• August Wilhelm von Schlegel , Anne Louise Germaine de Staël-Holstein to Helmina von Chézy

  • Place of Dispatch: Coppet · Place of Destination: Paris · Date: 07.09.1808
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling, partially newly transcribed
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    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel, Anne Louise Germaine de Staël-Holstein
  • Recipient: Helmina von Chézy
  • Place of Dispatch: Coppet
  • Place of Destination: Paris
  • Date: 07.09.1808
  • Notations: Da der Druck nur den Teil des Briefs von August Wilhelm Schlegel wiedergibt, wurde der Teil von Anne Louise Germaine de Staël-Holstein neu transkribiert. – Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 221‒223.
  • Incipit: „[1] [Edierter Text von Josef Körner:]
    Coppet d. 7 Sept. 1808
    Für ein so freundliches Lebenszeichen, als Sie mir durch Ihren Brief gegeben, [...]“
    Manuscript
  • Provider: Kraków, Biblioteka Jagiellońska
    Language
  • German
  • French
    Editors
  • Bamberg, Claudia (Anteil Neutranskription)
  • Varwig, Olivia (Anteil Neutranskription)
[1] [Edierter Text von Josef Körner:]
Coppet d. 7 Sept. 1808
Für ein so freundliches Lebenszeichen, als Sie mir durch Ihren Brief gegeben, meine liebe kleine Freundin, soll es Ihnen verziehen seyn, daß Sie mich vorigen Winter durch ein falsches Gerücht von Ihrem Tode in Schrecken und recht herzliches Bedauern versetzt haben. Ich hatte mir schon vorgenommen, Ihnen zu schreiben, aber in den zwey Monaten, seit ich wieder hier bin, war dieser freywillige Brief durch eine große Menge nothwendige [Geschäfte] verzögert worden. Ich heiße Sie recht von neuem im Leben willkommen, als ob Sie wirklich schon auf eine Zeitlang daraus geschieden wären, und ich hoffe über kurz oder lang Sie zufriedner als je wieder zu sehen. Daß Sie dieß angenehme junge Leben allzu freygebig an neue Wesen mittheilen, an denen ich nun vor der Hand noch nicht so lebhaften Antheil nehmen kann, als an der Erhaltung und Beglückung des Ihrigen, war eben der Umstand, der mir jenes Gerücht glaublich machte. Ich fürchtete es wäre Ihnen im Wochenbette oder durch dessen Folgen etwas zugestoßen. In der That melden Sie mir auch von Ihrer den Winter über erlittnen Kränklichkeit. Lassen Sie sich warnen, liebes Kind! Wollen Sie sich aufopfern, um künftige Conscribirte auf die Welt zu bringen? Gegen Deutschland! Ist das recht, ist das vaterländisch gesinnt? Wie würde eine römische Mutter sich in diesem Falle benehmen?
[2] Aber ohne Scherz: ich sehe mit Bedauern, daß die Erschöpfung an Kräften, die Unbequemlichkeiten und die mütterlichen Sorgen, die hiemit verknüpft sind, Sie an der Ausübung Ihres Talentes hindern, wofür Sie ja, als ich Sie in Paris sah, so viel Eifer bezeugten. Meynen Sie, daß wir andern Liebhaber der Poesie die Ihrige nicht lieber in Ihrer gekritzelten Hand lesen mögen, als in den blauen Augen Ihrer Knaben, von denen Sie mit der Begeisterung eines Autors über seine letzte Hervorbringung reden, denen ich übrigens meinen Glauben gar nicht verweigern will?
Ich danke Ihnen in Friedrichs Namen für Ihr freundschaftliches Andenken an ihn. Hätte ich selbst die Aussicht fortdauernd in Paris zu leben, so könnte ich ungeachtet aller entgegenstrebenden Empfindungen auch wohl wünschen, ihn dort in gelehrter Muße einigermaßen anständig versorgt zu sehen. Jetzt aber haben wir lauter erzdeutsche Plane im Sinn, und das ist, denke ich, doch auf alle Weise besser. Friedrich hat seit geraumer Zeit die orientalischen Studien liegen lassen, und sich mit ganzer Seele in die Geschichte unsers Volkes geworfen. Er arbeitet an einem historischen Schauspiele über Carl V. Seit zwey Monaten ist er in Wien, und benutzt hiezu die Quellen. Wenn sich seine dortigen Verhältnisse günstig ausbilden, so läßt er sich vielleicht in dieser einzigen deutschen Hauptstadt, wo auch ich eine so ausgezeichnet ehrenvolle Aufnahme fand für immer nieder. Seine Frau ist einstweilen, [3] bis sich dieß entscheidet, zu meiner Schwester nach Dresden gereiset.
Über Ihren Brief an Frau v. St.[aël] bedurfte es keiner Entschuldigungen: er ist wie alles was von Ihnen kommt, artig und zierlich, und sie hat eine wahre Freude daran gehabt. Sie wird, denke ich, ihre Antwort auf dieses Blatt schreiben.
Sie schreiben mir ja nichts über Fräulein von Winkel. Giebt sie etwas in die nächste Ausstellung, und was arbeitet und unternimmt sie? Grüßen Sie sie bey nächster Gelegenheit bestens von mir, und ermahnen sie, sich vorzugsweise auf das Copiren alter frommer Bilder zu legen. Dieß ist das einzige was jetzt noth thut, und was, sobald die Welt ein wenig wieder zu Gefühl kommt, einzig gesucht werden wird; die neumodigen mahlerischen Alfanzereyen sind gut für Franzosen, aber nicht für Menschen. Soll jenes aber gelingen, so muß sie selbst auch recht fromm werden, welches übrigens weder der Liebenswürdigkeit noch selbst der Liebe Abbruch thut, sondern beyden großen Segen bringt.
Machen Sie meine besten Empfehlungen an den wackern Chezy, über dessen bessere Beförderung ich mich wahrhaft freue, stärken und erheitern Sie sich, und behalten Sie mich in gutem Andenken.

[4] [Neutranskription:]
il est très vrai Madame, que j’ai pris un intéret bien vif à la triste nouvelle qui s’etait répandue vous êtes heureuse vous rendez heureux un homme très distingué et vos gouts littéraires supposent une aimable disposition de l’ame – j’ai souhaité de connaitre Mr de chezy et je voudrais bien que vous fissiez un voyage en Suisse l’un et l’autre ce n’est qu’ici qu’il m’est permis de voir les personnes qui comme Mr. de chezy honorent la republique des lettres plus je suis triste d’étre exilèe plus je quiterais avec plaisir l’entretien de ceux qui me rappelleraient ma patrie
[1] [Edierter Text von Josef Körner:]
Coppet d. 7 Sept. 1808
Für ein so freundliches Lebenszeichen, als Sie mir durch Ihren Brief gegeben, meine liebe kleine Freundin, soll es Ihnen verziehen seyn, daß Sie mich vorigen Winter durch ein falsches Gerücht von Ihrem Tode in Schrecken und recht herzliches Bedauern versetzt haben. Ich hatte mir schon vorgenommen, Ihnen zu schreiben, aber in den zwey Monaten, seit ich wieder hier bin, war dieser freywillige Brief durch eine große Menge nothwendige [Geschäfte] verzögert worden. Ich heiße Sie recht von neuem im Leben willkommen, als ob Sie wirklich schon auf eine Zeitlang daraus geschieden wären, und ich hoffe über kurz oder lang Sie zufriedner als je wieder zu sehen. Daß Sie dieß angenehme junge Leben allzu freygebig an neue Wesen mittheilen, an denen ich nun vor der Hand noch nicht so lebhaften Antheil nehmen kann, als an der Erhaltung und Beglückung des Ihrigen, war eben der Umstand, der mir jenes Gerücht glaublich machte. Ich fürchtete es wäre Ihnen im Wochenbette oder durch dessen Folgen etwas zugestoßen. In der That melden Sie mir auch von Ihrer den Winter über erlittnen Kränklichkeit. Lassen Sie sich warnen, liebes Kind! Wollen Sie sich aufopfern, um künftige Conscribirte auf die Welt zu bringen? Gegen Deutschland! Ist das recht, ist das vaterländisch gesinnt? Wie würde eine römische Mutter sich in diesem Falle benehmen?
[2] Aber ohne Scherz: ich sehe mit Bedauern, daß die Erschöpfung an Kräften, die Unbequemlichkeiten und die mütterlichen Sorgen, die hiemit verknüpft sind, Sie an der Ausübung Ihres Talentes hindern, wofür Sie ja, als ich Sie in Paris sah, so viel Eifer bezeugten. Meynen Sie, daß wir andern Liebhaber der Poesie die Ihrige nicht lieber in Ihrer gekritzelten Hand lesen mögen, als in den blauen Augen Ihrer Knaben, von denen Sie mit der Begeisterung eines Autors über seine letzte Hervorbringung reden, denen ich übrigens meinen Glauben gar nicht verweigern will?
Ich danke Ihnen in Friedrichs Namen für Ihr freundschaftliches Andenken an ihn. Hätte ich selbst die Aussicht fortdauernd in Paris zu leben, so könnte ich ungeachtet aller entgegenstrebenden Empfindungen auch wohl wünschen, ihn dort in gelehrter Muße einigermaßen anständig versorgt zu sehen. Jetzt aber haben wir lauter erzdeutsche Plane im Sinn, und das ist, denke ich, doch auf alle Weise besser. Friedrich hat seit geraumer Zeit die orientalischen Studien liegen lassen, und sich mit ganzer Seele in die Geschichte unsers Volkes geworfen. Er arbeitet an einem historischen Schauspiele über Carl V. Seit zwey Monaten ist er in Wien, und benutzt hiezu die Quellen. Wenn sich seine dortigen Verhältnisse günstig ausbilden, so läßt er sich vielleicht in dieser einzigen deutschen Hauptstadt, wo auch ich eine so ausgezeichnet ehrenvolle Aufnahme fand für immer nieder. Seine Frau ist einstweilen, [3] bis sich dieß entscheidet, zu meiner Schwester nach Dresden gereiset.
Über Ihren Brief an Frau v. St.[aël] bedurfte es keiner Entschuldigungen: er ist wie alles was von Ihnen kommt, artig und zierlich, und sie hat eine wahre Freude daran gehabt. Sie wird, denke ich, ihre Antwort auf dieses Blatt schreiben.
Sie schreiben mir ja nichts über Fräulein von Winkel. Giebt sie etwas in die nächste Ausstellung, und was arbeitet und unternimmt sie? Grüßen Sie sie bey nächster Gelegenheit bestens von mir, und ermahnen sie, sich vorzugsweise auf das Copiren alter frommer Bilder zu legen. Dieß ist das einzige was jetzt noth thut, und was, sobald die Welt ein wenig wieder zu Gefühl kommt, einzig gesucht werden wird; die neumodigen mahlerischen Alfanzereyen sind gut für Franzosen, aber nicht für Menschen. Soll jenes aber gelingen, so muß sie selbst auch recht fromm werden, welches übrigens weder der Liebenswürdigkeit noch selbst der Liebe Abbruch thut, sondern beyden großen Segen bringt.
Machen Sie meine besten Empfehlungen an den wackern Chezy, über dessen bessere Beförderung ich mich wahrhaft freue, stärken und erheitern Sie sich, und behalten Sie mich in gutem Andenken.

[4] [Neutranskription:]
il est très vrai Madame, que j’ai pris un intéret bien vif à la triste nouvelle qui s’etait répandue vous êtes heureuse vous rendez heureux un homme très distingué et vos gouts littéraires supposent une aimable disposition de l’ame – j’ai souhaité de connaitre Mr de chezy et je voudrais bien que vous fissiez un voyage en Suisse l’un et l’autre ce n’est qu’ici qu’il m’est permis de voir les personnes qui comme Mr. de chezy honorent la republique des lettres plus je suis triste d’étre exilèe plus je quiterais avec plaisir l’entretien de ceux qui me rappelleraient ma patrie
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