• Henriette Ernst to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Amsterdam · Date: 14.12.1792
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Henriette Ernst
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: 14.12.1792
  • Notations: Absende- und Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-33449
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.7,Nr.65
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 18,7 x 12,4 cm
  • Incipit: „[1] 1792 den 14ten Dez
    Lieber Wilhelm,
    Meine Mutter hat dir schon einen recht langen Brief geschrieben, dem ich nicht viel mehr [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Varwig, Olivia
[1] 1792 den 14ten Dez
Lieber Wilhelm,
Meine Mutter hat dir schon einen recht langen Brief geschrieben, dem ich nicht viel mehr beyzufügen weiß. Endlich gehen nun morgen deine Bücher mit dem H. Boten weg, da werde ich ein paar Halßtücher mit einlegen, deren einziges Verdienst es ist, daß ich sie genäh[t] habe, und ich habe Eitelkeit genung zu glauben, daß du sie deswegen lieber tragen wirst. Mir hat es bey dem stiken rechtes Vergnügen gemacht weil es für dich war. Von neueren Schriften wirst du wohl nicht viel bekommen, denn wir wißen nichts was der Mühe werth wäre eine so [2] weite Reise zu machen. Rehberg ist itzt ganz politisch, er hat wieder etwas über die Revolution geschrieben, und darin wieder alles was er jemahls darüber geschrieben berichtiget und gesammlet. Das englische Diktionäre bekömmst du nicht mit liebster Wilhelm es sollte mir sehr leid thun, wenn du es ungern vermißtest, aber ich glaubte daß du es wohl nicht sehr nöthig haben würdest, und da ich mich itzt, wieder mehr aufs englische lege, so habe ich es groß nöthig; gut aufgehoben soll es bey mir seyn. Was meynst du, daß ich so gar Lehrerinn in der englischen Spr[a]che worden bin! Ernst wünschte es zu lernen, und da bin ich ihm denn behülflich, so gut ich es kann; er avançirt auch [3] recht gut. Es ist ein sehr liebenswürdiger Mann, du würdest ihm gewiß gut seyn, wenn du ihn kenntest. Ich wünsche es auch sehr daß der Plan ihn zum Nachfolger von B. zu machen gelingen möge. er würde es dem Vater gewiß sehr erleichtern, und durch ihm würde er sich in manchen Dingen helfen laßen, was er bey einem Fremden nieh thut!
Habe ich dir schon von Rehberg geschrieben, der in Rom nemlich; vor einiger Zeit hat er die Pension welche in 900 Rth bestand, vom preußischen Hofe verlieren sollen, aber durch Vermittelung des Fürsten von Deßau, hat er eine andere aber kleinere erhalten; Lottchen hatte von ihm gehört, daß er mit [4] einer Gräfin Bruchhausen, in einem s[ehr] nahen Verhältniße lebte; Viele glaubten er sey mit ihr verheyrathet insgeheim viele nennten ihn den Graf Bruchhausen so viel soll gewiß seyn, daß er m[it] ihr nur einen Haushalt macht. So au[f] die Art, wird er wohl schwerlich dar[an] denken, wieder zurückzukommen. Ramberg wird diesen Winter wieder in Dresden seyn. Hier ist ein Brief von Charlotten an dich, die wird zu Ostern ein anders Logis beziehn, wo sie mehr Raum haben werden, aber da muß sie auch neu meubliren, da hat sie schon etwas zu sorgen. Bre[mer] ist itzt als Gesandte in D. er hat Charlotten auch besucht. Schwartzkopf kömmt aus Berlin hierher, er wird aber wohl fürs erste hier bleiben müßen, denn ehe es in Mainz nicht ruhiger ist, wird die Gesandtschaft wohl nicht hingehen; der [3] geheimde Kriegsrath von Reden ist zum Gesandten dahin bestimmt. Nun Adieu lebe recht wohl; und behalte lieb deine Schwester Henriette Schlegel
[1] 1792 den 14ten Dez
Lieber Wilhelm,
Meine Mutter hat dir schon einen recht langen Brief geschrieben, dem ich nicht viel mehr beyzufügen weiß. Endlich gehen nun morgen deine Bücher mit dem H. Boten weg, da werde ich ein paar Halßtücher mit einlegen, deren einziges Verdienst es ist, daß ich sie genäh[t] habe, und ich habe Eitelkeit genung zu glauben, daß du sie deswegen lieber tragen wirst. Mir hat es bey dem stiken rechtes Vergnügen gemacht weil es für dich war. Von neueren Schriften wirst du wohl nicht viel bekommen, denn wir wißen nichts was der Mühe werth wäre eine so [2] weite Reise zu machen. Rehberg ist itzt ganz politisch, er hat wieder etwas über die Revolution geschrieben, und darin wieder alles was er jemahls darüber geschrieben berichtiget und gesammlet. Das englische Diktionäre bekömmst du nicht mit liebster Wilhelm es sollte mir sehr leid thun, wenn du es ungern vermißtest, aber ich glaubte daß du es wohl nicht sehr nöthig haben würdest, und da ich mich itzt, wieder mehr aufs englische lege, so habe ich es groß nöthig; gut aufgehoben soll es bey mir seyn. Was meynst du, daß ich so gar Lehrerinn in der englischen Spr[a]che worden bin! Ernst wünschte es zu lernen, und da bin ich ihm denn behülflich, so gut ich es kann; er avançirt auch [3] recht gut. Es ist ein sehr liebenswürdiger Mann, du würdest ihm gewiß gut seyn, wenn du ihn kenntest. Ich wünsche es auch sehr daß der Plan ihn zum Nachfolger von B. zu machen gelingen möge. er würde es dem Vater gewiß sehr erleichtern, und durch ihm würde er sich in manchen Dingen helfen laßen, was er bey einem Fremden nieh thut!
Habe ich dir schon von Rehberg geschrieben, der in Rom nemlich; vor einiger Zeit hat er die Pension welche in 900 Rth bestand, vom preußischen Hofe verlieren sollen, aber durch Vermittelung des Fürsten von Deßau, hat er eine andere aber kleinere erhalten; Lottchen hatte von ihm gehört, daß er mit [4] einer Gräfin Bruchhausen, in einem s[ehr] nahen Verhältniße lebte; Viele glaubten er sey mit ihr verheyrathet insgeheim viele nennten ihn den Graf Bruchhausen so viel soll gewiß seyn, daß er m[it] ihr nur einen Haushalt macht. So au[f] die Art, wird er wohl schwerlich dar[an] denken, wieder zurückzukommen. Ramberg wird diesen Winter wieder in Dresden seyn. Hier ist ein Brief von Charlotten an dich, die wird zu Ostern ein anders Logis beziehn, wo sie mehr Raum haben werden, aber da muß sie auch neu meubliren, da hat sie schon etwas zu sorgen. Bre[mer] ist itzt als Gesandte in D. er hat Charlotten auch besucht. Schwartzkopf kömmt aus Berlin hierher, er wird aber wohl fürs erste hier bleiben müßen, denn ehe es in Mainz nicht ruhiger ist, wird die Gesandtschaft wohl nicht hingehen; der [3] geheimde Kriegsrath von Reden ist zum Gesandten dahin bestimmt. Nun Adieu lebe recht wohl; und behalte lieb deine Schwester Henriette Schlegel
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