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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="3428"><titleStmt><title>August Wilhelm von Schlegel an Johann Wolfgang von Goethe</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/3428</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>August Wilhelm und Friedrich Schlegel im Briefwechsel mit Schiller und Goethe. Hg. v. Josef Körner u. Ernst Wieneke. Leipzig 1926, S. 100‒101.</title><idno type="print">KoernerWieneke1926_AWSanGoethe_04041800</idno><publisher>Insel Verlag</publisher></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Weimar, Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv</institution><idno type="signatur">GSA 28/805 St. 20</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="provenance">Klassik Stiftung Weimar</ab><ab type="note">Empfangsort erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/3428"><correspAction type="sent"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="12" ref="http://d-nb.info/gnd/4028557-1">Jena</placeName><date when="1800-04-04">1800-04-04</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="137" ref="http://d-nb.info/gnd/118540238">Johann Wolfgang von Goethe</persName><placeName key="58" ref="http://d-nb.info/gnd/4065105-8">Weimar</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0291-0.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-0291-1.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-04vb-f.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-04vb-g.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-04vb-h.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-04vb-i.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="12">Jena</placeName> d. 4 Apr. 1800 <lb/>Haben Sie tausend Dank für Ihre schöne Sendung und den erfreulichen Brief. Ich werde <name key="5878" type="work">den Mahomet</name> für sich und in Vergleichung mit <name key="4427" type="work">dem franz. Texte</name> studiren, und nun den goldnen Klang so mancher Verse, und die erhöhende Milderung des Ausdrucks, die mir bey der Aufführung nicht entgingen, näher betrachten können. <lb/>Sie erhalten hiebey zwey Exemplare vom <name key="162" type="periodical">Athenäum</name> wovon ich das eine an <persName key="88">H. Hofr. Schiller</persName> zu befördern bitte. Dießmal ist, wie Sie sehen werden, fast alles von <persName key="8">meinem Bruder</persName>, von mir bloß <name key="8111" type="work">die Kritik über <persName key="370">Matthisson</persName> und <persName key="271">Voß</persName></name>. Das über <name key="8122" type="work"><persName key="1113">Garveʼs</persName> nachgelassene Schriften</name> ist von <persName key="43">dem Vf. <name key="148" type="work">der Reden über die Religion</name></persName>. ‒ <name key="1862" type="work">Das Gespräch über die Poesie</name> hat leider an der unrechten Stelle abgebrochen werden müssen; es fehlt nicht viel mehr als ein Bogen. <lb/>Was Sie von einem angefangnen Werke schreiben, macht mich freylich unendlich begierig auf die Mittheilung, doch kann ich nichts gegen den Aufschub derselben einwenden. Denn [2] von einem allzu kleinen Theile eines Kunstwerkes kann man sich gar zu leicht einen irrigen Eindruck machen, und indem man nicht im Stande ist den Gang zu übersehen und etwas treffendes darüber zu sagen, den Urheber selbst über die hervorgebrachte Wirkung irre leiten. Sie sollten nur ja, wenn die schöne Jahrszeit eintritt, alle Hindernisse bey Seite schaffen um es zu fördern. Wo immer ein poetischer Plan den andern drängt, da ist jeder Zeitverlust mehr als Zeitverlust. <lb/>Ich bin jetzt auch wieder an allerley Studien zu Projekten, und möchte daher jetzt um <name key="3223" type="work">das altdeutsche Buch von <orgName key="6411">der <placeName key="58">Weimarschen</placeName> Bibliothek</orgName></name> bitten, wovon Sie mir letzthin einmal schrieben. Ich lege deswegen einen Zettel bey. – Zugleich wollte ich fragen, ob nicht jemand in Ihrer Bekanntschaft <name key="8703" type="work">die französische <hi rend="weight:bold">Bibliotheque des Romans</hi></name> hat. (Nicht <name key="8704" type="work">das <persName key="4643">Tressansche</persName> <hi rend="weight:bold">Corps dʼextraits</hi></name>) Es wäre mir sehr geholfen wenn ich sie, und zwar fürs erste die ersten vier bis fünf Bände haben könnte. Ich muß sehr um Verzeihung bitten, daß ich Sie so häufig mit solchen Anliegen behellige, ich bin hier manchmal sehr in der Büchernoth, zwar kann ich aus <placeName key="2">Göttingen</placeName> Bücher bekommen, [3] doch ist das mit Weitläuftigkeit und Kosten verbunden.  <lb/><name key="8706" type="work">Die Sonette von <persName key="8705">Aretin</persName></name> werde ich mit aller Artistischen Abstraction studiren. Dieses erste ist wirklich eine freygebige und magnifique Ankündigung, – die poetische Frechheit hat doch unter allen Gestalten etwas göttliches. <lb/>Wegen <name key="1730" type="work">des Reineke Fuchs</name> können wir uns mündlich ausführlicher besprechen. Für die Wirkung die er bey Alten und Jungen bis auf die kleinsten Kinder nicht verfehlen kann, ist die jetzige Bearbeitung völlig hinreichend. Eine neue wäre hauptsächlich nur ein Kompliment, das den Fortschritten der alten Sylbenmaße gemacht würde. Der größte Vortheil dabey wäre vielleicht, daß hier u da die Ausführung noch mehr <persName key="274">homer</persName>isirt werden würde. <lb/>Mit der Besserung <persName key="23">meiner Frau</persName> geht es sehr langsam vorwärts. Eine Zeitlang hat sie regelmäßig gute und schlimme Tage gehabt, dieser Wechsel scheint jetzt aufgehört zu haben, doch kommen die Krämpfe unter veränderten Gestalten immer wieder. Ich [4] danke Ihnen in unser beyder Namen für Ihre herzlichen Wünsche und Theilnahme. <lb/>Empfehlen Sie mich doch den <persName key="1267">H. Meyer</persName> und <persName key="64">Buri</persName> bestens. Es bedürfte gewiß keiner Einladungen, um mich bey der ersten Gelegenheit wieder nach Weimar zu locken, wenn ich nicht fürchtete Sie zu stören und Ihnen Zeit zu rauben. <lb/>Wenn Sie einmal gelegentlich <persName key="539">dem Buchhändler Cotta</persName> ein Wort über <name key="41" type="work">meine Gedichte</name> sagen könnten, so würden Sie mich sehr verbinden. Ich bin überzeugt daß der Verlag derselben nicht zu seinem Schaden gereichen wird, doch möchte ich ihm gerne vorläufig Zutrauen einflößen, damit er nicht bey feindseligen öffentlichen Urtheilen, die gewiß zu erwarten sind, bange für den Erfolg wird. <lb/>Leben Sie recht wohl und gedenken Sie unser. <lb/>AWSchlegel </p></div></body></text></TEI>
