• Henriette Ernst to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Amsterdam · Date: 13.11.1791 bis 15.11.1791
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Henriette Ernst
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Amsterdam
  • Date: 13.11.1791 bis 15.11.1791
  • Notations: Absende- und Empfangsort erschlossen. – Der letzte Absatz ist ein Nachtrag von Dienstag, den 15.11.1791.
    Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-1a-33449
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.7,Nr.52
  • Number of Pages: 11 S. auf Doppelbl., hs. m. U
  • Format: 18,7 x 11,4 cm
  • Incipit: „[1] 1791 den 13ten Nov.
    Liebster Wilhelm,
    Mir deucht es ist ein ziemlich langer Stillstand in unserem Briefwechsel gewesen! auch du hast [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
  • Varwig, Olivia
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[1] 1791 den 13ten Nov.
Liebster Wilhelm,
Mir deucht es ist ein ziemlich langer Stillstand in unserem Briefwechsel gewesen! auch du hast recht lang nicht geschrieben, und beynahe fange ich an mich deshalb Sorgen zu machen auf den Dienstag hoffe ich gewis! – Wenn ich darin fortfahren will, dich mit unsern thun und laßen, und mit wichtigen Vorfällen in Hannover bekannt zu machen, so muß ich wohl ziemlich weit zurück den Faden wieder suchen den ich beynahe ganz verloren. Charlottens Besuch hier bey uns, ist uns allen wie ein Traum vergangen! Für die weite Reise war die Zeit zu kurz, nur gerade 3 Wochen, und hier so viele, die sie gerne recht genießen wollten! Caroline, und Bialo, hat sie von Freunden außer unserm Hause wohl am [2] mehrsten genoßen, und sich auch sehr wieder von neuen an Carolinen attachiert auch B. mochte sie leiden, und er ist in der Zeit sehr viel in unserm Hause gewesen, noch den letzten Abend allein so im häußlichen Cirkel habe ich ihn am liebsten; Mein Vater war den Abend noch so herzlich froh, überhaupt hatte er sich die Zeit über mehr wie gewöhnlich von Geschäften frey gemacht, um von Charlottens Gesellschaft recht zu profitiren; es ist mir sehr viel werth daß er den letzten Abend noch so vergnügt war, denn daß ist doch nun der bleibende Eindruck den meine Schwester mitgenommen. Gott lob, daß er itzt so wohl ist! seit meiner Zurükkunft nunmehr gerade 1 Vierteiljahr hat ihm auch nicht das mindeste gefehlt. Nur wünschte ich sehr daß er sich noch gerade in seinem Geschäften etwas Erleich[3]terung verschaffen könnte, da er itzt durch den Tod des Abts, wied der älteste Consistorialrath und nun durch die Pfarbesetzungen, von der Seite mehr Arbeit bekömt! Wieder auf Charlotten zu kommen, große Gesellschaften sind in der Zeit gar nicht gewesen, nemlich Grand Tees außer einer bey Lehzens wo wir auch waren, und wo sie die Mstss Lyon traf, mit der Charlotte auch am Spieltische kam; und daß zwar wohl hauptsächlich aus der Ursache, weil wegen des Assessor Böhmers und Demoisell Rudloffs Heyrath lauter schwere Dinées waren, wo wir natürlich nicht dazwischen. Bey Rehbergs sind wir ein paar mahl gewesen, daß eine mahl hatten sie verschiedene gebeten, die aber alle bey so einer Böhmerschen fête engagirt, und daher niemand kam als Ompteda, daß andre mal ganz allein, und häußlich; sie sind [4] einigemahl bey uns gewesen, und einigemahl Caroline allein; Einmal Alberti, Blauels, Hagemanns, Schmids, und B. die Kummen, den Nachmittag und übrigens sind wir Nachmittags zum Thee ausgegangen, nach der Klockenbring &. und Rehbergs hatten auch ein paar mal Leute zum tee gebeten die sie vermutheten daß Lottchen sie gerne sähe, die Zimmermann, junge Böhmern, Wüllen &. Etwas mangelhaftes war doch in Lottchens Besuch dadurch daß Ernst nicht mit war. Ich sahe es gleich zum voraus daß es so seyn würde; Charlotte hat ihn viel zu lieb um sich freywillig lange von ihm trennen zu können, ohne sich Ängstlichkeiten zu machen, und so ist es beyden Leuten gegangen, die schwärzesten Ideen machte sich Charlotte und kämpfte damit, wenn etwa mahl ein Brief ausblieb, welches leider in der Zeit, Gott weis durch wessen Schuld oft geschehn daß sie liegen geblieben und dann auf einmahl kamen; aber Ernst verdient es gewis auch daß Lottchen ihn so zärtlich liebt als sie es thut, er macht ihr ganzes Glück aus; Sie sind itzt noch beyde vielleicht ver[5]liebter in einander, als manches Ehepaar es nach verlauf der ersten vier Wochen. Welche Wonne und Freude ist es mir nicht oft gewise ihrem Glücke beyzuwohnen. Man muß Ernst kennen wie ich ihn kenne, um ihn gut zu seyn, ein vortrefflicher Mann von Seiten des Herzens! tiefes inniges Gefühl, für alle Naturwonnen, und Naturschönheiten! Aber daß es eine ganz andere Sache ist so wie ich ordentlich ein Theil mit Mitgenuß ihres häuslichen Umgangs zu seyn, als nur so ein kurzer Besuch worin sich alles drängt versteht sich. Mein Bruder aus Harburg blieb nur 3 Wochen 10 Tage daß glaube ich, habe ich dir schon geschrieben; er ist heiter und froh, und sieht noch gesünder aus als ehedem; er ist dort mit allem zufrieden nur mit dem Beutel nicht, daraus sieht man aber wie der Mensch doch ans gesellige hängt, denn ein ganz anderer Mann ist er geworden als in Bothfeld. Den 28sten reißte Carl mit Charlotten, und der Tante Schlegeln, bey kaltem aber sonst ganz guten Wetter wieder von hier ab, mit einem Miethkutscher bis Zerbst. Aufgehalten haben sie sich nirgends [6] den Abend bey Gärtners mit Crusen frölich zugebracht, und den andern Tag weiter nach Helmstädt, wo der Profeßor Bischoff sie besucht darauf den andern Tag Abends in Magdeburg bey Weißens und den nächsten Mittag in Zerbst, wo sie den folgenden Tag ganz geblieben, und den darauf folgenden Mittags beyde Partien weiter. Fritz ist den Tag vorher Mittags erst eingetroffen, also hat Carl den nicht viel gesprochen, überhaupt werden deßen Augen, Herz und Mund wohl mit der schönen Cousine Caroline beschäftigt gewesen, doch da will ich nicht vorgreifen sondern ihm selbst es überlaßen, daß er dir seine Reise Fata erzählt. Am Sonaben[d] vor 8 Tagen kam er glücklich, aber mit starken Schnee Gestüber hier wieder an; wie er so seine Reiseroute bey seiner Erzählung wieder durchging, so träumte ich mich wieder recht lebhaft hinein, und es war mir halt so zu Sinne als wenn ich die Reise mitgemacht. Man vexirt mich ohnedieß damit, daß ich schon wenn nur eins der örter die ich auf meiner Reise passirt [7] genannt würde, lebhaft würde! Von Charlotten hatten wir die erste Nachricht aus Magdeburg, nachher von Carl, dann aus Leipzig wohin sie Fritz begleitet, und wo sie den Abend bey Dyks sehr angenehm zugebracht; aber vorher unterwegs in Dessau ein schlechtes Nachtquartier gehabt weil das gute Wirtshaus besetzt gewesen (wo sie sich denn auch etwas Schnupfen zugezogen, der auch wie Ernst mir letzthin schrieb noch nicht ganz über wäre.) Von da hat sie dann wieder die Basemannen, die Schwester der Neumannen, und Dycken mitgenommen, und ist denn am Sonabend, ein bischen fatiguirt aber übrigens ganz wohl, Abends um halb 10 Uhr in die Arme ihres lieben Ernsts wieder zurückgekommen; der auf meine Bitte es mir auch gleich den nächsten Morgen meldete, nun bin ich nur noch begierig auf Lottchens nächsten Briefe.
Von des Abts Tode ist dir ja auch wohl noch nicht viel geschrieben worden, es war sehr plötzlich denn er hat nicht über 6 Tage gelegen an einem Faulbieber. Die [8] Umstände sollen ziemlich gut seyn, doch verlieren einige seiner Verwandten, die er sehr unterstützt, und wo auch noch itzt ein paar junge Leute in Göttingen sind, die er ganz hat studieren laßen sehr durch seinen Tod. Die Conventualen haben Salfeldt wieder zum Abt gewählt, aber da einer fehlt will die Regierung ihre Wahl nicht gelten laßen; indeßen da sie nichts gegen das gewählte Subject haben, so wird vermuthet daß sie denselben gewählt, und daß es itzt noch be[...] den zur Bestätigung des Königs ist. Nun ist man schon wieder mit Besetzung Salfeldts Stelle in der Stadt beschäftigt, es wurde mahl gesagt Bialoblotzky kömt an der Schloßkirche, und der Inspector Hoppenstädt würde wieder Hofcapellan. Ob nun aber diese Sage sich daher schreibt weil es derselbe Weg ist den Salfel[dt] gemacht, oder ob etwas daran ist kann ich nicht bestimmen; mir deucht aber er wü[r]de sich ganz gut dahin paßen. Auch Jacobis platz ist noch nicht wieder besetzt Salfeldt hat ein schnelles und großes Glück gemacht, daß muß ein jeder zu[9]gestehn aber Freude muß er eben nicht viel haben, denn man misgönt es ihm doch eben nicht. Noch ein Todesfall der sehr plötzlich und traurig, der Rektor Köppe, der erst seit 4 Wochen Unterricht auf der Schule gegeben und etwa vor 14 Tagen eingeführt worden, hat schon am Tage seiner Einführung sich nicht wohl befunden, dann gleich ein Faulbieber bekommen, und am 9ten Tage gestorben, er verläßt eine Frau und 3 kleine Kinder, und keine guten Umstände, ist erst ein Mann von 36 Jahren gewesen. Blanchard ist vorigen Mittewoche hier in der Luft mit seinem Ballon gestiegen welches du wohl schon in denn Zeitungen gelesen haben wirst. Das Wetter war ihm sehr günstig und es gelang sehr schön es ist doch immer ein großer Anblick und der Mühe werth es zu sehen.
Von dem Herzog von York und seiner Gemahlin sage ich dir nichts, weil ich nichts davon zu sagen weis, sie sind 8 Tage [10] hier gewesen, in der Zeit sind denn Masqueraden Jagten und Comödien gewesen, aber demohngeachtet habe ich sie nicht gesehen.
Noch eine Neuigkeit deinen Freund Ahrenswaldt betreffend, aber die man sich hier itzt nur noch in die Ohren raunt; er soll in der itzigen ältesten Fräulein Bremer bis über die Ohren verliebt seyn, und es wird wohl nächstens eine Heyrath daraus zu Stande kommen. Der Vater soll auch sehr damit zufrieden seyn; Sie ganz nach seinem Geschmack, sehr gelehrt, nicht viel nach ausgehn und Gesellschaft fragen, aber alles Wissenschaftliche sehr lieben, man sagt daß sie bey den Schwiegervatter ins Haus ziehn würden, und das sie den Haushalt führen würde. Ein punkt ist nun da, der muß aber glücklicher Weise vergessen werden, denn ihren Taufschein wird sie wohl itzt nicht produciren, sie muß ein beträchtliches älter seyn, als er.
Nun daß ist ja wohl einmahl ein Brief aller Briefe, aber dafür habe ich auch die Mutter allein in Gesellschaft gehen laßen, und bin nicht ins Conzert gegangen, um [11] mich einmahl recht ordentlich mit dir zu unterhalten; der Brief bleibt noch bis mor den Dienstag hier, fällt derweil noch etwas vor so schreibe ich es noch. Morgen ißt Bialo. und ein Offizier aus Ostindien der Augusten gekannt, Mittags bey uns, ob wir aber was kluges von ihm erfahren werden weis ich noch nicht, da wir ihn noch nicht gesprochen. Aber nächstens wird Offeney uns besuchen, der ist Gestern erst angekommen.
Ich habe heute keine Zeit mehr zu schreiben. Leider haben wir heute wieder keinen Brief von dir bekommen, nun sind es volle 4 3 Wochen.
Henriette Schlegel
[12] [leer]
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[1] 1791 den 13ten Nov.
Liebster Wilhelm,
Mir deucht es ist ein ziemlich langer Stillstand in unserem Briefwechsel gewesen! auch du hast recht lang nicht geschrieben, und beynahe fange ich an mich deshalb Sorgen zu machen auf den Dienstag hoffe ich gewis! – Wenn ich darin fortfahren will, dich mit unsern thun und laßen, und mit wichtigen Vorfällen in Hannover bekannt zu machen, so muß ich wohl ziemlich weit zurück den Faden wieder suchen den ich beynahe ganz verloren. Charlottens Besuch hier bey uns, ist uns allen wie ein Traum vergangen! Für die weite Reise war die Zeit zu kurz, nur gerade 3 Wochen, und hier so viele, die sie gerne recht genießen wollten! Caroline, und Bialo, hat sie von Freunden außer unserm Hause wohl am [2] mehrsten genoßen, und sich auch sehr wieder von neuen an Carolinen attachiert auch B. mochte sie leiden, und er ist in der Zeit sehr viel in unserm Hause gewesen, noch den letzten Abend allein so im häußlichen Cirkel habe ich ihn am liebsten; Mein Vater war den Abend noch so herzlich froh, überhaupt hatte er sich die Zeit über mehr wie gewöhnlich von Geschäften frey gemacht, um von Charlottens Gesellschaft recht zu profitiren; es ist mir sehr viel werth daß er den letzten Abend noch so vergnügt war, denn daß ist doch nun der bleibende Eindruck den meine Schwester mitgenommen. Gott lob, daß er itzt so wohl ist! seit meiner Zurükkunft nunmehr gerade 1 Vierteiljahr hat ihm auch nicht das mindeste gefehlt. Nur wünschte ich sehr daß er sich noch gerade in seinem Geschäften etwas Erleich[3]terung verschaffen könnte, da er itzt durch den Tod des Abts, wied der älteste Consistorialrath und nun durch die Pfarbesetzungen, von der Seite mehr Arbeit bekömt! Wieder auf Charlotten zu kommen, große Gesellschaften sind in der Zeit gar nicht gewesen, nemlich Grand Tees außer einer bey Lehzens wo wir auch waren, und wo sie die Mstss Lyon traf, mit der Charlotte auch am Spieltische kam; und daß zwar wohl hauptsächlich aus der Ursache, weil wegen des Assessor Böhmers und Demoisell Rudloffs Heyrath lauter schwere Dinées waren, wo wir natürlich nicht dazwischen. Bey Rehbergs sind wir ein paar mahl gewesen, daß eine mahl hatten sie verschiedene gebeten, die aber alle bey so einer Böhmerschen fête engagirt, und daher niemand kam als Ompteda, daß andre mal ganz allein, und häußlich; sie sind [4] einigemahl bey uns gewesen, und einigemahl Caroline allein; Einmal Alberti, Blauels, Hagemanns, Schmids, und B. die Kummen, den Nachmittag und übrigens sind wir Nachmittags zum Thee ausgegangen, nach der Klockenbring &. und Rehbergs hatten auch ein paar mal Leute zum tee gebeten die sie vermutheten daß Lottchen sie gerne sähe, die Zimmermann, junge Böhmern, Wüllen &. Etwas mangelhaftes war doch in Lottchens Besuch dadurch daß Ernst nicht mit war. Ich sahe es gleich zum voraus daß es so seyn würde; Charlotte hat ihn viel zu lieb um sich freywillig lange von ihm trennen zu können, ohne sich Ängstlichkeiten zu machen, und so ist es beyden Leuten gegangen, die schwärzesten Ideen machte sich Charlotte und kämpfte damit, wenn etwa mahl ein Brief ausblieb, welches leider in der Zeit, Gott weis durch wessen Schuld oft geschehn daß sie liegen geblieben und dann auf einmahl kamen; aber Ernst verdient es gewis auch daß Lottchen ihn so zärtlich liebt als sie es thut, er macht ihr ganzes Glück aus; Sie sind itzt noch beyde vielleicht ver[5]liebter in einander, als manches Ehepaar es nach verlauf der ersten vier Wochen. Welche Wonne und Freude ist es mir nicht oft gewise ihrem Glücke beyzuwohnen. Man muß Ernst kennen wie ich ihn kenne, um ihn gut zu seyn, ein vortrefflicher Mann von Seiten des Herzens! tiefes inniges Gefühl, für alle Naturwonnen, und Naturschönheiten! Aber daß es eine ganz andere Sache ist so wie ich ordentlich ein Theil mit Mitgenuß ihres häuslichen Umgangs zu seyn, als nur so ein kurzer Besuch worin sich alles drängt versteht sich. Mein Bruder aus Harburg blieb nur 3 Wochen 10 Tage daß glaube ich, habe ich dir schon geschrieben; er ist heiter und froh, und sieht noch gesünder aus als ehedem; er ist dort mit allem zufrieden nur mit dem Beutel nicht, daraus sieht man aber wie der Mensch doch ans gesellige hängt, denn ein ganz anderer Mann ist er geworden als in Bothfeld. Den 28sten reißte Carl mit Charlotten, und der Tante Schlegeln, bey kaltem aber sonst ganz guten Wetter wieder von hier ab, mit einem Miethkutscher bis Zerbst. Aufgehalten haben sie sich nirgends [6] den Abend bey Gärtners mit Crusen frölich zugebracht, und den andern Tag weiter nach Helmstädt, wo der Profeßor Bischoff sie besucht darauf den andern Tag Abends in Magdeburg bey Weißens und den nächsten Mittag in Zerbst, wo sie den folgenden Tag ganz geblieben, und den darauf folgenden Mittags beyde Partien weiter. Fritz ist den Tag vorher Mittags erst eingetroffen, also hat Carl den nicht viel gesprochen, überhaupt werden deßen Augen, Herz und Mund wohl mit der schönen Cousine Caroline beschäftigt gewesen, doch da will ich nicht vorgreifen sondern ihm selbst es überlaßen, daß er dir seine Reise Fata erzählt. Am Sonaben[d] vor 8 Tagen kam er glücklich, aber mit starken Schnee Gestüber hier wieder an; wie er so seine Reiseroute bey seiner Erzählung wieder durchging, so träumte ich mich wieder recht lebhaft hinein, und es war mir halt so zu Sinne als wenn ich die Reise mitgemacht. Man vexirt mich ohnedieß damit, daß ich schon wenn nur eins der örter die ich auf meiner Reise passirt [7] genannt würde, lebhaft würde! Von Charlotten hatten wir die erste Nachricht aus Magdeburg, nachher von Carl, dann aus Leipzig wohin sie Fritz begleitet, und wo sie den Abend bey Dyks sehr angenehm zugebracht; aber vorher unterwegs in Dessau ein schlechtes Nachtquartier gehabt weil das gute Wirtshaus besetzt gewesen (wo sie sich denn auch etwas Schnupfen zugezogen, der auch wie Ernst mir letzthin schrieb noch nicht ganz über wäre.) Von da hat sie dann wieder die Basemannen, die Schwester der Neumannen, und Dycken mitgenommen, und ist denn am Sonabend, ein bischen fatiguirt aber übrigens ganz wohl, Abends um halb 10 Uhr in die Arme ihres lieben Ernsts wieder zurückgekommen; der auf meine Bitte es mir auch gleich den nächsten Morgen meldete, nun bin ich nur noch begierig auf Lottchens nächsten Briefe.
Von des Abts Tode ist dir ja auch wohl noch nicht viel geschrieben worden, es war sehr plötzlich denn er hat nicht über 6 Tage gelegen an einem Faulbieber. Die [8] Umstände sollen ziemlich gut seyn, doch verlieren einige seiner Verwandten, die er sehr unterstützt, und wo auch noch itzt ein paar junge Leute in Göttingen sind, die er ganz hat studieren laßen sehr durch seinen Tod. Die Conventualen haben Salfeldt wieder zum Abt gewählt, aber da einer fehlt will die Regierung ihre Wahl nicht gelten laßen; indeßen da sie nichts gegen das gewählte Subject haben, so wird vermuthet daß sie denselben gewählt, und daß es itzt noch be[...] den zur Bestätigung des Königs ist. Nun ist man schon wieder mit Besetzung Salfeldts Stelle in der Stadt beschäftigt, es wurde mahl gesagt Bialoblotzky kömt an der Schloßkirche, und der Inspector Hoppenstädt würde wieder Hofcapellan. Ob nun aber diese Sage sich daher schreibt weil es derselbe Weg ist den Salfel[dt] gemacht, oder ob etwas daran ist kann ich nicht bestimmen; mir deucht aber er wü[r]de sich ganz gut dahin paßen. Auch Jacobis platz ist noch nicht wieder besetzt Salfeldt hat ein schnelles und großes Glück gemacht, daß muß ein jeder zu[9]gestehn aber Freude muß er eben nicht viel haben, denn man misgönt es ihm doch eben nicht. Noch ein Todesfall der sehr plötzlich und traurig, der Rektor Köppe, der erst seit 4 Wochen Unterricht auf der Schule gegeben und etwa vor 14 Tagen eingeführt worden, hat schon am Tage seiner Einführung sich nicht wohl befunden, dann gleich ein Faulbieber bekommen, und am 9ten Tage gestorben, er verläßt eine Frau und 3 kleine Kinder, und keine guten Umstände, ist erst ein Mann von 36 Jahren gewesen. Blanchard ist vorigen Mittewoche hier in der Luft mit seinem Ballon gestiegen welches du wohl schon in denn Zeitungen gelesen haben wirst. Das Wetter war ihm sehr günstig und es gelang sehr schön es ist doch immer ein großer Anblick und der Mühe werth es zu sehen.
Von dem Herzog von York und seiner Gemahlin sage ich dir nichts, weil ich nichts davon zu sagen weis, sie sind 8 Tage [10] hier gewesen, in der Zeit sind denn Masqueraden Jagten und Comödien gewesen, aber demohngeachtet habe ich sie nicht gesehen.
Noch eine Neuigkeit deinen Freund Ahrenswaldt betreffend, aber die man sich hier itzt nur noch in die Ohren raunt; er soll in der itzigen ältesten Fräulein Bremer bis über die Ohren verliebt seyn, und es wird wohl nächstens eine Heyrath daraus zu Stande kommen. Der Vater soll auch sehr damit zufrieden seyn; Sie ganz nach seinem Geschmack, sehr gelehrt, nicht viel nach ausgehn und Gesellschaft fragen, aber alles Wissenschaftliche sehr lieben, man sagt daß sie bey den Schwiegervatter ins Haus ziehn würden, und das sie den Haushalt führen würde. Ein punkt ist nun da, der muß aber glücklicher Weise vergessen werden, denn ihren Taufschein wird sie wohl itzt nicht produciren, sie muß ein beträchtliches älter seyn, als er.
Nun daß ist ja wohl einmahl ein Brief aller Briefe, aber dafür habe ich auch die Mutter allein in Gesellschaft gehen laßen, und bin nicht ins Conzert gegangen, um [11] mich einmahl recht ordentlich mit dir zu unterhalten; der Brief bleibt noch bis mor den Dienstag hier, fällt derweil noch etwas vor so schreibe ich es noch. Morgen ißt Bialo. und ein Offizier aus Ostindien der Augusten gekannt, Mittags bey uns, ob wir aber was kluges von ihm erfahren werden weis ich noch nicht, da wir ihn noch nicht gesprochen. Aber nächstens wird Offeney uns besuchen, der ist Gestern erst angekommen.
Ich habe heute keine Zeit mehr zu schreiben. Leider haben wir heute wieder keinen Brief von dir bekommen, nun sind es volle 4 3 Wochen.
Henriette Schlegel
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