mann [3] den armen Krancken in der dritten Klasse gesetzt hat, will mir gar nicht gefallen, den ich fürchte daß er in lichten Augenblicken seine Zurüksetzzung fühlen und es ihm kränkend seyn wird; doch mag Mathäi woll recht haben, daß da die Kosten für die ersten Klassen zu hoch für die jetzigen Mittel sind, man es nicht anders machen konte und er bey der Abwesenheit des Geistes worin er jetzt ist, es wohl nicht einmal bemerkt. An den Medizinalrath und Direktor Bergmann in Hildesheim habe ich auch geschrieben, und ihm den Kranken bestens empfohlen. Mögen die Mittel heilsam auf ihn wirken, und er bald und völlig genesen! Ob Hofnung dazu ist, werde ich durch den M. nun wohl erfahren. Gott gebe es! Tief bekümmert schliesse ich für Heute, und empfehle mich und die Meinigen geliebter Bruder, Ihrem fernern Wohlwollen und freundlichen Andenken, die ich mit gewohnter Liebe mich nenne
Ihre
Sie innig werthschätzende
Schwester Ch Schlegel.
Harburg den 1sten Feb.
1840.
[4] [leer]
[1] beantw. d. 6ten Febr. 40
dabei ein Wechsel von 50
thl. Ct.
[1] Theurster Bruder!
Die Veranlassung dieses Briefs ist das einliegende Schreiben des Doctor Mathäi. Ich schrieb ihn kürzlich und bat ihm um Nachrichten von meinen unglüklichen Sohn, darauf erhielt ich beykommende Antwort, die ich Ihnen überschicke geliebter Bruder, weil Sie daraus die jetzige Lage der Dinge ersehen können. Daß der unglükliche Kranke den 16ten Jan. nach Hildesheim abgegangen ist, wird Ihnen Amalia in Auftrag von mir, geschrieben haben, den ich war damals zu krank um es selbst zu thun. Auch werden Sie meiner armen leidenden Minchen ihren Brief unter meinen Couvert vom 9ten vorigen Monaths erhalten haben! Ihre vielen Geschäfte haben Sie gewiß am Schreiben verhindert, den von Ihrer gütigen Theilnahme sind wir ja versichert die [2] haben Sie uns ja zugesagt, und bereit erklärt mit uns für den Unglüklichen zu sorgen, sich seiner anzunehmen und mit Ihren Mitteln beyzustehn. Wie viel ist ihm dieser Beystand nicht werth den wenn ich auch für ihm alles thue was ich in meinen Kräften steht, so ist das doch nicht hinreichend. Der Wirthin hat er so vieles verdorben, an Möbeln, Betten und dergleichen davon will sie mir die Rechnung einschicken, auch glaube ich, daß mann den Doctor Mathäi für seine bißherigen Bemühungen wohl vergüten müste, vielleicht liesse er sich dadurch bewegen die Curatell noch länger zu behalten, den Sie werden aus seinen Briefe sehn daß er sich gerne davon endledigen will, und meint dies könte woll einer aus der Verwandschaft übernehmen, wer würde sich aber dazu bereit finden? Ich wüste keinen, auch sind sie Alle zu entfernt. Wenn Sie geliebter Bruder ihn einmal deßhalb schrieben so glaube ich er liesse sich überreden. – Daß mann [3] den armen Krancken in der dritten Klasse gesetzt hat, will mir gar nicht gefallen, den ich fürchte daß er in lichten Augenblicken seine Zurüksetzzung fühlen und es ihm kränkend seyn wird; doch mag Mathäi woll recht haben, daß da die Kosten für die ersten Klassen zu hoch für die jetzigen Mittel sind, man es nicht anders machen konte und er bey der Abwesenheit des Geistes worin er jetzt ist, es wohl nicht einmal bemerkt. An den Medizinalrath und Direktor Bergmann in Hildesheim habe ich auch geschrieben, und ihm den Kranken bestens empfohlen. Mögen die Mittel heilsam auf ihn wirken, und er bald und völlig genesen! Ob Hofnung dazu ist, werde ich durch den M. nun wohl erfahren. Gott gebe es! Tief bekümmert schliesse ich für Heute, und empfehle mich und die Meinigen geliebter Bruder, Ihrem fernern Wohlwollen und freundlichen Andenken, die ich mit gewohnter Liebe mich nenne
Ihre
Sie innig werthschätzende
Schwester Ch Schlegel.
Harburg den 1sten Feb.
1840.
[4] [leer]
[1] beantw. d. 6ten Febr. 40
dabei ein Wechsel von 50
thl. Ct.
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