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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="354"><titleStmt><title>Henriette Mendelssohn an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/354</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 2. Der Texte zweite Hälfte. 1809‒1844. Bern u.a. ²1969, S. 159‒161.</title><idno type="print">335973167_HMendelssohnanAWS_26081810</idno></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,27,13</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-7</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2324876</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4 S. auf Doppelbl., hs. m. U. Henriette</ab><ab type="paper">19,5 x 11,7 cm</ab><ab type="note">Datum (Jahr) erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/354"><correspAction type="sent"><persName key="19822" ref="http://d-nb.info/gnd/137018967">Henriette Mendelssohn</persName><placeName key="171" ref="http://d-nb.info/gnd/4044660-8">Paris</placeName><date when="1810-08-26">26. August [1810]</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000177.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000178.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335973167_0002/krisdefr_335973167_0002_tif/jpegs/00000179.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000449.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000450.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000451.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7/Mscr_APP2712-Bd-7_Bd.7_tif/jpegs/00000452.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="171">Paris</placeName> d 26 August [1810]<lb/>Wenn Sie Sich Ihres lezten Briefes an mich noch entsinnen und der darin versprochnen Mittheilungen, im Fall ich Ihnen schriebe, so müßen Sie es für einen Troz oder für eine schwererrungene Verstellung halten, daß ich der Neugier wiederstehn konnte! Dem ist aber nicht so mein theurer Freund, ich rühme mich gar nicht beßer als andre zu sein, und ohne eine Unpäßlichkeit die mich mehrere Tage lang, auf eine sehr unangenehme Weise mit mir selbst beschäftigte, hätte ich Sie unverzüglich an mich erinnert, und nun hoffe ich werden Sie mich nicht länger um den Lohn dienen laßen, sondern mir unverzüglich sowohl das versprochne lustige von <persName key="1414">Werner</persName>, an den ich in jenem Augenblick eben weniger als an <persName key="625"><name key="1857" type="work"><hi rend="weight:bold">Warner</hi></name></persName> dachte, und auch das wichtigere mittheilen welches Sie mir anvertrauen wollten!<lb/>Sie sind unterdessen einer großen [2] Sorge los geworden. <persName key="902">Helmina</persName> hat nehmlich ihr Vorhaben nach <placeName key="2021"><hi rend="weight:bold">Blois</hi></placeName> zu gehn, aufgegeben, und trifft die ernstesten Anstalten in kurzem nach Deutschland abzureisen, wo sie in der Gegend von <placeName key="574">Heidelberg</placeName> zu bleiben denkt. <name key="1955" type="work">Die angefangne Arbeit</name> will sie dort fortsetzen. Freilich aber wird dies sehr zerstückelt, und langsam vor sich gehn, bis jezt ist sie sehr fleißig gewesen, wie Sie mir sagt. – Wenn ich mit meinem ängstlichen Sinn und Wesen das verworrne Leben <persName key="902">dieser armen Frau</persName> betrachte, begreife ich nicht wie sie es trägt, doch hat freilich ein jeder seine eigne Noth, und auch den gehörigen Muth! Ich sende Ihnen wieder einige Blätter, die mir <persName key="8">Ihr Bruder</persName> zugeschickt, mit den feierlichsten Beschwörungen ihm Nachrichten von Ihnen zu geben, da aber während der Zeit Ihr Brief wohl angelangt sein muß, so werde ich eben nicht schnell antworten, wenn Sie daher schreiben wollen so kann ich Ihren Brief zugleich abschicken.<lb/>Die Auszüge aus <persName key="197"><name key="2024" type="work">Müller</name></persName> in <name key="1850" type="periodical">diesen Blättern</name> [3] haben mir großes Vergnügen gewährt, es ist mir in den lezten Zeiten ganz undeutlich geworden, daß Müller wirklich so redliche Gesinnungen und das Bedürfniß sie zu äußern gehabt. – Wie finden Sie <name key="2025" type="work">die Stanzen</name>?<lb/>Uebrigens will ich Ihnen, aber recht im Vertrauen, meine Furcht und Vermuthungen in Ansehung <name key="1850" type="periodical">dieser Blätter</name> mittheilen, ich glaube nehmlich das <persName key="2009">Pilat</persName> sobald er nur nach <placeName key="16">Wien</placeName> gehn wird, sich dort ein großes Ansehn geben, und <persName key="8">Ihren Bruder</persName> etwas chikaniren wird, das wäre bei seiner jezigen Stimmung, vollends unleidlich. Freilich läßt sich dem aber nicht vorbeugen, und ihn darauf vorzubereiten, hieße das Uebel ärger machen! Ihr Bruder ist sehr begierig <name key="339" type="work">das Werk <persName key="222">der Frau v. Staël</persName></name> zu erhalten. Sie werden wohl dafür sorgen, es ihm zu senden.<lb/>Wir haben <persName key="1024">einen guten braven Freund verloren! Der arme Klinger</persName> ist am 4<hi rend="offset:4">ten</hi> August nach einer langen schmerzenvollen Krankheit verschieden. Er starb bei völligem Bewußtsein und in den besten Gesinnungen. Mir geht sein Verlust recht nahe! so wird es [4] immer einsamer um uns, mitten im leeren WeltGetümmel!<lb/>Gestern am Fest <persName key="1654">der Kaiserin</persName> hat <persName key="436">die <hi rend="weight:bold">Mars</hi></persName>, in einem dazu verfertigten Stücke, deutsche Verse zu einer beliebten <placeName key="16">Wiener</placeName> Melodie gesungen! Die Verse sind von <persName key="2009">Pilat</persName>, und sollen eben nicht erbaulich sein, ich werde sie Ihnen mittheilen sobald ich sie habe. Sagen Sie mir doch Ihre Meinung lieber Freund, ob es <persName key="1311">dem ältesten Sohne <persName key="180">meiner Schwester</persName></persName> zu rathen wäre, hieherzukommen, um bei <persName key="2022"><hi rend="weight:bold">Gérard</hi></persName> zu arbeiten. Mich dünkt daß dieser seit <name key="2023" type="work">dem <hi rend="weight:bold">Belisaire</hi></name> nichts hervorgebracht, daß irgend einen Fortschritt in der Kunst bezeichnete. Auch beschäftigt er sich ausschließend mit Bildern, und so vortrefflich diese auch sein mögen, ist es doch wohl einem jungen Mann der das rechte will, nicht zu rathen, diesen Weg einzuschlagen. Meine Schwester hat Vorliebe für <hi rend="weight:bold">Gérard</hi>, eben wegen des <hi rend="weight:bold">Belisaire</hi>, und frägt mich um meine Meinung, die ich nun durch die Ihrige gern berichtigen möchte. Leben Sie wohl und meiner eingedenk.<lb/>Henriette</p></div></body></text></TEI>
