• August Wilhelm von Schlegel to Sophie Bernhardi

  • Place of Dispatch: Jena · Place of Destination: Berlin · Date: 19.10.1801
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Sophie Bernhardi
  • Place of Dispatch: Jena
  • Place of Destination: Berlin
  • Date: 19.10.1801
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Goethe-Museum Düsseldorf
  • Classification Number: 1609/1978
  • Number of Pages: 6 Seiten
  • Format: 18,7 x 11,5 cm
  • Incipit: „[1] J. d. 19 Oct. 1.
    Zuerst meine herzlichsten Glückwünsche zu der Genesung Ihres kleinen Wilhelms. Ich hatte einen Posttag vor [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
[1] J. d. 19 Oct. 1.
Zuerst meine herzlichsten Glückwünsche zu der Genesung Ihres kleinen Wilhelms. Ich hatte einen Posttag vor dem Empfange Ihres Briefs einen von Schütze bekommen, u da dieser wenigstens nichts übles schrieb, gutes daraus geschlossen. Es ist gar nicht recht, erst eine ängstliche Nachricht geben u dann so lange nichts von sich hören lassen.
Den klugen Gedanken mit Ihrem Bruder zusammen zu reisen, um fürs erste Gesellschaft zu haben u dann gewiß willkommen zu seyn wenn ich den Flüchtling mitbrächte, habe ich auch schon lange gehabt. Erst sprach er immer davon, viel früher als ich zu reisen, nun fragt sichs aber sehr, ob er noch zeitig genug fertig wird, um mit mir Gesellschaft machen zu können. In voriger Woche war er anderthalb Tage bey uns, u hat mir versprochen sich möglichst zu beeilen um seine Geschäfte zu beendigen, u nach Empfange Ihres Briefes habe ich ihm wieder einen Xx Ermahnungsbrief des Inhalts geschrieben. Er ist jetzt noch damit beschäftigt die Drapperie u andre Sachen an Göethes Büste zu machen, wozu ihm Goethe nicht zu sitzen braucht. Dann kommt er hieher, während [2] die Form gemacht, u die in Weimar unverzüglich nöthigen Exemplare darin gegossen werden. Diese Zwischenzeit will er benutzen, um hier Schelling zu zeichnen u Skizzen zu machen. Alsdann muß er noch wieder hinüber, um die Gipsabgüsse überzuarbeiten, u dann wäre er wohl so ziemlich fertig.
Xx Ich bin eigentlich schon jetzt frey, denn da ich mit dem Ion nunmehr fertig bin, so ist mein Hauptgeschäft hier bloß noch, selbigen dem alten Meister vorzulegen, dessen Weisheit zu vernehmen u darnach Verabredungen zu treffen. Heute ist Wiedemann der von Paris zurück gekommen hinüber nach Weimar, da werde ich erfahren ob Goethe noch hieher kommt, wie er versprochen hatte, oder ob ich mich entschließen muß, noch einmal nach W. hinüber zu reisen.
Sonst wartʼ ich auch noch auf Geld, das ich nächstens von Cotta erhalten muß, theils um noch von hieraus Zahlungen zu besorgen theils um selbst welches zu haben.
Früher als die ersten Tage des Nov. lange ich wohl nicht in Berlin an, aber später darf ich auch nicht kommen, u ist Ihr Bruder dann nicht fertig, so muß ich ihn zurücklassen so ungern ich es thue.
[3] In der Ankündigung meiner Vorlesungen ist der Anfang derselben nicht bestimmt auf den Tag festgesetzt, sondern der Anfang des Novembers überhaupt genannt. Ich weiß also nicht, ob es nothwendig seyn wird, wenn ich in den ersten Tagen des Nov. eintreffe, noch etwas über den spätern Anfang der Vorlesungen besonders bey den Subscribenten cirkuliren zu lassen. Mir scheint es dienlich die Leute fürs erste in dem Glauben meiner früheren Ankunft u des früheren Anfangs der Vorlesungen zu lassen, damit sie sich desto eher resolviren. Doch überla gebe ich es der Weisheit der Berlinischen Freunde anheim, die sich dieser Besorgung überhaupt angenommen haben, so wie auch alles X andre die Sache betreffende. ZB. ob wegen des Auditoriums etwas vor meiner Ankunft abgeschlossen werden muß. Auf keinen Fall müßte es doch geschehen, bis wir erst ein 40 bezahlende Subscribenten wirklich auf dem Papier haben. Könnten nicht mehre Listen seyn, wenn Fr. von Berg die eine so lange behält (vielleicht weil sie manche Leute, die sich unterzeichnen sollen, nicht so bald sieht) Könnte nicht [4] zB. eine zweyte eben so die für Geistreich berühmten Namen an der Spitze führen, wie die andre die Vornehmen? Wenigstens will ich xxx die Freunde, welche Freybillets erhalten, bitten, sich auch zu unterzeichnen damit wir Verstand auf die Liste bekommen.
Wenn Mad. Unzelmann die Ankündigung noch nicht erhalten hat, so bitte ich ihr einige Exemplare davon zu schicken. Ich schrieb es Schützeʼn, den aber wohl mein Brief nicht mehr in Berlin getroffen hat. Es thut mir Leid ihn dort bey meiner Ankunft nicht vorzufinden, doch wird er ja nicht sehr lange ausbleiben.
Das Anerbieten einen Platz in Ihrer Wohnung eingeräumt zu erhalten, ist mir das Willkommenste von der Welt, u ich neh[me] es freudig an, wenn ich sicher seyn kann keine Beschwerde zu verursachen. Wie sichs aber fügen soll, da Ihr Bruder auch einen Theil des Winter dort zubringen wird, sehe ich nicht ganz ein, bis wenn Sie nicht ein bis dahin unbekannte Zimmer in Ihrer Wo[hnung] entdeckt haben. – U vollendes wenn Tie[ck] aus Dr. kommt, wo werden Sie den hinth[un.] – Mit Ihrem Bruder das Schlafzimmer zu theilen lasse ich mir sehr gern gestatten [5] er hat hier bey mir schon so vorlieb genommen; auch ist Bernhardiʼs Studirzimmer sehr gut zu diesem Zweck; aber wo wird er das seinige aufschlagen, wenn ich ihn daraus vertreibe? Übrigens fürchte ich, daß der Zirkel des Umgangs in Berlin nur gar zu angenehm u verführerisch für die vielen Arbeiten seyn wird, die ich vorhabe. Ich muß in der That erschrecklich viel beschicken. Außer den Vorlesungen (wozu ich doch mancherley lesen muß) muß ich am Tristan fortfahren, ich muß wieder an den Shaksp. gehen, ich muß eine Komödie machen. pq pp pp.
Wegen dessen was Sie schreiben, daß Ihr Bruder geschrieben, daß ich gesagt sage, daß Sie gesagt hätten, daß er gesagt habe, werde ich mich hinreichend zu rechtfertigen wissen.
Über das Sonett von Bernh. muß ich meine Vergeßlichkeit anklagen; ich hatte es zurückgelegt auf den Fall, daß er nichts weiter beytrüge, damit er nicht bloß u allein mit einem Gänsebraten in der poetischen Welt u der auftreten möchte. Da ich nun den Traum sehr spät aus Dr. wiederh erhielt, so vergaß ich es noch zu benutzen. [6] Indessen darf sich Bernh. das nicht dauren lassen, er wird diesen Winter s gewiß so viel vortreffl. Sachen an Burlesken Sonetten u Distichen machen, daß dieß erste ganz dadurch verdunkelt wird.
I Den herzlichsten Dank für die Mittheilung des Gedichts, es hat mir ungemein gefallen, es ist eine solche Zartheit u Unschuld der Fantasie darin, u es erregt eine süße Rührung. Wir müssen noch mündlich darübe[r] sprechen.
Verzeihen Sie dieß abscheuliche Geschm[ier.] Mir will das Schreiben gar nicht mehr ansteh[en] da das Sprechen so nahe ist. Leben Sie indes[sen] recht wohl, die schönsten Grüße an Bernhard[i].
Caroline liegt leider wieder zu Bett, doch hoffe ich, soll es bald vorüber gehn.
Die Zeit meiner, oder wenn der Bildhauer mitreist, unsrer Ankunft, will ich noch xxxxx so genau melden, als möglich.
Eben höre ich, das Goethe hier ist.
[1] J. d. 19 Oct. 1.
Zuerst meine herzlichsten Glückwünsche zu der Genesung Ihres kleinen Wilhelms. Ich hatte einen Posttag vor dem Empfange Ihres Briefs einen von Schütze bekommen, u da dieser wenigstens nichts übles schrieb, gutes daraus geschlossen. Es ist gar nicht recht, erst eine ängstliche Nachricht geben u dann so lange nichts von sich hören lassen.
Den klugen Gedanken mit Ihrem Bruder zusammen zu reisen, um fürs erste Gesellschaft zu haben u dann gewiß willkommen zu seyn wenn ich den Flüchtling mitbrächte, habe ich auch schon lange gehabt. Erst sprach er immer davon, viel früher als ich zu reisen, nun fragt sichs aber sehr, ob er noch zeitig genug fertig wird, um mit mir Gesellschaft machen zu können. In voriger Woche war er anderthalb Tage bey uns, u hat mir versprochen sich möglichst zu beeilen um seine Geschäfte zu beendigen, u nach Empfange Ihres Briefes habe ich ihm wieder einen Xx Ermahnungsbrief des Inhalts geschrieben. Er ist jetzt noch damit beschäftigt die Drapperie u andre Sachen an Göethes Büste zu machen, wozu ihm Goethe nicht zu sitzen braucht. Dann kommt er hieher, während [2] die Form gemacht, u die in Weimar unverzüglich nöthigen Exemplare darin gegossen werden. Diese Zwischenzeit will er benutzen, um hier Schelling zu zeichnen u Skizzen zu machen. Alsdann muß er noch wieder hinüber, um die Gipsabgüsse überzuarbeiten, u dann wäre er wohl so ziemlich fertig.
Xx Ich bin eigentlich schon jetzt frey, denn da ich mit dem Ion nunmehr fertig bin, so ist mein Hauptgeschäft hier bloß noch, selbigen dem alten Meister vorzulegen, dessen Weisheit zu vernehmen u darnach Verabredungen zu treffen. Heute ist Wiedemann der von Paris zurück gekommen hinüber nach Weimar, da werde ich erfahren ob Goethe noch hieher kommt, wie er versprochen hatte, oder ob ich mich entschließen muß, noch einmal nach W. hinüber zu reisen.
Sonst wartʼ ich auch noch auf Geld, das ich nächstens von Cotta erhalten muß, theils um noch von hieraus Zahlungen zu besorgen theils um selbst welches zu haben.
Früher als die ersten Tage des Nov. lange ich wohl nicht in Berlin an, aber später darf ich auch nicht kommen, u ist Ihr Bruder dann nicht fertig, so muß ich ihn zurücklassen so ungern ich es thue.
[3] In der Ankündigung meiner Vorlesungen ist der Anfang derselben nicht bestimmt auf den Tag festgesetzt, sondern der Anfang des Novembers überhaupt genannt. Ich weiß also nicht, ob es nothwendig seyn wird, wenn ich in den ersten Tagen des Nov. eintreffe, noch etwas über den spätern Anfang der Vorlesungen besonders bey den Subscribenten cirkuliren zu lassen. Mir scheint es dienlich die Leute fürs erste in dem Glauben meiner früheren Ankunft u des früheren Anfangs der Vorlesungen zu lassen, damit sie sich desto eher resolviren. Doch überla gebe ich es der Weisheit der Berlinischen Freunde anheim, die sich dieser Besorgung überhaupt angenommen haben, so wie auch alles X andre die Sache betreffende. ZB. ob wegen des Auditoriums etwas vor meiner Ankunft abgeschlossen werden muß. Auf keinen Fall müßte es doch geschehen, bis wir erst ein 40 bezahlende Subscribenten wirklich auf dem Papier haben. Könnten nicht mehre Listen seyn, wenn Fr. von Berg die eine so lange behält (vielleicht weil sie manche Leute, die sich unterzeichnen sollen, nicht so bald sieht) Könnte nicht [4] zB. eine zweyte eben so die für Geistreich berühmten Namen an der Spitze führen, wie die andre die Vornehmen? Wenigstens will ich xxx die Freunde, welche Freybillets erhalten, bitten, sich auch zu unterzeichnen damit wir Verstand auf die Liste bekommen.
Wenn Mad. Unzelmann die Ankündigung noch nicht erhalten hat, so bitte ich ihr einige Exemplare davon zu schicken. Ich schrieb es Schützeʼn, den aber wohl mein Brief nicht mehr in Berlin getroffen hat. Es thut mir Leid ihn dort bey meiner Ankunft nicht vorzufinden, doch wird er ja nicht sehr lange ausbleiben.
Das Anerbieten einen Platz in Ihrer Wohnung eingeräumt zu erhalten, ist mir das Willkommenste von der Welt, u ich neh[me] es freudig an, wenn ich sicher seyn kann keine Beschwerde zu verursachen. Wie sichs aber fügen soll, da Ihr Bruder auch einen Theil des Winter dort zubringen wird, sehe ich nicht ganz ein, bis wenn Sie nicht ein bis dahin unbekannte Zimmer in Ihrer Wo[hnung] entdeckt haben. – U vollendes wenn Tie[ck] aus Dr. kommt, wo werden Sie den hinth[un.] – Mit Ihrem Bruder das Schlafzimmer zu theilen lasse ich mir sehr gern gestatten [5] er hat hier bey mir schon so vorlieb genommen; auch ist Bernhardiʼs Studirzimmer sehr gut zu diesem Zweck; aber wo wird er das seinige aufschlagen, wenn ich ihn daraus vertreibe? Übrigens fürchte ich, daß der Zirkel des Umgangs in Berlin nur gar zu angenehm u verführerisch für die vielen Arbeiten seyn wird, die ich vorhabe. Ich muß in der That erschrecklich viel beschicken. Außer den Vorlesungen (wozu ich doch mancherley lesen muß) muß ich am Tristan fortfahren, ich muß wieder an den Shaksp. gehen, ich muß eine Komödie machen. pq pp pp.
Wegen dessen was Sie schreiben, daß Ihr Bruder geschrieben, daß ich gesagt sage, daß Sie gesagt hätten, daß er gesagt habe, werde ich mich hinreichend zu rechtfertigen wissen.
Über das Sonett von Bernh. muß ich meine Vergeßlichkeit anklagen; ich hatte es zurückgelegt auf den Fall, daß er nichts weiter beytrüge, damit er nicht bloß u allein mit einem Gänsebraten in der poetischen Welt u der auftreten möchte. Da ich nun den Traum sehr spät aus Dr. wiederh erhielt, so vergaß ich es noch zu benutzen. [6] Indessen darf sich Bernh. das nicht dauren lassen, er wird diesen Winter s gewiß so viel vortreffl. Sachen an Burlesken Sonetten u Distichen machen, daß dieß erste ganz dadurch verdunkelt wird.
I Den herzlichsten Dank für die Mittheilung des Gedichts, es hat mir ungemein gefallen, es ist eine solche Zartheit u Unschuld der Fantasie darin, u es erregt eine süße Rührung. Wir müssen noch mündlich darübe[r] sprechen.
Verzeihen Sie dieß abscheuliche Geschm[ier.] Mir will das Schreiben gar nicht mehr ansteh[en] da das Sprechen so nahe ist. Leben Sie indes[sen] recht wohl, die schönsten Grüße an Bernhard[i].
Caroline liegt leider wieder zu Bett, doch hoffe ich, soll es bald vorüber gehn.
Die Zeit meiner, oder wenn der Bildhauer mitreist, unsrer Ankunft, will ich noch xxxxx so genau melden, als möglich.
Eben höre ich, das Goethe hier ist.
×