• Georg Heinrich Bernstein to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Breslau · Place of Destination: Bonn · Date: 09.12.1823
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Georg Heinrich Bernstein
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Breslau
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 09.12.1823
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-38972
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.3,Nr.28
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 25,4 x 20,4 cm
  • Incipit: „[1] Ewr. Hochwohlgeboren
    mir höchst angenehmes Schreiben, so wie die schönen Geschenke, welche Sie mir mit dem 4ten Hefte Ihrer Indischen [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Hanneder, Jürgen · Varwig, Olivia
[1] Ewr. Hochwohlgeboren
mir höchst angenehmes Schreiben, so wie die schönen Geschenke, welche Sie mir mit dem 4ten Hefte Ihrer Indischen Bibliothek und der sich durch außere Eleganz und durch innere Gediegenheit auszeichnenden Ausgabe des Bhagavad-Gita zu machen die Gewogenheit gehabt haben, habe ich – das letztere jedoch erst vor 8–9 Tagen – richtig zu erhalten das Vergnügen gehabt, und eile Ew. Hochwohlgeboren für diese Beweise Ihrer mir so hochschätzbaren wohlwollenden Gesinnungen meinen gehorsamsten und verbindlichsten Dank zu sagen. Die zur öffentlichen Kunde gekommene Abwesenheit Ew. Hochwohlgeboren aus Deutschland bewog mich die Beantwortung Ihres gütigen Schreibens bis zu Ihrer Rückkehr, welche nun erfolgt seyn soll, aufzuschieben und meinen Dank auszusprechen.
Die Lettern, welche Deutschland Ew. Hochwohlgeboren verdankt und auch die hiesige Hochschule verdanken wird, da sie mit solchen gleichfalls versehen werden soll, nehmen sich in dem vorliegenden Druck ausnehmend schön aus und übertreffen die Londoner bei weitem. Die Ausgabe des Bhagavad-Gita läßt nichts zu wünschen übrig und ist vollkommen würdig der Meisterhand, die ihr das Daseyn gegeben. Es ist ein Glück für das jetzt in Deutschland rasch aufblühende Studium der Alt-Indischen Litteratur, daß die Pflanzung und Pflege desselben in unserm Vaterlande so geschickten und weisen Händen anvertraut ist, wie die Ewr. Hochwohlgeboren sind, unter denen es so herrlich gedeiht und schon jetzt zu einer Blüthe gebracht worden ist, in welcher es bisher weder England noch Indien selbst gesehen.
[2] Daß meine Arbeit und die lithographische Ausführung derselben so glücklich gewesen ist, die Zufriedenheit Ewr. Hochwohlgeboren zu erhalten, ist für mich hocherfreulich und ermunternd; sehr angenehm wird es mir seyn, Ihr wohlwollendes Urtheil darüber in der Indischen Bibliothek zu lesen. Mein Verfahren bei der Ausführung, welches Ew. Hochwohlgeboren kennen zu lernen wünschen, war dieses: Ich machte den Schreiber zuerst mit den Buchstaben bekannt, zeichnete sie ihm vor und ließ sie nachzeichnen, wobei ich ihm immer auf die gemachten Fehler sorgfältig aufmerksam machte. Dann ließ ich die Buchstaben und eine Seite des Hitopadaesa von ihm lithographiren, was ziemlich gut ausfiel und bloß meinen Zuhörern in die Hände gegeben wurde, hierauf die 5 Tabellen und zuletzt den gegebenen Text. Jede Platte wurde mir einzeln zugeschickt und ich verbesserte mit eigner Hand alle Unrichtigkeiten, oder ließ sie in meiner Gegenwart durch den Schreiber verbessern. Auf diese Weise konnte der Druck freilich nur sehr langsam fortschreiten und machte mir überhaupt viel Mühe. Der Kostenbetrag beläuft sich mit Einschluß der ersten nicht zu dem Buche gekommenen Blätter auf 145 R. 15 Sg. , das Papier mit dazu gerechnet. Ich habe 310 Exempl. auf Engl. und Deutsch. Vel. Pap. abziehen lassen. Jede Platte mit 2 Seiten kostet zu lithograpiren und abzudrucken 6 R. . – Das Glossarium werde ich mit den Lettern drucken lassen, welche der hiesigen Universität auf meinen Antrag zugesagt worden sind; die Ausarbeitung desselben ist weder eine erfreuliche noch ganz leichte Arbeit.
Ich habe vor einigen Monaten 7 Sanskritische Handschriften aus Indien erhalten, und bedaure sehr, da auch ein Exemplar des Bhagavad-Gita nebst Commentar (in bengal. Schr.) dabei ist, daß ich solches Ew. Hochwohlgeboren zum Behuf Ihrer Ausgabe nicht habe [3] mittheilen können. Ich fand diese Handschriften vor, als ich in der Mitte Septembers von einer Badereise zurückkam, zu welcher Zeit mein Anerbieten zu spät gekommen seyn würde. Herr Prof. Bopp hat sich die Handschr. des Bhagavad-Gita schon im Oktober von mir schicken lassen, noch ehe ich Ihre Ausgabe erhielt, wahrscheinlich um eine Vergleichung anzustellen. Die übrigen Hdschr. enthalten:
No 4. brahmavaivartta janma, die Geburt des Brahma Waiwarta (Purana), bengal. Schr.)
– 3, naiṣadha (Dävanag. Schr.), aber nur 1100 Sloken, und ohne Commentar.
– 4, Tantra Sara (bengal. Schr.)
– 5, Māṛkaṇḍeya purāṇa (bengal. Schr.)
– 6, Padma Purana (desgl.)
– 7, a, Līlavatī von Bhāskarācārya b, Commentar desselben c, Sūrja-Siddhânta, ein astronomisches Werk. (Beng. Schr.)
Wünschen Ew. Hochwohlgeboren die eine oder die andere dieser Handschrr. einzusehen oder in Zukunft bei Ihren Arbeiten zu benutzen, so stehen sie Ihnen zu jeder Zeit zu Diensten. Das Ministerium wünscht sie für die Königl. Bibliothek in Berlin zu erhalten, wahrscheinlich aber überlasse ich sie der hiesigen, jedoch unter der Bedingung, daß sie Jedem, der sie benutzen kann und will, zum Gebrauch mitgetheilt werden. Sie eignen sich allerdings mehr für eine öffentliche Büchersammlung, und ich kann sie ja zu jeder Zeit von der Bibliothek erhalten.
Indem ich mich Ewr. Hochwohlgeboren hohem Wohlwollen angelegentlichst und gehorsamst empfehle und meinen Dank für Ihre gütigen Gesinnungen wiederhole, habe ich die Ehre in größter Verehrung und Ergebenheit zu beharren
Ewr. Hochwohlgeboren
ganz gehorsamster
Heinrich Bernstein
Breslau den 9 Dec.
1823.
(Ich sende diesen Brief in Einschluß nach Neuwied)
[4] [leer]
[1] Ewr. Hochwohlgeboren
mir höchst angenehmes Schreiben, so wie die schönen Geschenke, welche Sie mir mit dem 4ten Hefte Ihrer Indischen Bibliothek und der sich durch außere Eleganz und durch innere Gediegenheit auszeichnenden Ausgabe des Bhagavad-Gita zu machen die Gewogenheit gehabt haben, habe ich – das letztere jedoch erst vor 8–9 Tagen – richtig zu erhalten das Vergnügen gehabt, und eile Ew. Hochwohlgeboren für diese Beweise Ihrer mir so hochschätzbaren wohlwollenden Gesinnungen meinen gehorsamsten und verbindlichsten Dank zu sagen. Die zur öffentlichen Kunde gekommene Abwesenheit Ew. Hochwohlgeboren aus Deutschland bewog mich die Beantwortung Ihres gütigen Schreibens bis zu Ihrer Rückkehr, welche nun erfolgt seyn soll, aufzuschieben und meinen Dank auszusprechen.
Die Lettern, welche Deutschland Ew. Hochwohlgeboren verdankt und auch die hiesige Hochschule verdanken wird, da sie mit solchen gleichfalls versehen werden soll, nehmen sich in dem vorliegenden Druck ausnehmend schön aus und übertreffen die Londoner bei weitem. Die Ausgabe des Bhagavad-Gita läßt nichts zu wünschen übrig und ist vollkommen würdig der Meisterhand, die ihr das Daseyn gegeben. Es ist ein Glück für das jetzt in Deutschland rasch aufblühende Studium der Alt-Indischen Litteratur, daß die Pflanzung und Pflege desselben in unserm Vaterlande so geschickten und weisen Händen anvertraut ist, wie die Ewr. Hochwohlgeboren sind, unter denen es so herrlich gedeiht und schon jetzt zu einer Blüthe gebracht worden ist, in welcher es bisher weder England noch Indien selbst gesehen.
[2] Daß meine Arbeit und die lithographische Ausführung derselben so glücklich gewesen ist, die Zufriedenheit Ewr. Hochwohlgeboren zu erhalten, ist für mich hocherfreulich und ermunternd; sehr angenehm wird es mir seyn, Ihr wohlwollendes Urtheil darüber in der Indischen Bibliothek zu lesen. Mein Verfahren bei der Ausführung, welches Ew. Hochwohlgeboren kennen zu lernen wünschen, war dieses: Ich machte den Schreiber zuerst mit den Buchstaben bekannt, zeichnete sie ihm vor und ließ sie nachzeichnen, wobei ich ihm immer auf die gemachten Fehler sorgfältig aufmerksam machte. Dann ließ ich die Buchstaben und eine Seite des Hitopadaesa von ihm lithographiren, was ziemlich gut ausfiel und bloß meinen Zuhörern in die Hände gegeben wurde, hierauf die 5 Tabellen und zuletzt den gegebenen Text. Jede Platte wurde mir einzeln zugeschickt und ich verbesserte mit eigner Hand alle Unrichtigkeiten, oder ließ sie in meiner Gegenwart durch den Schreiber verbessern. Auf diese Weise konnte der Druck freilich nur sehr langsam fortschreiten und machte mir überhaupt viel Mühe. Der Kostenbetrag beläuft sich mit Einschluß der ersten nicht zu dem Buche gekommenen Blätter auf 145 R. 15 Sg. , das Papier mit dazu gerechnet. Ich habe 310 Exempl. auf Engl. und Deutsch. Vel. Pap. abziehen lassen. Jede Platte mit 2 Seiten kostet zu lithograpiren und abzudrucken 6 R. . – Das Glossarium werde ich mit den Lettern drucken lassen, welche der hiesigen Universität auf meinen Antrag zugesagt worden sind; die Ausarbeitung desselben ist weder eine erfreuliche noch ganz leichte Arbeit.
Ich habe vor einigen Monaten 7 Sanskritische Handschriften aus Indien erhalten, und bedaure sehr, da auch ein Exemplar des Bhagavad-Gita nebst Commentar (in bengal. Schr.) dabei ist, daß ich solches Ew. Hochwohlgeboren zum Behuf Ihrer Ausgabe nicht habe [3] mittheilen können. Ich fand diese Handschriften vor, als ich in der Mitte Septembers von einer Badereise zurückkam, zu welcher Zeit mein Anerbieten zu spät gekommen seyn würde. Herr Prof. Bopp hat sich die Handschr. des Bhagavad-Gita schon im Oktober von mir schicken lassen, noch ehe ich Ihre Ausgabe erhielt, wahrscheinlich um eine Vergleichung anzustellen. Die übrigen Hdschr. enthalten:
No 4. brahmavaivartta janma, die Geburt des Brahma Waiwarta (Purana), bengal. Schr.)
– 3, naiṣadha (Dävanag. Schr.), aber nur 1100 Sloken, und ohne Commentar.
– 4, Tantra Sara (bengal. Schr.)
– 5, Māṛkaṇḍeya purāṇa (bengal. Schr.)
– 6, Padma Purana (desgl.)
– 7, a, Līlavatī von Bhāskarācārya b, Commentar desselben c, Sūrja-Siddhânta, ein astronomisches Werk. (Beng. Schr.)
Wünschen Ew. Hochwohlgeboren die eine oder die andere dieser Handschrr. einzusehen oder in Zukunft bei Ihren Arbeiten zu benutzen, so stehen sie Ihnen zu jeder Zeit zu Diensten. Das Ministerium wünscht sie für die Königl. Bibliothek in Berlin zu erhalten, wahrscheinlich aber überlasse ich sie der hiesigen, jedoch unter der Bedingung, daß sie Jedem, der sie benutzen kann und will, zum Gebrauch mitgetheilt werden. Sie eignen sich allerdings mehr für eine öffentliche Büchersammlung, und ich kann sie ja zu jeder Zeit von der Bibliothek erhalten.
Indem ich mich Ewr. Hochwohlgeboren hohem Wohlwollen angelegentlichst und gehorsamst empfehle und meinen Dank für Ihre gütigen Gesinnungen wiederhole, habe ich die Ehre in größter Verehrung und Ergebenheit zu beharren
Ewr. Hochwohlgeboren
ganz gehorsamster
Heinrich Bernstein
Breslau den 9 Dec.
1823.
(Ich sende diesen Brief in Einschluß nach Neuwied)
[4] [leer]
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