• Julie Schlegel , Johann Carl Fürchtegott Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Unknown · Date: 04.04.1811
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Julie Schlegel, Johann Carl Fürchtegott Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 04.04.1811
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34097
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.23,Nr.54
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19,3 x 11,3 cm
  • Incipit: „[1] Hannover d 4t April
    1811.
    Ich muß Sie geliebter Bruder, tausendmahl um Verzeihung bitten, daß ich Ihnen erst jetzt den Empfang [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Varwig, Olivia
[1] Hannover d 4t April
1811.
Ich muß Sie geliebter Bruder, tausendmahl um Verzeihung bitten, daß ich Ihnen erst jetzt den Empfang Ihres letzten lieben Briefs, vom 18 Febr. mit den einlagen melde. ich habe mich selbst von der Krannkheit die ich bald nach dem Tode der guten Mutter bekahm, langsahm erholt, u daß um so weniger, da ich mich wegen der Pastorin Butjentern micht recht schonen konnte. Dieses, mein Vermächtniß von der selg. Mutter, bedurfte meine Hülfe zu sehr. von der heftigen Krannkheit genaß sie, aber wie? Auszehrung folgte u endlich die Waßersucht. sie hat 11 Wochen unbeschreiblich gelitten u ist am letzten März gestorben. gestern habe ich sie beerdigen laßen, denn alle diese traurigen Geschäfte mußte ich wieder besorgen, da sie keinen hatte, der sich ihrer annahm. sie war der Mutter liebste Freundin, mir hatte sie sie übergeben, also hielt ich es für meine Pflicht, ihr alles im Leben u Tode zu seyn, was mir möglich war. ohne die tätige Hülfe derer, bey denen ich bat, hätte ich wenig leisten können, aber so, habe ich dis Geschäft so beendigt, daß ich große Freude u Beruhigung darüber empfinde. den Abt, der mir zweymahl jedes mahl 20 Rt. für sie gab, glaubte ich rechenschaft über sie ablegen zu müßen; durch ein freundliches Billiet hat auch er mir seine Zufriedenheit an den Tag gelegt. Gott segne mir auch so meine Sorge für Hanchen! Durch Ihre [2] Großmuth, mein Theuerster Bruder! bin ich in den Stand gesetzt recht Mütterlich für sie zu sorgen, u daß gelobe ich Ihnen an. sie kommt jede Woche zu mir, bringt mir ihre Arbeiten u ich tadele, Lobe und belehre sie, wie sie es verdient. auf Johanis hoffe ich sie bey die Superintendentin Bialoblotzky in Pattensen zu bringen, u von Ihrer Güte gegen sie, will ich sie recht orndlich an Wäsche u. d.g. ausstatten, wobey ich ihr ihren Wohlthäter u den Willen desselben aufs neue nennen werde. Lotten behalten wir in Dinst. sie scheint sich bey uns zu gefallen, u ich habe das Mädchen um seiner guten Eigenschaften lieb. ich habe ihr nach Karls Meinung von Ihren Geschenk für die Schwestern 2 Louidʼor gegeben, was ihr sehr unerwartet kahm, u wofür Sie Ihnen dannken läßt.
wegen des Dennkmahls für die Eltern, habe ich Ihnen schon im letzten Brief geschrieben. Karl sagt: der Stein der jetzt ihre Grabstäte bezeichnete sey anständig, auch noch Platz die Nahmen der Mutter zu bemerken. Doch haben Sie alles zu bestimmen wie Sie wollen, u werden wir Ihren Willen aufs genauste erfüllen. nehmen Sie es Karln ja nicht übel, daß er Ihnen nicht deshalb schreibt. er ist noch immer überhäuft mit Arbeitem. vor 4 Wochen war er zum Chef der Juri gewählt, wo sehr intreßante Fälle vorkahmen. Diese Geschäfte intreßirten ihn sehr, u hat er da große Ehre eingelegt. in diesen, mit hunderten von [3] Menschen angefüllten Sahl, war eine Todtenstille, wenn er als Präsident redete. einmahl war ich gegenwärtig, bey einen sehr intreßanten Fall, wo die Sitzung von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr die Nacht dauerte. in der ganzen zeit, war Karl nur ½ Stunde zu Haus gewesen.
wegen den Nachlas der selg. Mutter haben wir viel Mühe u verdrisliche schreiberey von gehabt. und noch ist es nichts weiter. wir haben die Sachen durch einen beeidigten Taxator taxiren laßen. nach den was Moritz zu fodern hat, bleiben etwa noch für 100 Rt. was aber die ältesten Sachen u nicht werth sind herüber nach Göttingen geschickt zu werden. wir erbaten uns diese Sachen für das Taxato anzunehmen u jeden sein Theil heraus zu geben. für Moritz hatte ich alle besten Sachen aufgezeichnet u angefragt, ob er sie nicht herüber haben wolte? mit ausnahme einer Bergere u 6 Stühle die wir für das Taxato gern haben wolten, um doch auch ein gutes Stück zu bekommen, u ich glaube auf meine Wünschen konnten doch wohl hiebey rücksicht genommen werden, für das was ich gethan hatte. ich wolte ja nichts geschenkt haben. aber in Göttingen sind sie so nicht zufrieden u mein Lohn sind die bittersten Krännkungen von Moritz u seiner Frau. wir geben nun lieber in allen nach denn nichts ist mir u Karln verhaster, als Streit über den Nachlaß einer geliebten Persohn. die Schwigerinn will selbst kommen u alles einrichten, wie es seyn [4] soll. nach solchen unartigen Betragen gegen mich, werde ich kein Worth mit ihr darüber wechseln.
Der Himmel schenke uns doch bald einen gutes Frühjahr, daß ich mich nach so einen höchst traurigen Winter den wir gehabt haben, auf unsern Garten erholen kann. wir dürfen uns da um so mehr Freuden versprechen, da die Jungen Koppens gegen uns über auch einen Garten gemithet haben. das sind beydes sehr liebenswürdige Leute. er geht noch nicht wieder nach Berlinn. sie war ihm mit 4 Kindern in die Gefangenschaft in Frankreich gefogt. er ist ein großer Verehrer von Ihnen u Friederich. kennen Sie Göthens neustes Werk: Pandora? wir haben es durch Koppen. wenn wir die Sachen der Mutter annähmen, hatte ich mich schon gefreut, diesen guten Leuten, die nicht eingerichtet sind, für den Sommer manches leihn zu können.
von Friederich haben wir Briefe. von Lottchen noch nicht. ich habe ihr aber recht weitläuftig geschrieben. auch habe ich sie gefragt: ob sie nicht etwas von der Mutter ihren Sachen hin haben will? etwa ein Ring, den wir einmahl der Mutter geschenkt haben u von der selg. Henriette ihren Haare ist.
Leben Sie recht wohl u geben Sie uns doch nun recht bald Nachricht von Ihnen. unsere Briefe haben Sie doch erhalten? Karl grüßt Sie herzlich. behalten Sie uns in Brüderlichen Andennken.
Ihre Julie.
Koppe liebt sehr das Spanische u übersetzt jetzt ein weitläuftiges Werk, darraus.
Die kleine Irrung, der meine Frau gedenkt, wird sich wohl bald wieder zuziehen, meine Frau nach ihrem lebhaften Character empfindet dergleichen zu lebhaft im ersten Augenblicke.
[1] Hannover d 4t April
1811.
Ich muß Sie geliebter Bruder, tausendmahl um Verzeihung bitten, daß ich Ihnen erst jetzt den Empfang Ihres letzten lieben Briefs, vom 18 Febr. mit den einlagen melde. ich habe mich selbst von der Krannkheit die ich bald nach dem Tode der guten Mutter bekahm, langsahm erholt, u daß um so weniger, da ich mich wegen der Pastorin Butjentern micht recht schonen konnte. Dieses, mein Vermächtniß von der selg. Mutter, bedurfte meine Hülfe zu sehr. von der heftigen Krannkheit genaß sie, aber wie? Auszehrung folgte u endlich die Waßersucht. sie hat 11 Wochen unbeschreiblich gelitten u ist am letzten März gestorben. gestern habe ich sie beerdigen laßen, denn alle diese traurigen Geschäfte mußte ich wieder besorgen, da sie keinen hatte, der sich ihrer annahm. sie war der Mutter liebste Freundin, mir hatte sie sie übergeben, also hielt ich es für meine Pflicht, ihr alles im Leben u Tode zu seyn, was mir möglich war. ohne die tätige Hülfe derer, bey denen ich bat, hätte ich wenig leisten können, aber so, habe ich dis Geschäft so beendigt, daß ich große Freude u Beruhigung darüber empfinde. den Abt, der mir zweymahl jedes mahl 20 Rt. für sie gab, glaubte ich rechenschaft über sie ablegen zu müßen; durch ein freundliches Billiet hat auch er mir seine Zufriedenheit an den Tag gelegt. Gott segne mir auch so meine Sorge für Hanchen! Durch Ihre [2] Großmuth, mein Theuerster Bruder! bin ich in den Stand gesetzt recht Mütterlich für sie zu sorgen, u daß gelobe ich Ihnen an. sie kommt jede Woche zu mir, bringt mir ihre Arbeiten u ich tadele, Lobe und belehre sie, wie sie es verdient. auf Johanis hoffe ich sie bey die Superintendentin Bialoblotzky in Pattensen zu bringen, u von Ihrer Güte gegen sie, will ich sie recht orndlich an Wäsche u. d.g. ausstatten, wobey ich ihr ihren Wohlthäter u den Willen desselben aufs neue nennen werde. Lotten behalten wir in Dinst. sie scheint sich bey uns zu gefallen, u ich habe das Mädchen um seiner guten Eigenschaften lieb. ich habe ihr nach Karls Meinung von Ihren Geschenk für die Schwestern 2 Louidʼor gegeben, was ihr sehr unerwartet kahm, u wofür Sie Ihnen dannken läßt.
wegen des Dennkmahls für die Eltern, habe ich Ihnen schon im letzten Brief geschrieben. Karl sagt: der Stein der jetzt ihre Grabstäte bezeichnete sey anständig, auch noch Platz die Nahmen der Mutter zu bemerken. Doch haben Sie alles zu bestimmen wie Sie wollen, u werden wir Ihren Willen aufs genauste erfüllen. nehmen Sie es Karln ja nicht übel, daß er Ihnen nicht deshalb schreibt. er ist noch immer überhäuft mit Arbeitem. vor 4 Wochen war er zum Chef der Juri gewählt, wo sehr intreßante Fälle vorkahmen. Diese Geschäfte intreßirten ihn sehr, u hat er da große Ehre eingelegt. in diesen, mit hunderten von [3] Menschen angefüllten Sahl, war eine Todtenstille, wenn er als Präsident redete. einmahl war ich gegenwärtig, bey einen sehr intreßanten Fall, wo die Sitzung von 9 Uhr morgens bis 4 Uhr die Nacht dauerte. in der ganzen zeit, war Karl nur ½ Stunde zu Haus gewesen.
wegen den Nachlas der selg. Mutter haben wir viel Mühe u verdrisliche schreiberey von gehabt. und noch ist es nichts weiter. wir haben die Sachen durch einen beeidigten Taxator taxiren laßen. nach den was Moritz zu fodern hat, bleiben etwa noch für 100 Rt. was aber die ältesten Sachen u nicht werth sind herüber nach Göttingen geschickt zu werden. wir erbaten uns diese Sachen für das Taxato anzunehmen u jeden sein Theil heraus zu geben. für Moritz hatte ich alle besten Sachen aufgezeichnet u angefragt, ob er sie nicht herüber haben wolte? mit ausnahme einer Bergere u 6 Stühle die wir für das Taxato gern haben wolten, um doch auch ein gutes Stück zu bekommen, u ich glaube auf meine Wünschen konnten doch wohl hiebey rücksicht genommen werden, für das was ich gethan hatte. ich wolte ja nichts geschenkt haben. aber in Göttingen sind sie so nicht zufrieden u mein Lohn sind die bittersten Krännkungen von Moritz u seiner Frau. wir geben nun lieber in allen nach denn nichts ist mir u Karln verhaster, als Streit über den Nachlaß einer geliebten Persohn. die Schwigerinn will selbst kommen u alles einrichten, wie es seyn [4] soll. nach solchen unartigen Betragen gegen mich, werde ich kein Worth mit ihr darüber wechseln.
Der Himmel schenke uns doch bald einen gutes Frühjahr, daß ich mich nach so einen höchst traurigen Winter den wir gehabt haben, auf unsern Garten erholen kann. wir dürfen uns da um so mehr Freuden versprechen, da die Jungen Koppens gegen uns über auch einen Garten gemithet haben. das sind beydes sehr liebenswürdige Leute. er geht noch nicht wieder nach Berlinn. sie war ihm mit 4 Kindern in die Gefangenschaft in Frankreich gefogt. er ist ein großer Verehrer von Ihnen u Friederich. kennen Sie Göthens neustes Werk: Pandora? wir haben es durch Koppen. wenn wir die Sachen der Mutter annähmen, hatte ich mich schon gefreut, diesen guten Leuten, die nicht eingerichtet sind, für den Sommer manches leihn zu können.
von Friederich haben wir Briefe. von Lottchen noch nicht. ich habe ihr aber recht weitläuftig geschrieben. auch habe ich sie gefragt: ob sie nicht etwas von der Mutter ihren Sachen hin haben will? etwa ein Ring, den wir einmahl der Mutter geschenkt haben u von der selg. Henriette ihren Haare ist.
Leben Sie recht wohl u geben Sie uns doch nun recht bald Nachricht von Ihnen. unsere Briefe haben Sie doch erhalten? Karl grüßt Sie herzlich. behalten Sie uns in Brüderlichen Andennken.
Ihre Julie.
Koppe liebt sehr das Spanische u übersetzt jetzt ein weitläuftiges Werk, darraus.
Die kleine Irrung, der meine Frau gedenkt, wird sich wohl bald wieder zuziehen, meine Frau nach ihrem lebhaften Character empfindet dergleichen zu lebhaft im ersten Augenblicke.
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