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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="6627"><titleStmt><title>Charlotte Ernst, Ludwig Emanuel Ernst an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/briefedigital/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname></persName><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Sophia</forename><surname>Zeil</surname></persName></edition></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-01-22</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Neu transkribiert und ausgezeichnet; zweimal kollationiert</ab></availability><date when="2022-01-26"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/briefedigital/letters/view/6627</idno></publicationStmt><sourceDesc><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,18,1</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-5</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2318265</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">18,6 x 11,7 cm</ab><ab type="note">Empfangsort erschlossen. – Charlotte Ernst lässt bei „ch“-Schreibungen oft das „c“ weg. Hier wurde korrigierend eingegriffen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/briefedigital/letters/view/6627"><correspAction type="sent"><persName key="115" ref="http://d-nb.info/gnd/128971827">Charlotte Ernst</persName><persName key="129" ref="http://d-nb.info/gnd/1015710549">Ludwig Emanuel Ernst</persName><placeName key="1524" ref="http://d-nb.info/gnd/4306696-3">Pillnitz</placeName><date when="1804-07-15">1804-07-15</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="228" ref="http://d-nb.info/gnd/1027948-9">Coppet</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5_tif/jpegs/00000003.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5_tif/jpegs/00000004.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5_tif/jpegs/00000005.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5/Mscr_APP2712-Bd-5_Bd.5_tif/jpegs/00000006.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p><milestone unit="start" n="2232"/>[1]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="2232"/> Jede Nachricht liebster Bruder die du <persName key="115">mir</persName> von deiner Lage, und von deinem Seyn und Thun giebst, l ist meinem Herzen äußerst werth, wende daher manchmal ein halbes Stundchen an mir, jetzt bin ich nun noch weniger in der Lage etwas durch die dritte Hand von dir zu erfahren als sonst. Ich hatte von <persName key="132">der Bernhardin</persName> nichts von deiner Abreise gehört, so wie sie mir überhaupt gar nichts geschrieben hat, zuerst erfuhr es <persName key="129">mein Mann</persName> von <persName key="8831">der Fr. Bischofswerder</persName> aber auch noch ungewiß, bis wir es in den Zeitungen lasen, du kannst also denken wie interreßant mir es war von dir selbst darüber zu hören. Ich freue mich unendlich daß du eine so würdige und <milestone unit="start" n="23553"/>noble<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Unsichere Lesung</title></note><milestone unit="end" n="23553"/> Freundinn an <persName key="222">der Fr. v. Stael</persName> gefunden hast, ich freue mich daß ich mich in meinem Urtheil über sie ni ht betrogen habe, unter allen unseren Romanenschriftstellerinnen habe ich bey ihr den mehrsten Geist gefunden, und ächtes Feuer fürs Gute. Es dauert mich jetzt um so mehr daß ich nicht versucht habe sie zu sehen, da sie für dich so wichtig geworden, ich hatte große Lust dazu und <persName key="8832">Hofrath Müller</persName> redete mir zu, <hi rend="overstrike:1">sie</hi> vielleicht führt sie ihr Weg einmal über <placeName key="13">Dresden</placeName>, das würde <milestone unit="start" n="2233"/>[2]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="2233"/> für mich sehr merkwürdig seyn. Wenn <hi rend="overstrike:1">Sie</hi> du es ihr etwan gesagt hast daß du eine Schwester in Dresden hast, so sage ihr doch daß sie an mir eine große Bewunderinn hat. Das erste warum ich dich bitte mir von den etwanigen Reiseplanen die im Werke sind mitzutheilen ich genieße dieses alles in Gedanken mit, du hast gewiß keine treuere Theilnehmendere Freundinn als an mir, ich kann es dir nur so wenig bezeugen, da wir <hi rend="overstrike:1">mit</hi> <hi rend="offset:4">durch</hi> unsrer Lage so aus einander gerückt sind. Meine Reise nach <placeName key="15">Berlin</placeName> war mir einzig darum so wünschens werth um dir einmal wieder nahe zu kommen, ich fürchtete sonst bey dir almählich in Vergeßenheit zu kommen. – Das Zweyte worum ich dich sehr bitte, ist mir etwas von <persName key="132">der Bernhardin</persName> zu melden, ich weiß so <hi rend="overstrike:1">lange</hi> manches von ihrer Lage und ihren Absichten und nun erfahre ich so wenig von ihr als wenn sie in einem andern Welttheile wäre, denn auch <persName key="122">die Albertin</persName> weiß nichts, und doch nehme ich an diesem zarten interreßanten Wesen so viel Antheil! und <persName key="96"><persName key="44">die zwey prächtige Jungen</persName></persName> die sie hat! noch niemals hate ich mich <milestone unit="start" n="2234"/>[3]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="2234"/> an fremde Kinder so <hi rend="family:Courier">attachirt</hi> als an diese Die Trennung von dieser Familie wird dir doch auch wohl sehr schwer geworden seyn! Jetzt erst bin ich dahin gelangt, <name key="5627" type="work"><name key="145" type="work"><name key="5626" type="work"><name key="5628" type="work">deine Vorlesungen</name></name></name></name> die du in <name key="144" type="periodical">der Europa</name> gerückt hast zu lesen, sie sind so äußerst wichtig für mich, daß ich es für mich nicht genug beklagen kann, daß ich nicht unter die glücklichen gehört hate, die <name key="3628" type="work">deine Vorlesungen</name> vollständig haben hören können. Wenn ehr werden wir <name key="167" type="work"><name key="261" type="work">den <persName key="166">Calderon</persName>i</name></name> und <name key="344" type="work">den <persName key="4">Schakespear</persName></name> bekommen? Vorige Woche habe ich <persName key="31">Fromann</persName> aus <placeName key="12">Jena</placeName> kennen lernen. Theile mir ja von deinen litterarischen Arbeiten und Planen mit hat <persName key="222">die Fr. v. Stael</persName> nichts im Werke. Was hältst du von <persName key="8">Friedrichs</persName> Existenz in <placeName key="172">Cöln</placeName>? sie scheint mir angenehm aber <hi rend="family:Courier">precair</hi> zu seyn, was mögen <persName key="180"><persName key="8">die guten Leute</persName></persName> mit dem meubliren, und wieder den Verkauf der Sachen für unnütz Geld verthan haben!<lb/>Mit <persName key="122">der Albertin</persName> ist es nun einmal ein verpfuschtes Leben, und recht wird es wohl nicht wieder ins Gleis kommen, auch ist sie sehr kränklich, <persName key="8358"><persName key="8955">Graffs</persName></persName> bezeugen sich als ihre treuen Freunde.<lb/>Von <persName key="130"><persName key="48">Tieks</persName></persName> erfahre ich gar nichts, ich glaube sie werden nach <placeName key="282">Töplitz</placeName> reisen<lb/><milestone unit="start" n="2235"/>[4]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="2235"/> wir leben ziemlich gesund in unserm gewöhnlichen leben recht vergnügt fort.<lb/>Uebermorgen wird <persName key="121">unsers Gustchen</persName> Geburtstag seyn, da wird eine kleine <hi rend="family:Courier">fete</hi> bey uns seyn – Wenn man sich nur einmal nach <placeName key="228">Coppet</placeName> versetzen könnte um die herrliche Aussicht mit dir zu genießen! –<lb/><lb/>Sie sind auf einmal von <placeName key="15">Berlin</placeName> weggezaubert, werthester Herr Bruder, und schienen doch für Berlin so nothwendig zu seyn. Da, wo es <persName key="129">mir</persName> durch Sie so außerordentlich wohl gefiel, würde es mir nun ohne Sie nicht einen Augenblick gefallen können. Ich ergötze mich noch an den Reminiscenzen vom dasigen schönen Leben. Bey meinem sterilen Tagewerk ist eine Verjüngung meines Geistes gewesen. Mit groser Begierde lese ich <name key="3628" type="work">Ihre Vorlesungen</name> in <name key="144" type="periodical">der Europa</name>, es ist mir, als hörte ich Ihren überzeugenden Vortrag von Ihren Lippen fließen, umgeben von der stillen Aufmerksamkeit Ihrer zahlreichen Zuhörer, unter denen ich mich 3mal zu befinden so glücklich war.<lb/>Von uns, verborgen im stillen häuslichen Leben kann ich Ihnen durchaus nicht Ausgezeichnetes melden. Desto herzlicher lieben wir Sie, und denken an unsren entfernten zärtlichen Bruder Ihr Bruder L. Emmanuel<lb/>Ernst.<lb/><placeName key="1524">Pillnitz</placeName>, d. 15. <hi rend="family:Courier">Jul.</hi> 1804</p></div></body></text></TEI>
