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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="4002"><titleStmt><title>Amalie Wolper an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname></persName><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Sophia</forename><surname>Zeil</surname></persName></edition></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-04-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Neu transkribiert und ausgezeichnet; zweimal kollationiert</ab></availability><date when="2020-04-01"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/4002</idno></publicationStmt><sourceDesc><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.29,Nr.44</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">DE-1a-34336</ab><ab type="alternativeOai">DE-1a-1951210</ab><ab type="alternativeSignatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.29,S.219-224</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4S. auf Doppelbl. u. 1 S., hs. m. U.</ab><ab type="paper">21,3 x 12,9 cm</ab><ab type="note">Empfangsort erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-04-20/letters/view/4002"><correspAction type="sent"><persName key="3460" ref="http://d-nb.info/gnd/1025657268">Amalie Wolper</persName><placeName key="5127" ref="http://d-nb.info/gnd/4035836-7">Lingen (Ems) </placeName><date when="1835-01-25">1835-01-25</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="887" ref="http://d-nb.info/gnd/1001909-1">Bonn</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29_tif/jpegs/00000219.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29_tif/jpegs/00000220.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29_tif/jpegs/00000221.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29_tif/jpegs/00000222.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29_tif/jpegs/00000223.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29/AWvS_DE-1a-34336_Bd.29_tif/jpegs/00000224.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p><milestone unit="start" n="4698"/>[1]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="4698"/> <placeName key="5127">Lingen</placeName> d. 25 <hi rend="family:Courier">Januar</hi><lb/>1835.<lb/>Daß ich mich recht herzlich über Ihren lieben, ausführlichen Brief gefreut habe, theuerster Oncle, bedarf wohl nicht der Versicherung. Die Unbescheidenheit trauen Sie mir aber hoffentlich nicht zu, daß ich schon früher Nachricht von Ihnen erwartet hätte; denn ich weiß ja, wie unausgesetzt Sie mit gelehrten Arbeiten beschäftigt sind und wie oft Sie durch Besuche <hi rend="family:Courier">ect.</hi> darin unterbrochen werden. Um so dankbarer weiß ich es als ein Zeichen Ihres Wohlwollens zu erkennen und zu schätzen, wenn Sie sich dennoch abmüßigen, um mir zu schreiben. Die angenehmste Nachricht war mir natürlich die Ihres Wohlbefindens. Der Himmel erhalte Sie noch recht lange so kräftig und rüstig, wie bisher! Doch auch alles Andre, was Ihr Brief enthielt, war für mich von großem Interesse. Wie glänzend und schön sich Ihre Zimmer bei der großen Abendgesellschaft ausgenommen <milestone unit="start" n="4699"/>[2]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="4699"/> haben, davon kann ich mir einen deutlichen Begriff machen, seit ich die ganz eigenthümliche, geschmackvolle Einrichtung Ihres Hauses kenne, womit die Meubeln und selbst das sonst Unbedeutendste in Übereinstimmung stehen. Natürlich kann nur ich allein es bedauern, nicht dabei zugegen gewesen zu sein, denn Ihre Äußerung, daß ich die Wirthinn hätte machen können, ist zu schmeichelhaft und gütig, da ich wohl weiß, daß ich in einem so ausgewählten Kreise nicht dazu im Stande bin. Bei einem so geistreichen, liebenswürdigen und aufmerksamen Wirth wird gewiß nie eine Wirthinn vermißt werden und kein Gast unbefriedigt zu Haus kommen.<lb/>Daß ich in <placeName key="887">Bonn</placeName> noch nicht ganz vergessen bin und man sich zuweilen nach mir erkundigt, freut mich sehr. Ich denke recht oft und gern an meinen dortigen Aufenthalt zurück, der mir durch Ihre Güte so angenehm ward und unvergeßlich bleiben wird. Zuweilen kommt es mir wie ein Traum vor, daß ich wirklich an den Ufern des Rheins gewesen bin und dort so manches Schöne gesehen und kennen gelernt habe. Dürfte ich doch auch die Überzeugung hegen, liebster Oncle, daß ich und <persName key="5130">mein kleiner unruhiger, zuweilen auch unartiger Hermann</persName> Ihnen keine zu störende, lästige Gäste gewesen sind, das würde zu <milestone unit="start" n="4700"/>[3]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="4700"/> meiner großen Beruhigung gereichen.<lb/>Wie es <persName key="1392">der Tante in <placeName key="173">Hannover</placeName></persName> möglich gewesen ist, eine so unbescheidene Forderung an Sie thun zu mögen und dazu auf so ungeziemende Weise, begreife ich nicht. Das mußte Sie natürlich aufbringen und es ist Ihnen nicht zu verdenken, daß Sie ein solches Anliegen gänzlich abwiesen. Hätte sie früher etwas vernünftiger gewirthschaftet, dann würde sie jetzt sorgenfrei und bequem leben können. Wie sehr bemitleide ich dagegen das traurige Geschick <persName key="121">der unglücklichen <hi rend="family:Courier">Augusta v. Buttlar</hi></persName>! Möchte der Himmel ihr doch <persName key="3669">die Tochter</persName> erhalten und zur Freude heran wachsen lassen! Ihr schönes Talent ist ihr gewiß auch <hi rend="overstrike:1">oft</hi> eine Quelle des Trostes, die sie die herbe Wirklichkeit zuweilen vergessen läßt.<lb/>Sie erkundigen sich so gütig und theilnehmend nach meinen Angelegenheiten in <placeName key="2">Göttingen</placeName>, lieber Oncle, wofür ich Ihnen herzlich Dank weiß. Leider lauten die Nachrichten von daher noch immer sehr unbefriedigend und unbestimmt. Das Haus, worauf <persName key="2286">meine Mutter</persName> und ich zur ersten Hypothek 3000 <milestone unit="start" n="25147"/>rthr.<note type="Sachkommentar"><title>Reichstaler</title></note><milestone unit="end" n="25147"/> geliehen haben, ist zwar endlich zum Verkauf angeschlagen, doch ist der erste Termin erst auf den 4<hi rend="offset:4" rendition="#PRSDoppeltUnterstrichen">ten</hi> <hi rend="family:Courier">April</hi> angesetzt. Die Sache wird sich also wohl noch 4–5 Monate verzögern, <milestone unit="start" n="4701"/>[4]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="4701"/> ehe sie zu Ende kommt und uns sind schon seit 1 <hi rend="offset:4">1</hi>/<hi rend="offset:-4">2</hi> Jahren keine Zinsen bezahlt. Außerdem steht zu befürchten, daß entweder gar nicht oder doch zu wenig auf das Haus geboten wird und wir am Ende, um nicht zu großen Schaden zu leiden, es selbst kaufen müssen. Ein Haus in <placeName key="2">Gött:</placeName> ist aber – Sie kennen ja deren leichte Bauart – ein Kapital, was von Jahr zu Jahre an Werth verliert, auch ist es jetzt schwierig, immer gute Miethsleute zu bekommen. Sie können wohl denken, daß mich die Ungewißheit meiner Zukunft in ökonomischer Rücksicht oft beunruhigt und verstimmt.<lb/>Briefe aus <placeName key="2755">Harburg</placeName> bekomme ich ziemlich häufig, aber ihr Inhalt ist auch nicht sehr erheiternder Art. <persName key="2286">Meine Mutter</persName> kränkelt fortwährend und zwar bedeutender, wie früher, denn sie ist oft bettlägrig. <persName key="3671">Meine Schwester</persName> klagt über anhaltende Brustbeschwerden und Mattigkeit. <persName key="5132"><persName key="5391">Ihre Kinder</persName></persName> sind gesund.<lb/><persName key="5130">Hermann</persName> und mir ist es, einige unbedeutende Erkältungen abgerechnet, wohl gegangen. Wir leben ziemlich still und zufrieden fast einen Tag wie den andern und unterhalten uns oft von <placeName key="887">Bonn</placeName> und <persName key="766">den Großoncle</persName>. Über Hermann’s Fortschritte in <orgName key="6486">der Schule</orgName> kann ich nicht ganz genau urtheilen, weil er seine Arbeiten jetzt ohne meine Hülfe macht. Mit <milestone unit="start" n="4702"/>[5]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="4702"/> seinem Fleiß hat es sich <hi rend="underline:1">etwas</hi> gebessert, bis zum Kopf brennen haben wir es aber noch nicht gebracht. Er hofft jedoch Ostern nach <hi rend="family:Courier">Quinta</hi> versetzt zu werden, was freilich nur so viel bedeutet als <hi rend="family:Courier">Sexta</hi> in Bonn.<lb/>Alle Hausgenossen bitte ich bestens von mir zu grüßen und <persName key="2417">Mamsell Marie</persName> noch insbesondre meinen Dank für ihren Brief zu sagen, über den ich mich recht gefreut habe und den ich nächstens beantworten werde. <persName key="5130">Hermann</persName> hat mir herzliche Grüße an Sie und das ganze Haus aufgetragen.<lb/>Leben Sie recht wohl, theurer Oncle, und schenken Sie zuweilen ein freundliches Andenken<lb/>Ihrer<lb/>Sie liebenden und hochschätzenden<lb/>Nichte Amalie Wolper.<lb/><milestone unit="start" n="4703"/>[6]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="4703"/> [leer]</p></div></body></text></TEI>
