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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="6720"><titleStmt><title>Friedrich Conrad Griepenkerl, Philipp Emanuel von Fellenberg an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/briefedigital/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname></persName></edition></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-01-22</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Neu transkribiert und ausgezeichnet; zweimal kollationiert</ab></availability><date when="2022-01-26"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/briefedigital/letters/view/6720</idno></publicationStmt><sourceDesc><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,21,39</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-6</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2320260</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">23,2 x 18,8 cm</ab><ab type="note">Empfangsort erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/briefedigital/letters/view/6720"><correspAction type="sent"><persName key="6339" ref="http://d-nb.info/gnd/104345616">Friedrich Conrad Griepenkerl</persName><persName>Philipp Emanuel von Fellenberg</persName><placeName key="6334" ref="http://d-nb.info/gnd/4401323-1">Hofwil</placeName><date when="1811-09-12">1811-09-12</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="226" ref="http://d-nb.info/gnd/2004253-X">Bern</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6_tif/jpegs/00000141.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6_tif/jpegs/00000142.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6_tif/jpegs/00000143.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6/Mscr_APP2712-Bd-6_Bd.6_tif/jpegs/00000144.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p><milestone unit="start" n="20268"/>[1]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="20268"/> Vielen Dank sind wir Ihnen schuldig, Herr Professor, für den vortrefflichen kleinen Aufsatz und für die Erlaubniss, welche Sie <persName key="6339">mir</persName> neulich durch <persName key="10564">Frau von Haller</persName> gegeben haben. ich darf also bitten – und Sie wollen mir von Ihrem Reichthume mittheilen. Wie könnte ich diese Ihre gütige Zusage unbenutzt lassen! Der Erzieher bedarf so sehr der hülfreichen Unterstützung gelehrter Männer, er selbst hat nicht Zeit zu Untersuchungen, die um ihrer selbst willen unternommen sein wollen, wenn sie gelingen sollen, sein ganzer Fleiß ist der augenblicklichen Sorge für seine Zöglinge dahin gegeben. Und doch ist ihm zur vollendeten Führung seines Geschäftes fast das ganze menschliche Wissen nöthig: denn wo wäre irgend ein Zweig desselben, der nicht unter gegebenen Umständen bildender als jeder andere würken könnte? – Fände nur der Erzieher stets so freundliche Hülfe, als ich das Glück hatte von Ihnen zu erhalten! –<lb/>Die Bemerkungen in Ihrem interessanten Aufsatze, welche mir die meiste pädagogische Wichtigkeit zu haben scheinen, sind die über die eigene Verwandtschaft der neulateinischen Sprachen mit der Deutschen und der Lateinischen – über <name key="194" type="work">das Lied der Nibelungen</name> – über <name key="124" type="work"><persName key="2062">Tassos</persName> befreites Jerusalem</name> – über den <persName key="4671">Cid</persName> und <persName key="166">Kalderons</persName> Werke – über <name key="126" type="work">die Lusiade <persName key="968">des Camoens</persName></name> und über die pädagogische Unbrauchbarkeit der Französischen Literatur.<lb/><milestone unit="start" n="20269"/>[2]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="20269"/> ich erinnere mich, einmal von einem Versuche über die genetische Erklärung der neulateinischen Sprachen gehört zu haben. Ist dieser Versuch zu Stande gekommen? Hat er eine brauchbare Ausbeute gegeben? Beschäfftigt sich vielleicht mit dem Gegenstande jetzt irgend ein der Sache kundiger Mann?<lb/>Das Lied der Nibelungen ist schon in meiner Hand in <name key="2081" type="work">der neuesten Ausgabe <persName key="926">des H. v. d. Hagen</persName></name>. Ein vortreffliches Buch! Kein besseres möchte zu finden sein, um die schlafende Deutschheit wieder zu erwecken. Sein pädagogischer Gebrauch muß verbreitet werden. Wir wollen nach unseren Kräften dazu mitwürken. Aber der Vorarbeiten mangeln noch so viele. Welch ein Verdienst um die Wiederbelebung Deutschen Sinnes und Deutscher Kraft, um die rechte Würdigung aller Deutscher Dichtung erwarben sich die Männer, die uns die Verständniß dieses herrlichen Liedes eröffnen! Hier ist der Dank der Deutschen Nachwelt in hohem Grade zu gewinnen. Möchten Sie doch bald Muße finden, <name key="1891" type="work">Ihr angefangenes Werk darüber</name> zu vollenden! In dieser Beziehung freue ich mich, ich freue mich für Deutschland, daß Sie diesseit des Weltmeers bleiben. Verlassen Sie Ihr Vaterland nicht. Kein guter Sohn verläßt die erkrankte Mutter. – Aber bis Ihre vielversprechenden Arbeiten über das Lied der Nibelungen fertig sind – sagen Sie mir, welches ist das brauchbarste Wörterbuch? wo findet sich eine gute Grammatik dieser Sprache? <milestone unit="start" n="20270"/>[3]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="20270"/> wo sind die unentbehrlichsten historischen Notizen aufgezeichnet? wo erhält man Auskunft über die Aussprache? was bedeuten die Zeichen über einzelnen Vokalen in der Ausgabe des H. v. d. Hagen? – Welche Gründe haben Sie, zu vermuthen, daß <persName key="894">Attila</persName> im Lied der Nibelungen auftrete? – – – <lb/>Tasso singt eine frühere Begebenheit in Form, Ton und Sprache seiner Zeit. Sollte <name key="124" type="work">dies Gedicht</name> geeignet sein, dem Zöglinge die Sinnesart, die Gestalt der Sitten und die ganze Art der Kreuzfahrer und ihres Zeitalters vorzuführen? Sollte nicht vielmehr die Graciä, die Feinheit, die Eleganz von Tassos Zeit daran zu erkennen sein? –<lb/>Der Cid ist wohl eins der bedeutendsten Werke zu pädagogischem Zweck. Hat die Sprache nicht zu große Schwierigkeiten? Ist <name key="6335" type="work"><persName key="367">Herders</persName> Übersetzung</name> in den Hauptsachen durchaus treffend? – Fand <persName key="166">Calderon</persName> so gute Erklärer als <persName key="4">Schakspear</persName>? Auf allen Fall wird Ihre Übersetzung den Erzieher trefflich orientiren. –<lb/>Von der Lusiade des Camoens wuste ich am wenigsten. Sie zeichnen dies Gedicht als eins der herrlichsten aller Zeiten. Giebt die <name key="127" type="work">vor einigen Jahren erschienene Übersetzung</name> desselben einen Begriff von dem Werthe des Originals?   <lb/><milestone unit="start" n="20271"/>[4]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="20271"/> Schakspear schwebt über aller Zeit. ich würde Bedenken tragen, an ihn irgend etwas zu knüpfen. Er allein hat so viel Bildendes als die ganze Englische Geschichte. Er ist der Probestein des vielgewandten Geistes. Hat der Jüngling nicht Talent und Zeit, um ihn in der schweren Ursprache zu lesen, so darf ihm doch <name key="344" type="work">Ihre herrliche Übersetzung</name> nicht fehlen. –<lb/>Wissen Sie ein Mittel, das Bedürfniß des Französisch-Plauderns, wodurch dem Kinde und dem Knaben die edle Jugendzeit vergiftet ward, unschädlich zu machen? – Sind Sie auch der Meinung, daß es kein Mittel gebe, <hi rend="offset:4">noch</hi> den Jüngling gut Französisch reden zu lehren?<lb/>Ist es durchaus unumgänglich, daß schon das Kind durch dies unglückliche Gemengsel die Seele seiner Muttersprache verliere? – – – – – – – – – – –<lb/>Wenn einst <persName key="274">Homer</persName>, das Lied der Nibelungen und so viele andere Herrlichkeiten die läppischen Kinderschriften verdrängt haben, dann ist es Zeit, auch anderen Hoffnungen wieder Raum zu geben. –<lb/>Mit der innigsten Hochachtung und Dankbarkeit habe ich die Ehre, mich zu nennen<lb/>Ihren<lb/>ergebensten<lb/>F. Griepenkerl<lb/><placeName key="6334">Hofwyl</placeName> bei <placeName key="226">Bern</placeName> d. 12<hi rend="offset:4">ten</hi> 9<hi rend="offset:4">ten</hi><lb/>1811 <lb/><lb/>Es versteht sich wohl von Selbst daß <persName key="6339">Griepenkerl</persName> auch für <persName key="8322">mich</persName> dankt. Hochachtungsvoll Ihr<lb/>Fellenberg</p></div></body></text></TEI>
