• Charlotte Ernst , Ludwig Emanuel Ernst to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Dresden · Place of Destination: Paris · Date: 22.02.1821
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Charlotte Ernst, Ludwig Emanuel Ernst
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Dresden
  • Place of Destination: Paris
  • Date: 22.02.1821
  • Notations: Empfangsort erschlossen. – Charlotte Ernst lässt bei „ch“-Schreibungen oft das „c“ weg. Hier wurde korrigierend eingegriffen.
    Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-1a-33449
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.7,Nr.21
  • Number of Pages: 6S., hs. m. U.
  • Format: 20,8 x 12,8 cm
  • Incipit: „[1] Da hat mein gutes drollichtes Gustchen einen langen englischen Brief an dich geschrieben, villeicht anfänglich nur ihre Phantasie zu [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 350]/version-01-20/letters/view/4205" data-language="">
[1] Da hat mein gutes drollichtes Gustchen einen langen englischen Brief an dich geschrieben, villeicht anfänglich nur ihre Phantasie zu befriedigen sich mit dir zu unterhalten, doch er ist so ganz der Abdruck ihrer Seele und ihrer Gefühle, das er nothwendig in deine Hände kommen muß, beantworte ihn ihr aber ja, das gute Kind hat schon so manches erfahren was ihr Mistrauen gegen die Menschen einflößt, alle Vernachläßigungen die ihren Glauben noch mehr erschüttern sind eine Grausamkeit die einen schädlichen Einfluß auf ihr Leben haben können, es ist schon sehr was seltnes daß sie so entgegen kommend ist, ihr Herz muß sehr dabey im Spiele seyn, auf ihre Onkels hat sie immer einen großen Stolz gehabt das ist so mit ihr aufgewachsen. – Die besten Nachrichten die ich von dir erhalten habe sind von Blumenbachen gewesen, dieser alte Mann mit seinem Feuer war ganz belebt wenn er von dir und deinen Indischen Unternehmungen sprach zu der Zeit glaubte er dich noch in Paris, aber jetzt mußt du doch längst zurück gekehrt seyn. Du hast dich durch diese Unternehmungen in eine neue Welt begeben. Ich habe mit dem größten Intereße deine Indischen Blätter gelesen, für das riesenhafte Unternehmen aber erstaune ich, ein solches gelehrtes Fach kann ein Menschenleben wie nichts verschlucken, und es scheint mir denn vil zu kurz zu seyn, wie mir es wenn ich es von der andern Seite betrachte, die Einrichtung unsers Lebens, das Thun ud Trachten der meisten Menschen, scheint es mir wieder hinlänglich lang. Wohl dir liebster Wilhelm wenn jeder Augenblick deines Fortschreitens im [2] Leben interreßanter wird, und du die Abnahme nicht fühlst, daß ist dann ein wirkliches herrliches Leben. Gustchen wie du aus ihrem Briefe sehen wirst hat sich völlig der Kunst gewidmet, sie faßte den Entschluß in Hannover da der gut angelegte Plan, wahrscheinlich weil man ihn übereilte nicht glückte in Ansehung Buttlars, es war gar nicht meine Idee daß sie sogleich damit heraus platzen sollten, Papen sein Eifer war zu groß, ud zu meinem Schrecken platzten sie gleich mit bestimten Bewerbungen vor wie sie kaum angelangt bey solchen Planen muß man erst mit langsamen Schritten gehen, und sein terrain völlig sicher heben ehe man heraustritt. Für Eine Versorgung in einer kleinen Stadt, die nicht einmal völlig ihren Mann nährt hat Gustchen eine aversion und ich auch keine Lust noch ein Capital her zu geben um sie zu etabliren wo sie ein monotones und für ihren Geist schläfriges Leben führen würde. Wir haben daher ganz den Gedanken fahren laßen Buttlarn wo anzubringen. Gustchen entschloß sich ohne meine Zuthun in Hannover dazu es war mir wohl Anfangs nicht ganz recht ich hatte doch aber auch kein Recht es zu hindern da wir ihr nicht hinlänglich Vermögen zusichern können. Sie fand erstaunlich vil Aufnahme man fand es interreßant daß die junge Frau so ihre Parthie zu machen wußte, und sie konnte nicht genug mahlen, meine Tochter aber [3] die fühlte daß ihr noch vil fehlte, und das sie ins schmieren kommen möchte, machte sich bald davon, und sie setzt nun ihren Eifer fort, es glückt ihr auch gut, ihre Copien auf der Gallerie waren schön, Auch Miniaturen macht sie sehr hübsch. Doch wünsche ich nun so herzlich, daß sie wirklich ein ächtes Kunstleben, führen soll, und immer dem Hauptzwecke der Vervollkomnung treu nach gehen soll, da sie bey einer kleinen Trägheit, äußrer Dinge bedarf die ihr einen Stoß geben, so wünschte ich selbst daß sie eine interreßante Reise machte. Sie denkt nun nach Wien freylich wird es vil kosten, die Logis sollen so theuer seyn, die Reise x aber ich halte es ganz nothwendig ihr eine Aufmunterung zu schaffen wenn sie was leisten soll, da du unser Leben und unsre Verhältniße hier nicht kennst so kannst du xx ich dir das nicht so detailliren, aber eine Anfrischung des Lebens ist ihr nöthig. Ich wollte sie könnte ihre Künstlerischen Absichten mit einer Reise nach Bonn vereinbaren, du wärst der rechte Mann, den schönen Lebensfunken der in ihr liegt, und der sich strebt los zu winden, durch deinen Umgang in ihr willig heraus zu arbeiten. Ewig wird ich trauern wenn dieses zarte Wesen, durch die Macht Gewalt der Umstände gedrückt, in ein ein töniges Schlendrians Leben verfiel. [4] Gustchen wird bald wieder in die Wochen kommen ich hoffe doch mit diesem zweyten Kinde wird es nun sein Bewenden haben, die Schwierigkeiten wachsen mit jedem Kinde, ich werde wieder wie ich es beym ersten gethan habe die Sorge ud die Pflege des Kindes ganz übernehmen. Es ist nicht möglich das Eltern ihrem Kinde mehr Opfer bringen als wir dem unsrigen, möchten wir nun auch die wahre Weisheit haben, grade das Beste, für unser Kindes Glück das Ersprießlichste zu wählen. So ist es mit dem Reisen, man ist so ungewiß uns das Beste ist. Sie hat auch wohl noch einen Wunsch den ich für einen chimärischen halte, weil er über unsre Kräfte gehen würde. Sie wünschte nämlich auf eine kurze Zeit nach Paris zu gehen und bey Isabé Unterricht zu nehmen. Ich glaube aber nicht das Isabé Stunden giebt oder er würde doch wenigstens ungeheuer theuer seyn. Es ist wahr könnte sie sich die Manier dieses Meisters aneignen so wäre dies eine sichre Fundgrube denn er ist der eleganteste Portrait Mahler den man sich nur denken kann. Sie hat auch im ganzen sehr wenig Unterricht gehabt, in dem Malen gar nicht da hat sie nur von einem Schüler im Technischen etwas Unterricht genoßen. Könntest du mir deinen brüderlichen Rath seyn geben und geben wie vil zuversichtlicher würde es uns in unsern Schritten machen wenn wir deine Zustimmung hätten, lege einmal deine gelehrten Arbeiten an die Seite und setze dich zu einen liebevollen Brief für uns hin lieber Bruder.
Mit unserm Befinden geht es leidlich, meine Gicht hat mir böse mitgespielt, doch erhalte ich mich länger als ich gedacht habe. Mein Mann genießt einer guten Ge[5]sundheit zu genießen Gott erhalte ihn noch lange für x das Glück seiner Familie.
Das Tiek in Dresden ist wirst du wißen, sie leben mit einer Gräfinn von Finkenstein zusammen, ud machen ein recht artiges Haus zum Thee nämlich sind sie immer bereit Besuch zu empfangen. Almählich wird sein Kreis zu ausgedehnt, er hat Umgang mit vilen Vornehmen die ihn oft bey sich sehen, Kurz er hat recht die Vogue und es scheint ihm sehr zu gefallen, sein Lesen wird bewundert und es ist wahr im Komischen habe ich noch nichts ähnliches gehört, er hat hübsche Töchter und ich glaube sein Plan ist sie vornehm zu verheyrathen, man hat schon von einem Graf Kalkreuth gesprochen doch da ist es wohl nichts, wenn er auch etwas verliebt ist, so ist hängt er zu sehr an seinem Adel, er ist Grandios und braucht vil Geld und dann ist die Catholische Religion ein Hinderniß es ist doch ein gefährliches Spiel die jungen Mädchen so ausschließend mit vornehmen liebenswürdigen Männern umgehn zu laßen, wenn es nicht glückt so paßen andre Parthien nicht mehr aus den bürgerlichen Ständen. Tiek ist immer freundlich und gut gegen mich wir haben zuweilen sehr vergnügte Abende gehabt, doch kann ich ihn nicht zu oft sehen als ich wünschte da er sehr entouriert ist
Der älteste Veith ist hier in Dresden angekommen mit einer hübschen jungen Frau, er will den Winter hier bleiben und im Frühjahr Herbst wieder nach Italien gehen, er hoft die Mutter soll kommen, das würde uns eine große Freude seyn, ich glaube sein Erbtheil muß ansehnlich seyn.
[6] Die Chezy Chezy läßt dich herzlich grüßen, sie bleibt nun einmal dieselbe, ud ist nicht zu v[er]beßern, eine gewiße Gutmüthigkeit ist ihr nicht abzusprechen, doch mit so vilen andern Ingredienzen vermischt daß sie sich ganz darinnen verliert, sie hat mir aufgetragen dir zu sagen daß sie ein Stück aus dem Calderon übersetzt doch habe ich unglücklicher Weise den Titel vergeßen. Nun leb wohl liebster Bruder Gott schenke dir so vil Freuden als dein reicher Geist umfaßen kann. Gedenke unsrer mit Liebe
Charlotte Ernst.
Die Gräfin v. Finckenstein, Tyk, und seine Familie, empfehlen sich Ihnen.
Innigsten Dank, verehrtester Herr Bruder, für die uns überschickten Hefte Ihrer Indischen Bibliothek. Wie glücklich haben Sie uns damit gemacht. Staunend bewundere ich das unverdrossene Unternehmen Ihres mächtigen Geistes, diesen Coloß orientalischer Weisheit unsrer Kenntniß in Europa näher zu rücken. Welch edles Bemühen, ein, in grauen Jahrhunderten von den Bewohnern am Ganges tiefsinnig aufgebautes hohes Geisteswerk, durch Ihre Darzwischenkunft, vor den Fluten der Zeit gerettet zu sehen.
Erfreute uns doch bald, geehrtester Herr Bruder, eine Zeile von Ihrer Hand an uns, mit der Versicherung, daß Sie Sich wohl befinden, und uns unverändert freundschaftlich zugethan sind und bleiben.
Ihr ergebenster L. Emmanuel Ernst .
Dresden, d. 22. Febr. 1821.
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 432]/version-01-20/letters/view/4205" data-language="">
[1] Da hat mein gutes drollichtes Gustchen einen langen englischen Brief an dich geschrieben, villeicht anfänglich nur ihre Phantasie zu befriedigen sich mit dir zu unterhalten, doch er ist so ganz der Abdruck ihrer Seele und ihrer Gefühle, das er nothwendig in deine Hände kommen muß, beantworte ihn ihr aber ja, das gute Kind hat schon so manches erfahren was ihr Mistrauen gegen die Menschen einflößt, alle Vernachläßigungen die ihren Glauben noch mehr erschüttern sind eine Grausamkeit die einen schädlichen Einfluß auf ihr Leben haben können, es ist schon sehr was seltnes daß sie so entgegen kommend ist, ihr Herz muß sehr dabey im Spiele seyn, auf ihre Onkels hat sie immer einen großen Stolz gehabt das ist so mit ihr aufgewachsen. – Die besten Nachrichten die ich von dir erhalten habe sind von Blumenbachen gewesen, dieser alte Mann mit seinem Feuer war ganz belebt wenn er von dir und deinen Indischen Unternehmungen sprach zu der Zeit glaubte er dich noch in Paris, aber jetzt mußt du doch längst zurück gekehrt seyn. Du hast dich durch diese Unternehmungen in eine neue Welt begeben. Ich habe mit dem größten Intereße deine Indischen Blätter gelesen, für das riesenhafte Unternehmen aber erstaune ich, ein solches gelehrtes Fach kann ein Menschenleben wie nichts verschlucken, und es scheint mir denn vil zu kurz zu seyn, wie mir es wenn ich es von der andern Seite betrachte, die Einrichtung unsers Lebens, das Thun ud Trachten der meisten Menschen, scheint es mir wieder hinlänglich lang. Wohl dir liebster Wilhelm wenn jeder Augenblick deines Fortschreitens im [2] Leben interreßanter wird, und du die Abnahme nicht fühlst, daß ist dann ein wirkliches herrliches Leben. Gustchen wie du aus ihrem Briefe sehen wirst hat sich völlig der Kunst gewidmet, sie faßte den Entschluß in Hannover da der gut angelegte Plan, wahrscheinlich weil man ihn übereilte nicht glückte in Ansehung Buttlars, es war gar nicht meine Idee daß sie sogleich damit heraus platzen sollten, Papen sein Eifer war zu groß, ud zu meinem Schrecken platzten sie gleich mit bestimten Bewerbungen vor wie sie kaum angelangt bey solchen Planen muß man erst mit langsamen Schritten gehen, und sein terrain völlig sicher heben ehe man heraustritt. Für Eine Versorgung in einer kleinen Stadt, die nicht einmal völlig ihren Mann nährt hat Gustchen eine aversion und ich auch keine Lust noch ein Capital her zu geben um sie zu etabliren wo sie ein monotones und für ihren Geist schläfriges Leben führen würde. Wir haben daher ganz den Gedanken fahren laßen Buttlarn wo anzubringen. Gustchen entschloß sich ohne meine Zuthun in Hannover dazu es war mir wohl Anfangs nicht ganz recht ich hatte doch aber auch kein Recht es zu hindern da wir ihr nicht hinlänglich Vermögen zusichern können. Sie fand erstaunlich vil Aufnahme man fand es interreßant daß die junge Frau so ihre Parthie zu machen wußte, und sie konnte nicht genug mahlen, meine Tochter aber [3] die fühlte daß ihr noch vil fehlte, und das sie ins schmieren kommen möchte, machte sich bald davon, und sie setzt nun ihren Eifer fort, es glückt ihr auch gut, ihre Copien auf der Gallerie waren schön, Auch Miniaturen macht sie sehr hübsch. Doch wünsche ich nun so herzlich, daß sie wirklich ein ächtes Kunstleben, führen soll, und immer dem Hauptzwecke der Vervollkomnung treu nach gehen soll, da sie bey einer kleinen Trägheit, äußrer Dinge bedarf die ihr einen Stoß geben, so wünschte ich selbst daß sie eine interreßante Reise machte. Sie denkt nun nach Wien freylich wird es vil kosten, die Logis sollen so theuer seyn, die Reise x aber ich halte es ganz nothwendig ihr eine Aufmunterung zu schaffen wenn sie was leisten soll, da du unser Leben und unsre Verhältniße hier nicht kennst so kannst du xx ich dir das nicht so detailliren, aber eine Anfrischung des Lebens ist ihr nöthig. Ich wollte sie könnte ihre Künstlerischen Absichten mit einer Reise nach Bonn vereinbaren, du wärst der rechte Mann, den schönen Lebensfunken der in ihr liegt, und der sich strebt los zu winden, durch deinen Umgang in ihr willig heraus zu arbeiten. Ewig wird ich trauern wenn dieses zarte Wesen, durch die Macht Gewalt der Umstände gedrückt, in ein ein töniges Schlendrians Leben verfiel. [4] Gustchen wird bald wieder in die Wochen kommen ich hoffe doch mit diesem zweyten Kinde wird es nun sein Bewenden haben, die Schwierigkeiten wachsen mit jedem Kinde, ich werde wieder wie ich es beym ersten gethan habe die Sorge ud die Pflege des Kindes ganz übernehmen. Es ist nicht möglich das Eltern ihrem Kinde mehr Opfer bringen als wir dem unsrigen, möchten wir nun auch die wahre Weisheit haben, grade das Beste, für unser Kindes Glück das Ersprießlichste zu wählen. So ist es mit dem Reisen, man ist so ungewiß uns das Beste ist. Sie hat auch wohl noch einen Wunsch den ich für einen chimärischen halte, weil er über unsre Kräfte gehen würde. Sie wünschte nämlich auf eine kurze Zeit nach Paris zu gehen und bey Isabé Unterricht zu nehmen. Ich glaube aber nicht das Isabé Stunden giebt oder er würde doch wenigstens ungeheuer theuer seyn. Es ist wahr könnte sie sich die Manier dieses Meisters aneignen so wäre dies eine sichre Fundgrube denn er ist der eleganteste Portrait Mahler den man sich nur denken kann. Sie hat auch im ganzen sehr wenig Unterricht gehabt, in dem Malen gar nicht da hat sie nur von einem Schüler im Technischen etwas Unterricht genoßen. Könntest du mir deinen brüderlichen Rath seyn geben und geben wie vil zuversichtlicher würde es uns in unsern Schritten machen wenn wir deine Zustimmung hätten, lege einmal deine gelehrten Arbeiten an die Seite und setze dich zu einen liebevollen Brief für uns hin lieber Bruder.
Mit unserm Befinden geht es leidlich, meine Gicht hat mir böse mitgespielt, doch erhalte ich mich länger als ich gedacht habe. Mein Mann genießt einer guten Ge[5]sundheit zu genießen Gott erhalte ihn noch lange für x das Glück seiner Familie.
Das Tiek in Dresden ist wirst du wißen, sie leben mit einer Gräfinn von Finkenstein zusammen, ud machen ein recht artiges Haus zum Thee nämlich sind sie immer bereit Besuch zu empfangen. Almählich wird sein Kreis zu ausgedehnt, er hat Umgang mit vilen Vornehmen die ihn oft bey sich sehen, Kurz er hat recht die Vogue und es scheint ihm sehr zu gefallen, sein Lesen wird bewundert und es ist wahr im Komischen habe ich noch nichts ähnliches gehört, er hat hübsche Töchter und ich glaube sein Plan ist sie vornehm zu verheyrathen, man hat schon von einem Graf Kalkreuth gesprochen doch da ist es wohl nichts, wenn er auch etwas verliebt ist, so ist hängt er zu sehr an seinem Adel, er ist Grandios und braucht vil Geld und dann ist die Catholische Religion ein Hinderniß es ist doch ein gefährliches Spiel die jungen Mädchen so ausschließend mit vornehmen liebenswürdigen Männern umgehn zu laßen, wenn es nicht glückt so paßen andre Parthien nicht mehr aus den bürgerlichen Ständen. Tiek ist immer freundlich und gut gegen mich wir haben zuweilen sehr vergnügte Abende gehabt, doch kann ich ihn nicht zu oft sehen als ich wünschte da er sehr entouriert ist
Der älteste Veith ist hier in Dresden angekommen mit einer hübschen jungen Frau, er will den Winter hier bleiben und im Frühjahr Herbst wieder nach Italien gehen, er hoft die Mutter soll kommen, das würde uns eine große Freude seyn, ich glaube sein Erbtheil muß ansehnlich seyn.
[6] Die Chezy Chezy läßt dich herzlich grüßen, sie bleibt nun einmal dieselbe, ud ist nicht zu v[er]beßern, eine gewiße Gutmüthigkeit ist ihr nicht abzusprechen, doch mit so vilen andern Ingredienzen vermischt daß sie sich ganz darinnen verliert, sie hat mir aufgetragen dir zu sagen daß sie ein Stück aus dem Calderon übersetzt doch habe ich unglücklicher Weise den Titel vergeßen. Nun leb wohl liebster Bruder Gott schenke dir so vil Freuden als dein reicher Geist umfaßen kann. Gedenke unsrer mit Liebe
Charlotte Ernst.
Die Gräfin v. Finckenstein, Tyk, und seine Familie, empfehlen sich Ihnen.
Innigsten Dank, verehrtester Herr Bruder, für die uns überschickten Hefte Ihrer Indischen Bibliothek. Wie glücklich haben Sie uns damit gemacht. Staunend bewundere ich das unverdrossene Unternehmen Ihres mächtigen Geistes, diesen Coloß orientalischer Weisheit unsrer Kenntniß in Europa näher zu rücken. Welch edles Bemühen, ein, in grauen Jahrhunderten von den Bewohnern am Ganges tiefsinnig aufgebautes hohes Geisteswerk, durch Ihre Darzwischenkunft, vor den Fluten der Zeit gerettet zu sehen.
Erfreute uns doch bald, geehrtester Herr Bruder, eine Zeile von Ihrer Hand an uns, mit der Versicherung, daß Sie Sich wohl befinden, und uns unverändert freundschaftlich zugethan sind und bleiben.
Ihr ergebenster L. Emmanuel Ernst .
Dresden, d. 22. Febr. 1821.
×