• August Wilhelm von Schlegel to Georg Joachim Göschen

  • Place of Dispatch: Jena · Place of Destination: Leipzig · Date: 17.10.1796
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Georg Joachim Göschen
  • Place of Dispatch: Jena
  • Place of Destination: Leipzig
  • Date: 17.10.1796
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-37113
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XX,Bd.3,Nr.23(5)
  • Number of Pages: 2 S., hs. m. U.
  • Format: 22,7 x 19,1 cm
  • Incipit: „[1] Jena d. 17. Oct. 1796
    Liebster Göschen!
    Es ist zu befürchten, daß ich mich in meinem Eigensinne bestärken werde, da es [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
[1] Jena d. 17. Oct. 1796
Liebster Göschen!
Es ist zu befürchten, daß ich mich in meinem Eigensinne bestärken werde, da es mir dießmal so gut damit gelungen ist. Meine Wanderung gegen allen Anschein und wirklich gegen meine eigne Erwartung vollkommen gut abgelaufen. Ihnen von Weißenfels aus zu schreiben, wie ich versprochen hatte, war mir nicht möglich: ich hatte mir nähmlich in den Kopf gesetzt, den ersten Abend noch bis Naumburg zu kommen, um den zweyten Tag keinen allzugroßen Weg vor mir zu haben. ich ging also durch Weißenfels grade durch ohne mich nur einen Augenblick aufzuhalten. Bis dahin fand ich den Weg, ausgenommen einige Strecken in der Nähe von Leipzig und in den Dörfern, recht gut. Auch das Wetter begünstigte mich. Zwischen Weißenfels und Naumburg hatte ich es nicht so gut: der Weg war tief und schlüpfrig, dazu kam daß es dunkel ward und man nicht sehen konnte wo man hintrat. Auf meiner heutigen kleinern Tagereise [2] habe ich fast immer trockne Fußsteige gehabt und die schöne Gegend zwischen Kamburg und Jena, die ich beym fahren noch nie so genießen konnte entschädigte mich vollkommen für das bischen Ermüdung. Heute Nachmittag bin ich noch früher wie die Post, ob ich mich gleich nach voller Bequemlichkeit die Nacht über ausgeruht, hier angelangt, und habe meine liebe Frau in unserm hübschen neuen Logis schon ganz eingerichtet gefunden. Sie läßt sich Ihnen und ihrer Gattin bestens empfehlen, und dankt fur die gütige Besorgung ihrer Bitten. Ich habe Ihnen beyden noch die wärmsten Danksagungen zu machen für Ihre herzliche, freundschaftliche Bewirthung. Leben Sie recht wohl bester Freund, nächstens mehr. Empfehlen Sie mich Mlle Heun, die bey meinem Abschiede nicht gegenwärtig war und H. Kunze, den ich seit seiner Einladung nicht wieder habe besuchen können. Mein Bruder läßt sich Ihnen ebenfalls empfehlen. Adieu! Adieu!
Der Ihrige
Schlegel

Bitte, vergessen Sie unter Ihren vielen Geschäften, die Abschickung meiner Habseligkeiten. Sowohl in der Schachtel als im Fasse sind Bücher, die ich gern sobald moglich hätte

Jena d. 17: 8bre 179.
Schlegel
empf. d. 20. 8bre
[1] Jena d. 17. Oct. 1796
Liebster Göschen!
Es ist zu befürchten, daß ich mich in meinem Eigensinne bestärken werde, da es mir dießmal so gut damit gelungen ist. Meine Wanderung gegen allen Anschein und wirklich gegen meine eigne Erwartung vollkommen gut abgelaufen. Ihnen von Weißenfels aus zu schreiben, wie ich versprochen hatte, war mir nicht möglich: ich hatte mir nähmlich in den Kopf gesetzt, den ersten Abend noch bis Naumburg zu kommen, um den zweyten Tag keinen allzugroßen Weg vor mir zu haben. ich ging also durch Weißenfels grade durch ohne mich nur einen Augenblick aufzuhalten. Bis dahin fand ich den Weg, ausgenommen einige Strecken in der Nähe von Leipzig und in den Dörfern, recht gut. Auch das Wetter begünstigte mich. Zwischen Weißenfels und Naumburg hatte ich es nicht so gut: der Weg war tief und schlüpfrig, dazu kam daß es dunkel ward und man nicht sehen konnte wo man hintrat. Auf meiner heutigen kleinern Tagereise [2] habe ich fast immer trockne Fußsteige gehabt und die schöne Gegend zwischen Kamburg und Jena, die ich beym fahren noch nie so genießen konnte entschädigte mich vollkommen für das bischen Ermüdung. Heute Nachmittag bin ich noch früher wie die Post, ob ich mich gleich nach voller Bequemlichkeit die Nacht über ausgeruht, hier angelangt, und habe meine liebe Frau in unserm hübschen neuen Logis schon ganz eingerichtet gefunden. Sie läßt sich Ihnen und ihrer Gattin bestens empfehlen, und dankt fur die gütige Besorgung ihrer Bitten. Ich habe Ihnen beyden noch die wärmsten Danksagungen zu machen für Ihre herzliche, freundschaftliche Bewirthung. Leben Sie recht wohl bester Freund, nächstens mehr. Empfehlen Sie mich Mlle Heun, die bey meinem Abschiede nicht gegenwärtig war und H. Kunze, den ich seit seiner Einladung nicht wieder habe besuchen können. Mein Bruder läßt sich Ihnen ebenfalls empfehlen. Adieu! Adieu!
Der Ihrige
Schlegel

Bitte, vergessen Sie unter Ihren vielen Geschäften, die Abschickung meiner Habseligkeiten. Sowohl in der Schachtel als im Fasse sind Bücher, die ich gern sobald moglich hätte

Jena d. 17: 8bre 179.
Schlegel
empf. d. 20. 8bre
· Abschrift , 17.10.1796
· Deutsche Nationalbibliothek
· 1886/Bö-GS C. Schlegel, A. W. Br. 5
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