• Charlotte Ernst , Ludwig Emanuel Ernst to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Dresden · Place of Destination: Genf · Date: 01.02.1811
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Charlotte Ernst, Ludwig Emanuel Ernst
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Dresden
  • Place of Destination: Genf
  • Date: 01.02.1811
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-5
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,18,13
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 19,1 x 11,5 cm
  • Incipit: „[1] Dresden, d. 1. Febr. 1811.
    Mein geliebtester Bruder
    Daß hat dir deine brüderliche Liebe eingegeben mir das Geld zu schicken, zu [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia
[1] Dresden, d. 1. Febr. 1811.
Mein geliebtester Bruder
Daß hat dir deine brüderliche Liebe eingegeben mir das Geld zu schicken, zu einer Zeit da es mir zu einer großen Erleichterung diente. Denke nur wir haben uns in keinem geringen Unternehmen eingelassen, wir haben ein Haus gekauft, auf der ud zwar nicht eins sondern gleich zwey. Ich muß dir dieß Räthzel lösen. Wir hatten nun jetzt eben wieder unser Lieblingsquartier, auf der Mohrenstraße von neuem eingerichtet ud vil Geld darin verwendet, ud fühlten uns nun recht glücklich drin, als es auf einmal verkauft werden sollte, den Anlaß dazu gaben Bekannte die es bey uns gesehen, ich kann dir es nicht sagen wie es mich schmerzte, mich plötzlich aus einem Hause herausgeworfen zu sehen daß ich so liebte, denn auf meine etage war es hauptsächlich angesehen, alles das Ungemach was ich voraus sah, die Schwierigkeit ein gutes, wenn man nicht sehr theuer gehen will wieder zu bekommen, der Nachtheil der von dem ärgerlichen Wesen für meine Gesundheit entstehen würde, ud der Ahnsehnliche Verlust am Gelde wieder, der dabey unvermeidlich ist, alles dieß machte mich äußerst traurig. Nun kam noch hinzu daß das kleine Capital welches man besitzt beständigen Gefahren Unterworfen ist, du weißt durch [2] Carlewitzen 500 r. jetzt wieder bey den gefallnen Credit scheinen 150 so nebst dem ewigen ausziehen, verringerte sich endlich das Mühsam ersparte zu gar nichts. jetzt herscht nun vollends eine gänzliche Unsicherheit mit dem Gelde. Wir unternehmen endlich das Wagestück nicht ohne Herzensangst, das Wenige was wir besitzen, an dieß Haus zu wegen ud es zu kaufen. 3000 r. sind jetzt völlig die unsern, wenn unsre Kosten gut einkommen, vielleicht auch nicht gar zu lange das 4000 r. vierte Tausend, und mehr brauchen wir in geraumer Zeit nicht zu bezahlen, daß Haus ist neu ud geliebt man muß also hoffen einmal im Nothfall wieder gut zu verkaufen, wenn nur keine Unglücksfälle kommen, so hoffe ich wollen wir uns darauf soutiniren 12000 r. ist der Kauf, Auch denke ich könnte es in Zukunft einmal für Gustchen günstig seyn, daß das bischen Geld doch beysammen ist, ud auf einen gewißen Gegenstand haftet, da es wenn es so zerstreut ist, es leicht zu gar nichts wird, wenn es einmal durch fremde Hände verwaltet werden sollte, auch hängt ein kleines Haus mit zusammen, nach der kleine Gaße zu welches man einmal einzeln verkaufen könnte, um sich so almählich freyer zu machen.
[3] Du nimmst es mir gewiß nicht übl mein liebster Bruder, daß ich dich so weitläufig damit unerhalte, du interreßirt dich gewiß auch dafür, ud ein Geld unter nehmen wo gewißermaaßen unsre Ehre verpfändet ist daß wir pünktlich sind, ist für mich etwas gar zu wichtiges – Dieser Anfang eines Briefs ist etwas liegen geblieben, weil ich erst erwarten wollte wie es mit deiner Assignation, wo mein Mann eben nach dem avis Brief geschrieben hatte nach Heidelberg der noch fehlte, ablaufen würde, der avis Brief ist nun angekommen, aber folgendes ist die Antwort, die wir von Gleditsch aus Leipzig erhalten, ich will Sie dir abschreiben um den großen Zettel nicht mit einzulegen
„ich zeige höflichst an, daß ich die bewußte Anweisung Herrn Mohr und Zimmler in Heidelberg de r. 225 – nicht bezahlen kann; da ich zwar aviso davon, aber noch dato keine Deckung empfangen habe. Leipzig 28 Jan. 1811
Johann Gleditsch
Nun bitte ich dich inständigst, mein Geliebtester Bruder, ich weiß du hast Mitleyd ud Nachsicht mit meiner zu großen Aengstlichkeit, und berichtige doch so bald als möglich, diese Sache das wir das Geld in die Hände bekommen können. Nie mein liebster Bruder, würde es mir eingefallen seyn dich nur im geringsten an diese Summe zu erinnern, da du aber selbser so brüderlich ge[4]dacht, ud wir die Summe schon glaubten in Händen zu haben, nun ist darauf gerechnet; und wir können sie fast nicht entbehren, zumal, da noch 200 r. die wir jetzt baar bezahlen müßen, dazu gekommen sind. gleich bey der Punktation haben wir 650 r. baar gegeben, ud die Rathskosten können noch 50 r. kommen, sollte uns dein Geld nicht einkommen, so müßten wir uns auf die Einnahme meines Mannes 200 r. voraus geben laßen welches mir sehr unangenehm wäre, weil man gleich glauben würde, wir derangirten uns. nun kein Wort mehr hiervon, ich weiß nach deiner brüderlichen Liebe, ich habe bald einen Brief von dir. – Die traurige Nachricht, daß unsre geliebte Mutter zur Ruhe gegangen, wirst du schon empfangen haben, mich hat es so angegriffen daß ich noch nicht habe recht schlafen können. Die Lücke bleibt in meinem Herzen, eine Mutter ersetzt sich nicht wieder, ud der kleine Beystand den wir ihr geben konnten, machte sie mir noch theurer, ich weiß du wirst auch recht um sie trauren, sie liebte uns so zärtlich, in ihrem Briefe am Neujahrstage schrieb sie, daß sie eine Abnahme ihrer Kräfte verspürte, ud wir sollten dir es doch melden, welches auch sogleich geschah, ich ward durch die dumme Geschichte mit dem Hauskauf verhindert ihr zu schreiben, den Tag nach der Berichtigung schrieb ich, sie war aber schon todt! Oh konnte ich nur noch den Seegen von ihren Lippen erhalten! Die Entfernung ist doch etwas schmerzliches. Sie hat fast gar nicht gelitten ud hat einen glücklichen Todt gehabt, da nun dieses allgemeine Familienband aufgehört hat. So laß uns desto inniger an jene andre halten, meine Liebe hast du ganz geliebtester Bruder. Die Mutter klagte fast in jedem Briefe, daß Friedrich sie vergäße, ud schien es zu Herzen zu nehmen, ich habe gar nicht geruht ud Friedrich so lange tribulirt, bis er ud die Frau sehr liebevolle Briefe [3] geschrieben, sie schien davon gerührt, ud erwähnte es noch in ihrem letzten Briefe. Friedrich muß es mir danken, er müßte sich innre Vorwürfe machen, wenn sie unzufrieden mit ihm aus der Welt gegangen wäre. Tausend Grüße an Ernst. Gustchen wächst zu einem schlanken [2] Mädchen heran, sie ist größer wie ich. In der Kunst macht sie progreßen. Zu Ostern soll sie mit uns zum Abendmahl gehn. Darf ich bitten uns der Frau von Stael zu empfehlen. Charlotte Ernst. [1] Wir danken Ihnen, Herr Bruder, aufs Verbindlichste, für den 3ten Band Ihrer Vorlesungen, den Sie uns überschickt haben, und empfehlen uns Ihrem gütigen Andenken
L. Emmanuel Ernst.
[1] Dresden, d. 1. Febr. 1811.
Mein geliebtester Bruder
Daß hat dir deine brüderliche Liebe eingegeben mir das Geld zu schicken, zu einer Zeit da es mir zu einer großen Erleichterung diente. Denke nur wir haben uns in keinem geringen Unternehmen eingelassen, wir haben ein Haus gekauft, auf der ud zwar nicht eins sondern gleich zwey. Ich muß dir dieß Räthzel lösen. Wir hatten nun jetzt eben wieder unser Lieblingsquartier, auf der Mohrenstraße von neuem eingerichtet ud vil Geld darin verwendet, ud fühlten uns nun recht glücklich drin, als es auf einmal verkauft werden sollte, den Anlaß dazu gaben Bekannte die es bey uns gesehen, ich kann dir es nicht sagen wie es mich schmerzte, mich plötzlich aus einem Hause herausgeworfen zu sehen daß ich so liebte, denn auf meine etage war es hauptsächlich angesehen, alles das Ungemach was ich voraus sah, die Schwierigkeit ein gutes, wenn man nicht sehr theuer gehen will wieder zu bekommen, der Nachtheil der von dem ärgerlichen Wesen für meine Gesundheit entstehen würde, ud der Ahnsehnliche Verlust am Gelde wieder, der dabey unvermeidlich ist, alles dieß machte mich äußerst traurig. Nun kam noch hinzu daß das kleine Capital welches man besitzt beständigen Gefahren Unterworfen ist, du weißt durch [2] Carlewitzen 500 r. jetzt wieder bey den gefallnen Credit scheinen 150 so nebst dem ewigen ausziehen, verringerte sich endlich das Mühsam ersparte zu gar nichts. jetzt herscht nun vollends eine gänzliche Unsicherheit mit dem Gelde. Wir unternehmen endlich das Wagestück nicht ohne Herzensangst, das Wenige was wir besitzen, an dieß Haus zu wegen ud es zu kaufen. 3000 r. sind jetzt völlig die unsern, wenn unsre Kosten gut einkommen, vielleicht auch nicht gar zu lange das 4000 r. vierte Tausend, und mehr brauchen wir in geraumer Zeit nicht zu bezahlen, daß Haus ist neu ud geliebt man muß also hoffen einmal im Nothfall wieder gut zu verkaufen, wenn nur keine Unglücksfälle kommen, so hoffe ich wollen wir uns darauf soutiniren 12000 r. ist der Kauf, Auch denke ich könnte es in Zukunft einmal für Gustchen günstig seyn, daß das bischen Geld doch beysammen ist, ud auf einen gewißen Gegenstand haftet, da es wenn es so zerstreut ist, es leicht zu gar nichts wird, wenn es einmal durch fremde Hände verwaltet werden sollte, auch hängt ein kleines Haus mit zusammen, nach der kleine Gaße zu welches man einmal einzeln verkaufen könnte, um sich so almählich freyer zu machen.
[3] Du nimmst es mir gewiß nicht übl mein liebster Bruder, daß ich dich so weitläufig damit unerhalte, du interreßirt dich gewiß auch dafür, ud ein Geld unter nehmen wo gewißermaaßen unsre Ehre verpfändet ist daß wir pünktlich sind, ist für mich etwas gar zu wichtiges – Dieser Anfang eines Briefs ist etwas liegen geblieben, weil ich erst erwarten wollte wie es mit deiner Assignation, wo mein Mann eben nach dem avis Brief geschrieben hatte nach Heidelberg der noch fehlte, ablaufen würde, der avis Brief ist nun angekommen, aber folgendes ist die Antwort, die wir von Gleditsch aus Leipzig erhalten, ich will Sie dir abschreiben um den großen Zettel nicht mit einzulegen
„ich zeige höflichst an, daß ich die bewußte Anweisung Herrn Mohr und Zimmler in Heidelberg de r. 225 – nicht bezahlen kann; da ich zwar aviso davon, aber noch dato keine Deckung empfangen habe. Leipzig 28 Jan. 1811
Johann Gleditsch
Nun bitte ich dich inständigst, mein Geliebtester Bruder, ich weiß du hast Mitleyd ud Nachsicht mit meiner zu großen Aengstlichkeit, und berichtige doch so bald als möglich, diese Sache das wir das Geld in die Hände bekommen können. Nie mein liebster Bruder, würde es mir eingefallen seyn dich nur im geringsten an diese Summe zu erinnern, da du aber selbser so brüderlich ge[4]dacht, ud wir die Summe schon glaubten in Händen zu haben, nun ist darauf gerechnet; und wir können sie fast nicht entbehren, zumal, da noch 200 r. die wir jetzt baar bezahlen müßen, dazu gekommen sind. gleich bey der Punktation haben wir 650 r. baar gegeben, ud die Rathskosten können noch 50 r. kommen, sollte uns dein Geld nicht einkommen, so müßten wir uns auf die Einnahme meines Mannes 200 r. voraus geben laßen welches mir sehr unangenehm wäre, weil man gleich glauben würde, wir derangirten uns. nun kein Wort mehr hiervon, ich weiß nach deiner brüderlichen Liebe, ich habe bald einen Brief von dir. – Die traurige Nachricht, daß unsre geliebte Mutter zur Ruhe gegangen, wirst du schon empfangen haben, mich hat es so angegriffen daß ich noch nicht habe recht schlafen können. Die Lücke bleibt in meinem Herzen, eine Mutter ersetzt sich nicht wieder, ud der kleine Beystand den wir ihr geben konnten, machte sie mir noch theurer, ich weiß du wirst auch recht um sie trauren, sie liebte uns so zärtlich, in ihrem Briefe am Neujahrstage schrieb sie, daß sie eine Abnahme ihrer Kräfte verspürte, ud wir sollten dir es doch melden, welches auch sogleich geschah, ich ward durch die dumme Geschichte mit dem Hauskauf verhindert ihr zu schreiben, den Tag nach der Berichtigung schrieb ich, sie war aber schon todt! Oh konnte ich nur noch den Seegen von ihren Lippen erhalten! Die Entfernung ist doch etwas schmerzliches. Sie hat fast gar nicht gelitten ud hat einen glücklichen Todt gehabt, da nun dieses allgemeine Familienband aufgehört hat. So laß uns desto inniger an jene andre halten, meine Liebe hast du ganz geliebtester Bruder. Die Mutter klagte fast in jedem Briefe, daß Friedrich sie vergäße, ud schien es zu Herzen zu nehmen, ich habe gar nicht geruht ud Friedrich so lange tribulirt, bis er ud die Frau sehr liebevolle Briefe [3] geschrieben, sie schien davon gerührt, ud erwähnte es noch in ihrem letzten Briefe. Friedrich muß es mir danken, er müßte sich innre Vorwürfe machen, wenn sie unzufrieden mit ihm aus der Welt gegangen wäre. Tausend Grüße an Ernst. Gustchen wächst zu einem schlanken [2] Mädchen heran, sie ist größer wie ich. In der Kunst macht sie progreßen. Zu Ostern soll sie mit uns zum Abendmahl gehn. Darf ich bitten uns der Frau von Stael zu empfehlen. Charlotte Ernst. [1] Wir danken Ihnen, Herr Bruder, aufs Verbindlichste, für den 3ten Band Ihrer Vorlesungen, den Sie uns überschickt haben, und empfehlen uns Ihrem gütigen Andenken
L. Emmanuel Ernst.
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