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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="112"><titleStmt><title>August Wilhelm von Schlegel an Sophie Bernhardi</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/112</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 277‒283.</title><idno type="print">335976727_AWSanSB_3031011806</idno></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/112"><correspAction type="sent"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="280" ref="http://d-nb.info/gnd/4020137-5">Genf</placeName><date from="1806-01-30" to="1806-01-31">1806-01-30</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="132" ref="http://d-nb.info/gnd/118973665">Sophie Bernhardi</persName><placeName key="356" ref="http://d-nb.info/gnd/4050471-2">Rom</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000317.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000318.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000319.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000320.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000321.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000322.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000323.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p><placeName key="280">Genf</placeName> d. 30 Jan. 1806<lb/>Geliebteste Freundin<lb/>Die einzige Ursache, warum ich auf zwey so wichtige Briefe von Ihnen zu antworten gezögert habe, ist, daß ich Ihnen sogleich die Erfüllung aller Ihrer Aufträge melden zu können wünschte. Die Besorgung an <persName key="276">Hufeland</persName> war mir aber immer noch nicht möglich gewesen, auszurichten. Da jedoch Ihr letzter Brief ein dringendes Anliegen enthält, welches keinen Aufschub leidet, so versäume ich hierauf keinen Posttag.<lb/>Sie erhalten hiebey einen Wechsel von 12 Carolin auf <placeName key="171">Paris</placeName>; es ist nicht anders zu machen, da von <placeName key="280">hieraus</placeName> keine unmittelbaren Handelsverhältnisse mit <placeName key="356">Rom</placeName> im Gange sind. Man versichert mir, daß er ohne Schwierigkeit bey <persName key="563">einem <placeName key="356">Römischen</placeName> Banquier, etwa <persName key="564">Torlonia</persName></persName>, wird zu Gelde gemacht werden können, wiewohl er auf 40 Tage gestellt ist. Der größte Theil dieser Zeit geht schon damit hin, daß er nach <placeName key="356">Rom</placeName> und von da zurück nach <placeName key="171">Paris</placeName> läuft, und dann kommt es nur auf einen kleinen Abzug mehr an, den Sie sich werden gefallen lassen müssen.<lb/>Diese Summe ist in der That alles, was ich jetzt vorräthig hatte, und ich stehe überhaupt mit meinen Geldangelegenheiten nicht zum besten. Vor einiger Zeit schrieb mir <persName key="176">Reimer</persName> einen so unverschämten Mahnbrief, daß ich ihm nothwendig meine Bücherrechnung bezahlen mußte, dieß betrug 120 rth. – <persName key="264">Meiner Mutter</persName> habe ich diesen Winter noch nichts schicken können, wiewohl sie unstreitig doppelt nöthig hat, weil die Lage der Dinge im nördlichen Deutschland eine große Theurung verursacht; dazu muß ich meine nächste Einnahme verwenden. In <placeName key="15">Berlin</placeName> sind noch 100 rth. zu zahlen, diese Summe hatte ich grade <persName key="380">die Unger</persName> für <name key="29" type="work"><name key="17" type="work"><name key="346" type="work">wiedergedruckte Theile vom <persName key="4"><name key="344" type="work">Shakspeare</name></persName></name></name></name> zu fodern, und wollte sie dazu bestimmen, allein <persName key="380">die Unger</persName> entschuldigte sich weil sie eben eine große Schuld für <persName key="198">Woltmann</persName> zahlen müssen, für welche <persName key="67">ihr verstorbner Mann</persName> sich verbürgt hatte, und bat mich, meine Foderung lieber auf das im voraus erhaltne Honorar vom <name key="272" type="work">9ten Bande <name key="344" type="work">des <persName key="4">Shakspeare</persName></name></name> abzurechnen. – Meine Schuld bey <persName key="220">Fouqué</persName> von 330 rth. leidet nun auch keinen weitren Aufschub, da es ins dritte Jahr geht, und der Schuldschein auf drey Jahre gestellt ist. Ich muß also jetzt nothwendig für den Abtrag dieser Schuld sammeln. – Hier haben sich endlich seit meiner Zurückkunft aus Italien auch Rechnungen angehäuft. Dabey habe ich von schriftstellerischen Arbeiten noch lange keine Einnahme zu hoffen, wenn auch <name key="266" type="work">der Band <name key="261" type="work">des Spanischen Theaters</name></name> und <name key="272" type="work">der 9te <name key="344" type="work">vom <persName key="4">Sh.[akspeare]</persName></name></name> fertig ist, so habe ich erst das vorausbezahlte abverdient, und die vielen Reisen und andern in meiner Lage unvermeidlichen Zerstreuungen machen es mir unmöglich in meiner Arbeit schnell vorwärts zu kommen.<lb/>Da Sie mir schrieben, ich möchte an <persName key="276">Hufeland</persName> so viel über die abgeredete Summe senden als möglich (so viel ich mich erinnere hatten wir sie in <placeName key="356">Rom</placeName> auf 10 Carolin bestimmt) so dachte ich ihm 15 Carolin zu schicken, und diese Summe hatte ich seit Empfang Ihres Auftrags noch nicht beysammen. Jetzo wird dieß unvermeidlich einen Aufschub leiden, da das dazu bestimmte Geld eine andre Verwendung erhalten; indessen werde ich mein möglichstes thun, diese Besorgung sobald zu bewerkstelligen als es irgend geschehen kann.<lb/>Für mich selbst gebe ich nur das durchaus erfoderliche aus, um in Kleidung und Wäsche gehörig zu erscheinen, ich versage mir alle Arten von Vergnügungen, selbst Reiten und das Schauspiel, um meine Einkünfte für einen andern Gebrauch beysammenzuhalten. Diese verdrießliche Auseinandersetzung meiner Lage verzeihen Sie gewiß, Ihr vermindertes Zutrauen gegen mich machte es nothwendig, um alle Zweifel an meinem Eifer zu heben.<lb/>Ich gehe sogleich zu Ihren übrigen Aufträgen fort, um alles was Geschäft ist, nach einander abzuthun, und dann für freundschaftliche Mittheilungen freyen Raum zu behalten.<lb/>In <name key="565" type="work">einem Aufsatze über die Künstler in <placeName key="356">Rom</placeName></name> habe ich von Ihrem Aufenthalte dort und <name key="383" type="work"><name key="512" type="work">Ihren poetischen Arbeiten</name></name> gesprochen, und sowohl <name key="383" type="work">Egidio und Isabella</name> als <name key="512" type="work">Florio und Blanscheflur</name> dem Publicum angekündigt. Dieß ist, wie ich aus einem Briefe von <persName key="714">Eichstädt</persName> sehe, schon vor geraumer Zeit im Intell.[igenz] Bl.[att] der <name key="94" type="periodical">Jenaischen A.[llgemeinen] L.[iteratur]Z.[eitung]</name> abgedruckt, ich habe es noch nicht zu sehen bekommen, da niemand hier <name key="94" type="periodical">diese Zeitung</name> hält, <persName key="714">Eichstädt</persName> hatte sie mir zu schicken versäumt, und ich habe sie von neuem fodern müssen. In <placeName key="356">Rom</placeName> hat sie <persName key="9">HE. von Humb.[oldt]</persName>, von dem Sie jawohl sie sich werden verschaffen können, ohne Zweifel hat er <name key="94" type="periodical">dieß Heft</name> schon erhalten.<lb/><name key="383" type="work">Egidio und Isabella</name> habe ich ganz neu von mir abgeschrieben an <persName key="449">Vo[i]gt</persName> in <placeName key="58">Weimar</placeName> geschickt. Ich habe mich Ihrer Vollmacht bedient, Kleinigkeiten in Sprache und Versbau zu ändern, und <name key="383" type="work">das Manuscript</name> war zu eng um dazwischen hinein zu corrigiren, auch fallen mir viele von diesen kleinen Vortheilen erst beym Abschreiben ein. So ist es nun sehr sauber, und wird mit Genauigkeit abgedruckt werden können.<lb/><persName key="449">Der Reg. Rath. Vo[i]gt</persName> ist, wie ich vor einiger Zeit aus den Zeitungen sah, nach <placeName key="15">Berlin</placeName> geschickt worden, vermuthlich betraf seine Sendung die Einquartierung der Preußischen Truppen im <placeName key="58">Weimarischen</placeName>. Es könnte also immer seyn, daß er noch nicht zurück wäre. Indessen ist die Schwierigkeit, welche der Erscheinung von <name key="383" type="work">Egidio und Isabella</name> entgegensteht, gar nicht der Mangel an Zeit bis zur <orgName key="6043">Ostermesse</orgName>, denn ein fertiges Gedicht von etwa acht Bogen läßt sich füglich in ein paar Wochen abdrucken, sondern der klägliche Zustand des Buchhandels, welcher macht, daß niemand etwas unternehmen und Auslagen machen will. Ich lege deßhalb einen Brief von <persName key="31">Frommann</persName> bey. Schon <orgName key="6043">die Mich[aelis] Messe</orgName>, wo man erst dem Ausbruche des Krieges entgegensah, ist äußerst dürftig gewesen. Kaum ein Drittel soviel Bücher als gewöhnlich sind erschienen. Jetzt ist der ganze Süden von Deutschland durch den Krieg unsäglich verwüstet, und der Norden durch die Überschwemmung mit fremden Truppen Preußischen, Russischen, Schwedischen und Englischen aufgezehrt, so daß überall eine große Theurung entstanden und fast Hungersnoth zu besorgen ist. Wenn es nun auch dort für jetzt Frieden bleibt, so ist der ganze Zustand so zweydeutig, daß der Lage der Sachen dadurch gar nicht aufgeholfen wird. <persName key="8">Mein Bruder</persName>, der dem Schauplatze näher ist, schreibt, er fürchte, es werde wohl einige Jahre hindurch keine Deutsche Literatur, wenigstens keine Ostermesse geben. – Unter solchen Umständen schränken sich die Buchhändler auf Fortsetzungen angefangner Werke ein, oder auf Dinge die gäng und gebe sind, und ihren gewissen Absatz haben. Wäre ich in <placeName key="22">Leipzig</placeName> oder <placeName key="15">Berlin</placeName>, so würden sich unstreitig alle diese Hindernisse heben lassen, aber meine Entfernung von Deutschland ist Schuld, daß ich Ihnen hierin leider nicht so behülflich seyn kann wie ich wollte.<lb/>An <persName key="220">Fouqué</persName> und <persName key="55">Fichte</persName> schreibe ich jetzt eben auch, und Sie können gewiß seyn, daß es mit großer Wärme und reifster Überlegung geschieht; es ist mir eben so angelegen, als es Ihnen selbst nur seyn kann, unsre gemeinschaftlichen Freunde für Ihre Sache zu interessiren.<lb/>Daß mir <persName key="42">B.[ernhardi]</persName> seine <persName key="725">Schneider</persName>rechnungen zuschieben will, sieht ihm ganz ähnlich. Indessen hatte ich doch noch keinen Argwohn dieser Art gefaßt, als mir letzthin auf einem andern Wege etwas über diese Sache zukam, bis Sie mich darüber aufgeklärt haben. <persName key="758">Ein Schullehrer Breutel</persName> schrieb mir nämlich vor einiger Zeit als Vormund <persName key="759">der <persName key="725">Feigeschen</persName> Kinder</persName>, ich möchte eine Schuldfoderung <persName key="725">des Schneiders Feige</persName> von 107 rth. vor Ende Januars bezahlen. Ich erwiederte ihm hierauf, daß ich mich beständig <persName key="286">des Schneiders Wust</persName> bedient, und daß mir <persName key="725">der Schneider Feige</persName> selbst dem Namen nach nicht bekannt sey, es müsse also hiebey ein Irrthum obwalten. Nach Ihrer Anzeige werde ich nun nächstens meine Antwort dahin berichtigen: nach näherer Erkundigung habe ich erfahren daß <persName key="725">der Schneider Feige</persName> für <persName key="42">Ihr Haus</persName> gearbeitet, und daß einmal bey ihm einige Kleinigkeiten für mich bestellt worden seyen, wobey ich aber seinen Namen nicht erfahren. Ich sey bereit, diese kleine Rechnung zu bezahlen, sobald sie mir specifizirt übermacht würde, die große Foderung hingegen könne ich auf keine Weise anerkennen.<lb/>Meine Bücher will ich Ihrem Rathe gemäß in Sicherheit zu bringen suchen. Mein Trost ist, daß <persName key="42">B.[ernhardi]</persName> niemals ein Buch ansieht und längst vergessen hat, daß es dergleichen in der Welt giebt. Er müßte sie also aus bloßem üblen Willen verzettelt haben, und sollte ihm <persName key="63">Schütze</persName> dazu den anvertrauten Schlüssel geben? dieß wäre um so unverantwortlicher, da derselbe Schrank auch alle meine Papiere, und darunter sehr wichtige (freylich sämtlich versiegelt) enthält. Mit <persName key="220">Fouqué</persName>, das möchte Schwierigkeiten haben, da er auf dem Lande. Ich will aber <persName key="380">die Unger</persName> bevollmächtigen, sich den Schlüssel von <persName key="63">Schütze</persName> geben zu lassen, und sie bitten die Abhohlung der Bücher und des Schrankes aus <persName key="42">B.[ernhardi]ʼs</persName> Wohnung zu besorgen um sie mir sämtlich in Kisten zu packen, und mir dann ein Verzeichniß davon zu senden. Irre ich, oder haben Sie mir nicht gesagt, Sie hätten ein Verzeichniß in dem Schranke zurückgelassen, welches ich selbst bey meiner eiligen Abreise aufzusetzen keine Zeit hatte? Alsdann würde sich die Durchsicht sogleich vornehmen lassen.<lb/>Was die Arbeiten <persName key="56">unsers wackern Bildhauers</persName> betrifft, so habe ich Ihren Auftrag unverzüglich ausgerichtet, und <persName key="222">meine Freundin</persName> hat mir versprochen in ihrem nächsten Briefe nach <placeName key="58">Weimar</placeName> sich zur Subscription auf <name key="753" type="work">das <persName key="367">Herdersche</persName> Denkmal</name> zu erbieten. Ich habe aber noch etwas andres ausgedacht, was vielleicht nützlich werden kann, nämlich eine Empfehlung an <persName key="495">Lucian Bonaparte</persName>, der ein großer Kunstliebhaber ist, und von welchem Aufträge gewiß ein Mittel wären, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. <persName key="222">Meine Freundin</persName> hat mir dieß ebenfalls zugesagt, und wird gewiß Wort halten.<lb/>Ich brauche Ihnen nicht erst zu versichern, daß ich den übrigen Inhalt Ihrer Briefe wie ein Heiligthum verwahrt, und niemanden auf der Welt das mindeste davon anvertraut habe. Die Briefe selbst sind bey mir auf das sicherste aufgehoben. Sie kennen meine Sorgfalt darin; überdieß bin ich in einem Hause, ja fast in einer <placeName key="280">Stadt</placeName>, wo kein Mensch eine flüchtige Deutsche Handschrift zu lesen versteht. Noch kann ich mich nicht entschließen, den langen Brief zu vernichten; ich muß ihn öfter wiederlesen, um manches darin genau nachzusehen. Sollte ich aufgefodert werden in Ihrem gerichtlichen Handel gegen <persName key="42">B.[ernhardi]</persName> Zeugniß abzulegen, so würde ich um eine Abschrift des an <persName key="48">Ihren ältesten Bruder</persName> deßhalb geschriebnen Briefes bitten müssen, um zu sehn was ich schon gesagt und was noch hinzuzufügen, und um anscheinende Abweichungen im Ausdruck zu vermeiden. – Es wäre sehr gut gewesen, wenn wir in <placeName key="15">Berlin</placeName> über <persName key="42">B[ernhardi]ʼs</persName> ganzes Betragen ein Tagebuch gehalten hätten, worin die Verwahrlosung seines Hausstandes, jede Verlegenheit der er Sie unbekümmert Preis gab, dann die gewaltsamen Auftritte seiner Rohheit, genau wären aufgezeichnet worden. Es würde uns jetzt sehr zu Statten kommen, denn unter einer solchen Anhäufung von Gemeinheit und Schlechtigkeit vergißt man doch manches, was damals, als man es erlebte, unglaublich schien.<lb/>Glauben Sie nicht etwa, daß ich irgend etwas von Ihnen misdeuten könnte: ich habe vielmehr Ihre Vorsicht, Geistesgegenwart, Entschlossenheit und Standhaftigkeit bey der Führung Ihrer Angelegenheiten in hohem Grade bewundert. Auf den entscheidenden Schritt, den mir Ihr umständlicher Brief meldet, war ich schon durch das, was Sie in dem vorhergehenden von Ihrer Verbindung mit <persName key="613">der Erzherzogin</persName> schrieben, vorbereitet. Diese sehe ich als eine wahre Fügung der Vorsehung an. Auch habe ich durchaus keine Einwendung dagegen, daß man das, wozu man sich innerlich hingezogen fühlt, durch eine feyerliche Handlung anerkennt. Das einzige wodurch es der Misdeutung unterworfen seyn könnte, sind politische Verhältnisse, die aber bey einer Frau wegfallen.<lb/>Ich hoffe, Sie werden Mittel genug in Händen haben, Ihre Sache nach Wunsch zu führen, und den durch so viele Leiden erkauften Besitz <persName key="96"><persName key="44">Ihrer herrlichen Kinder</persName></persName> zu behaupten. Ich rechne dabey auf die Vorsehung, denn welch ein Unterschied für <persName key="96"><persName key="44">diese zarten von der Natur so schön bevorrechteten Wesen</persName></persName>, die recht zur Zierde Ihres künftigen Lebens bestimmt sind, in der reinsten Umgebung, unter den ausgezeichnetsten Menschen und jeder Gelegenheit ihre Talente zu entwickeln, oder bey <persName key="451"><persName key="621"><persName key="42">B.[ernhardi]ʼs</persName> Eltern</persName></persName> zur Gemeinheit und Verkehrtheit aufzuwachsen. <persName key="222">Fr.[au] v. St.[aël]</persName> hatte sich schon in <placeName key="356">Rom</placeName> erboten, wenn Sie es einmal gut finden sollten sie auf eine Zeitlang wegzuschicken, eins davon in ihr Haus zu nehmen, es wie ihre eignen Kinder zu pflegen, und Ihnen gewiß dafür einzustehen, daß es ihr in Frankreich oder wo sie sonst sich aufhalten möchte, niemand entführen solle. Ich habe dieß jetzt nicht wieder in Anregung gebracht, aber es bleibt natürlich dabey.<lb/>Mit <persName key="9">HE. v. H.[umboldt]</persName>, das nimmt mich nicht sehr Wunder, er ist lau und schwach, und seine Neigung zur Gefälligkeit weicht der geringsten Besorgniß, sich einer Unannehmlichkeit auszusetzen. Sie können sicher glauben, daß sein freundschaftliches Benehmen zu Anfange bloß eine Wirkung davon war, daß <persName key="222">meine Freundin</persName> es ihm sehr dringend anempfohlen hatte. Aber freylich, er steht unter dem Einfluß <persName key="508">seiner Frau</persName>, und <persName key="508">diese</persName> hat einen alten Groll gegen <persName key="56">den Bildhauer</persName>, weil er gewisse Anträge nicht verstehen wollen, wozu sie immer ein Bedürfniß hat. <persName key="554">Den Dr. K.[ohlrausch]</persName> habe ich immer platt und geistlos gefunden, aber ich hätte nicht geglaubt daß er falsch wäre. Sobald man über diese dumme Pfiffigkeit einmal aufgeklärt ist, läßt man sich nicht leicht wieder davon hinters Licht führen. – Aber gegen <persName key="508"><persName key="9">H[umboldt]-s</persName></persName> empfehle ich Ihnen die größte Vorsicht, und Beobachtung aller Äußerlichkeiten.<lb/>Meine theure Freundin, könnte ich doch jede Spur des Mistrauens gegen mich aus Ihrem Gemüthe verlöschen. Wenn ich in <placeName key="356">Rom</placeName> einige Befangenheit zeigte, so war es bloß eine Gegenwirkung davon. Immer werden Sie mich als den alten brüderlich gesinnten Freund finden. Nie werde ich aufhören Ihnen innigst dankbar dafür zu seyn, daß ich in Ihrer Freundschaft eine Zuflucht gegen meinen verlaßenen Zustand fand, da durch <persName key="30">Augustens</persName> Tod, und die vorhergegangne Zerrüttung in meinem Hause alle<persName key="23"> Familien-Verhältnisse</persName> für mich vernichtet waren. Sie haben eine ganz falsche Ansicht von meiner jetzigen Lage, wenn Sie glauben, daß sie alten und für mich geheiligten Verbindungen den mindesten Abbruch thun könne. Ich bin nicht von vielen Worten, aber meine Anhänglichkeit ist darum nicht weniger ächt und unerschütterlich. –<lb/><persName key="760">Der Bediente</persName>, der meinen Brief in <placeName key="228">Coppet</placeName> auf die Post giebt, will eben abreisen, ich muß also eilen, und kann nicht alles schreiben was ich wollte. Auch die Briefe an <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> und die Antwort an <persName key="56">Tieck</persName> muß ich auf das Nächstemal verschieben. Nun noch einiges von mir.<lb/>Da es vielleicht noch lange dauern kann bis das Packet mit den Exemplaren <name key="524" type="work">meiner Elegie</name>, welches ich an <persName key="9">Humb.[oldt]</persName> addressiren lassen ankommt so habe ich mich entschlossen Ihnen ein Exemplar mit Wegschneidung alles überflüßigen Papiers beyzulegen. <name key="524" type="work">Das Gedicht</name> ist <persName key="222">Fr.[au] v. St.[aël]</persName> zugeeignet, wie Sie sehen werden, allein ich habe das Blatt, worauf ihr Name befindlich, nebst dem Titelblatt weggelassen. Ich wünschte, wenn Sie im Zirkel Ihrer Freunde hinreichend werden gelesen haben, daß <persName key="56">Fr.[iedrich] Tieck</persName> es <persName key="9">HE. v. Humb.[oldt]</persName> als von meinetwegen mittheilte, und ihm dabey anzeigte, es sey ein Packet an ihn unterwegs, und ich bäte ihn bey Ankunft desselben <name key="524" type="work">die Exemplare</name> so weit sie hinreichen würden folgendermaßen zu vertheilen: 1) für <persName key="9">HE. v. Humb.[oldt]</persName> selbst; 2) für Sie und <persName key="56">den Bildhauer</persName> 3) für <persName key="48">Ludwig Tieck</persName>, 4) für <persName key="719">den Kaiserl. Gesandten, Grafen von Khevenhüller</persName> 5) für <persName key="586">Zoëga</persName>; dann für <persName key="750">Thorwaldsen</persName>, <persName key="756">Schick</persName> und <persName key="755">Koch</persName>, wenn wie ich Auftrag gegeben habe, acht nach<placeName key="356"> Rom</placeName> gesandt sind.<lb/>Mit <name key="266" type="work">dem Spanischen Theater</name> und <persName key="4"><name key="272" type="work">Shakspeare</name></persName> bin ich immer noch wenig aus der Stelle gerückt. <persName key="176">Reimer</persName> schreibt mir die ungebührlichsten Briefe, droht mir mit öffentlichen Erklärungen wenn ich nicht vor Ablauf von 4 Monaten <name key="749" type="work"><name key="742" type="work"><name key="266" type="work">das Manuscript</name></name></name> würde eingeliefert haben u. s. w. Ich habe ihm gebührend heimgeleuchtet, das üble aber ist daß sein schlingelhaftes Betragen (da ich mich gleich von Anfange zu einem billigen Ersatz des durch die Zögerung verursachten Schadens erboten) mir alle Lust an <name key="261" type="work">der ganzen Unternehmung</name> verdorben hat. Ich habe ihm erklärt, ich könnte <name key="749" type="work"><name key="742" type="work"><name key="266" type="work">das ganze Manuscript</name></name></name> bis auf die letzte Zeile fertig haben, so würde ich es lieber ins Feuer werfen als ihm schicken, wenn er mir nicht in einem andern Ton schriebe.<lb/>Da ich <persName key="380">der Unger</persName> <name key="524" type="work">meine Elegie</name> geschenkt, von der sie doch einigen Vortheil wird haben ziehen können, so geduldet sie sich mit gutem Anstande, und sucht überhaupt unser Verhältniß auf dem besten Fuß zu erhalten. Es scheint übrigens, wie aus den neu gedruckten Theilen erhellet, daß <name key="344" type="work">der Sh.[akspeare]</name>, ungeachtet der Unterbrechung sehr nachgefodert wird. <persName key="513">Musje Schütz</persName> in <placeName key="229">Halle</placeName> hat wie ich aus <orgName key="6043">Meßverzeichnissen</orgName> sehe, <name key="762" type="work">eine Bearbeitung des <name key="108" type="work">Hamlet</name> fürs Theater</name> herausgegeben.<lb/><persName key="8">Mein Bruder</persName> ist begierig zu wissen, wie <persName key="48">dem Ihrigen</persName> <name key="529" type="work">seine Romanzen vom Roland</name> gefallen, wenn anders <name key="577" type="periodical">sein poetisches Taschenbuch</name> nach <placeName key="356">Rom</placeName> gelangt ist. Jedoch beklagt er sich bitterlich über dessen Betragen gegen ihn bey <name key="594" type="work">der neuen Ausgabe von <persName key="481">Novalis</persName></name>.<lb/><persName key="222">Fr.[au] v. St.[aël]</persName> erkundigt sich, ob <persName key="48">Tieck der Dichter</persName> nicht Italiänisch gelernt? Hoffentlich wird er ihrer Bekanntschaft nicht mehr wie in <placeName key="15">Berlin</placeName> ausweichen, wenn sie wieder nach <placeName key="356">Rom</placeName> kommen sollte; und sie wünscht doch irgend eine Sprache zur Mittheilung mit ihm zu haben.<lb/>Mit der Abschrift von <name key="512" type="work">Florio und Bla.[nscheflur]</name> ist mir also <persName key="48">Ihr Bruder</persName> zuvorgekommen, indessen ist es doch vielleicht nicht unnütz, wenn Sie mir <name key="512" type="work">das Manuscript</name> vor dem Abdruck mittheilen und mir erlauben wollen meine Vorschläge zu kleinen Veränderungen aufzuzeichnen. Ich finde, daß wir der Erscheinung <name key="512" type="work">dieses Gedichtes</name>, welches Ihren dichterischen Ruhm entscheiden wird, jede Art von Sorgfalt widmen müssen. Ich freue mich unendlich darauf es vollendet zu lesen.<lb/>Da <persName key="56">Tieck</persName> mahlt und zeichnet so könnte er mir wohl einmal etwas von seiner Arbeit schenken, entweder die längst versprochne Zeichnung von Ihnen mit <persName key="96"><persName key="44">Ihren beyden Kindern</persName></persName>, oder sonst etwas was mir lieb und werth seyn würde. – Ich bitte um genaue Nachricht, wie weit <name key="753" type="work">das Monument</name> gediehen.<lb/>Melden Sie mir baldigst den richtigen Empfang dieses Briefs, und geben Sie mir dabey recht umständliche Nachricht von Ihrer Gesundheit und der <persName key="48">Ihres ältesten Bruders</persName>. – Ich herze <persName key="96"><persName key="44">die Engelskinder</persName></persName> in Gedanken, und bitte um die freundschaftlichsten Grüße an alle die sich meiner erinnern.<lb/><lb/>d. 31 Jan.<lb/>Eben ist <persName key="754">der Cardinal Ruffo</persName> hier angekommen, der an <persName key="446">Bon.[aparte]</persName> abgesandt ist. Ich esse zu Mittage mit ihm und hoffe über die Zustände im Süden von Italien die mich aus manchen Gründen interessiren Aufklärungen zu erhalten.</p></div></body></text></TEI>
