• August Wilhelm von Schlegel to Heinrich Frölich

  • Place of Dispatch: Jena · Place of Destination: Unknown · Date: 16.12.1799
Edition Status: Single collated printed full text without registry labelling not including a registry
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Heinrich Frölich
  • Place of Dispatch: Jena
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 16.12.1799
    Printed Text
  • Bibliography: Kurth-Voigt, Lieselotte E. und McClain, William H.: Three Unpublished August Wilhelm Schlegel Letters in the Kurrelmeyer Collection. In: Modern Language Notes 101 (1986), S. 602‒604.
  • Verlag: Johns Hopkins University Press
  • Incipit: „[1] Jena d. 16 Dec 1799
    Sie haben das vollständige Mspt. vom Athenäum vielleicht schon früher erwartet, mein werthester Herr und Freund, [...]“
    Language
  • German
[1] Jena d. 16 Dec 1799
Sie haben das vollständige Mspt. vom Athenäum vielleicht schon früher erwartet, mein werthester Herr und Freund, indessen dürfen Sie sich den kleinen Aufschub nicht verdrießen lassen. Er rührt theils daher, daß mein Bruder einen langen Aufsatz für dieses Stück ausarbeitet, den er nun beynah fertig hat, und der eben so angenehm und leicht zu lesen seyn wird, als es tiefes Studium [gestrichen: ef] erforderte ihn zu schreiben. Dann wünschten wir einige bedeutenden Notizen geben zu können, und dazu fehlt es sehr an Gegenständen. Mittlerweile erscheint noch eins und das andre, worüber sich etwas ordentliches sagen läßt.
Scherzhafte Notizen haben wir, gegen unsre anfängliche Meynung, beschlossen nicht zu geben. Wir müssen uns dadurch von unsern Gegnern unterscheiden, daß wir nur die Waffe des ächten Witzes gebrauchen, die dann auch ihrer Wirkung nicht verfehlt. Eine solche Form wie der Reichsanzeiger nützt sich gar [gestrichen: nicht] zu leicht ab, als daß es nicht gefährlich seyn sollte, sie mehr als einmal zu gebrauchen; – ich opfre daher lieber einige gute Einfälle, die ich schon im Vorrath habe, für dießmal auf, und behalte es mir [2] vor, vielleicht im 6tn Stücke des Athen. unter einer andern Form noch einmal eine litterarische Ergötzlichkeit anzustellen, doch hängt dergleichen freylich von Stimmung und Laune ab. Das abgeschmackte und geflissentlich verbreitete Gerücht, als wenn der Herzog von Weimar mir untersagt hätte, dergleichen ferner zu schreiben, wird durch die Freimüthigkeit der ernsthaften Notizen schon hinreichend widerlegt werden.
Übrigens versteht es sich, daß wir bey den vielen Anfällen auf das Athenäum – die sich zum Theil wie der Hyperboräische Esel und die Diogenes-Laterne durch ihre eigne Niederträchtigkeit schon genugsam brandmarken, – nichts weiter zu thun haben, als das leere Geschrey austoben zu lassen, unbekümmert unsern Weg zu gehen, und den folgenden Stücken wie den früheren einen gründlichen Gehalt zu geben, den man, wenn auch noch so ungern, doch wohl anerkennen muß.
Die Rec. in der Lit. Zeitung werden Sie wohl schon gesehen haben. Ich kannte längst die Gesinnungen der Hr. Redakteure, ich bin überzeugt, daß sie, auch ehe ich ihnen durch meine Erklärung Anlaß gegeben hatte, mich feindselig zu behandeln, eine Rec. die dem [3] Athen. Gerechtigkeit wiederfahren ließe, gar nicht aufgenommen hätten. Ihre Partheylichkeit hat sich schon darin gezeigt, daß sie die Beurtheilung einem Manne übergaben, von dem sie wissen mußten, daß er ihr weder in wissenschaftlicher noch künstlerischer Rücksicht gewachsen wäre; daß er also einen moralischen Gesichtspunkt, und zwar, bey seiner Unbekanntschaft mit den allgemeinen litterarischen Verhältnissen des Tages und den unsrigen, diesen verkehrt ergreifen würde. Der Verfasser ist Huber, er hat mir selbst darüber geschrieben, und die Redlichkeit seiner Absichten betheuert, an der auch nicht zu zweifeln ist, – nur hat er freylich bey seiner ungeschickten Bemühung die Billigkeit zu handhaben, nicht gemerkt, daß er durch die Anmaßung hier zu urtheilen wo er gar nicht kompetent war, und durch das Hinüberspielen der Sache in ein ganz fremdes Fach, selbst die größte Unbilligkeit beging. Goethe fand die ganze Rec. äußerst schwach, besonders ereiferte er sich darüber, ein Gedicht wie Die Kunst der Griechen, dergleichen man, wie er sagte, keines fachs [sic] in diesem Jahr in der ganzen deutschen Poesie würde aufweisen können, auf diese Art mit einem unverständigen Tadel bey Seite geschoben zu haben.
Natürlich würde man einer solchen Rec., [4] die eigentlich nur die [gestrichen: all] allergemeinsten Einwendungen enthält, die schon längst von Leuten die von der Sache nichts verstehen, mündlich gemacht worden sind, viel zu viel Ehre erzeigen wenn man sich auf Antikritiken einließe, so leicht es auch wäre, sie gänzlich zu vernichten.
Da Sie bey der Opposizion gegen das Athen. die schon damals rege war, als Sie es übernahmen, sich so uneigennützig für seinen Fortgang interessirt haben, so mache ich mir ein Vergnügen daraus, Ihnen diese Erörterungen zu geben. Der Absatz wird wenigstens durch diese Streitigkeiten nicht gelitten haben, und wird hoffentlich immer mehr nachkommen.
Mein Bruder läßt sich bestens empfehlen. In wenigen Tagen hofft er mit seinem Aufsatze fürs Athen. fertig zu seyn, alsdann geht er unmittelbar an die letzte Ausarbeitung der Lucinde, die in seinem Kopf und seinen Anziehungen [?] so gut wie fertig ist.
Leben Sie recht wohl. Mit vollkommner Hochachtung
Ihr ganz ergebner
A W Schlegel
Für die Berichtigung der nach Leipzig geschickten Assignazion bin ich Ihnen sehr verbunden.
[1] Jena d. 16 Dec 1799
Sie haben das vollständige Mspt. vom Athenäum vielleicht schon früher erwartet, mein werthester Herr und Freund, indessen dürfen Sie sich den kleinen Aufschub nicht verdrießen lassen. Er rührt theils daher, daß mein Bruder einen langen Aufsatz für dieses Stück ausarbeitet, den er nun beynah fertig hat, und der eben so angenehm und leicht zu lesen seyn wird, als es tiefes Studium [gestrichen: ef] erforderte ihn zu schreiben. Dann wünschten wir einige bedeutenden Notizen geben zu können, und dazu fehlt es sehr an Gegenständen. Mittlerweile erscheint noch eins und das andre, worüber sich etwas ordentliches sagen läßt.
Scherzhafte Notizen haben wir, gegen unsre anfängliche Meynung, beschlossen nicht zu geben. Wir müssen uns dadurch von unsern Gegnern unterscheiden, daß wir nur die Waffe des ächten Witzes gebrauchen, die dann auch ihrer Wirkung nicht verfehlt. Eine solche Form wie der Reichsanzeiger nützt sich gar [gestrichen: nicht] zu leicht ab, als daß es nicht gefährlich seyn sollte, sie mehr als einmal zu gebrauchen; – ich opfre daher lieber einige gute Einfälle, die ich schon im Vorrath habe, für dießmal auf, und behalte es mir [2] vor, vielleicht im 6tn Stücke des Athen. unter einer andern Form noch einmal eine litterarische Ergötzlichkeit anzustellen, doch hängt dergleichen freylich von Stimmung und Laune ab. Das abgeschmackte und geflissentlich verbreitete Gerücht, als wenn der Herzog von Weimar mir untersagt hätte, dergleichen ferner zu schreiben, wird durch die Freimüthigkeit der ernsthaften Notizen schon hinreichend widerlegt werden.
Übrigens versteht es sich, daß wir bey den vielen Anfällen auf das Athenäum – die sich zum Theil wie der Hyperboräische Esel und die Diogenes-Laterne durch ihre eigne Niederträchtigkeit schon genugsam brandmarken, – nichts weiter zu thun haben, als das leere Geschrey austoben zu lassen, unbekümmert unsern Weg zu gehen, und den folgenden Stücken wie den früheren einen gründlichen Gehalt zu geben, den man, wenn auch noch so ungern, doch wohl anerkennen muß.
Die Rec. in der Lit. Zeitung werden Sie wohl schon gesehen haben. Ich kannte längst die Gesinnungen der Hr. Redakteure, ich bin überzeugt, daß sie, auch ehe ich ihnen durch meine Erklärung Anlaß gegeben hatte, mich feindselig zu behandeln, eine Rec. die dem [3] Athen. Gerechtigkeit wiederfahren ließe, gar nicht aufgenommen hätten. Ihre Partheylichkeit hat sich schon darin gezeigt, daß sie die Beurtheilung einem Manne übergaben, von dem sie wissen mußten, daß er ihr weder in wissenschaftlicher noch künstlerischer Rücksicht gewachsen wäre; daß er also einen moralischen Gesichtspunkt, und zwar, bey seiner Unbekanntschaft mit den allgemeinen litterarischen Verhältnissen des Tages und den unsrigen, diesen verkehrt ergreifen würde. Der Verfasser ist Huber, er hat mir selbst darüber geschrieben, und die Redlichkeit seiner Absichten betheuert, an der auch nicht zu zweifeln ist, – nur hat er freylich bey seiner ungeschickten Bemühung die Billigkeit zu handhaben, nicht gemerkt, daß er durch die Anmaßung hier zu urtheilen wo er gar nicht kompetent war, und durch das Hinüberspielen der Sache in ein ganz fremdes Fach, selbst die größte Unbilligkeit beging. Goethe fand die ganze Rec. äußerst schwach, besonders ereiferte er sich darüber, ein Gedicht wie Die Kunst der Griechen, dergleichen man, wie er sagte, keines fachs [sic] in diesem Jahr in der ganzen deutschen Poesie würde aufweisen können, auf diese Art mit einem unverständigen Tadel bey Seite geschoben zu haben.
Natürlich würde man einer solchen Rec., [4] die eigentlich nur die [gestrichen: all] allergemeinsten Einwendungen enthält, die schon längst von Leuten die von der Sache nichts verstehen, mündlich gemacht worden sind, viel zu viel Ehre erzeigen wenn man sich auf Antikritiken einließe, so leicht es auch wäre, sie gänzlich zu vernichten.
Da Sie bey der Opposizion gegen das Athen. die schon damals rege war, als Sie es übernahmen, sich so uneigennützig für seinen Fortgang interessirt haben, so mache ich mir ein Vergnügen daraus, Ihnen diese Erörterungen zu geben. Der Absatz wird wenigstens durch diese Streitigkeiten nicht gelitten haben, und wird hoffentlich immer mehr nachkommen.
Mein Bruder läßt sich bestens empfehlen. In wenigen Tagen hofft er mit seinem Aufsatze fürs Athen. fertig zu seyn, alsdann geht er unmittelbar an die letzte Ausarbeitung der Lucinde, die in seinem Kopf und seinen Anziehungen [?] so gut wie fertig ist.
Leben Sie recht wohl. Mit vollkommner Hochachtung
Ihr ganz ergebner
A W Schlegel
Für die Berichtigung der nach Leipzig geschickten Assignazion bin ich Ihnen sehr verbunden.
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