• Augusta von Buttlar to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Paris · Place of Destination: Bonn · Date: 06.02.1823
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Augusta von Buttlar
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Paris
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 06.02.1823
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-38972
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.3,Nr.126
  • Number of Pages: 2 S., hs. m. U.
  • Format: 19,3 x 11,7 cm
  • Incipit: „[1] Geliebter Onkel!
    ich würde nicht eine Stunde gesäumt haben, Dir für Deinen Brief, und die darinn enthaltene Anweisung auf 600 [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Varwig, Olivia
[1] Geliebter Onkel!
ich würde nicht eine Stunde gesäumt haben, Dir für Deinen Brief, und die darinn enthaltene Anweisung auf 600 Franken den innigsten Dank zu sagen, wenn die Herzogin von Broglie mir nicht gesagt, daß sie an Dich schreiben, und dir zugleich den richtigen Empfang deines Briefes melden wolle. Ich hatte so wenig intereßanten Stoff zum Schreiben, daß der Brief nicht das Postgeld werth gewesen wäre, und auch dieser fürchte ich, wird noch sehr arm an Dingen sein, die Dich anziehen können. Mein Leben geht seinen ruhigen Gang fort, am Tage arbeite ich fleißig, dann geht es zum Eßen, nach dem Eßen lesen wir Zeitungen und journale, und des Abends sind wir gewöhnlich zu Hause. Die Visiten mache ich meistens am Sonntage, wo ich nicht bey Gérard arbeite. – Die gute Mendelsohn ist den ganzen Winter über kränklich geweßen, und hat oft ganze Wochen das Bett hüten müßen, ich war sehr besorgt um sie, doch Gott sey Dank jetzt geht es, bei der gelinden Witterung, beßer. Wir haben einen recht strengen Winter gehabt, die Seine ist zweimal zugefroren, was in Paris sehr selten der Fall sein soll. Ich arbeite recht fleißig bey Gérard, und hoffe viel bey ihm zu lernen; im Anfang hat es mir etwas Mühe gekostet, mich in eine ganz andere Art der Malerey zu finden, doch denke ich, daß ich diese Schwierigkeiten bald überwinden werde, und dann hoffe ich, rechte Fortschritte zu machen. Gérard scheint mit mir zufrieden, er so wohl als Melle Godefroy geben sich viel Mühe mit mir, und es scheint ihnen Ernst zu sein, mir etwas zu lehren. Er scheint auch mit meiner Zeichnung zufrieden, was mir doppelt lieb ist, da die französische Schule bekanntlich, sehr streng hierin ist. Ich arbeite mit Melle Godefroy in einem Attelier, was mir sehr lieb ist, da ich ihr oft beim Arbeiten zusehe, und ich ihren Rath immer zur Hand habe; sie ist übrigens die Güte selbst, und sie sagt mir gewiß alle die kleinen Geheimniße, denn weder bey ihr, noch bey Gérard herrscht die Sitte, die gewöhnlich Künstler haben, die Weise ihrer Malerey, geheim zu halten.
Mit der Zulage vom Sächs. Hofe, ist es leider nichts, die Eltern haben eine abschlägige Antwort erhalten; mich hat die Nachricht eben nicht erschreckt, denn ich habe mir nie viel Hofnung gemacht; mich dauert nur der gute Vater, der [2] sich dadurch sehr gekränkt fühlt; deshalb erwähne auch weiter nichts davon, wenn Du einmal an die Eltern schreiben solltest; mich hat es ihm Gegentheil angefeuert, immer thätiger, und fleißiger zu sein, da es nun ganz allein auf mich ankömmt und mit Gottes Hülfe hoffe ich, meine Kunst irgendwo an Mann zu bringen. – In Paris werde ich mir wohl wenig verdienen können, da ich meine ganze Zeit zum Lernen verwende, und Copien scheinen hier nicht sehr gesucht zu sein. Doch werde ich die gute Gelegenheit nicht versäumen, auf dem Louvre zu arbeiten, wo sie mich schon längst erwarten, der General Secretair hat mir neulich durch Gérard sagen laßen, wenn mir das Attelier auf dem Louvre nicht behagte, so stünde mir sein eignes Zimmer zu Diensten. Ich werde suchen einige recht gelungene Copien zu machen, die ich mit der Zeit schon verkaufen werde. Die Herzogin von Broglie hat mir erlaubt, ihre zwei ältesten Kinder zu malen, dies werde denke ich nun Ende dieses, oder Anfang künftigen Monats zu beginnen. Gérard werde ich dabey oft zu Rathe ziehen. Mein Plan ist nun, liebster Onkel, so lange in Paris zu bleiben, bis ich mich tüchtig genug fühle, meine eigne Laufbahn zu beginnen; wenn es möglich ist, etwas Geld zu sparen, dann dachte ich von hier aus einen Abstecher nach England zu machen, da ich so nahe bin, dort meine Copien zu verkaufen, und mit Portrait malen so viel Geld zu verdienen, um dann eine Reise nach Italien machen zu können. Mehrere Nachrichten die ich über diesen Punkt eingezogen, und zwar von Engländern selbst, haben diesen Wunsch in mir erregt. In London ist allerdings weniger zu lernen, aber wie man sagt, viel zu verdienen, und aus Gérard Schule zu kommen, wird mir doch auch für einen Empfehlbrief gelten. Diese Projecte bleiben aber fürs erste unter uns, denn Du weißt, wie ängstlich die gute Mutter ist; und dann hängt das Ganze von so manchen Zufällen ab, daß sich darüber jetzt nichts bestimmtes sagen läßt. – Gérard erkundigt sich immer sehr theilnehmend nach Dir, der gute Mann leidet diesen Winter sehr an Rhümatisme. – Die herzlichsten Grüße an alle meine Bekannten in Bonn.
Nun lebe wohl, geliebter Onkel, und behalte mich lieb.
Mein Mann der die hiesigen Colegien fleißig besucht, läßt sich Dir herzlich empfehlen. Deine treue und ergebene Nichte
Augusta
Paris, d. 6ten Febr. 23.
[1] Geliebter Onkel!
ich würde nicht eine Stunde gesäumt haben, Dir für Deinen Brief, und die darinn enthaltene Anweisung auf 600 Franken den innigsten Dank zu sagen, wenn die Herzogin von Broglie mir nicht gesagt, daß sie an Dich schreiben, und dir zugleich den richtigen Empfang deines Briefes melden wolle. Ich hatte so wenig intereßanten Stoff zum Schreiben, daß der Brief nicht das Postgeld werth gewesen wäre, und auch dieser fürchte ich, wird noch sehr arm an Dingen sein, die Dich anziehen können. Mein Leben geht seinen ruhigen Gang fort, am Tage arbeite ich fleißig, dann geht es zum Eßen, nach dem Eßen lesen wir Zeitungen und journale, und des Abends sind wir gewöhnlich zu Hause. Die Visiten mache ich meistens am Sonntage, wo ich nicht bey Gérard arbeite. – Die gute Mendelsohn ist den ganzen Winter über kränklich geweßen, und hat oft ganze Wochen das Bett hüten müßen, ich war sehr besorgt um sie, doch Gott sey Dank jetzt geht es, bei der gelinden Witterung, beßer. Wir haben einen recht strengen Winter gehabt, die Seine ist zweimal zugefroren, was in Paris sehr selten der Fall sein soll. Ich arbeite recht fleißig bey Gérard, und hoffe viel bey ihm zu lernen; im Anfang hat es mir etwas Mühe gekostet, mich in eine ganz andere Art der Malerey zu finden, doch denke ich, daß ich diese Schwierigkeiten bald überwinden werde, und dann hoffe ich, rechte Fortschritte zu machen. Gérard scheint mit mir zufrieden, er so wohl als Melle Godefroy geben sich viel Mühe mit mir, und es scheint ihnen Ernst zu sein, mir etwas zu lehren. Er scheint auch mit meiner Zeichnung zufrieden, was mir doppelt lieb ist, da die französische Schule bekanntlich, sehr streng hierin ist. Ich arbeite mit Melle Godefroy in einem Attelier, was mir sehr lieb ist, da ich ihr oft beim Arbeiten zusehe, und ich ihren Rath immer zur Hand habe; sie ist übrigens die Güte selbst, und sie sagt mir gewiß alle die kleinen Geheimniße, denn weder bey ihr, noch bey Gérard herrscht die Sitte, die gewöhnlich Künstler haben, die Weise ihrer Malerey, geheim zu halten.
Mit der Zulage vom Sächs. Hofe, ist es leider nichts, die Eltern haben eine abschlägige Antwort erhalten; mich hat die Nachricht eben nicht erschreckt, denn ich habe mir nie viel Hofnung gemacht; mich dauert nur der gute Vater, der [2] sich dadurch sehr gekränkt fühlt; deshalb erwähne auch weiter nichts davon, wenn Du einmal an die Eltern schreiben solltest; mich hat es ihm Gegentheil angefeuert, immer thätiger, und fleißiger zu sein, da es nun ganz allein auf mich ankömmt und mit Gottes Hülfe hoffe ich, meine Kunst irgendwo an Mann zu bringen. – In Paris werde ich mir wohl wenig verdienen können, da ich meine ganze Zeit zum Lernen verwende, und Copien scheinen hier nicht sehr gesucht zu sein. Doch werde ich die gute Gelegenheit nicht versäumen, auf dem Louvre zu arbeiten, wo sie mich schon längst erwarten, der General Secretair hat mir neulich durch Gérard sagen laßen, wenn mir das Attelier auf dem Louvre nicht behagte, so stünde mir sein eignes Zimmer zu Diensten. Ich werde suchen einige recht gelungene Copien zu machen, die ich mit der Zeit schon verkaufen werde. Die Herzogin von Broglie hat mir erlaubt, ihre zwei ältesten Kinder zu malen, dies werde denke ich nun Ende dieses, oder Anfang künftigen Monats zu beginnen. Gérard werde ich dabey oft zu Rathe ziehen. Mein Plan ist nun, liebster Onkel, so lange in Paris zu bleiben, bis ich mich tüchtig genug fühle, meine eigne Laufbahn zu beginnen; wenn es möglich ist, etwas Geld zu sparen, dann dachte ich von hier aus einen Abstecher nach England zu machen, da ich so nahe bin, dort meine Copien zu verkaufen, und mit Portrait malen so viel Geld zu verdienen, um dann eine Reise nach Italien machen zu können. Mehrere Nachrichten die ich über diesen Punkt eingezogen, und zwar von Engländern selbst, haben diesen Wunsch in mir erregt. In London ist allerdings weniger zu lernen, aber wie man sagt, viel zu verdienen, und aus Gérard Schule zu kommen, wird mir doch auch für einen Empfehlbrief gelten. Diese Projecte bleiben aber fürs erste unter uns, denn Du weißt, wie ängstlich die gute Mutter ist; und dann hängt das Ganze von so manchen Zufällen ab, daß sich darüber jetzt nichts bestimmtes sagen läßt. – Gérard erkundigt sich immer sehr theilnehmend nach Dir, der gute Mann leidet diesen Winter sehr an Rhümatisme. – Die herzlichsten Grüße an alle meine Bekannten in Bonn.
Nun lebe wohl, geliebter Onkel, und behalte mich lieb.
Mein Mann der die hiesigen Colegien fleißig besucht, läßt sich Dir herzlich empfehlen. Deine treue und ergebene Nichte
Augusta
Paris, d. 6ten Febr. 23.
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