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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="31"><titleStmt><title>Friedrich von Schlegel an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/31</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 65‒69.</title><idno type="print">335976727_FSanAWS_26031804</idno></bibl><bibl>Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Bd. 26. Dritte Abteilung: Briefe von und an Friedrich und Dorothea Schlegel. Pariser und Kölner Lebensjahre (1802‒1808). Erster Teil Juni 1802 ‒ Dezember 1805). Mit Einleitung und Kommentar hg. v. Hans Dierkes. Paderborn 2018, S. 171‒176.</bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,I,13</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-8</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2327340</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">12 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">18,7 x 11,3 cm</ab><ab type="note">Empfangsort erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/31"><correspAction type="sent"><persName key="8" ref="http://d-nb.info/gnd/118607987">Friedrich von Schlegel</persName><placeName key="171" ref="http://d-nb.info/gnd/4044660-8">Paris</placeName><date when="1804-03-26">1804-03-26</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="15" ref="http://d-nb.info/gnd/2004272-3">Berlin</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000099.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000100.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000101.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000102.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000103.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000211.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000212.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000213.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000214.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000215.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000216.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000217.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000218.tif.original.jpg"/><graphic n="9" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000219.tif.original.jpg"/><graphic n="10" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000220.tif.original.jpg"/><graphic n="11" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000221.tif.original.jpg"/><graphic n="12" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8/Mscr_APP2712-Bd-8_Bd.8_tif/jpegs/00000222.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="171">Paris</placeName> den 26<hi rend="offset:4">ten</hi> März 1804.<lb/>Herzlich geliebter Bruder, welche Wohlthat Du mir durch Deinen langen Brief erzeigt hast, kann ich Dir gar nicht sagen, und wie sehr ich Dir dankbar dafür bin. Ich muß mir aber noch für eine Zeitlang das Vergnügen versagen, ihn eben so umständlich zu beantworten, und werde mich heute bloß auf den einen Punkt beschränken der mir der wichtigste von allen ist. Der Schluß Deines Briefs giebt mir Hoffnung, daß wir hier noch zusammen sein könnten; der <persName key="212">Graf Platen</persName> sagte mir das gleiche, und da ich eben einen Brief von <persName key="1393">Karl</persName> erhalte mit der Nachricht, daß Du nach <placeName key="173">Hannover</placeName> kommen werdest, so glaube ich vielleicht thörichterweise auch darin die Bestätigung meines höchsten Wunsches zu sehen, da Dich dann der Weg leicht über P.[aris] führen würde.<lb/>Zunächst also von allem, was darauf Bezug hat. Ich bin im Begriff eine Reise an den Rhein zu machen, zunächst nach <placeName key="172"><hi rend="weight:bold">Kölln</hi></placeName>, (wohin ich Dich beiläufig Deine Briefe zu addressiren bitte, unter der Addresse; bei <persName key="175">HE. <hi rend="weight:bold">Sulpicius Boisserée</hi></persName>. Wenn Du mir auf gegenwärtiges mit umgehender Post antwortest, so kann es mich noch hier treffen, sonst bitte ich [2] es gleichfalls dahin zu richten.) Dort werdʼ ich einen Theil des Frühjahrs zubringen; bis jezt ist es mein Entschluß auf den Sommer hieher zurückzukehren, und würde es unabänderlich sein, wenn Du Deine Einrichtungen gemacht hast, <hi rend="weight:bold">diesen</hi> Sommer nach <placeName key="171">P.[aris]</placeName> zu kommen. Ist dieß aber nicht der Fall, so könnte es, besonders wenn die Gefahr des Krieges zur Gewißheit wird, leicht sein, daß ich den ganzen Sommer dort am Rheine bliebe. – So wenig die öffentlichen Begebenheiten den ruhigen Gelehrten eigentlich angehen, so ist doch nicht zu läugnen, daß jezt eher die Zeit ist von hier weg zu gehen als herzukommen, wenn es nur wegen der Theurung wäre. Doch das trift freilich den Einzelnen weniger; wohl aber, daß man in solcher Zeit als Fremder doch nicht so frei und leicht hier lebt als in Zeiten der Ruhe und des Friedens. – Ich setze voraus, daß Du auf einige Monate (nicht weniger als 3 hoffe ich) hieher kommen willst, und dazu mußt Du durchaus <hi rend="weight:bold">Sommer</hi>monate nehmen; es ist jezt nur die Frage, ob Du den Sommer 1804 oder 1805 dazu bestimmt hast; in beiden Fällen lebe ich mit [3] Dir zusammen hier; denn bleibe ich diesen Sommer am Rhein, so muß ich um so mehr den nächsten nothwendig hier sein, da für die <name key="520" type="work">indischen Arbeiten</name> der Sommer bei weitem wichtiger und brauchbarer ist als der Winter. Hast Du nun aber einmal Deine Einrichtung auf den bevorstehenden Sommer 1804 gemacht, und bricht der Krieg nicht gar zu schnell und allgemein aus, so gehe ich auch wieder zurück und wir leben hier zusammen, wie ich hoffe mit dem reichsten Nutzen für uns beide und auch zur herzlichen Freude. In litterarischer oder vielmehr gelehrter Rücksicht bin ich jezt vollkommen orientirt hier und hoffe Dir nützlich sein zu können. – Laß mich nur bald bald wissen, was Dein Entschluß ist, und was ich hoffen darf! Mir schlägt das Herz bei der Aussicht Dich wieder zu sehen.<lb/>Seit ich meinen Aufenthalt in <placeName key="171">Paris</placeName> nicht mehr als so ganz unbeschränkt ansehe, bin ich dergestalt theils mit einigen restirenden Arbeiten theils aber auch besonders mit <name key="520" type="work">Indischen Copien beschäftigt</name>, daß Du auch um des willen Nachsicht mit mir haben mußt, wenn [4] ich Deinen Brief heute nicht nach Würden beantworten kann, und daß ich auch in Rücksicht <name key="162" type="periodical">des Athenäums</name> noch um einige Frist bitten muß.<lb/>Das 4<hi rend="offset:4">te</hi> Stück der <name key="144" type="periodical"><hi rend="weight:bold">Europa</hi></name> hat mich <persName key="183">W.[ilmans]</persName> dringend gebeten erst zu Ostern erscheinen zu lassen; ich habe mich mit ihm freundschaftlich auseinandergesezt, denn schon der Druckfehler wegen ists mir unmöglich, es länger mit anzusehen. Die <name key="144" type="periodical">Europa</name> muß künftig unter Deinen oder unter meinen Augen gedruckt werden. Ich bitte Dich daher, dem <persName key="176">Reimer</persName> nun ernste Vorschläge deshalb zu machen, und <hi rend="weight:bold">bestimmte</hi> Antwort von ihm zu fodern; ich schreibe ihm auch, und bitte daß Du alles nach Belieben mit ihm abredest und entscheidest. – Wenn Du mir Beiträge von <persName key="111">Hülsen</persName> und <persName key="177">Steffens</persName> schafftest, das wäre herrlich, und ich danke Dir von Herzen für Deine Fürsprache. Fortgehen thut die <name key="144" type="periodical"><hi rend="weight:bold">Europa</hi></name> auf jeden Fall auch wenn <persName key="176">R.[eimer]</persName> nicht will; es hat mir schon ein <persName key="208">andrer</persName> Vorschläge gethan, dem ich aber aus andern Rücksichten noch das Jawort nicht habe geben wollen.<lb/>Mit <name key="145" type="work">Deinem Aufsatz</name> hast Du mir ein herrliches Geschenk gemacht. Das muß auch sehr allgemein wirken. Wenn <persName key="42"><persName key="48">die andern Freunde</persName></persName> nur auch etwas thäten! – <name key="211" type="work">Der Aufsatz über Theater</name> [5] ist ganz und gar von <hi rend="weight:bold"><persName key="188">Arnim</persName>;</hi> es freut mich sehr daß Du nicht unzufrieden damit warst.<lb/>Sehr freundschaftlich von Dir ist es, daß Du mir <name key="145" type="work">Deinen Aufsatz</name> in den jetzigen schlimmen Zeitläuften nicht anrechnen willst. – Deine Aufträge wegen spanischer Bücher will ich besorgen so viel es mir nur irgend möglich ist. – Einige der kleinern Sachen die Du wünschest aber sind nicht hier. – <persName key="184">HE Manoël</persName> hat mir seine sämtlichen Werke für <persName key="185">HE Pinheiro</persName> gegeben zur Besorgung, die freilich auf Gelegenheit warten muß. Er selbst hat gar keine Portugiesischen Bücher, wohl aber hat er mir eine sehr gute Notiz der besten Dichter gegeben.<lb/>Von den <name key="128" type="work"><hi rend="weight:bold">Blumensträußen</hi></name> hat mir <persName key="212">Platen</persName> ein Exemplar mitgebracht, aber ohne die Kupfer; von <name key="161" type="work"><persName key="48">Tiecks</persName> Minnesingern</name> habʼ ich noch kein Exemplar erhalten, habe aber durch <persName key="191">einen Freund</persName> eines gesehen; (aber leider mich schlecht daran erbaut; ich begreife in der That gar nicht wie er, da er sonst das Altdeutsche so liebte, diese schönen Lieder so ganz schonungslos tot modernisiren und verstümmeln können.) Kömmt etwas von Dir heraus zu Ostern von <persName key="166">Calderon</persName>, <persName key="4">Shakespear</persName> oder sonst, so bitte ich flehentlich es gleich nach <placeName key="172">Kölln</placeName> [6] zu schicken; desgleichen wenn etwas erschienen ist, <name key="209" type="work">von <persName key="48">Tieck</persName></name>, vor allen Dingen aber bitte ich dasselbe, wenn wie Du schreibst von <persName key="55"><hi rend="weight:bold">Fichte</hi></persName> zu Ostern etwas erscheint. Von <name key="189" type="work"><persName key="179">Hardenbergs</persName> Werken</name> bei <persName key="67">Unger</persName> ist ja ohnehin wohl 1 Exemplar für mich bestimmt. Ich rechne auf Deine gütige Versorgung auch wenn etwas von <persName key="177">Steffens</persName> herauskömmt. – Was von <persName key="137">Goethe</persName> erscheint, erhalte ich hier doch; bin aber von der <name key="141" type="work"><hi rend="weight:bold">Eugenia</hi></name> nicht sehr erbaut. Sie <persName key="88">schillert</persName> mehr als ich es je für möglich gehalten, so wie hingegen <name key="136" type="work">die Braut von Messina</name> mir so sehr <persName key="178">brentanisch</persName> zu sein scheint, daß <persName key="178">Brentano</persName> selber es nicht mehr sein kann. Kennst Du die <name key="190" type="work">französischen Memoiren</name>, aus denen <persName key="137">Goethe</persName> die <name key="141" type="work">Eugenia</name> genommen hat? – <persName key="213">Die Person</persName> lebet noch – wird auch wohl eben so unbefangen fortleben als <persName key="5888"><name key="210" type="work"><hi rend="weight:bold">Don Clavijo</hi></name></persName> immer noch thut.<lb/>Deine <name key="128" type="work">Blumensträuße</name> haben meinen ganzen Beifall; doch das versteht sich von selbst, ich konnte nur auf die Auswahl begierig sein, da Deine Kunst nicht nur sondern auch die Art derselben so vollendet ist. <name key="153" type="periodical"><name key="154" type="work"><persName key="62">Schellings</persName> neue Sachen</name></name> habʼ ich gelesen. In den physikalischen ist immer manches Gute und vieles [7] Schlechte, vermuthlich weil das erste selten von ihm ist. <name key="154" type="work">Seine Methodenlehre</name> finde ich unverschämt genug, daß er nämlich nicht wenigstens ⅔ des Honorars an uns gesandt hat. Doch hättʼ ich es mir auch lieber verboten; ich liebe <name key="162" type="periodical">das Athenäum</name> mehr in seiner alten Gestalt, als in dieser akademischen Steifheit. Er ist nun einmahl an das Stehlen gewohnt, und bildet sich vielleicht am Ende selbst ein daß dieses seine Gedanken seien. Noch eckelhafter jedoch sind mir die <persName key="174">Hegeleien</persName>. – Schwerlich werde ich von diesem Menschen je etwas wieder lesen; die Zeit wird mir immer kostbarer.<lb/>Von <persName key="177">Steffens</persName> sind unstreitig die größten Dinge zu erwarten. Treibe ihn nur recht zum <name key="192" type="work"><hi rend="weight:bold">Bruno</hi></name>; sehr lieb wärʼ mir das für die <name key="144" type="periodical"><hi rend="weight:bold">Europa</hi></name>. Hast Du nichts von <name key="193" type="work">seinem <hi rend="weight:bold">dänischen</hi> Werk über Philosophie</name> gehört? –<lb/><persName key="63"><hi rend="weight:bold">Schützen</hi></persName> grüsse ich herzlich. Sind seine kirchenhistorischen Studien schon zu <hi rend="weight:bold">Gedanken</hi> wenn gleich nur fragmentarischen, und diese [8] zur schriftlichen Aufzeichnung gediehen, so soll er mir etwas für die <name key="144" type="periodical"><hi rend="weight:bold">Europa</hi></name> davon geben. Es wird ganz herrlich dahin passen, nach der Richtung die diese im nächsten Bande nehmen soll.<lb/>Mit dem <name key="194" type="work">Niebelungenliede</name> war es gar nicht so übel gemeint, auch hat es noch nicht solche Eil damit. Eine kritische Ausgabe wie Du sie verlangst, wäre freilich das beste. Nur würde freilich jezt eine Collationirung der Handschriften zu <placeName key="199">HohenEms</placeName> und <name key="1319" type="work"><placeName key="195">St. Gallen</placeName></name> schwerlich zu erlangen sein, selbst mit grossen Kosten. – Was <persName key="48">Tieck</persName> von <hi rend="weight:bold">Uebersetzung</hi> <name key="194" type="work">des Gedichts</name> schreibt, so weiß ich gar nicht was er damit meint, und ist das mir nie in den Sinn gekommen. Ich wollte bloß eine leidliche Edition besorgen wie sie ohne jene kritische Collation sein kann, und wodurch diese vielleicht möglich gemacht würde. Ich wünschte diese Arbeit, um mich wieder mit der Poesie zu befreunden; gelesen habʼ ich <name key="194" type="work">das Gedicht</name> hier viel. – Kömmt [9] es noch einmal dazu, so rechne ich sehr auf Deinen Rath; lebten wir beisammen, so wärʼ es eine gemeinschaftliche Arbeit. Aber Du bist schon nur allzusehr durch den <persName key="166">Calderon</persName> und <persName key="4">Shakespear</persName> von eignen Arbeiten abgehalten. Für <name key="582" type="work">den Tristan</name> wär es herrlich, wenn Du einige Zeit hier wärst. – Ich hoffe <name key="215" type="work">der alte Roman von <hi rend="weight:bold">Merlin</hi></name> soll Dir merkwürdig sein, von dem <persName key="180">meine Frau</persName> jezt eine abgekürzte Uebersetzung macht; nach dem was ich davon weiß, halte ichs für eine der schönsten Dichtungen des Mittelalters. Es ist in Rücksicht der Ironie der ältere <name key="3822" type="work">Don Quixote</name>.<lb/>Schreibe mir doch ein kräftiges Wort von der <name key="94" type="periodical">neuen Zeitung</name>. Arbeitest Du daran? und auch <persName key="43">Schleiermacher</persName>? – Ich möchte mich wohl für Persische und besonders <hi rend="weight:bold">Indische</hi> Litteratur, Sprachkunde und Geschichte anbieten, wenn ich wüßte daß es zweckmäßig sein könnte.<lb/>Wie ist <persName key="197"><hi rend="weight:bold">Müller</hi></persName> in <placeName key="15">Berlin</placeName>? Hat er noch die alte Schwäche gegen den elenden <persName key="198">Woltmann</persName>?<lb/>[10] Damit Du nicht denkst, daß ich unnütze Geheimnisse vor Dir habe, melde ich Dir, daß jezt bei <persName key="182">Mahlmann</persName> von mir eine <name key="200" type="work"><hi rend="weight:bold">Auswahl von <persName key="181">Lessing</persName></hi> in 3 Bänden mit durchgängiger Einleitung und Commentar von mir</name> erscheint. Ich wollte Dich eigentlich damit überraschen; auch habʼ ich so manches angekündigt, was nachher nicht erschienen ist, daß ich es mir zum Gesetz gemacht, künftig ganz den entgegen gesezten Weg einzuschlagen. – Ich habe das Ganze an <persName key="55"><hi rend="weight:bold">Fichte</hi></persName> dedicirt; ich bitte Dich aber schlechterdings an niemand ein Wort davon zu sagen, bis das Buch selbst in <placeName key="15">Berlin</placeName> ist. – Das <name key="200" type="work">ganze Manuscript</name> ging schon im September von hier ab, und zwei Bände müssen seit geraumer Zeit gedruckt [sein]; nachgehends aber, habe ich mich auf <persName key="182">Mahlmanns</persName> Vorstellung wegen einer Nebenrücksicht für <name key="217" type="work">den 3<hi rend="offset:4">ten</hi> Theil</name> noch zu einer <hi rend="weight:bold">Zugabe</hi> verstanden, die leider während dem unruhigen Winter noch nicht ganz vollendet ist. Vielleicht erhältst Du also <name key="200" type="work">das Werk</name> doch erst nach <orgName key="6043">der [11] Messe</orgName>, da es <persName key="182">Mahlmann</persName> nur zusammen ausgeben will.<lb/>Grüsse herzlich von mir alle Freunde, <persName key="63">Schütz</persName>, <persName key="42"><persName key="132">beide Bernhardiʼs</persName></persName>, <persName key="55">Fichte</persName> und wer sich sonst meiner erinnert. Ich umarme Dich von Herzensgrunde.<lb/>Friedrich S.[chlegel]<lb/><lb/><persName key="180">Meine Frau</persName> grüßt vielmahls. Ist von <persName key="42">Bernhardi</persName> oder von <name key="201" type="work"><persName key="132">Sophie</persName> etwas</name> erschienen, so bitte ich meiner eingedenk zu sein. Desgleichen in Rücksicht der <name key="161" type="work"><persName key="48">Tieckschen</persName> Minnelieder</name>, so wenig ich auch davon erbaut; das Exemplar was ich so sah, war leider ohne Vorrede, und so kenne ich wohl nicht, was vermuthlich das beste am ganzen Werke sein mag. Wollte <persName key="48">Tieck</persName> einmal einen Aufsatz über das <name key="194" type="work">Niebelungenlied</name> oder über Altdeutsche und Nordische Poesie überhaupt für die <name key="144" type="periodical"><hi rend="weight:bold">Europa</hi></name> machen, das würde mir sehr lieb sein.<lb/>[12] Die Zurücknahme <name key="216" type="work">seiner musikalischen Gedichte</name> verstehe ich immer weniger, je mehr Du sie mir erklärst. Was ist denn die Absicht <persName key="206"><persName key="202"><persName key="6383"><persName key="204"><persName key="1289">dieser schönen Fräulein</persName></persName></persName></persName></persName>? Wollen sie <persName key="48">diesen Dichter</persName> als ihren gräflichen Privatfinker wirklich ganz und gar für sich allein behalten?<lb/><lb/>Sollte irgend jemand aus <placeName key="12">Jena</placeName> wie <persName key="186">Paulus</persName> bei Dir nach meiner Addresse fragen, so weise sie nur alle an <hi rend="weight:bold"><persName key="182">Mahlmann</persName> in <placeName key="22">Leipzig</placeName></hi>. – Dieser hat darin sehr gegen mich gefehlt, da er mir zugesagt hatte das zu diesem Zweck bestimmte Geld Michaelis schon an <persName key="196">Vermehren</persName> zu schicken, daß er mir nach dessen Tode nicht gleich gemeldet, daß es nun noch nicht besorgt sei.<lb/>Willst Du mir wohl die Freundschaft erzeigen, den Brief an <persName key="43">Schleiermacher</persName> aufs schnellste zu befördern? – Ich rechne auf Deine Nachsicht wegen der vielen Einlagen, aber <persName key="43">Schleiermachers</persName> Addresse weiß ich nicht, und was <persName key="176">Reimer</persName> betrift so wollte ich gern daß Du bei Uebergebung meines Briefs gleich mit ihm abredest.<lb/>Mit großer Freude sehe ich aus der Zeitung daß der <persName key="4">Shakespear</persName> fortgeht.</p></div></body></text></TEI>
