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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="287"><titleStmt><title>Friedrich von Schlegel an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/287</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 2. Der Texte zweite Hälfte. 1809‒1844. Bern u.a. ²1969, S. 6‒10.</title><idno type="print">335973167_FSanAWS_07011809</idno></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,II,14</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-8</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2328172</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">11 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">19,1 x 11,8 cm</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/287"><correspAction type="sent"><persName key="8" ref="http://d-nb.info/gnd/118607987">Friedrich von Schlegel</persName><placeName key="16" ref="http://d-nb.info/gnd/4066009-6">Wien</placeName><date when="1809-01-07">1809-01-07</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000020.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000021.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000022.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000023.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000024.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000713.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000714.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000715.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000716.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000717.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000718.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000719.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000720.tif.original.jpg"/><graphic n="9" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000721.tif.original.jpg"/><graphic n="10" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000722.tif.original.jpg"/><graphic n="11" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000723.tif.original.jpg"/><graphic n="12" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000724.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="16">Wien</placeName> den 7<hi rend="offset:4">ten</hi> Januar 1809.<lb/>Geliebter Bruder,<lb/>Es ist dießmal schon etwas lange her, daß ich Dir keine Nachricht von mir gegeben. Ich muß Dir aber nur bekennen, daß dieß größtentheils von der Verstimmung herrührt, in welche mich Deine vorletzten Briefe setzten. Du tadelst <persName key="180">meine Frau</persName> darin sehr heftig, daß sie eine gute Gelegenheit benutzt, hieher zu kommen. Doch hatte sie diesen Schritt nicht anders als auf den vielfachen und bestimmten Rath von <persName key="115">Charlotten</persName> gethan, deren Stimme doch hiebei sehr viel bei ihr gelten mußte. Wenn Du glaubtest, daß es uns übel hier erginge, wie ich allerdings neben einigen entfernten Hoffnungen schon der Schwierigkeiten genug hier vorgefunden, so solltest Du uns lieber zu ermuntern und Muth einzuflössen suchen, als uns durch fruchtlose Vorwürfe noch mehr niederzuschlagen. Auch der Vorwurf wegen der „Uebersetzerfabrik“ und diesen Ausdruck fand ich ungerecht. Wenn Du <name key="215" type="work">den <hi rend="weight:bold">Merlin</hi></name> [2] und <name key="404" type="work">den <hi rend="weight:bold">Lother</hi></name> für Uebersetzungen hältst, so darfst Du nur das alte Original einmal zur Hand nehmen und wirst wohl sehen daß dieß nicht der Fall ist. Was <name key="1049" type="work">die <hi rend="weight:bold">Corinna</hi></name> betrifft, so weißt Du selbst am besten warum ich meinen Nahmen dazu hergegeben. Indessen ist es mir sehr lieb, daß Du mich wegen <name key="339" type="work">der <hi rend="weight:bold">Briefe über die Deutsche Litteratur</hi></name> vorläufig benachrichtigst. Wenn sie in einem so üblen Geiste abgefaßt sind – was ich gar nicht erwartete – so werde ich freilich meinen Nahmen nicht zur Uebersetzung hergeben, und schon leicht eine Ursache finden, mich gegen <persName key="222">die Stael</persName> davon frei zu machen, oder auch ihr die wahre Ursache offenherzig bekennen. Wenn Sie etwa auch von dem, was <persName key="268">August</persName> aus <name key="1698" type="work">den philosophischen Vorlesungen</name> notirt hat, einigen Gebrauch machen wollte, so benachrichtige mich in welchem Sinne es geschehen wird, und achte selbst so viel Du kannst darauf, daß es nicht auf eine unrechte Art geschieht.<lb/>[3] Bekanntschaften habe ich nun sehr viele gemacht, beinah alle die mir zu meinem Zweck nützlich sein können. Bei <persName key="1647">dem Erzherzog Johann</persName> war ich schon zweimal; auch <persName key="1693">dem Erzherzog Reiner</persName> habʼ ich <name key="520" type="work">mein Werk</name> überreicht. <persName key="1502">Zinzendorf</persName> hat mich ausgezeichnet günstig aufgenommen; ich speißte einmal mit <persName key="1602">dem alten Odonell</persName>, dem Minister bei ihm. Auch <persName key="1479">der Erzbischof</persName>, dem ich durch <persName key="1478">den Nuntius</persName> empfohlen war, nahm mich sehr freundlich auf. Zinzendorf sprach lange mit mir über meinen Wunsch <name key="651" type="work">eine historische Vorlesung</name> zu halten. <persName key="1581">Zeiller</persName> hat sich besonders dafür interessirt. <persName key="1664">Spendou</persName>, <persName key="1695">Böhme</persName> machen mir die bestimmteste Hoffnung, vieler andrer nicht zu erwähnen. Da nun fast alle, die Einfluß darauf haben, mir einzeln ihr Jawort gegeben, so will ich den Versuch wagen. Es ist nicht nur für die äußre Existenz wünschenswerth, sondern auch der beste Weg, sich schnell grade in diesem Fache zu zeigen und zu empfehlen; besser als es irgend durch ein Werk geschehen kann. – Daß <persName key="1459">Sickingen</persName> fortdauernd sich meiner annimmt und ich ihn über alles um Rath frage, versteht sich; er ist nur in allen Dingen gar zu sehr fürs Aufschieben. – <persName key="1694">Den Grafen Joh. Odonell</persName> seh ich oft und mag ihn sehr [4] gern leiden. Er hat ungemein viel Verstand und ich begreife nicht wie <persName key="222">die Stael</persName> in seiner Nähe hat an <persName key="1495">dem Moritz</persName> Geschmack finden können. <persName key="1473">Collin</persName> und <persName key="1335">Hormayr</persName> sind fortdauernde Freunde. Dieser Tage wird die Petition übergeben, und man verspricht mir Beschleunigung.<lb/>Vorbereitet war ich schon vor mehr als zwei Monaten so gut zu <name key="651" type="work">diesen historischen Vorlesungen</name> daß ich seit dieser Zeit mich ausschließend <name key="1180" type="work">Karl dem V<hi rend="offset:4">ten</hi></name> gewidmet. Freilich aber haben die Besuche sehr viel Zeit gefressen, und ist der Kampf mit dem Umfang und Reichthum dieser Geschichte nicht leicht zu bestehn gewesen.<lb/>Die Fortsetzung <name key="144" type="periodical">der Europa</name> wird auch mit meinen übrigen Arbeiten nicht in Collision kommen. Wenn ich <name key="651" type="work">die historische Vorlesung</name> halte, so lasse ich diese selbst darin abdrucken, da ich sie ohnehin Wort für Wort aufschreiben will. Dann ist also schon für die Europa gesorgt; kommt die Vorlesung aber nicht zu Stande, so werde ich ohnehin Zeit genug haben, und will dann mein historisches und politisches Glaubensbekenntniß auf eine andre Art in Prosa daselbst beurkunden. – Was wirst Du mir zur [5] Europa geben? – Soll ich etwa <name key="1259" type="work">den Aufsatz über das <hi rend="weight:bold">Mittelalter</hi></name> dazu nehmen, den ich noch in Händen habe, oder was kannst Du sonst dazu bestimmen? Ich bitte Dich, daß es viel und bald sei; was Du bestimmt hast, bitte ich Dich, nur direkt an <persName key="183">Willmanns</persName> nach <placeName key="327">Frankfurt</placeName> zu senden, da der Umweg über <placeName key="16">Wien</placeName> gar zu groß ist.<lb/>Du fragst mich wegen der Aufnahme <name key="41" type="work">einiger Deiner ältern Gedichte</name> in die zweite Ausgabe. Dem Verdammungsurtheile über die <name key="1699" type="work"><hi rend="weight:bold">Ariadne</hi></name> kann ich nicht anders als beistimmen. Den <name key="1700" type="work"><hi rend="weight:bold">Pygmalion</hi></name> solltest Du verschonen, däucht mich. Die <hi rend="weight:bold">Sonette</hi>; <name key="1701" type="work"><hi rend="weight:bold">An einen Helden</hi></name> und <name key="1702" type="work"><hi rend="weight:bold">Einzige Sicherheit</hi></name> sind auch meines Erachtens zu verwerfen. In <name key="1703" type="work">dem Sonett, <hi rend="weight:bold">Die größere Gefahr</hi></name> kann ich für meine Person durchaus keine Zweideutigkeit entdecken. Die ältern <hi rend="weight:bold">Sonette</hi>; <name key="1704" type="work"><hi rend="weight:bold">Dichtersinn</hi></name>, <name key="1705" type="work"><name key="5218" type="work"><hi rend="weight:bold">An Bürger</hi></name></name>, <name key="1706" type="work"><hi rend="weight:bold">Das Lieblichste</hi></name>, <name key="1707" type="work"><hi rend="weight:bold">Gesang und Kuß</hi></name> finde ich samt und sonders beizubehalten; denn wenn Dir selbst auch die Form gegenwärtig nicht genügt so ist doch der Gedanke sehr gut und lobenswerth. Das <name key="12172" type="work">mit Molly und Laura</name> wird durch die Zeit und das Verhältniß hinreichend entschuldigt. Für <name key="1708" type="work"><hi rend="weight:bold">Kleomenes an Chariton</hi></name> habe ich nichts zur Rettung anzuführen – indessen [6] sehe ich doch auch keinen eigentlichen Grund der Verwerfung ein. – Was <name key="646" type="work">das Sonett an mich</name> betrift, so kannst Du das gewiß besser beurtheilen als ich; wenn Du es aber weglassen willst, so solltest Du <name key="1709" type="work">das an <persName key="62">Schelling</persName></name> nur auch weglassen. Ueberhaupt was macht Saul unter den Propheten? Dergleichen Philosophen sind heuer berühmt und in ein paar Jahren weiß kein Mensch mehr von ihnen. In <name key="443" type="work">meinen Gedichten</name> lasse ich keine persönliche und litterarische Erwähnung stehn, <name key="1458" type="work">außer Dich</name>, <name key="1710" type="work"><persName key="48">Tieck</persName></name> und einmal <name key="1711" type="work"><persName key="137">Goethe</persName> pp</name>. – Was die Anordnung betrift so billige ich es zwar daß Du die Sonette zusammen nimmst wie die Elegiensden.de/fileadmin/data/APP2712-Bd-8/APP2712-Bd-8_tif/jpegs/00000722.tif.original.jpg. Nicht so will mir dieß mit den Stanzen einleuchten. Ich dächte Du nähmest unter der Ueberschrift <hi rend="weight:bold">vermischte Gedichte</hi>, alle mehr didaktischen und <hi rend="weight:bold">nicht</hi> sangbaren Gedichte zusammen; dazu auch <name key="6005" type="work">den Bund der Kirche</name>, und als Fragment selbst <name key="582" type="work">den Tristan</name>. Die Lieder aber würde ich mit den Romanzen zusammen nehmen, nehmlich alle Stücke die sangbar und der musikalischen Composition fähig sind. Das gäbe dann in allen nur sechs Bücher.<lb/>[7] Ich erwähnte oben <name key="443" type="work">meiner Gedichte</name>; es hat sich nämlich gefügt, daß die Sammlung davon schon zu Ostern herauskommt, da <persName key="867">Hitzig</persName> von <persName key="176">Reimer</persName> die schon früher verabredete Sammlung meiner ältern Schriften übernommen hat, wovon sie den ersten Theil ausmachen werden. Ich hätte sehr gewünscht, Deinen Rath dabei benutzen zu können; aber das ist freilich bei der weiten Entfernung unmöglich. Ein Theil des Manuscripts ist schon abgesendet. Von den Saturnalien habe ich nichts aufgenommen, und auch von den bisher gedruckten Kunst- und Witzgedichten am meisten verworfen und verändert. – Für <name key="1712" type="work"><name key="1713" type="work">die ältern Liebesgedichte</name></name> aber habe ich durch die Zusammenstellung wieder eine Art Verbindung bekommen, weil ich finde daß ihnen diese sehr günstig ist, und sie gemeinsam viel besser wirken als einzeln.<lb/><persName key="867">Hitzig</persName> wird Dir ohne Zweifel selbst geschrieben haben, daß er <name key="261" type="work">den <persName key="166">Calderon</persName></name> von <persName key="176">Reimer</persName> übernommen hat. Diese Verändrung kann Dir gewiß nicht anders als angenehm sein, da die alte Verdrießlichkeit so endlich einmal beendigt ist. Möchtest Du Dich auch nur dadurch bald zur Fortsetzung ermuntert fühlen! Hitzig hatte mich anfangs gebeten, ihn Dir und auch <persName key="222">der Frau von Stael</persName> zu empfehlen, da Du nun [8] selbst mit ihm in Verbindung stehst, so wird dieß überflüßig sein. Ich muß Dir indessen noch etwas aus seinem Briefe mittheilen. Es hat ihm <persName key="1295">jemand</persName> eine sehr vortreflich sein sollende Uebersetzung von <name key="301" type="work"><hi rend="weight:bold">Richard III</hi></name> und <name key="1115" type="work"><name key="6101" type="work"><hi rend="weight:bold">Cymbeline</hi></name></name> angetragen. Es scheint wohl daß er diesen Verlag anzunehmen einigermassen geneigt wäre; nur fürchtet er die Concurrenz mit Dir und daß es Dir mißfallen möchte. Er hat deshalb auch vermuthlich an mich geschrieben, indem er sich wohl nicht getraut, Dich desfalls anzugehn. Ich habe ihm sogleich geantwortet, daß die Collision allerdings um so mehr Statt haben würde, da <name key="1399" type="work"><hi rend="weight:bold">Dein Richard III</hi></name> schon vollendet sei und zunächst in der Folge erscheinen würde; übrigens möchte er desfalls doch an Dich selbst schreiben.<lb/><persName key="55">Fichte</persName> ist sehr krank d. h. dauernd kränklich. <persName key="220">Fouqué</persName> hat sich schon über <name key="194" type="work">das Niebelungenlied</name> hergemacht mit <name key="1683" type="work">einem dramatischen <hi rend="weight:bold">Sigurd</hi></name>. Diese Leute können doch nichts unangetastet lassen. Von <persName key="1414">Werners</persName> poetischer Anlage, die ich nie geläugnet, will ich auf Dein Wort gern noch eine höhere Meinung hegen als bisher. Seine illuminatische Gesinnung und Verkehrtheit aber ist und bleibt mir ein Greuel.<lb/>[9] <persName key="1715">Der alte Kapellmeister Reichardt</persName> ist jetzt hier, und wird <name key="1718" type="work"><name key="1716" type="work"><persName key="1473">Collins</persName> Bradamante</name> componiren</name>. <persName key="1717">Lange</persName> hat <name key="1719" type="work">seine Biographie</name> herausgegeben. Mit <persName key="1720"><persName key="54">der Mad. Hendel</persName> ehemaligen Eunike</persName> werden wir morgen zusammen speisen. Ob <persName key="25">Iffland</persName> herkommt ist immer noch ungewiß. – Ins Theater bin ich die letzte Zeit etwas mehr gegangen, wenigstens genug um es zu kennen. Ich konnte dieß um so eher, da <persName key="1264">die Direction</persName> mir für mich und <persName key="180">meine Frau</persName> freie Entrée gegeben hat. Von <persName key="88">Schillers</persName> Feyer wirst Du in der Zeitung gelesen haben; <name key="1198" type="work">der Phädra</name> hast Du hier <name key="929" type="work">einen tödtlichen Stoß gegeben</name>. Keiner wagt es recht, sie zu vertheidigen. – Collin ist sehr fleißig; es ist ein trefflicher Mensch.<lb/><persName key="1433">Best</persName> ist vor ungefähr acht Tagen nach <placeName key="354">München</placeName> abgegangen. <persName key="102">Knorring</persName> aber ist noch hier. <persName key="179">Hardenberg</persName> klagt daß er keine Nachricht von Dir habe; er habe auch Geld von Dir in Händen und wisse aus Mangel an Beauftragung nicht was er damit machen solle. <persName key="1171">Seckendorf</persName> unterhandelt mit <persName key="539">Cotta</persName> wegen <name key="1263" type="periodical">des Prometheus</name>; was es aber auch geben mag, das rechte was Noth wäre, wird es nicht werden. Das sind ja gar nicht die Menschen dazu.<lb/>Freund, gieb doch <orgName key="1434">den <placeName key="574"><name key="1325" type="periodical">Heidelbergern</name></placeName></orgName> wenigstens eine Recension. Sie verdienen es wirklich.<lb/>[10] <persName key="1585">Schinner und Klinger</persName> haben fallirt. Meine dermalige Addresse ist daher; bei <hi rend="weight:bold"><persName key="1696">Johann Bruchmann</persName>, Singerstraße N° 951</hi>. Doch darfst Du übrigens nicht sorgen, daß was unter jener Addresse etwa noch abgegangen, doch richtig ankommen wird.<lb/><persName key="267">Albert</persName> sah ich gestern in bestem Wohlsein. Er hatte seit 14 Tagen keine Briefe von Euch. Seit geraumer Zeit hieß es hier allgemein, <persName key="222">die Stael</persName> gehe nach Amerika. So lange sie dieß nur an <persName key="1694"><persName key="1495">die beiden Odonells</persName></persName> geschrieben hatte, gab ich nicht viel darauf. Da sie nun aber auch <persName key="1576">Decarro</persName> und <persName key="267">Albert</persName> dasselbe gemeldet, so bin ich desfalls sehr unruhig und bitte Dich mich desfalls zu berichten und wo möglich zu beruhigen. – Könnten wir uns denn nicht bei Gelegenheit von Alberts Rückkehr wiedersehn. Etwa, daß ich ihn Dir nach <placeName key="354">München</placeName> brächte, Du ihn von da abhohltest. Besser wäre es freilich Du kämst ganz her. – Was <name key="1376" type="work">Deine Büste</name> betrift, so wüßte ich niemand hier, in dessen Zimmer sie so gut stünde, als <persName key="1691">die Gräfin Wrbna</persName>. Ich traf sie neulich bei <persName key="1692">Artaria</persName>; sie war sehr artig gegen mich. Sehe ich sie wieder, so will ich das Gespräch darauf führen.<lb/>[11] <persName key="129">Ernst</persName> wird wohl den ganzen Winter in Pohlen bleiben müssen. Von <placeName key="173"><persName key="1393"><persName key="264">Hannover</persName></persName></placeName> weiß ich gar nichts. – <persName key="835">Schubert</persName> hat eine Stelle in <placeName key="351">Nürnberg</placeName> erhalten. <persName key="1697">Der Todtengräber des bayrischen Wissens, Schlichtegroll</persName> war neulich auch hier.<lb/><hi rend="slant:italic">Vale</hi><lb/>Friedrich<lb/><lb/>Ist es wahr, wie in den Zeitungen steht, daß auch Du <name key="1721" type="work"><persName key="234">dem Constant</persName> seine Uebersetzung des <name key="1415" type="work">Wallenstein</name></name> corrigirt hast? Wenn es wie zu vermuthen, ein schlechtes Machwerk, so ist dieses doch verdrießlich.<lb/>[12]</p></div></body></text></TEI>
