• August Wilhelm von Schlegel to Johann Georg Zimmer , Mohr & Zimmer (Heidelberg)

  • Place of Dispatch: Chaumont-sur-Loire · Place of Destination: Heidelberg · Date: 06.08.1810
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Johann Georg Zimmer, Mohr & Zimmer (Heidelberg)
  • Place of Dispatch: Chaumont-sur-Loire
  • Place of Destination: Heidelberg
  • Date: 06.08.1810
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Körner, Josef: A. W. Schlegel und sein Heidelberger Verleger. In: Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 65 (1914), S. 675‒676.
  • Weitere Drucke: Jenisch, Erich (Hg.): August Wilhelm Schlegels Briefwechsel mit seinen Heidelberger Verlegern. Festschrift zur Jahrhundert-Feier des Verlags Carl Winters Universitätsbuchhandlung in Heidelberg 1822‒1922. Heidelberg 1922, S. 63‒65.
  • Verlag: Universitätsverlag Wagner Innsbruck
  • Incipit: „Chaumont an der Loire d. 6ten Aug. 1810.
    Die Überschrift dieses Briefes wird Ew. Wohlgeb. schon zum Theil meine Entschuldigung wegen meines [...]“
    Manuscript
  • Provider: München, Bayerische Staatsbibliothek
  • Classification Number: VIII A
  • Number of Pages: 4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.
    Language
  • German
Chaumont an der Loire d. 6ten Aug. 1810.
Die Überschrift dieses Briefes wird Ew. Wohlgeb. schon zum Theil meine Entschuldigung wegen meines so langen Stillschweigens sagen. Seit meinem letzten Briefe habe ich vielleicht auf lange Zeit von der Schweiz Abschied genommen, und daher zuvor viele Geschäfte in Ordnung zu bringen gehabt; ich habe einen Besuch in Paris gemacht und bin von dort noch 25 Meilen weiter hieher gereist. Die Hauptursache aber war, daß ich Ihnen nicht schreiben wollte, ohne Ihnen Manuscript geschickt zu haben, und daß mir der Abschnitt über Shakespeare sehr viel Zeit und Mühe gekostet hat, weil ich mich selbst sehr schwer dabey befriedigte. Ich wünschte einigermaßen der Erwartung zu entsprechen, die man von einem Schriftsteller hegen kann, der sich mehrere Jahre seines Lebens mit diesem Dichter beschäftigt hat. Der Abschnitt ist daher auch beträchtlich lang ausgefallen: 160 starke Quartseiten, die nach meiner Berechnung im Druck etwa 13 Bogen ausmachen werden; das übrige dieses Bandes wird 6 bis 7 Bogen betragen, und ich denke es in etwa drey Wochen zur Absendung fertig zu haben.
Jener erste Abschnitt wird am vorigen Freytag mit dem Postwagen von Paris abgegangen seyn, wohin ich ihn durch eine Gelegenheit befördert hatte, damit wir desto sichrer wären, daß das Packet nicht verlohren gehen könnte. Wenn Sie es bey Empfang dieses Briefes nicht schon in Händen haben, so kann es doch nur wenige Tage später ankommen. Sollte es länger ausbleiben, so bitte ich Sie, es mir zu melden.
Was die Absendung noch um etwas verzögert hat, ist der verdrießliche Umstand, daß ich hier mein eigner Abschreiber seyn muß. Ich schmeichle mir indeß, daß, nachdem einmal die Ostermesse versäumt worden, Ihre Absicht war, den 3ten Band erst auf der Michaelismesse auszugeben, und daß also meine Saumseligkeit Ihnen weiter keinen Nachtheil gebracht hat.
Ich bitte um genaue Correctur, es wird ein Revisor dabey nöthig seyn, der Englisch versteht. Haben Sie die Gefälligkeit die Aushängebogen schleuniget an mich gelangen zu lassen, und adressieren Sie solche sous bandes nach Paris Rue de la Concorde No. 8 aux soins de Mr. Rocheux. Wenn Sie mir auf diesen Brief unverzüglich antworten, so können Sie die Antwort noch hieher richten. Meine Adresse ist: à Chaumont par Ecure Dept. de Loir et Cher.
Die Druckprobe von meinen Gedichten gefällt mir recht sehr. Wenn Sie nicht einen vortheilhaften Vertrag wegen des Drucks mit der Ungerschen Buchhandlung haben abschließen können, so dürfte es dabey immer sein Bewenden haben. Ich habe einige Zweifel wegen der Berlinischen Censur: sie hat von meines Bruders Gedichten das letzte Blatt noch nach dem Druck weggeschnitten, als schon ein Theil der Exemplare versandt war. Freylich kommt in meinen Gedichten nichts von dieser Art vor, aber man hat in diesen letzten Zeiten von seltsamen Bedenklichkeiten der dortigen Censur erzählt. Unter andern könnten die Spottgedichte auf H. v. Kotzebue Schwierigkeiten erregen, da er doch Mitglied der Berlinischen Akademie und also in Preußischen Diensten ist.
Im Monat September werde ich wieder nach Paris gehen, und Ihnen von dort aus das Ganze zu der neuen Sammlung meiner Gedichte gehörige Packet auf einmal schicken. Es scheint, daß meine Ehrenpforte viel ist gelesen worden, denn die Exemplare welche Sie mir geschickt, gehören, wie ich aus den Druckfehlern sehe, zu einer neuen Auflage, die Hr. Vieweg davon gemacht hat, ohne mir nur ein Wort zu sagen.
Wenn es mir irgend möglich ist, noch etwas für die Heidelberger Jahrbücher zu liefern, so würde ich es gewiß thun. Da mir aber nach meinen jetzigen Aussichten im Herbst wahrscheinlich eine große Reise bevorsteht, so wird es mir vielleicht schwer fallen, Zeit dafür zu gewinnen.
Meine Vorlesungen werden jetzt ins Französische übersetzt. Ich habe die Durchsicht übernehmen müssen, um die Güte der Übersetzung zu sichern, und dieß erfodert auch einen beträchtlichen Aufwand an Zeit.
Die neuesten Hefte der Jahrbücher sind mir hier natürlich nicht zugekommen, und vor meiner Abreise von Coppet fand ich keine Gelegenheit Ihnen die überschüßigen wieder zustellen zu lassen; sie sind also liegen geblieben.
In Erwartung einer baldigen Antwort habe ich die Ehre mit vollkommener Hochachtung zu seyn
EW. Wohlgeb.
ergebenster
A W Schlegel
Chaumont an der Loire d. 6ten Aug. 1810.
Die Überschrift dieses Briefes wird Ew. Wohlgeb. schon zum Theil meine Entschuldigung wegen meines so langen Stillschweigens sagen. Seit meinem letzten Briefe habe ich vielleicht auf lange Zeit von der Schweiz Abschied genommen, und daher zuvor viele Geschäfte in Ordnung zu bringen gehabt; ich habe einen Besuch in Paris gemacht und bin von dort noch 25 Meilen weiter hieher gereist. Die Hauptursache aber war, daß ich Ihnen nicht schreiben wollte, ohne Ihnen Manuscript geschickt zu haben, und daß mir der Abschnitt über Shakespeare sehr viel Zeit und Mühe gekostet hat, weil ich mich selbst sehr schwer dabey befriedigte. Ich wünschte einigermaßen der Erwartung zu entsprechen, die man von einem Schriftsteller hegen kann, der sich mehrere Jahre seines Lebens mit diesem Dichter beschäftigt hat. Der Abschnitt ist daher auch beträchtlich lang ausgefallen: 160 starke Quartseiten, die nach meiner Berechnung im Druck etwa 13 Bogen ausmachen werden; das übrige dieses Bandes wird 6 bis 7 Bogen betragen, und ich denke es in etwa drey Wochen zur Absendung fertig zu haben.
Jener erste Abschnitt wird am vorigen Freytag mit dem Postwagen von Paris abgegangen seyn, wohin ich ihn durch eine Gelegenheit befördert hatte, damit wir desto sichrer wären, daß das Packet nicht verlohren gehen könnte. Wenn Sie es bey Empfang dieses Briefes nicht schon in Händen haben, so kann es doch nur wenige Tage später ankommen. Sollte es länger ausbleiben, so bitte ich Sie, es mir zu melden.
Was die Absendung noch um etwas verzögert hat, ist der verdrießliche Umstand, daß ich hier mein eigner Abschreiber seyn muß. Ich schmeichle mir indeß, daß, nachdem einmal die Ostermesse versäumt worden, Ihre Absicht war, den 3ten Band erst auf der Michaelismesse auszugeben, und daß also meine Saumseligkeit Ihnen weiter keinen Nachtheil gebracht hat.
Ich bitte um genaue Correctur, es wird ein Revisor dabey nöthig seyn, der Englisch versteht. Haben Sie die Gefälligkeit die Aushängebogen schleuniget an mich gelangen zu lassen, und adressieren Sie solche sous bandes nach Paris Rue de la Concorde No. 8 aux soins de Mr. Rocheux. Wenn Sie mir auf diesen Brief unverzüglich antworten, so können Sie die Antwort noch hieher richten. Meine Adresse ist: à Chaumont par Ecure Dept. de Loir et Cher.
Die Druckprobe von meinen Gedichten gefällt mir recht sehr. Wenn Sie nicht einen vortheilhaften Vertrag wegen des Drucks mit der Ungerschen Buchhandlung haben abschließen können, so dürfte es dabey immer sein Bewenden haben. Ich habe einige Zweifel wegen der Berlinischen Censur: sie hat von meines Bruders Gedichten das letzte Blatt noch nach dem Druck weggeschnitten, als schon ein Theil der Exemplare versandt war. Freylich kommt in meinen Gedichten nichts von dieser Art vor, aber man hat in diesen letzten Zeiten von seltsamen Bedenklichkeiten der dortigen Censur erzählt. Unter andern könnten die Spottgedichte auf H. v. Kotzebue Schwierigkeiten erregen, da er doch Mitglied der Berlinischen Akademie und also in Preußischen Diensten ist.
Im Monat September werde ich wieder nach Paris gehen, und Ihnen von dort aus das Ganze zu der neuen Sammlung meiner Gedichte gehörige Packet auf einmal schicken. Es scheint, daß meine Ehrenpforte viel ist gelesen worden, denn die Exemplare welche Sie mir geschickt, gehören, wie ich aus den Druckfehlern sehe, zu einer neuen Auflage, die Hr. Vieweg davon gemacht hat, ohne mir nur ein Wort zu sagen.
Wenn es mir irgend möglich ist, noch etwas für die Heidelberger Jahrbücher zu liefern, so würde ich es gewiß thun. Da mir aber nach meinen jetzigen Aussichten im Herbst wahrscheinlich eine große Reise bevorsteht, so wird es mir vielleicht schwer fallen, Zeit dafür zu gewinnen.
Meine Vorlesungen werden jetzt ins Französische übersetzt. Ich habe die Durchsicht übernehmen müssen, um die Güte der Übersetzung zu sichern, und dieß erfodert auch einen beträchtlichen Aufwand an Zeit.
Die neuesten Hefte der Jahrbücher sind mir hier natürlich nicht zugekommen, und vor meiner Abreise von Coppet fand ich keine Gelegenheit Ihnen die überschüßigen wieder zustellen zu lassen; sie sind also liegen geblieben.
In Erwartung einer baldigen Antwort habe ich die Ehre mit vollkommener Hochachtung zu seyn
EW. Wohlgeb.
ergebenster
A W Schlegel
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