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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="114"><titleStmt><title>Sophie Bernhardi an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/114</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 285‒292.</title><idno type="print">335976727_SBanAWS_06021806</idno></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,15,45</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-4</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2316536</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">10 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">22,2 x 16,5 cm</ab><ab type="note">Datum (Jahr) erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/114"><correspAction type="sent"><persName key="132" ref="http://d-nb.info/gnd/118973665">Sophie Bernhardi</persName><placeName key="356" ref="http://d-nb.info/gnd/4050471-2">Rom</placeName><date when="1806-02-06">6. Februar [1806]</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="280" ref="http://d-nb.info/gnd/4020137-5">Genf</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000325.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000326.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000327.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000328.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000329.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000330.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000331.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000332.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000395.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000396.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000397.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000398.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000399.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000400.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000401.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000402.tif.original.jpg"/><graphic n="9" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000403.tif.original.jpg"/><graphic n="10" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000404.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="356">Rom</placeName> den 6<hi rend="offset:4">ten</hi> Febr [1806]<lb/>Ohne daß ich den Trost habe eine Antwort von Ihnen mein geliebter Freund zu erhalten, muß ich Ihnen wieder schreiben. Um so mehr schmerzt mich Ihr Stilschweigen, da meine Briefe an Sie von dem wichtigstem Inhalt waren. Ich muß auf Sie wie immer meine Hoffnung gründen, und Sie solten fühlen wie betrübt es ist wen[n] wir von unsern Freunden kein Zeichen ihrer fortwährenden Liebe erhalten. Es häufen und verwirren sich die Geschäfte meines unglücklichen Prozesses und es ist natürlig daß Sie liebster Freund mit darin verwickelt werden. Ich wolte ich hätte eine Antwort von Ihnen, den[n] wie sehr ich Ihre Treue in der Freundschaft kenne, so würde es mir doch einen andern Muth geben im Schreiben.<lb/>Ich will Ihnen zuerst sagen daß <persName key="9">H. v. H.[umboldt]</persName> glaubte im Anfange meines hiesigen Auffenthalts das sicherste für mich sei mich zur katholischen Religion zu bekennen oder wenigstens das Gerücht als wäre es so zu verbreiten, weil mann dan schon von preusischer Seite keine Lust haben würde gegen mich zu verfahren. Ja <persName key="554">der H. D[ocktor] K[ohlrausch]</persName> kam selbst zu mir um mir zu sagen daß er nach <placeName key="15">Berlin</placeName> an alle Jüdische Dahmen seiner Bekantschaft schreiben wolle, welches er sonst nicht thäte, um dieß als ein Gespräch herum zu bringen. Ich schreibe Ihnen dieß bloß damit nicht Ihre freundschaftliche Sorge für mich in diesem Gerücht auf welches ich nachher noch kommen muß, einen Grund sich zu beunruhigen findet. Und zugleich um Ihnen zu zeigen daß es nicht von mir oder von meinen hiesigen Freunden herrüre. Zugleich aber bitte ich Sie in diesem Punkte vorsichtig zu sein waß mir als Gerücht helfen kann soll nicht Gewißheit sein, und waß ein Gerücht ist von fremden Zungen würde in Ihrem Munde Gewißheit werden. Ja wen[n] man es Ihnen sagt können Sie es mit der Unwahrscheinlichkeit wiedersprechen daß wen[n] es so wäre wirde ich es Ihnen als meinem so theu[2]ren Freunde mitgetheilt haben.<lb/>Mich dünckt ich habe Ihnen geschrieben daß <persName key="56"><persName key="48">meine Brüder</persName></persName> an <persName key="451">den Vater von <persName key="42">B[ernhardi]</persName></persName> geschrieben haben um ihm womöglich von <persName key="42">seines Sohnes</persName> Betragen gegen mich eine Vorstellung zu geben. Wir hoften daß dies Schreiben vieleicht den Prozeß unnöhtig machen und einen gütlichen Vergleich möglig machen wirde. So nehmlich daß <persName key="451">der Vater</persName> das Unrecht <persName key="42">seines Sohnes</persName> einsehen wirde und zugleich welche schimpfliche Folgen der Prozeß für ihn haben müste, und aus diesem Grunde sich entschliessen wirde, mir <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> zu lassen, auf die Scheidung meiner Ehe aber vor Gericht allein aus dem Grunde meiner schwächlichen Gesundheit antragen würde.<lb/>Hiermit war nun das Lezte versucht, und wir haben die Antwort darauf erhalten welche beweißt daß <persName key="451">der Vater</persName> eben so wie <persName key="42">der Sohn</persName> gesint ist. Er sucht in diesem Briefe ganz die Punkte der Klage zu verdrehen, nimt an als hätten wir ihn gesucht zu der Einwilligung zur Ehescheidung zu bewegen, und verspricht diese zu bewilligen wen[n] ich ihm <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> so gleich kostenfrei zurickschike. Er findet daß wir sehr recht haben die Ehescheidung gütlig zu suchen weil ich am meisten bei der Klage leiden wirde. Doch ich schicke Ihnen lieber die Abschrift seines Briefes mit weil ich sonst so weitläuftig darüber sprechen müste.<lb/>Sie sehen aus diesem niedrigem Brief wie <persName key="451">der Vater</persName> <persName key="42">den Sohn</persName> eigentlig ganz fallen läßt und den Prozeß in seine Hände spielen will. Wie man ferner mich ganz ausdrücklich droht wie sehr man mich in Ansehung meines Verhältnisses zu Ihnen und <persName key="102">Knorring</persName> verläumden wolle. Auf die Mishandlungen welche ich erfahren habe wird behauptet dürfe kein Richter rücksicht nehmen weil ich sie nicht beweisen kann, daß man mir aber eine begangene eheliche Untreue mit <persName key="102">K[norring]</persName> durch meine zurückgelassenen Dienstbohten beweisen wolle. Wie schändlich [3] und niedrig dieß ist brauche ich Ihnen der Sie mich kennen und der Sie ja Zeuge meines Lebens waren nicht zu sagen. Die zurückgelassenen Dienstbothen das ist die Ihnen wohlbekannte <persName key="123"><hi rend="weight:bold">Miene</hi></persName> und ich habe schon alles gethan daß <persName key="123">diese</persName> nicht als Zeugin gehört werden kann, ihres eignen höchst schlechten Lebens, und der Ursach wegen weshalb ich sie aus meinem Dienst entlassen habe. Da aber <persName key="451">dieser alte Herr B[ernhardi]</persName> so weit geht mich eines Menschen und Kinderraubes an <persName key="96"><persName key="44">meinen eignen Kindern</persName></persName> zu beschuldigen und mich darauf zu verklagen, und auf mich ein <name key="3552" type="work">Gesetz</name> anwenden will welches für Landstreicher und Zigeuner welche oft Kinder gestohlen haben verfaßt ist; Mich in diesem Brief mit Gefänglicher Haft und Zuchthauß Strafe bedroht, da er eigentlich ausdrücklich erklärt er habe von mir geglaubt und glaube noch, bis ich dadurch daß ich ihm <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> zurickliefere es anders beweise, ich habe sie aus Rache entführt gegen ihn und <persName key="42">seinen Sohn</persName>, und wolle Seiltänzer oder Castraten aus ihnen machen, so sehen Sie wohl ein daß ich es mir nicht kann gefallen lassen. Erstlig meiner Ehe wegen nicht, zweitens hatt uns <persName key="451">der H. B.[ernhardi]</persName> durch diesen Brief die Mittel gegeben seine Einmischung in den Prozeß unmöglich zu machen, eben so die Foderung <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> zu erziehen. Durch sein eignes Verlangen diesen seinen Brief allen Rechtsgelerten mitzutheilen hatt er sich auch die Ausrede benommen daß er ihn nur für <persName key="48">meinen Bruder</persName> allein geschrieben habe. <persName key="102">Knorring</persName> wird also auf das Nachdricklichste durch die Gesandtschaft Genugthuung fodern für die beschimpfende Beschuldigung daß er eine Frau entführt, zur Untreue verführt und einen Menschen und Kinderraub begangen hatt und diese Genugthuung kann nicht gering sein da er ihn so ausdricklig nent und also wie mich mit Zuchthaußstrafe bedroht, wodurch die Sache so ernstlig wird. Ich bitte Sie mein [4] liebster Freund dasselbe zu thun. Erstlich sind Sie es Ihrer eignen Ehre dan aber auch mir schuldig, den[n] wen[n] Sie darüber schwiegen so verwirft er Sie wie Sie sehen als Zeugen in meiner Sache als den Mitschuldigen eines Verbrechens worauf Zuchthauß Straffe steht. <persName key="56"><persName key="48">Meine Brüder</persName></persName> werden ihre Klage über denselben Gegenstand zugleich einreichen. Ich bitte Sie liebster Freund richten Sie Ihre Klage über diesen Gegenstand so ein wie ich Ihnen vorschreiben werde weil sie so mit der Meinigen correspondieren wird. Führen Sie an zuerst als Beleidigung daß man Ihren Umgang mit mir verdächtig zu machen suche und als einen <persName key="42">vom Manne</persName> verbotenen schildere, da er selbst Sie in sein Hauß aufgenommen habe, selbst Ihnen aufgetragen seine Frau auf Spaziergängen zu begleiten, wen[n] er aus Trägheit nicht mitgehen wolte, aller Bitten ohngeachtet; selbst von Ihnen die grösten Gefälligkeiten angenommen habe, ja sich selbst, seine Frau und <persName key="96"><persName key="44">Kinder</persName></persName> sehr oft lange habe durch Sie ernähren lassen, bis <persName key="56">der jüngere Bruder</persName> der Frau Ihnen diese Auslagen wiedererstattet habe. Da er Sie selbst so gestelt habe daß Sie die gröste Noth seiner Frau wie ein Bruder haben theilen müssen und dieß aus Achtung für die Frau auch gern gethan hätten. Ob Sie nun in einem solchem Überlassen der nächsten Sorgen für seine Angehörige hätten die Eifersucht auf diese oder das Misfallen an Ihrem Umgang mit ihnen bemerken können. Dan fodern Sie auf zu beweisen wie dieser Umgang hätte seiner Frau verbothen sein können oder gegen den Willen <persName key="42">des Mannes</persName> von der Frau durchgesezt, da ja nur <persName key="42">der Mann</persName> Sie in seinem Hause aufnehmen konte und er sich von Ihnen mit Wohlthaten überhäufen ließ. Und endlich fodern Sie Genugthuung dafür daß er Sie beschuldigt Sie seien der Mitschuldige an einen Kinder und Menschenraub, an einem so grossen Verbrechen worauf so entehrende Straffen stehen. [5] Schreiben Sie die Punkte Ihrer Klage gegen <persName key="451">den Vater von <persName key="42">B[ernhardi]</persName></persName> genau auf und machen Sie die ungegründete Beschuldigung sehr deutlig, erstlig an sich daß die Rede davon sei daß eine Mutter <persName key="96"><persName key="44">ihre kleinen Kinder</persName></persName> auf eine Reise mit sich nehme welche sie mache um nach dem Ausspruch aller Ärzte ihr Leben zu erhalten, wozu sie die Einwilligung durch ein gnädiges Cabinaets Schreiben <persName key="515">S. M. des Königs</persName> habe, ob man dieß einen Kinder und Menschenraub nennen könne? Wen[n] aber ob Sie der Sie zur Zeit meiner Abreise von <placeName key="58">Weimar</placeName> einige hundert Meilen von mir entfernt gewesen seien und mich immer Ihrer grösten Achtung und Verehrung (Sie können die Worte nicht zu hoch brauchen) wirdig gefunden hatten, der Sie wie gesagt keine Spur gehabt hätten daß Ihre Dienste welche Sie allen geleistet haben aus der Familie <persName key="42">dem Manne</persName> mißfallen hätten, dadurch daß Sie <persName key="56">dem jüngeren Bruder</persName> eine Summe auf sein Verlangen vorgeschossen und dieser sie der Schwester gegeben habe, Mitschuldiger an einem Kinder und Menschenraub seien. Fodern sie für diese Beleidigung die strengste Ihrer Ehre genügende Genugthuung. Lassen Sie aber das Erwähnen einer <persName key="56">dem jüngerem Bruder</persName> geliehenen Summe nicht aus, weil gewiß <persName key="451">der Vater</persName> in den Worten welche in dem Briefe <persName key="56"><persName key="48">meiner Brüder</persName></persName> an ihn stehen den Grund findet Sie zu beschuldigen. Ich will diese Worte selbst abschreiben, nachdem vorher von <persName key="42">B[ernhardis]</persName> Verschwendung die Rede ist heißt es (Seine kleine Einnahme gieng also reichlich für <persName key="42">seine Person</persName> auf, aber auch diese kam in den lezten Jahren nicht mehr zum Vorschein sondern er ließ sich mit der grösten Gemächlichkeit von seiner kranken Frau die ihre bedrängten Stunden zum Schreiben anwenden muste, und von mir ernähren. So gescha[h] es, daß die Früchte meines Fleisses in <placeName key="15">Berlin</placeName> so wie in <placeName key="58">Weimar</placeName> nicht für mich aufgewand wurden, und ich mag Ihnen nicht herrechnen welche Summe ich dafür {6] so wie für die Reise meiner Schwester dem Professor Schlegel noch schuldig bin.)<lb/>Ich hoffe liebster Freund daß ich im Stande gewesen bin Ihnen schon in meinen früheren Briefen deutlig zu machen wie die Sachen stehen daß ich nicht anders kann als mich auf alle mögliche Art vertheidigen indem man sich das Schlechteste gegen mich erlaubt, und durch diesen beigefügten Brief <persName key="451">des Vaters</persName> werden Sie es noch klarer sehen. Richten Sie also Ihre Klage ein, vergessen Sie aber nicht daß Sie gegen <persName key="451">den Vater</persName> und nicht gegen <persName key="42">den Sohn</persName> sein muß. Schiken Sie diese Klage nebst Ihrer gerichtlichen Volmacht diesen Prozeß zu führen, in welcher aber ein leerer Raum für den Nahmen des Advokaten sein muß weil ich den Nahmen dessen welchen <persName key="276">Hufeland</persName> für uns gewählt hat nicht weiß an <persName key="276">Hufeland</persName>, und bitten Sie diesen in einem besondern Briefe dafür zu sorgen daß auch diese Ihre Klage geführt werde. In diesem Briefe sagen Sie <persName key="276">Hufeland</persName> zugleich mit welcher herzlichen Danckbarkeit ich von ihm zu Ihnen gesprochen habe. Bitten Sie ihn daß er fortfahre mein Freund zu sein.<lb/>Ich zeigte diesen anmuthigen Brief <persName key="613">der Herzogin</persName> welche ganz empört war über die unvergleichliche Niederträchtigkeit. Sie sagte mir es bliebe mir nichts anders übrig als meinen Umgang mit <persName key="102">K[norring]</persName> worüber man mich so beleidigt recht öffentlig fortzusetzen, und seiner Ehre sei es gemäß selbst wen[n] er andere Plane habe keine Reise zu machen, und gar nichts zu unternehmen wodurch er von mir entfernt würde bis diese Sache erst völlig entschieden sei. Ich erzählte <persName key="613">der Herzogin</persName> von Ihnen mit welcher warhaften Grosmuth Sie mir mehrere Jahre Ihres Lebens aufgeopfert haben. Wie Sie mich vom Verderben gerettet, in der höchsten Noth mir ein hilfreicher Freund gewesen sind, wie Sie am Sterbebette <persName key="458"><persName key="459">meiner Eltern</persName></persName> als Bruder und Sohn gehandelt, ja wie nur Sie mein und <persName key="96">meines Kindes</persName> Leben errettet haben. <persName key="613">Die Herzogin</persName> war innig gerührt über so viele Liebe und Treue, und eben [7] so erstaunt über die seltne Falschheit, Schlechtigkeit und Undankbarkeit von <persName key="42">Bernhardi</persName>. Sie sagte mir sie hoffe daß Sie die Ihnen gemachten Beschuldigungen nicht leiden, und bei <persName key="42">Bernhardis</persName> Gerichtsbarkeit darüber klagen wirden. Ich versicherte daß wen[n] es auch Ihre Ehre nicht so beleidigte wie es thäte Sie es thun wirden schon aus dem Grunde weil es mir so nützlig sein kann.<lb/>Wen[n] Sie den Brief von <persName key="451"><persName key="42">Bernhardis</persName> Vater</persName> übersehen, so wird Ihnen darauß deutlig werden daß er recht gut weiß wie schlecht <persName key="42">sein Sohn</persName> ist daß er schon vermuhtet daß diesem die Erziehung <persName key="96"><persName key="44">der Kinder</persName></persName> nicht zugesprochen werden kann. Er will mich also als <persName key="451">der Bevolmächtigte <persName key="42">seines Sohnes</persName></persName> verklagen, wen[n] er in dieser Klage nun zugäbe daß ich <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> einzig aus Liebe behalten will und keine andere Ansprüche mache, so viele die ganze Klage zusammen, also will er behaupten: Ich sei als eine ungetreue Ehefrau <persName key="42">dem Manne</persName> heimlig entflohen mit <persName key="102">einem <persName key="102"><persName key="766">meiner Liebhaber</persName></persName></persName>, und habe <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> nicht aus Liebe mit mir genommen, sondern aus Rache und Haß gegen ihn und <persName key="42">seinen Sohn</persName> weil beide mir den unerlaubten Umgang <persName key="102"><persName key="766">mit meinen Liebhabern</persName></persName> verbothen haben. Wie wenig ich <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> liebe bewiese ich dadurch daß ich sie schlechten Dienstbothen überliesse welche sie auf alle weise mishandelten und ich wirde ohne Frage bei meinem Hange zur Verschwendung und etwannigen augenblicklichen Geldmangel <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> hergeben um Seiltänzer und dergleichen aus ihnen zu machen. Nur so kann er mich wie er will eines Menschenraubs an <persName key="96"><persName key="44">meinen eignen Kindern</persName></persName> beschuldigen, und Sie werden den Entwurf zu dieser Klage in seinem eignen Briefe finden wen[n] Sie ihn darauf aufmercksam lesen.<lb/>Wen[n] diese Klagen alle gegen ihn geführt werden und er gegen alle welche er beleidigt zur Abbitte und Ehrenerklärung und einer ansehnlichen Geldstraffe verdamt wird, wie erfolgen muß, so trage ich darauf an, daß ihm als einen welcher so deutlig den bösen Willen gezeigt hatt mich zu verläumden und mir zu schaden untersagt wird sich in meinem Prozeß zu [8] mischen, und wen[n] er <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> zur Erziehung verlangt so beweise ich ihm daß er so wenig als <persName key="42">sein Sohn</persName> Kinder erziehen könne. Um zu diesem Beweise noch ein anderes Zeugniß zu haben, so bitte ich Sie liebster Freund sich zu erinnern wie Sie noch hier in <placeName key="356">Rom</placeName> darüber sprachen, wie es ein leichtes sein müsse einen Aufsaz zu machen in welchem bewiesen wirde wie wenig <persName key="451">der alte Herr Bernhardi</persName> zum Erzieher tauge in der Art und weise wie er <persName key="42">seinen eignen Herrn Sohn</persName> erzogen habe, welches man ohne Injurien auseinandersetzen kann und nur von allen seinen schlechten Gewonheiten welche Fehler der Erziehung sind zu sprechen brauche. Ich bitte Sie liebster Freund thun Sie dieß und schliessen Sie damit daß man nicht erwarten könne daß er mit dem Alter die grössere Fähigkeit erworben habe, und daß er dieß auch schon bewiesen, und dan kommen Sie darauf welchen schlechten Einfluß schon die häufigen Besuche in dem <persName key="451">Grosväterlichen</persName> Hause auf <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> gehabt haben, welches auch <persName key="42">der junge Herr</persName> wuste und nie geläugnet ja im Gegentheil immer behauptet habe es müsse durchgesezt werden daß <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> nicht mehr zu <persName key="621"><persName key="451">seinen Eltern</persName></persName> gebracht wirden weil <persName key="621"><persName key="451">diese</persName></persName> sie mit ihrer abgeschmackten Behandlung gänzlich verdürben. Wen[n] dan die Frau da er dieß einsähe ihn bath doch die Besuche einzuschränken, habe er geantwortet es geht mich nichts an, thue du es, es sind <persName key="96"><persName key="44">Deine Kinder</persName></persName>, so daß er sich also seines väterlichen Rechtes immer gänzlich begeben, und <persName key="96"><persName key="44">den Kindern</persName></persName> bis in die kleinsten Angelegenheiten hinein seine väterliche Sorge entzogen habe. Dies hatt er ja in der That wohl hundertmal in Ihrer Gegenwart gesagt. Schreiben Sie dieß in einem Briefe an <persName key="48">meinem ältesten Bruder</persName>, so ist es in der Form besser als wirde es an den andern geschrieben, weil <persName key="48">der Ältere</persName> in die Rechte <persName key="459">meines gestorbenen Vaters</persName> trit und in diesem Sinne meine Geschäfte führt. Es ist würklich erstaunungswürdig für wie einfältig [9] uns <persName key="451">der alte Herr</persName> hält daß er meint wir sollen ihm die original Briefe <persName key="42">seines Sohnes</persName> schiken. Lesen Sie den Brief aufmercksam und Sie werden finden daß die Dumheit wie die Niederträchtigkeit darin gar nicht zu erschöpfen sind. Thun Sie lieber Freund alles warum ich Sie dringend bitte und sein Sie überzeugt daß ich mit allen diesen Mitteln völlig und Ehrenvoll die Sache beendige. Und wen[n] ich den Prozeß unglücklich genant habe so ist es nicht weil ich ihn nicht glücklich zu beendigen hoffe, sondern nur weil die menschliche Natur nicht so viele Schlechtigkeit ohne Schmerz ertragen kann. Ich sehe mit dem gröstem Verlangen Ihrer Antwort entgegen und bin überzeugt daß sie so sein wird wie ich wünsche.<lb/><persName key="56"><persName key="48">Meine Brüder</persName></persName> und <persName key="102">Knorring</persName> tragen mir auf Sie auf das herzlichste zu grüßen und wünschen mit mir, Sie nur einmal wiederzusehen. <persName key="96"><persName key="44">Meine Kinder</persName></persName> hoffen täglich daß die Antwort auf ihre Briefe welche sie Ihnen geschrieben haben ankommen soll. <persName key="96">Felix</persName> wächst so ausserorndlich daß es wircklich scheint er hatt sich in den Kopf gesezt ein Riese zu werden, dabei ist <persName key="767">sein Lehrer</persName> sehr mit ihm zufrieden und es scheint als ob er eine grössere Neigung zu den Wissenschaften habe als <persName key="44">Wilhelm</persName>. Noch eins fält mir eben ein. Aus diesem Brief <persName key="451">des Vaters</persName> und noch deutlicher aus früheren <persName key="42">des Sohnes</persName> geht hervor das man mir mit Zeugen die schlechte und verwahrloßte Erziehung <persName key="96"><persName key="44">meiner Kinder</persName></persName> und meine Lieblosigkeit gegen sie beweisen will. Ich kann nicht anders als mit Zeugen das Gegentheil beweisen und werde mir von jeden unserer Freunde von den Vornemsten an bis zu denen welche täglich unser Hauß besuchen aufschreiben [lassen] nach seiner Art wie er glaubt daß ich <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> gut erziehe. Lassen Sie doch dasselbe <persName key="222">Ihrer Freundin F.[rau] v. Staël</persName> thun die so wie Sie mir selbst gesagt haben <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> als ein Muster der Liebenswürdigkeit und Wohlerzogenheit kent. Sie wird es gern der Warheit gemäß thun [10] und besonders wen[n] Sie ihr sagen warum ich es will, welcher Dienge man mich beschuldigt, welches ihr da sie selbst Mutter ist empörend sein muß. Dan fügen Sie selbst nach Ihrem besten Gewissen hinzu waß Sie von meiner Erziehung und der Liebe zu <persName key="96"><persName key="44">meinen Kindern</persName></persName> wissen, und schiken Sie mir dieß ja sogleich.<lb/><persName key="56">Mein jüngerer Bruder</persName> empfiehlt sich <persName key="222">der Frau v. Staël</persName> und bittet Sie ihr zu sagen daß er sehr fleissig an <name key="477" type="work">dem Modelle</name> arbeite und es bald in Marmor anzufangen denke. Er hatt jezt ein sehr schönes Stück Marmor im Handel welches er dazu anzuwenden hoft. Schreiben Sie mir doch liebster Freund wie es mit Ihren poetischen Arbeiten steht, in Ansehung der Litteratur ist man hier sehr abgeschnitten. Auf <name key="272" type="work">die Fortsetzung <name key="344" type="work">Ihres <persName key="4">Schack[spaers]</persName></name></name> sind wir durch die Bekantschaft mit <persName key="768">einem Engländer</persName>, ich weiß jezt gleich seinen Nahmen nicht, recht von neuen begierig geworden. <persName key="768">Dieser Engländer</persName> ist eine rechte Ausnahme, er scheint ein wahrer Gelehrter spricht gut Deutsch hatt die deutsche Sprache gründlig studirt und bewundert <name key="344" type="work">Ihre Übersetzung des <persName key="4">Schack[spaer]</persName></name> unglaublich und versichert er hätte dergleichen nicht für möglich gehalten. Er hatt alle neueren Filosofen <persName key="149">Kant</persName> <persName key="55">Fichte</persName> <persName key="62">Schelling</persName> nach der Reihe studirt, alle Poeten, selbst die Altdeutschen, von denen er weit mehr als von den neudeutschen hält. Ich will diesen langen Brief beschliessen. Ich hoffe Sie klagen nun nicht mehr daß ich Ihnen nicht schreibe. Leben Sie wohl und glücklig mein geliebter Freund, und bleiben Sie so mein Freund wie ich ewig bin<lb/>Ihre Freundin und Schwester<lb/>S[ophie] Tieck.<lb/><lb/><persName key="48">Mein Bruder Ludwig</persName> bittet Sie sich doch der versprochenen Gedichte zu erinnern weil sein <name key="4579" type="periodical">Musenalmanach</name> zu stande komt.</p></div></body></text></TEI>
