• Johann Carl Fürchtegott Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Amsterdam · Date: 08.07.1791
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Johann Carl Fürchtegott Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: 08.07.1791
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34097
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.23,Nr.60
  • Number of Pages: 6S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19 x 11,7 cm
  • Incipit: „[1] Deinen Brief nr. V haben wir d. 1 Jul empfangen. Unser Brief nr 4 ist aus Versehen nicht numerirt [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Varwig, Olivia
[1] Deinen Brief nr. V haben wir d. 1 Jul empfangen. Unser Brief nr 4 ist aus Versehen nicht numerirt gewesen.
V
Hannover d. 8 Jul. 1791
Was hast Du uns wieder für einen hübschen, und langen Brief geschrieben? Von dem Vergnügen, was Du mir dadurch gemacht, mag ich gar nichts mehr sagen, um nicht immer dasselbe zu sagen. – Du beschreibst das dasige Landleben und Campagnen so anschauend, (und reizender, als ich mir es vorgestellt) daß ich nun zuweilen mit Dir in den hohen Buchen Alleen spatzieren gehen kann, und dann wieder bey den Bassinʼs verweilen, wo auch wohl hin und wieder statt der Musen die Poisardes von Paris herum postirt sind. – Da Dein Brief eine Anfrage enthält, so hätte ich ihn billig sogleich beantworten sollen – der Besuch von Crusen und Gärtners mag mich entschuldigen. Sie sind nun seit einigen Tagen wieder weg, und hat uns ihr hiesiger Aufenthalt mehrere recht angenehme Stunden gemacht. – Crusen, der sich für Dich intressirt, habe ich Deinen letzten Brief vorgelesen, – (die andern sind noch auf der Wanderschaft) er läßt dich freundschaftlichst grüßen. Im Äußern hat er sich nicht verändert, im Gegen[the]il ist er, wie es einigen vorkömmt, noch etwas magerer geworden, doch befindet er sich dabey ganz gut [2] wohl. Es gefällt ihm gut in Braunschweig, und lebt er dort recht häuslich in der Gärtnerschen Familie, die viel an ihn hat, und gewiß außerordentlich viel auf ihn hält. Er besitzt eine große beharrlichkeit in seinen Berufs Geschäften, und in der Verfolgung seiner Plane, und da ich überzeugt bin, daß er viel nützliche Kenntniße habe, auch die Kunst sich beliebt zu machen (wenn dieß eine Kunst genannt werden darf) so glaube ich gewiß, daß es ihm dort am Ende noch glücken werde, zumal da er nicht so sehr viel praetendirt. – Gärtner habe ich immer lieber, je öfterer ich ihn sehe; er schien hier auch herzlich vergnügt zu seyn, und hat er diese Aufheiterung nöthig. – Demois. Gärtners haben doch gewiß auch viel Gutes, zumal die jüngste, der auch die bescheidene Trauer die sich bey ihr äußert, recht gut steht. – Ich weiß nicht, ob sie vielleicht jezt mehr in Gesellschaft kommen, oder ob sie auch außer ihrem Hause beßer gefallen. – Sie haben mich auch zu sich invitirt, auf den Fall, daß ich Jettchen abholen sollte. Sie wünscht es sehr, doch geht mein Plan auf dieses Jahr eigentlich nach Harburg und Hamburg pp
[3] Deine Anfrage anlangend, so habe ich das Gehalt der RectorStelle schon in meinem vorigen Briefe gemeldet, so wie ich es gelegentlich von dem Rector selbst gehört. – Directe kann ich hierüber keine Erkundigungen einziehen, ohne mich zu verrathen; so wie ich etwas darüber erfahre, werde ich es Dir melden. – Der Magistrat, oder vielmehr Heiliger ganz allein vergiebt sie. Ob dieß ein terrain ist, worauf man bauen kann, weiß ich nicht; ich stehe seit unserer jetzigen Nachbarschaft, einigermassen da in Gunst. Von Demois. Heiliger hörte ich gelegentlich, daß sich sehr viele um diese Stelle bewürben, unter andern der Director Koppe aus Hildesheim, und H. Heinrichs. Cruse will bemerkt haben, daß er vorzüglich auf letztern zu reflectiren schien. – Meine Mutter argwohnt aus Deiner Äußerung, daß doch nicht alles mit Deinen Wünschen jezt übereinstimme. – Was meinen eigenen Plan betrifft, so ist der noch sehr weit aussehend, doch musste ich, wenn es etwas seyn sollte, früh anbauen. Er geht auf das Stadt Syndicat in Celle, welches eine wichtige und einträgliche Stelle ist.
[4] Der jetzige Syndicus Strohmeyer, welcher zugleich Hofgerichtsassessor, hat Hoffnung OberappellationsRath zu werden, doch beruht dieß erst auf einen Todesfall, der schon seit einem viertel Jahre erwartet worden ist; und da so wohl die OberARathsStelle als das Syndicat WahlStellen sind, so siehst Du, wie ungewiß der Ausgang ist. Ich kann nicht läugnen, daß Papens Aussichten mich zu erst auf diesen Gedanken gebracht, und äußert sich noch alles einigermaassen günstig dabey. – Ich würde die Bitte hinzufügen, dieß alles geheim zu halten (welches bey diesen Umständen nöthig ist) wenn Du dort jemanden hättest, dem Du dergleichen sagen könntest.– Du kannst glauben, daß mir Papens Verlust, wenn ich ihn nicht nachfolgen sollte, sehr nahe gehen würde. Es hat mich sehr gefreuet, daß ich sehe, daß auch Du ihn liebst, welche Versicherung (ich habe sie ihm in meinem letzten Briefe gegeben) ihm gewiß werth seyn wird. Er ist gesund in Carlsbad angekommen, doch habe ich noch von ihm selbst keine Nachricht. Göthens Bild will ich bey Fritzen bestellen. – Schillers Tod ist eine unrichtige Nachricht gewesen. Fritz schreibt, daß er jezt ganz wieder hergestellt, und schon wieder mehrere Plane machen [5] soll. – Mich wundert es, daß Du in Deinem letzten Briefe nichts von den wichtigen französischen Neuigkeiten schreibst, da sie doch über Amsterdam hier zu erst hergekommen sind.
Meine Mutter läßt sich wegen vieler Unruhen heute entschuldigen. Auf diesen Mittag haben wir eine kleine Gesellschaft um des Past. Radefeld in Harburg willen, eines Freundes meines Bruders. – Mein Vater verschiebt das Schreiben bis auf die BrunnenCur, die er nun in diesen Tagen anfängt. – Seine schwere Arbeit mit dem Gesangbuch hat er nun ganz vollendet, bis auf die Beantwortung der Anmerkungen, die ihm etwa noch gemacht werden dürften.
In Harburg, Dresden, Zerbst u. Leipzig befinden sich unsere Geschwister alle wohl, so viel ich weiß. – Hiebey kömmt auch ein Brief von Tatter.
Schreibe doch auch einmal über die Holländischen Schönheiten, ob ich gleich wohl nicht leicht das Glück haben werde, sie zu bewundern. [6] Auch über den Ton in Gesellschaften. Wir wollen Dir nichts schencken. Lebe recht wohl und gesund
Karl Schlegel
N. S.
Etwas hast Du, wie ich mir erinnere, schon einmal über die dasigen Schönheiten geschrieben.
So eben habe ich mit H. Biallob., der diesen Mittag bey uns gegessen weitere Erkundigung wegen der Rector Stelle eingezogen. Er bestätigt es, daß Heiliger auf Hinrichs zu reflectiren scheine. Er habe ihn jedoch gesagt, daß er sowohl an Heynen, als an Professor Niemeyer geschrieben, um ihm desfall Vorschläge zu thun. – Auf Heiliger kömmt alles an, doch hat der Senior Scholvin ein votum negativum. An fixer Einnahme kann er sicher auf 600 r. rechnen, doch mit allen Nebenverdiensten, Privat Stunden hauptsächlich Pensionairs hat er es wohl zuweilen auf das doppelte gebracht. – Die Wohnung kennst Du.
[1] Deinen Brief nr. V haben wir d. 1 Jul empfangen. Unser Brief nr 4 ist aus Versehen nicht numerirt gewesen.
V
Hannover d. 8 Jul. 1791
Was hast Du uns wieder für einen hübschen, und langen Brief geschrieben? Von dem Vergnügen, was Du mir dadurch gemacht, mag ich gar nichts mehr sagen, um nicht immer dasselbe zu sagen. – Du beschreibst das dasige Landleben und Campagnen so anschauend, (und reizender, als ich mir es vorgestellt) daß ich nun zuweilen mit Dir in den hohen Buchen Alleen spatzieren gehen kann, und dann wieder bey den Bassinʼs verweilen, wo auch wohl hin und wieder statt der Musen die Poisardes von Paris herum postirt sind. – Da Dein Brief eine Anfrage enthält, so hätte ich ihn billig sogleich beantworten sollen – der Besuch von Crusen und Gärtners mag mich entschuldigen. Sie sind nun seit einigen Tagen wieder weg, und hat uns ihr hiesiger Aufenthalt mehrere recht angenehme Stunden gemacht. – Crusen, der sich für Dich intressirt, habe ich Deinen letzten Brief vorgelesen, – (die andern sind noch auf der Wanderschaft) er läßt dich freundschaftlichst grüßen. Im Äußern hat er sich nicht verändert, im Gegen[the]il ist er, wie es einigen vorkömmt, noch etwas magerer geworden, doch befindet er sich dabey ganz gut [2] wohl. Es gefällt ihm gut in Braunschweig, und lebt er dort recht häuslich in der Gärtnerschen Familie, die viel an ihn hat, und gewiß außerordentlich viel auf ihn hält. Er besitzt eine große beharrlichkeit in seinen Berufs Geschäften, und in der Verfolgung seiner Plane, und da ich überzeugt bin, daß er viel nützliche Kenntniße habe, auch die Kunst sich beliebt zu machen (wenn dieß eine Kunst genannt werden darf) so glaube ich gewiß, daß es ihm dort am Ende noch glücken werde, zumal da er nicht so sehr viel praetendirt. – Gärtner habe ich immer lieber, je öfterer ich ihn sehe; er schien hier auch herzlich vergnügt zu seyn, und hat er diese Aufheiterung nöthig. – Demois. Gärtners haben doch gewiß auch viel Gutes, zumal die jüngste, der auch die bescheidene Trauer die sich bey ihr äußert, recht gut steht. – Ich weiß nicht, ob sie vielleicht jezt mehr in Gesellschaft kommen, oder ob sie auch außer ihrem Hause beßer gefallen. – Sie haben mich auch zu sich invitirt, auf den Fall, daß ich Jettchen abholen sollte. Sie wünscht es sehr, doch geht mein Plan auf dieses Jahr eigentlich nach Harburg und Hamburg pp
[3] Deine Anfrage anlangend, so habe ich das Gehalt der RectorStelle schon in meinem vorigen Briefe gemeldet, so wie ich es gelegentlich von dem Rector selbst gehört. – Directe kann ich hierüber keine Erkundigungen einziehen, ohne mich zu verrathen; so wie ich etwas darüber erfahre, werde ich es Dir melden. – Der Magistrat, oder vielmehr Heiliger ganz allein vergiebt sie. Ob dieß ein terrain ist, worauf man bauen kann, weiß ich nicht; ich stehe seit unserer jetzigen Nachbarschaft, einigermassen da in Gunst. Von Demois. Heiliger hörte ich gelegentlich, daß sich sehr viele um diese Stelle bewürben, unter andern der Director Koppe aus Hildesheim, und H. Heinrichs. Cruse will bemerkt haben, daß er vorzüglich auf letztern zu reflectiren schien. – Meine Mutter argwohnt aus Deiner Äußerung, daß doch nicht alles mit Deinen Wünschen jezt übereinstimme. – Was meinen eigenen Plan betrifft, so ist der noch sehr weit aussehend, doch musste ich, wenn es etwas seyn sollte, früh anbauen. Er geht auf das Stadt Syndicat in Celle, welches eine wichtige und einträgliche Stelle ist.
[4] Der jetzige Syndicus Strohmeyer, welcher zugleich Hofgerichtsassessor, hat Hoffnung OberappellationsRath zu werden, doch beruht dieß erst auf einen Todesfall, der schon seit einem viertel Jahre erwartet worden ist; und da so wohl die OberARathsStelle als das Syndicat WahlStellen sind, so siehst Du, wie ungewiß der Ausgang ist. Ich kann nicht läugnen, daß Papens Aussichten mich zu erst auf diesen Gedanken gebracht, und äußert sich noch alles einigermaassen günstig dabey. – Ich würde die Bitte hinzufügen, dieß alles geheim zu halten (welches bey diesen Umständen nöthig ist) wenn Du dort jemanden hättest, dem Du dergleichen sagen könntest.– Du kannst glauben, daß mir Papens Verlust, wenn ich ihn nicht nachfolgen sollte, sehr nahe gehen würde. Es hat mich sehr gefreuet, daß ich sehe, daß auch Du ihn liebst, welche Versicherung (ich habe sie ihm in meinem letzten Briefe gegeben) ihm gewiß werth seyn wird. Er ist gesund in Carlsbad angekommen, doch habe ich noch von ihm selbst keine Nachricht. Göthens Bild will ich bey Fritzen bestellen. – Schillers Tod ist eine unrichtige Nachricht gewesen. Fritz schreibt, daß er jezt ganz wieder hergestellt, und schon wieder mehrere Plane machen [5] soll. – Mich wundert es, daß Du in Deinem letzten Briefe nichts von den wichtigen französischen Neuigkeiten schreibst, da sie doch über Amsterdam hier zu erst hergekommen sind.
Meine Mutter läßt sich wegen vieler Unruhen heute entschuldigen. Auf diesen Mittag haben wir eine kleine Gesellschaft um des Past. Radefeld in Harburg willen, eines Freundes meines Bruders. – Mein Vater verschiebt das Schreiben bis auf die BrunnenCur, die er nun in diesen Tagen anfängt. – Seine schwere Arbeit mit dem Gesangbuch hat er nun ganz vollendet, bis auf die Beantwortung der Anmerkungen, die ihm etwa noch gemacht werden dürften.
In Harburg, Dresden, Zerbst u. Leipzig befinden sich unsere Geschwister alle wohl, so viel ich weiß. – Hiebey kömmt auch ein Brief von Tatter.
Schreibe doch auch einmal über die Holländischen Schönheiten, ob ich gleich wohl nicht leicht das Glück haben werde, sie zu bewundern. [6] Auch über den Ton in Gesellschaften. Wir wollen Dir nichts schencken. Lebe recht wohl und gesund
Karl Schlegel
N. S.
Etwas hast Du, wie ich mir erinnere, schon einmal über die dasigen Schönheiten geschrieben.
So eben habe ich mit H. Biallob., der diesen Mittag bey uns gegessen weitere Erkundigung wegen der Rector Stelle eingezogen. Er bestätigt es, daß Heiliger auf Hinrichs zu reflectiren scheine. Er habe ihn jedoch gesagt, daß er sowohl an Heynen, als an Professor Niemeyer geschrieben, um ihm desfall Vorschläge zu thun. – Auf Heiliger kömmt alles an, doch hat der Senior Scholvin ein votum negativum. An fixer Einnahme kann er sicher auf 600 r. rechnen, doch mit allen Nebenverdiensten, Privat Stunden hauptsächlich Pensionairs hat er es wohl zuweilen auf das doppelte gebracht. – Die Wohnung kennst Du.
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