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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="251"><titleStmt><title>Elisabeth Wilhelmine van Nuys an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/251</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 595‒597.</title><idno type="print">335976727_NuysanAWS_20081808</idno></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,22,8</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-7</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2323746</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">8 S. auf Doppelbl., hs. m. Paraphe</ab><ab type="paper">18,3 x 11,3 cm</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/251"><correspAction type="sent"><persName key="1494" ref="http://d-nb.info/gnd/1020124741">Elisabeth Wilhelmine van Nuys</persName><placeName key="1508" ref="http://d-nb.info/gnd/4004168-2">Baden (Niederösterreich) </placeName><date when="1808-08-20">1808-08-20</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000643.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000644.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000645.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000061.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000062.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000063.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000064.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000065.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000066.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000067.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000068.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="1508">Baden</placeName> [bei <placeName key="16">Wien</placeName>] Aug 20 [180]8<lb/>Endlich ist mir noch einmal die schöne Stunde aufgegangen, in der ich so lange vergebens ersehnte Nachricht erhielt – eigene Dinge haben seit meinem letzten sich zugetragen. <persName key="681">Der <hi rend="weight:bold">76 jährige</hi> Freund aus <placeName key="98">Hamburg</placeName></persName> ist <hi rend="weight:bold">hier angekommen</hi>, es ist derselbe den ich erwähnt zu haben glaube in dessen Hause ich wohnte der die trefliche Gemählde Samlung besitzt; er hat eine Forderung in <placeName key="1010"><hi rend="weight:bold">Prag</hi></placeName> welche von Bedeutung ist, nach <placeName key="16"><hi rend="weight:bold">Wien</hi></placeName> und <placeName key="1508"><hi rend="weight:bold">B</hi>[<hi rend="weight:bold">aden</hi>]</placeName> kam er um – <persName key="1494">die arme M[inna]</persName> zu bereden mit ihm nach <hi rend="weight:bold">H</hi>[<hi rend="weight:bold">amburg</hi>] zurück zu kehren! Der gestrige Tag war dadurch schreklich; die nach <persName key="670">Eli[se]</persName> geweckte Sehnsucht ward dadurch so rege [2] als die manigfachen trüben Bilder in banger Erinerung. In solcher Stimmung solltʼ ich dem Freunde des Herzens wohl nicht mich nahen, aber wie noch länger wiederstehen, da mein ganzes Hierseyn mir nicht diesen Genuß bereitete.<lb/>Eben verläst mich <persName key="1473"><hi rend="weight:bold">Collin</hi></persName> er war 14 Tage hier, ich sah ihn selten da er mit seiner Familie ist, auch er freuet sich kindisch des frohen und nicht fernen!!! Wiedersehens – ob mir es bestimt, die Götter wissen es, der Gedanke an Rückkehr wekt immer nur trübe Bilder; gebe der Himmel daß ich nicht werde dazu gezwungen werden.<lb/>Die verlorenen Kräfte sind noch immer nicht hergestellt doch [3] wohl mir daß jede Spur von rheumatischen Schmerz jetzt längst verschwunden ist! <persName key="8">Friedrich</persName> versprach <placeName key="1508"><hi rend="weight:bold">hier</hi></placeName> zu kommen aber er ließ diesen Gedanken unausgeführt. Den 29<hi rend="offset:4">ten</hi> kehr ich in meine alte Wohnung zurück; <persName key="681">HE. <hi rend="weight:bold">Bertheau</hi></persName> wird bei mir wohnen, so enge auch die Wohnung werden wird so ist es unvermeidlich. Der alte, sonst sehr ehrwürdige Mann ist noch weitläuftiger als alte Leute es gewöhnlich sind – die ganzen Tage und allenthalben wird er mein Gesellschafter seyn! Wie genehm?<lb/>Hier habʼ ich mich sehr der schönen Natur gefreut, mehr als der Menschen; das Gemählde wechselt zu oft, und bisher fehlte es an einen Vereinigungsort [4] alles theilt sich in kleinen Cotterien, und Abends drängt man sich in ein höchst unwirdiges Theater. Am meisten intéressirt mich hier <persName key="1557">ein Geh[eimer] R[ath] Strasoldo</persName>, <hi rend="weight:bold">Italiener</hi> von Geburt, der erst im 33<hi rend="offset:4">t</hi> Jahr anfing <hi rend="weight:bold">Deutsch</hi> zu <hi rend="weight:bold">lernen</hi> und doch als wirklicher G[eheimer] R[ath] lange im Cabinet arbeitete; er ist schon 68 Jahre, so liebenswürdig wie es in dem Alter nur möglich, und sehr unterrichtet; auch für die Uebung der <hi rend="weight:bold">italienischen</hi> Sprache, ist mir dieser Umgang sehr angenehm; der dritte <hi rend="weight:bold">Greiß</hi>, den ich viel sehe giebt trefliche dinés <persName key="1432">ein <hi rend="weight:bold">Bar</hi>[<hi rend="weight:bold">on</hi>] <hi rend="weight:bold">Gontard</hi> aus <persName key="1559">der <placeName key="327">Frankfurter</placeName> Familie</persName></persName>, er versieht D[eine] M[inna] [5] mit den besten stärkendsten Weinen. <persName key="1560">A[ndréossi]</persName> ist so artig gewesen mir ein sehr intéressantes manuscript zu vertrauen; auf das unerwarte[t]ste hat er mir es hieher geschickt; ein herrliches Gemüth geht daraus hervor, und eine Zartheit der Empfindungen die mit dem Körper im höchsten Wiederspruch steht – <name key="1561" type="work">„délassemens“</name> ist der Titel – es könnte „Bekenntnisse“ heißen. Ueber die Priester ist die Ansicht ganz verschieden von der <persName key="766">meines Freundes</persName>; sie kömt der meinigen – <hi rend="weight:bold">näher</hi>, – möge die des Fr[eundes] nicht zu günstig sein – ich <hi rend="weight:bold">fürchte</hi> immer noch! –<lb/><persName key="8">Fr.[iedrich]</persName> ist nicht allein mit dem günstigsten [6] Vorurtheil empfangen, aber seine Erscheinung hat auch der Erwartung entsprochen und bei vielen übertrofen; doch finden viele den Bruder offener, mittheilender, herzlicher, mithin liebenswürdiger. <persName key="48">Tiek</persName> gefällt ausschließlich, und mehr als <persName key="132">die Schwester</persName>, die man zu trocken nennt, so <hi rend="weight:bold">schlüpfrig</hi> auch <hi rend="weight:bold">daß</hi> sein soll <name key="383" type="work"><name key="1566" type="work">was von ihr im Druck erschienen</name></name>; ich kenne es noch nicht; man sagt: es übertrift an <hi rend="weight:bold">Schlüpfrigkeit</hi> alles, was <persName key="137"><hi rend="weight:bold">Göthe</hi></persName> und <persName key="38"><hi rend="weight:bold">Wieland</hi></persName> in <hi rend="weight:bold">der</hi> Art geschrieben. Daß sie mit <persName key="1547">ihrem Freund; den Artzt (ich habe den Nahmen – <hi rend="weight:bold">Stranzky</hi></persName>? vergessen – <persName key="1433"><hi rend="weight:bold">Best</hi></persName> sein Freund) und <persName key="1519">dessen Frau</persName>, nach Italien zurück gehen [will, wissen Sie wohl]; wenn ich Gesellschaft machte? – – –<lb/>[7] <persName key="1562">Eine Polnische Dame</persName> <persName key="5994">deren Mann</persName> <hi rend="slant:italic">gouverneur</hi> in eine der Polnischen Provinzen ist, und jetzt in <placeName key="540">Peters[burg]</placeName> sich aufhält eine sehr artige Frau hat mich in besonderer <hi rend="slant:italic">amitie</hi> genommen – sie wünscht daß ich mich zu ihr geselle, da sie von ihrer ältesten Tochter sich trennen wird, die sich jetzt verheirathet; sie hat zwei Töchter von <persName key="671">Harriotts</persName> Alter und wünscht, wie sie sich ausdrückt, <hi rend="slant:italic">de trouver un autre soi même</hi> da sie zuweilen <hi rend="weight:bold">kleine</hi> Reisen macht, um <hi rend="weight:bold">gemeinschaftlich</hi> die Kinder zu erziehen; für den wissenschaftlichen Unterricht hat sie einen Haußlehrer; die Frau ist sanft, liebenswürdig, von treflichen Ton, und soll ein [8] angenehmes Hauß machen; so weiß ich nicht wie die Wirkung des Vorschlags noch werden mag, da ein Wechsel für einige Zeit ganz unvermeidlich <hi rend="weight:bold">nothwendig</hi> ist. Auf keinen Fall wird indessen die eingerichtete Wohnung abgegeben, damit man <hi rend="weight:bold">immer</hi> wieder machen könnte was beßer gefunden würde, falls letzteres statt fände. –<lb/>Den 25<hi rend="offset:4">ten</hi> August. Gestern habʼ ich eine höchst intéressante tour gemacht nach dem Kloster zum heil. Kreuz. <persName key="1563">Der Bischof von Gurk Prinz Salm</persName> hatte die Gesellschaft bei dem Praelaten dort gemeldet – ich saß mehrere Stunden zwischen beiden, mögtʼ es Segen bringen? Feierlich waren die Empfindungen eines sehr seltenen Orgelspiels in der Kirche. – Die Gegend von hier dahin und von dort nach <placeName key="5995"><hi rend="weight:bold">Brühl</hi></placeName> ist göttlich. <persName key="1564">Graf <hi rend="weight:bold">Golofkin</hi></persName> war mit uns er corresp[ondirt] mit <persName key="222">Fr.[au] v. St.[aël]</persName> gegen die noch immer manches Pamphlet, Gedicht etc. erscheint. Rath und Trost hoft bald die t[reue]<lb/>M[inna].</p></div></body></text></TEI>
