• Augusta von Buttlar to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Paris · Place of Destination: Bonn · Date: 05.04.1823
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Augusta von Buttlar
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Paris
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 05.04.1823
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-611-38972
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.3,Nr.127
  • Number of Pages: 4 S., hs. m. U.
  • Format: 18,1 x 11,8 cm
  • Incipit: „[1] Geliebter Onkel!
    ich danke Dir von Herzen für Deinen lieben Brief, er hat mir sehr viel Freude gemacht; Da Deine [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 350]/version-01-20/letters/view/5089" data-language="">
[1] Geliebter Onkel!
ich danke Dir von Herzen für Deinen lieben Brief, er hat mir sehr viel Freude gemacht; Da Deine Zeit so kostbar ist, so ist es sehr freundlich von Dir, wenn Du noch meiner gedenkst. Ich hoffe, daß Du immer recht wohl gewesen, und wünsche Dir ferner die beste Gesundheit, welche wohl niemand nöthiger hat als Du, denn jede Minute die Deinem Arbeiten entzogen wird, ist ein Verlust für die Welt. Herr von Staël hat uns gesagt, daß Du Direcktor der Römischen Alterthümer am Rhein geworden bist, ich gratulire von Herzen dazu, und ich freue mich daß man doch diesmal eine kluge Wahl getroffen. Ich hätte schon früher geschrieben, wenn meine Zeit nicht sehr beschränkt wäre; Denn da die Tage jetzt zunehmen so arbeite ich auch länger, und meine Abende werden auf diese Weise immer kürzer. Um 5 Uhr komme ich gewöhnlich von Gérard dann gehen wir eßen, und von da in ein Cabinet de Lecture um Zeitungen zu lesen, sieben kömmt gewöhnlich heran, ehe wir wieder nach Hause kommen; gehen wir dann aus, so muß ich meine Toilette machen, und der Abend ist für mich verloren. Wir haben die Bekanntschaft einer sehr angenehmen und liebenswürdigen Familie aus Carlsruhe gemacht, der Geheime Rath Unger-Sternberg mit Frau u Kinder, wir sehen uns oft, und ich verlebe dort sehr vergnügte Stunden. – Ich habe bis jetzt unausgesetzt bey Gérard gearbeitet, copirt habe ich blos das Portrait der Frau von Staël, übrigens nur Studien nach der Natur gemalt, Köpfe, Hände, und hauptsächlich Gewänder.
Gérard ist sehr gütig gegen mich, er kömmt öft zwei mal des Tages zu mir, und hält mir dann immer kleine Abhandlungen, um mir irgend einen Gegenstand begreiflich zu machen. Ich freue mich daß sein Eifer für mich mehr zu, als abnimmt, es beweist mir wenigstens daß er nicht ganz unzufrieden mit mir ist. Mit der Zeichnung ist er vollkommen zufrieden, auch mit der Carnation, nur arbeitet er immer gegen meine Furcht[2]samkeit, indem ich nicht kühn genug arbeite, und ich meine Formen besonders bey Gewändern nicht bestimmt genug sind doch habe ich mich in dießem Punkt schon merklich gebeßert. Überhaupt finde ich meine jetzigen Arbeiten schon so verschieden von meinen früheren, daß man schwer glauben wird, daß sie von einer und derselben Person sind. Es war mir im Anfang allerdings schwer, mich in eine ganz verschiedene Weise der Malerey zu finden, doch jetzt geht es schon viel beßer leichter, und was ich nach der Natur male ist viel beßer als meine früheren Arbeiten, die ich jetzt gar nicht mehr ansehen mag. Wie leid thut es mir, daß ich Dein Portrait noch in meiner schlechten Zeit gemacht. Ob ich grade beßer Copiren werde weiß ich nicht, im May hoffe ich mit meinen Arbeiten so weit zu sein, um etwas auf dem Louvre copiren zu können, und dann will ich sehen ob ich auch in diesem Fach der Malerey gewonnen habe. Jetzt habe ich mein eignes Portrait in der Arbeit, und das der Frau von Unger mit ihrem Knaben. Die Kinder der Herzogin von Broglie fange ich nächster Tage an, auch habe ich noch versprochen den Herrn von Unger zu malen. Alle diese Portraits müßen bis Anfang May fertig sein, mithin kannst du denken daß meine Zeit sehr eingetheilt ist. Das Bild der Herzogin von Broglie für Dich zu copiren war mein erster Gedanke, auch Gérard wünschte es, da er es wie er sagte noch so lange behielte daß ich es sehr bequem copiren könnte; ich bat also die Herzogin darum, und sagte ihr auch daß ich es für Dich bestimmte, weil ich glaubte dir eine große Freude damit zu machen. Sie antwortete mir sehr freundlich, bat mich aber es zu verschieben, da ihr Mann das Bild gern zurück haben wolle. Mir schien dieß eine ausweichende Erklärung zu sein und ich habe seit jener Zeit nichts weiter davon erwähnt; wiewohl das Bild noch vier Wochen bey Gérard geblieben ist, der sich nicht sehr beeilte es fertig zu machen. Kannst Du es bewirken daß ich es copiren darf, so werde ich mich doppelt freuen, und alle meine Kräfte aufbiethen um meinem lieben lieben Onkel diese kleine Freude zu machen. Das Portrait der Gräfin St Aulaire zu machen wird wohl schwer [3] halten, da sie so in der Welt lebt daß man sie nur selten sehen kann, denn ich mag kommen wann ich will, so finde ich sie nicht zu Hause, auch die Mendelsohn klagt hierüber. –
Mit eignen Compositionen wird wohl hier nicht viel werden weil ich mein ganzes Studium aufs Portrait, und was damit Beziehung hat, verwende. Eigne Compositionen sind hier sehr kostspielig wenn man alles nach der Natur machen will, und dies muß man, falls es gut werden soll. Jede Séance ob sie für Kopf oder Hand kostet 4 Franken, dabey muß ich noch einen Mannequin haben wegen der Gewänder. Ein Jude deßen Kopf ich bey Gérard gemalt, hat 21 Franken gekostet, und die Hand auf meinem Portrait 8 Franken. Ich suche meine Portraits etwas zu grupieren dadurch daß ich immer zwei Personen zusamen male, wie z. b. Frau von Unger mit ihrem Knaben, und die kleinen Broglie; welches doch auch schon eine Art von Composition ist; doch werde ich nicht versäumen, so viel als möglich zu skizziren. Sobald das bild der Broglieschen Kinder angefangen ist, schicke ich Dir die Skizze davon.
Was meinen hiesigen Aufenthalt betrift so kannst Du glauben daß ich nur dann fortreise wenn ich glaube selbst ständig auftreten zu können, und übrigens, stehen jetzt die Sachen so daß ich nicht weiß ob ich nach England werde kommen können.
Die Ausstellung ist hier nur aller zwei Jahre, und da sie das vergangene Jahr gewesen, so wird sie erst in anderthalb jahren wieder Statt haben, eine Zeit wo ich schwerlich hier sein dürfte. Von Bildern wird leider in England ein schwerer Impost bezahlt, jedoch hat mir ein Engländer gesagt, daß man leicht durch die Gesantschaft Bilder würde hinschicken können, im Fall nun die franz. ambassade in London bleibt, so werde ich suchen, mir an diese Empfelungen zu verschaffen. Wenn ich noch hinreise so muß man hier glauben, als wenn ich nur auf sehr kurtze Zeit hinginge, um bald wieder hieher zu kommen, denn im Fall ich mir dort nichts verdiene, so gehe ich wieder nach Paris zurück, wo ich doch wenigstens Lerne. Indeß hat man mir Hoffnung gemacht daß ich mir wahrscheinlich dort ein beträchtliches werde verdienen können, welches ich eigentlich bezwecke, denn wie kann ich je nach Italien reisen, wenn ich mir das Reisegeld dazu nicht vorher erwerbe. Dann sind Englands Kunstschätze doch wohl auch einer Reise werth, besonders wenn man Calais so nahe ist wie ich. Die Eltern wißen von diesem Plan noch nichts, und sollen es auch nicht eher erfahren, bis ich selbst bestimmt weiß ob er auch auß[4]führbar ist. Im Anfang wird die Mutter damit unzufrieden sein, oder es wenigstens scheinen, aber eine kleine Eitelkeit daß ihre Tochter die größte Stadt Europens sieht, und wo im ganzen Deutsche selten hinkommen, wird sie doch schmeicheln da kenne ich sie zu gut; übrigens sollen sie mir nicht mehr als 800 r. zur Unterstützung geben, und verdiene ich mir Geld, dann kann auch diese Summe noch vermindert werden. Das hängt nun freilich von Umständen ab. – Eltern und Kinder sind Gott sei Dank wohl, die letztern sollen an Geist und Körper sichtlich gedeihen, Gott gebe seinen fernern Seegen! Wir haben unser Quartier gewechselt, sin[d] aber nicht sonderlich zufrieden, sogleich werden wir wohl bald wieder wechseln müßen. Im May gehen nicht nur die Deputirten fort, sondern auch viele begeben sich aufs Land, so daß man mehr Auswahl in Quartieren haben wird. Unsere jetzige Adreße ist, rue du Bac No 59.
Gérard läßt Dich freundlich grüßen, und um Entschuldigung bitten, daß er dir noch nicht geantwortet habe. Der arme Mann leidet sehr an Rhumatisme, auf Deutsch Gicht genannt, aber die Franzosen wollen von Gicht nichts wißen, wenn sie auch oft so gelähmt sind, daß sie nicht gehen können, geschwollene Glieder haben, so heißt es doch nur Rhumatisme.
Gérard wünscht sehr daß Du in Paris wärest, da hier niemand so richtig über Kunst urtheilen könne wie Du, und wenn er ein großes Bild male so wünsche er Dich immer als Rathgeber dazu. – Nun geliebter Onkel lebe wohl, und gesund, grüße alle Freunde in Bonn recht herzlich von mir, und behalte mich ferner ein wenig Lieb. Mein Mann läßt sich Dir bestens empfelen.
Deine Dich herzlich liebende Nichte
Auguste Buttlar
Rue du Bac No 59
Fauxbourg St. Germain
Paris den 5ten April.
1823
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 432]/version-01-20/letters/view/5089" data-language="">
[1] Geliebter Onkel!
ich danke Dir von Herzen für Deinen lieben Brief, er hat mir sehr viel Freude gemacht; Da Deine Zeit so kostbar ist, so ist es sehr freundlich von Dir, wenn Du noch meiner gedenkst. Ich hoffe, daß Du immer recht wohl gewesen, und wünsche Dir ferner die beste Gesundheit, welche wohl niemand nöthiger hat als Du, denn jede Minute die Deinem Arbeiten entzogen wird, ist ein Verlust für die Welt. Herr von Staël hat uns gesagt, daß Du Direcktor der Römischen Alterthümer am Rhein geworden bist, ich gratulire von Herzen dazu, und ich freue mich daß man doch diesmal eine kluge Wahl getroffen. Ich hätte schon früher geschrieben, wenn meine Zeit nicht sehr beschränkt wäre; Denn da die Tage jetzt zunehmen so arbeite ich auch länger, und meine Abende werden auf diese Weise immer kürzer. Um 5 Uhr komme ich gewöhnlich von Gérard dann gehen wir eßen, und von da in ein Cabinet de Lecture um Zeitungen zu lesen, sieben kömmt gewöhnlich heran, ehe wir wieder nach Hause kommen; gehen wir dann aus, so muß ich meine Toilette machen, und der Abend ist für mich verloren. Wir haben die Bekanntschaft einer sehr angenehmen und liebenswürdigen Familie aus Carlsruhe gemacht, der Geheime Rath Unger-Sternberg mit Frau u Kinder, wir sehen uns oft, und ich verlebe dort sehr vergnügte Stunden. – Ich habe bis jetzt unausgesetzt bey Gérard gearbeitet, copirt habe ich blos das Portrait der Frau von Staël, übrigens nur Studien nach der Natur gemalt, Köpfe, Hände, und hauptsächlich Gewänder.
Gérard ist sehr gütig gegen mich, er kömmt öft zwei mal des Tages zu mir, und hält mir dann immer kleine Abhandlungen, um mir irgend einen Gegenstand begreiflich zu machen. Ich freue mich daß sein Eifer für mich mehr zu, als abnimmt, es beweist mir wenigstens daß er nicht ganz unzufrieden mit mir ist. Mit der Zeichnung ist er vollkommen zufrieden, auch mit der Carnation, nur arbeitet er immer gegen meine Furcht[2]samkeit, indem ich nicht kühn genug arbeite, und ich meine Formen besonders bey Gewändern nicht bestimmt genug sind doch habe ich mich in dießem Punkt schon merklich gebeßert. Überhaupt finde ich meine jetzigen Arbeiten schon so verschieden von meinen früheren, daß man schwer glauben wird, daß sie von einer und derselben Person sind. Es war mir im Anfang allerdings schwer, mich in eine ganz verschiedene Weise der Malerey zu finden, doch jetzt geht es schon viel beßer leichter, und was ich nach der Natur male ist viel beßer als meine früheren Arbeiten, die ich jetzt gar nicht mehr ansehen mag. Wie leid thut es mir, daß ich Dein Portrait noch in meiner schlechten Zeit gemacht. Ob ich grade beßer Copiren werde weiß ich nicht, im May hoffe ich mit meinen Arbeiten so weit zu sein, um etwas auf dem Louvre copiren zu können, und dann will ich sehen ob ich auch in diesem Fach der Malerey gewonnen habe. Jetzt habe ich mein eignes Portrait in der Arbeit, und das der Frau von Unger mit ihrem Knaben. Die Kinder der Herzogin von Broglie fange ich nächster Tage an, auch habe ich noch versprochen den Herrn von Unger zu malen. Alle diese Portraits müßen bis Anfang May fertig sein, mithin kannst du denken daß meine Zeit sehr eingetheilt ist. Das Bild der Herzogin von Broglie für Dich zu copiren war mein erster Gedanke, auch Gérard wünschte es, da er es wie er sagte noch so lange behielte daß ich es sehr bequem copiren könnte; ich bat also die Herzogin darum, und sagte ihr auch daß ich es für Dich bestimmte, weil ich glaubte dir eine große Freude damit zu machen. Sie antwortete mir sehr freundlich, bat mich aber es zu verschieben, da ihr Mann das Bild gern zurück haben wolle. Mir schien dieß eine ausweichende Erklärung zu sein und ich habe seit jener Zeit nichts weiter davon erwähnt; wiewohl das Bild noch vier Wochen bey Gérard geblieben ist, der sich nicht sehr beeilte es fertig zu machen. Kannst Du es bewirken daß ich es copiren darf, so werde ich mich doppelt freuen, und alle meine Kräfte aufbiethen um meinem lieben lieben Onkel diese kleine Freude zu machen. Das Portrait der Gräfin St Aulaire zu machen wird wohl schwer [3] halten, da sie so in der Welt lebt daß man sie nur selten sehen kann, denn ich mag kommen wann ich will, so finde ich sie nicht zu Hause, auch die Mendelsohn klagt hierüber. –
Mit eignen Compositionen wird wohl hier nicht viel werden weil ich mein ganzes Studium aufs Portrait, und was damit Beziehung hat, verwende. Eigne Compositionen sind hier sehr kostspielig wenn man alles nach der Natur machen will, und dies muß man, falls es gut werden soll. Jede Séance ob sie für Kopf oder Hand kostet 4 Franken, dabey muß ich noch einen Mannequin haben wegen der Gewänder. Ein Jude deßen Kopf ich bey Gérard gemalt, hat 21 Franken gekostet, und die Hand auf meinem Portrait 8 Franken. Ich suche meine Portraits etwas zu grupieren dadurch daß ich immer zwei Personen zusamen male, wie z. b. Frau von Unger mit ihrem Knaben, und die kleinen Broglie; welches doch auch schon eine Art von Composition ist; doch werde ich nicht versäumen, so viel als möglich zu skizziren. Sobald das bild der Broglieschen Kinder angefangen ist, schicke ich Dir die Skizze davon.
Was meinen hiesigen Aufenthalt betrift so kannst Du glauben daß ich nur dann fortreise wenn ich glaube selbst ständig auftreten zu können, und übrigens, stehen jetzt die Sachen so daß ich nicht weiß ob ich nach England werde kommen können.
Die Ausstellung ist hier nur aller zwei Jahre, und da sie das vergangene Jahr gewesen, so wird sie erst in anderthalb jahren wieder Statt haben, eine Zeit wo ich schwerlich hier sein dürfte. Von Bildern wird leider in England ein schwerer Impost bezahlt, jedoch hat mir ein Engländer gesagt, daß man leicht durch die Gesantschaft Bilder würde hinschicken können, im Fall nun die franz. ambassade in London bleibt, so werde ich suchen, mir an diese Empfelungen zu verschaffen. Wenn ich noch hinreise so muß man hier glauben, als wenn ich nur auf sehr kurtze Zeit hinginge, um bald wieder hieher zu kommen, denn im Fall ich mir dort nichts verdiene, so gehe ich wieder nach Paris zurück, wo ich doch wenigstens Lerne. Indeß hat man mir Hoffnung gemacht daß ich mir wahrscheinlich dort ein beträchtliches werde verdienen können, welches ich eigentlich bezwecke, denn wie kann ich je nach Italien reisen, wenn ich mir das Reisegeld dazu nicht vorher erwerbe. Dann sind Englands Kunstschätze doch wohl auch einer Reise werth, besonders wenn man Calais so nahe ist wie ich. Die Eltern wißen von diesem Plan noch nichts, und sollen es auch nicht eher erfahren, bis ich selbst bestimmt weiß ob er auch auß[4]führbar ist. Im Anfang wird die Mutter damit unzufrieden sein, oder es wenigstens scheinen, aber eine kleine Eitelkeit daß ihre Tochter die größte Stadt Europens sieht, und wo im ganzen Deutsche selten hinkommen, wird sie doch schmeicheln da kenne ich sie zu gut; übrigens sollen sie mir nicht mehr als 800 r. zur Unterstützung geben, und verdiene ich mir Geld, dann kann auch diese Summe noch vermindert werden. Das hängt nun freilich von Umständen ab. – Eltern und Kinder sind Gott sei Dank wohl, die letztern sollen an Geist und Körper sichtlich gedeihen, Gott gebe seinen fernern Seegen! Wir haben unser Quartier gewechselt, sin[d] aber nicht sonderlich zufrieden, sogleich werden wir wohl bald wieder wechseln müßen. Im May gehen nicht nur die Deputirten fort, sondern auch viele begeben sich aufs Land, so daß man mehr Auswahl in Quartieren haben wird. Unsere jetzige Adreße ist, rue du Bac No 59.
Gérard läßt Dich freundlich grüßen, und um Entschuldigung bitten, daß er dir noch nicht geantwortet habe. Der arme Mann leidet sehr an Rhumatisme, auf Deutsch Gicht genannt, aber die Franzosen wollen von Gicht nichts wißen, wenn sie auch oft so gelähmt sind, daß sie nicht gehen können, geschwollene Glieder haben, so heißt es doch nur Rhumatisme.
Gérard wünscht sehr daß Du in Paris wärest, da hier niemand so richtig über Kunst urtheilen könne wie Du, und wenn er ein großes Bild male so wünsche er Dich immer als Rathgeber dazu. – Nun geliebter Onkel lebe wohl, und gesund, grüße alle Freunde in Bonn recht herzlich von mir, und behalte mich ferner ein wenig Lieb. Mein Mann läßt sich Dir bestens empfelen.
Deine Dich herzlich liebende Nichte
Auguste Buttlar
Rue du Bac No 59
Fauxbourg St. Germain
Paris den 5ten April.
1823
×