• August Wilhelm von Schlegel to Friedrich Schleiermacher

  • Place of Dispatch: Braunschweig · Place of Destination: Berlin · Date: 27.10.1800
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Friedrich Schleiermacher
  • Place of Dispatch: Braunschweig
  • Place of Destination: Berlin
  • Date: 27.10.1800
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Schleiermacher, Friedrich: Kritische Gesamtausgabe. Hg. v. Hans-Joachim Birkner u. Hermann Fischer. Berlin u.a. 1980ff. Abt. 5, Bd. 4. Briefwechsel 1800 (Briefe 850‒1004). Hg. v. Andreas Arndt u. Wolfgang Virmond. Berlin u.a. 1994, S. 306‒308.
  • Incipit: „[1] Braunschweig d. 27 Oct. 1800
    Vor fünf Tagen langte ich hier nach einer auf mancherley Art zerstreuenden Reise von drey Wochen [...]“
    Manuscript
  • Provider: Berlin, Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
  • Classification Number: NL F. D. E. Schleiermacher, Nr. 372.2. Bl.39–40r
  • Number of Pages: 2 S., hs. m. U.
    Language
  • German
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 350]/version-01-20/letters/view/3291" data-language="">
[1] Braunschweig d. 27 Oct. 1800
Vor fünf Tagen langte ich hier nach einer auf mancherley Art zerstreuenden Reise von drey Wochen an und erhielt Ihren Brief vom 14ten. Ich freue mich Ihres fortdauernden Eifers für unser Geschäft, theuerster Freund, über das ich nun aber für jetzt nichts weiter schreiben kann, weil ich immer noch auf Antwort von Cotta warte, die nun in diesen Tagen eintreffen wird, denn es ist länger als drey Wochen seit ich ihm schrieb. Sollte er zurücktreten, so bin ich beynah der Sache die gleich bey ihrer Entstehung so viele Widerwärtigkeiten erfahren mußte, überdrüßig, indessen will ich gern zu allem die Hände bieten. Nur zu einem jungen Buchhändler habe ich kein Zutrauen; wir haben mit Michaelis und Frölich gar zu üble Erfahrungen gemacht.
Zeit ist mit den Unterhandlungen viel verlohren gegangen, – doch ist der letzte Meßkatalog so mager, daß wir die Literatur leicht werden einhohlen können.
[2] Tausend Dank wegen der Besorgung bey Schadow. Bezeugen Sie ihm vorläufig meine große Freude. Ich will ihm selbst umständlich schreiben, und warte dazu nur auf Skizzen von Göttingen, die ich am nächsten Posttage schon zu haben hoffe. Dann denke ich Ihnen über unsre Sachen auch mehr schreiben zu können, heut nur diese vorläufigen Zeilen.
Im Carolinum wird in alten und neuen Sprachen guter Unterricht ertheilt. In diesem Fache sind Eschenburg, Emperius, Wagener, Boutemi und Gattinara angestellt. Zur Vorbereitung auf das Akademische möchte für einen künftigen Civilbeamten Lüder, der Geschichte, Statistik u.s.w. lehrt, wohl der wichtigste Mann seyn. Zimmermann thut weniger für das Carolinum als wohl gewünscht würde. Doch soll er in der Geographie guten Unterricht ertheilen. Zu Privatissimis ist auch alle Gelegenheit. So könnte mein Schwager, Professor Wiedemann, der eigentlich nicht am Carolinum [3] steht, Naturgeschichte lehren.
Ehedem wohnten auswärtige Zöglinge auf einem öffentlichen Gebäude, wo für die Aufsicht gesorgt war; diese Anstalt ist aber schon seit mehren Jahren aufgehoben. Der junge Mann müßte also entweder einen Hofmeister haben, oder in einer hiesigen Familie leben, und der Aufsicht eines Professors anvertraut seyn. Im Fall er keinen Hofmeister hat, erbietet sich mein Schwager dazu. Er könnte bey ihm wohnen, und den Tisch haben pp. Bringt er einen Hofmeister mit, so könnte es mit auf diesen eingerichtet werden.
Für Wohnung, Frühstück, Mittags und AbendTisch ohne Wein, Licht, Bettwäsche und andere kleine Bedürfnisse (aber keine Feurung) pflegt ein Zögling hier 300 rth Courant Gold zu bezahlen. – Der Preis der Wohnung, Lebensmittel usw ist jetzt hier sehr hoch.
Eintritt in guten bürgerliche Häu[4]sern könnte ein solcher junger Mann so viel haben, als er wünscht. Er kann aber auch an den Hof gehen, und wird da gewiß mit Auszeichnung aufgenommen.
Adieu, die Post geht ab. Schreiben Sie nur wieder hieher. Nächstens mehr
Ihr
AW Schlegel
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 432]/version-01-20/letters/view/3291" data-language="">
[1] Braunschweig d. 27 Oct. 1800
Vor fünf Tagen langte ich hier nach einer auf mancherley Art zerstreuenden Reise von drey Wochen an und erhielt Ihren Brief vom 14ten. Ich freue mich Ihres fortdauernden Eifers für unser Geschäft, theuerster Freund, über das ich nun aber für jetzt nichts weiter schreiben kann, weil ich immer noch auf Antwort von Cotta warte, die nun in diesen Tagen eintreffen wird, denn es ist länger als drey Wochen seit ich ihm schrieb. Sollte er zurücktreten, so bin ich beynah der Sache die gleich bey ihrer Entstehung so viele Widerwärtigkeiten erfahren mußte, überdrüßig, indessen will ich gern zu allem die Hände bieten. Nur zu einem jungen Buchhändler habe ich kein Zutrauen; wir haben mit Michaelis und Frölich gar zu üble Erfahrungen gemacht.
Zeit ist mit den Unterhandlungen viel verlohren gegangen, – doch ist der letzte Meßkatalog so mager, daß wir die Literatur leicht werden einhohlen können.
[2] Tausend Dank wegen der Besorgung bey Schadow. Bezeugen Sie ihm vorläufig meine große Freude. Ich will ihm selbst umständlich schreiben, und warte dazu nur auf Skizzen von Göttingen, die ich am nächsten Posttage schon zu haben hoffe. Dann denke ich Ihnen über unsre Sachen auch mehr schreiben zu können, heut nur diese vorläufigen Zeilen.
Im Carolinum wird in alten und neuen Sprachen guter Unterricht ertheilt. In diesem Fache sind Eschenburg, Emperius, Wagener, Boutemi und Gattinara angestellt. Zur Vorbereitung auf das Akademische möchte für einen künftigen Civilbeamten Lüder, der Geschichte, Statistik u.s.w. lehrt, wohl der wichtigste Mann seyn. Zimmermann thut weniger für das Carolinum als wohl gewünscht würde. Doch soll er in der Geographie guten Unterricht ertheilen. Zu Privatissimis ist auch alle Gelegenheit. So könnte mein Schwager, Professor Wiedemann, der eigentlich nicht am Carolinum [3] steht, Naturgeschichte lehren.
Ehedem wohnten auswärtige Zöglinge auf einem öffentlichen Gebäude, wo für die Aufsicht gesorgt war; diese Anstalt ist aber schon seit mehren Jahren aufgehoben. Der junge Mann müßte also entweder einen Hofmeister haben, oder in einer hiesigen Familie leben, und der Aufsicht eines Professors anvertraut seyn. Im Fall er keinen Hofmeister hat, erbietet sich mein Schwager dazu. Er könnte bey ihm wohnen, und den Tisch haben pp. Bringt er einen Hofmeister mit, so könnte es mit auf diesen eingerichtet werden.
Für Wohnung, Frühstück, Mittags und AbendTisch ohne Wein, Licht, Bettwäsche und andere kleine Bedürfnisse (aber keine Feurung) pflegt ein Zögling hier 300 rth Courant Gold zu bezahlen. – Der Preis der Wohnung, Lebensmittel usw ist jetzt hier sehr hoch.
Eintritt in guten bürgerliche Häu[4]sern könnte ein solcher junger Mann so viel haben, als er wünscht. Er kann aber auch an den Hof gehen, und wird da gewiß mit Auszeichnung aufgenommen.
Adieu, die Post geht ab. Schreiben Sie nur wieder hieher. Nächstens mehr
Ihr
AW Schlegel
×
×