• August Wilhelm von Schlegel to August Ludwig Hülsen

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Unknown · Date: 19.05.1802
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: August Ludwig Hülsen
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Unknown
  • Date: 19.05.1802
  • Notations: Empfänger erschlossen. – August Ludwig Hülsen kommt als einziger Bekannter, auch der Bernhardis, und als Duzfreund Schlegels in Frage.
    Manuscript
  • Provider: Goethe-Museum Düsseldorf
  • Number of Pages: Doppelblatt, 3 S. beschrieben.
  • Format: 18,8 x11,6 cm
  • Incipit: „[1] Berlin d. 19 Mai 1802
    Theuerster Freund!
    Es ist unverzeihlich, daß wir dich so lange ohne Nachricht von uns gelassen haben: [...]“
  • Editors: Bamberg, Claudia · Varwig, Olivia
[1] Berlin d. 19 Mai 1802
Theuerster Freund!
Es ist unverzeihlich, daß wir dich so lange ohne Nachricht von uns gelassen haben: allein theils traurige Vorfälle an denen ich den herzlichsten Antheil nahm, theils Zerstreuungen haben meinen Vorsatz, dir zu schreiben, immer aufgehoben. Eben so ist es auch Bernhardiʼn gegangen, aber wir haben das, was du ihm meldest, darum nicht weniger in unser Herz aufgenommen.
Am 28sten Februar, an ihrem Geburtstage, verlor die Bernhardi ihr jüngstens Kind, und vorigen Monat, nur acht Tage nach einander ihre beyden Eltern an einer hitzigen Brustkrankheit. Du kannst denken, wie diese so schnell sich folgenden Schläge ihre ohnehin schwache Gesundheit zerrütten mußten; ich habe manchen traurigen Tag mit meinen Freunden durchlebt. Doch erhohlt sie sich [2] besser als wir gehofft hatten, und will morgen um sich aufzuheitern zu ihrem Bruder nach Dresden reisen, der ebenfalls sehr durch diese Vorfälle niedergedrückt u schwermüthig gestimmt worden ist.
Zum Glück trafen in diese Zeit allerley Gesellige Zerstreuungen. Zwey H. Schede nebst ihrer Schwester, genaue Freunde von Bernhardiʼs waren aus Südpreußen hier zum Besuch hier; dann hat sich Caroline Schlegel seit etwa sieben Wochen hier aufgehalten; seit vierzehn Tagen war auch Schelling hier. Morgen Jetzt eben reise ich mit ihnen beyden nach Leipzig, von wo ich nach Dresden, u dann hieher zurück gehen werde. Ich schreibe dir dieses daher in der äußersten Eil.
Friedrich, der nun schon unterwegs nach Paris seyn muß, schickt dir seinen Alarcos, den ich schon lange hätte bestellen sollen, und Schelling mit den besten Grüßen sein eben fertig gedrucktes philosoph. Gespräch. [3] Von mir ist in diesen Tagen ein Schauspiel: Ion, worin ich die Euripideische Fabel nach meinem Sinne behandelt habe, xxx xxxx hier aufgeführt worden. Ich wollte du wärest hier gewesen, es würde dich ergötzt haben, wie ich mir schmeichle. Denn das Stück hoffe ich soll dein Gemüth ansprechen, u die Darstellung war ganz ausgezeichnet gut. Goethe hat es in Weimar schon zu Anfang des Jahres gegeben; dort wird auch der Alarcos gespielt. – Wenn ich wieder hieher zurückkomme, will ich dir das Mspt vom Ion mittheilen, ich hoffe, du läßst mich auch dann einmal etwas von deinen Papieren lesen. Den Plan dich draußen zu besuchen habe ich keineswegs aufgegeben; ich bin sehr begierig, deine werthe Freundin kennen zu lernen, der du mich unterdessen unbekannter Weise bestens empfehlen wirst. Lebe recht wohl u behalte mich in freundschaftlichem Andenken.
Dein AWSchlegel.
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[1] Berlin d. 19 Mai 1802
Theuerster Freund!
Es ist unverzeihlich, daß wir dich so lange ohne Nachricht von uns gelassen haben: allein theils traurige Vorfälle an denen ich den herzlichsten Antheil nahm, theils Zerstreuungen haben meinen Vorsatz, dir zu schreiben, immer aufgehoben. Eben so ist es auch Bernhardiʼn gegangen, aber wir haben das, was du ihm meldest, darum nicht weniger in unser Herz aufgenommen.
Am 28sten Februar, an ihrem Geburtstage, verlor die Bernhardi ihr jüngstens Kind, und vorigen Monat, nur acht Tage nach einander ihre beyden Eltern an einer hitzigen Brustkrankheit. Du kannst denken, wie diese so schnell sich folgenden Schläge ihre ohnehin schwache Gesundheit zerrütten mußten; ich habe manchen traurigen Tag mit meinen Freunden durchlebt. Doch erhohlt sie sich [2] besser als wir gehofft hatten, und will morgen um sich aufzuheitern zu ihrem Bruder nach Dresden reisen, der ebenfalls sehr durch diese Vorfälle niedergedrückt u schwermüthig gestimmt worden ist.
Zum Glück trafen in diese Zeit allerley Gesellige Zerstreuungen. Zwey H. Schede nebst ihrer Schwester, genaue Freunde von Bernhardiʼs waren aus Südpreußen hier zum Besuch hier; dann hat sich Caroline Schlegel seit etwa sieben Wochen hier aufgehalten; seit vierzehn Tagen war auch Schelling hier. Morgen Jetzt eben reise ich mit ihnen beyden nach Leipzig, von wo ich nach Dresden, u dann hieher zurück gehen werde. Ich schreibe dir dieses daher in der äußersten Eil.
Friedrich, der nun schon unterwegs nach Paris seyn muß, schickt dir seinen Alarcos, den ich schon lange hätte bestellen sollen, und Schelling mit den besten Grüßen sein eben fertig gedrucktes philosoph. Gespräch. [3] Von mir ist in diesen Tagen ein Schauspiel: Ion, worin ich die Euripideische Fabel nach meinem Sinne behandelt habe, xxx xxxx hier aufgeführt worden. Ich wollte du wärest hier gewesen, es würde dich ergötzt haben, wie ich mir schmeichle. Denn das Stück hoffe ich soll dein Gemüth ansprechen, u die Darstellung war ganz ausgezeichnet gut. Goethe hat es in Weimar schon zu Anfang des Jahres gegeben; dort wird auch der Alarcos gespielt. – Wenn ich wieder hieher zurückkomme, will ich dir das Mspt vom Ion mittheilen, ich hoffe, du läßst mich auch dann einmal etwas von deinen Papieren lesen. Den Plan dich draußen zu besuchen habe ich keineswegs aufgegeben; ich bin sehr begierig, deine werthe Freundin kennen zu lernen, der du mich unterdessen unbekannter Weise bestens empfehlen wirst. Lebe recht wohl u behalte mich in freundschaftlichem Andenken.
Dein AWSchlegel.
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