• Christian Friedrich Tieck to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Bern · Place of Destination: Coppet · Date: 27.04.1812
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Christian Friedrich Tieck
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Bern
  • Place of Destination: Coppet
  • Date: 27.04.1812
  • Notations: Fragment. – Empfangsort erschlossen. – S. 3 und 4 vermutlich bewusst vernichtet.
    Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: DE-611-36934
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.28,Nr.48
  • Number of Pages: 2 S., hs.
  • Format: 19,3 x 12,1 cm
  • Incipit: „[1] Bern den 27. Aprill 1812.
    hätte xxx meinen Rath befolgt und geschwiegen, so hätte Sie mir die bittern Stunden welche [...]“
    Language
  • German
    Editors
  • Bamberg, Claudia
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 360]/version-04-20/letters/view/5986" data-language="">
[1] Bern den 27. Aprill 1812.
hätte xxx meinen Rath befolgt und geschwiegen, so hätte Sie mir die bittern Stunden welche mir dein lezter Brief gemacht hatt, geliebter Freund, erspart. Wenn ich nicht annehmen müße das du meine Briefe sehr obenhin zu lesen pflegtest so könntest ich freilich denken, das du nach meinem Brif vom Sonntag schon über mich anders denken würdest, indem ich dir da schon gesagt habe wie sehr mich dis Geschwäz verdrist, ud das man eben nicht viel dagegen Thun kann, denn ich mag sagen und betheuern was ich will, so zukt man eben die Achseln, ud bedauert uns der das läugnen will. Pöbel mag es freilich in Genf sein der es sagt ud schreibt, aber der Vornehme adliche Pöbel daselbst ist es, denn den andre könnte wohl weder M. noch ich so weit kennen das er uns dergleichen Vortragen dürfte. Auch würde schwerlich der geringe Stand in Genf dergleichen erfinden, denn diser hatt deine Freundin nicht beleidigt, sondern ist von ihnen höchst wahrscheinlich als reiche Frau geachtet, als Tochter Nekers verehrt, u als verfolgte, da das Volk meist Gefühl für recht hatt bedauert, ja als eine Vornehme Frau maßt man sich nur scheu ein Urtheil über selbige an. Aber der Vornehme Pöbel ist beleidigt, durch die Ueberlegenheit ihres Geistes, durch gröste Freiheit des Tons ud Betages, ja selbst ihr Unglük, da es sie zu einem Gegenstand der Theilnahme des höhern Intresses für alle besseren macht, vermehrt in den Augen jener ihre Schuld gegen sie, ud da must du also die Erfinder ud Ausbreiter suchen. Ja ich habe Spuren das das Geklatsch schon älter, schon weiter verbreitet sein muß, denn in einem Brief den ich von Harmes erhielt, erkundigt sich diser sehr Eifrig ob deine Freundin krank sei ud bittet um Nachricht darüber, worüber ich mich ver[2]wunderte woher er dis Intresse nähme, wahrscheinlich war dis also nur eine verstekte Frage hiernach. Wozu also deine Drohung, du habest Spuren das ich xxx, (oder soll es heissen auch andern Personen?) nachtheilige Ideen über deine Fr[...] beibrächte? Ist es dein Ernst das ich ud meine Familie ihr Dank schuldig sind, so erklärst du mich für unerbar, also schlecht, mindestens Charakterlos, ud dis Urtheil ist ein wenig rasch, ud du hast schwerlich dise Schlußfolge überlegt als du es schriebst. xxx. Was eine andre Sache betrift so hast du recht das Bildniß meiner Freundin Charlotte, ist eine Carrikatur steif ud geschmaklos, aber dis Bild ist mir dennoch werth um der ähnlichkeit Willen die es hatt, und sie hatt niemahls mir ein Versprechen abgefodert solches niemahls zu zeigen, ja hätte ich dies auch gegeben so kann es Momente u Situazionen geben wo es nothwendig ist ein solches Versprechen zu brechen, so wie es mir Nothwendig schien dir davon zu schreiben, um dich von seltsamen Gedanken abzubringen, die deine lezten Briefe mir zu verrathen schienen, ohne nöthig zu haben Nahmen zu nennen. Ja ich mag es jezt wohl gestehen das vielleicht ein Theil der Zuneigung die ich M. zu bezeigen gezwungen bin ud von Anfang an fühlte von der ähnlichkeit der einzelnen Züge ud besonders des Profils herrühren mag die für mich in ihrem Gesicht ud dem Charlottes liegt. Vielleicht ist es blos
Notice (8): Undefined offset: 0 [APP/View/Letters/view.ctp, line 442]/version-04-20/letters/view/5986" data-language="">
[1] Bern den 27. Aprill 1812.
hätte xxx meinen Rath befolgt und geschwiegen, so hätte Sie mir die bittern Stunden welche mir dein lezter Brief gemacht hatt, geliebter Freund, erspart. Wenn ich nicht annehmen müße das du meine Briefe sehr obenhin zu lesen pflegtest so könntest ich freilich denken, das du nach meinem Brif vom Sonntag schon über mich anders denken würdest, indem ich dir da schon gesagt habe wie sehr mich dis Geschwäz verdrist, ud das man eben nicht viel dagegen Thun kann, denn ich mag sagen und betheuern was ich will, so zukt man eben die Achseln, ud bedauert uns der das läugnen will. Pöbel mag es freilich in Genf sein der es sagt ud schreibt, aber der Vornehme adliche Pöbel daselbst ist es, denn den andre könnte wohl weder M. noch ich so weit kennen das er uns dergleichen Vortragen dürfte. Auch würde schwerlich der geringe Stand in Genf dergleichen erfinden, denn diser hatt deine Freundin nicht beleidigt, sondern ist von ihnen höchst wahrscheinlich als reiche Frau geachtet, als Tochter Nekers verehrt, u als verfolgte, da das Volk meist Gefühl für recht hatt bedauert, ja als eine Vornehme Frau maßt man sich nur scheu ein Urtheil über selbige an. Aber der Vornehme Pöbel ist beleidigt, durch die Ueberlegenheit ihres Geistes, durch gröste Freiheit des Tons ud Betages, ja selbst ihr Unglük, da es sie zu einem Gegenstand der Theilnahme des höhern Intresses für alle besseren macht, vermehrt in den Augen jener ihre Schuld gegen sie, ud da must du also die Erfinder ud Ausbreiter suchen. Ja ich habe Spuren das das Geklatsch schon älter, schon weiter verbreitet sein muß, denn in einem Brief den ich von Harmes erhielt, erkundigt sich diser sehr Eifrig ob deine Freundin krank sei ud bittet um Nachricht darüber, worüber ich mich ver[2]wunderte woher er dis Intresse nähme, wahrscheinlich war dis also nur eine verstekte Frage hiernach. Wozu also deine Drohung, du habest Spuren das ich xxx, (oder soll es heissen auch andern Personen?) nachtheilige Ideen über deine Fr[...] beibrächte? Ist es dein Ernst das ich ud meine Familie ihr Dank schuldig sind, so erklärst du mich für unerbar, also schlecht, mindestens Charakterlos, ud dis Urtheil ist ein wenig rasch, ud du hast schwerlich dise Schlußfolge überlegt als du es schriebst. xxx. Was eine andre Sache betrift so hast du recht das Bildniß meiner Freundin Charlotte, ist eine Carrikatur steif ud geschmaklos, aber dis Bild ist mir dennoch werth um der ähnlichkeit Willen die es hatt, und sie hatt niemahls mir ein Versprechen abgefodert solches niemahls zu zeigen, ja hätte ich dies auch gegeben so kann es Momente u Situazionen geben wo es nothwendig ist ein solches Versprechen zu brechen, so wie es mir Nothwendig schien dir davon zu schreiben, um dich von seltsamen Gedanken abzubringen, die deine lezten Briefe mir zu verrathen schienen, ohne nöthig zu haben Nahmen zu nennen. Ja ich mag es jezt wohl gestehen das vielleicht ein Theil der Zuneigung die ich M. zu bezeigen gezwungen bin ud von Anfang an fühlte von der ähnlichkeit der einzelnen Züge ud besonders des Profils herrühren mag die für mich in ihrem Gesicht ud dem Charlottes liegt. Vielleicht ist es blos
×