• August Wilhelm von Schlegel to Friedrich Schiller

  • Place of Dispatch: Braunschweig · Place of Destination: Jena · Date: 26.02.1796
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Friedrich Schiller
  • Place of Dispatch: Braunschweig
  • Place of Destination: Jena
  • Date: 26.02.1796
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Bibliography: Friedrich Schiller ‒ August Wilhelm Schlegel. Der Briefwechsel. Hg. v. Norbert Oellers. Köln 2005, S. 68‒69.
  • Incipit: „[1] Braunschweig d. 26 Febr. 1796 [Freitag]
    Verzeihen Sie, mein geehrter und gütiger Freund, daß ich auf den Empfang des überschickten Geldes [...]“
    Manuscript
  • Provider: Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv
  • Classification Number: GSA 83/428
[1] Braunschweig d. 26 Febr. 1796 [Freitag]
Verzeihen Sie, mein geehrter und gütiger Freund, daß ich auf den Empfang des überschickten Geldes und des ersten Stücks der Horen von diesem Jahre so lange geschwiegen. Ich wollte nicht gern mit leerer Hand erscheinen, und schob daher auf zu schreiben, bis der beyliegende Aufsatz würde fertig ausgearbeitet seyn. Für ihre Güte, mir 100 r. auf Abschlag des Honorars zu senden, sage ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank, und bitte mich zu entschuldigen, daß ich Ihnen durch meine Unwissenheit des Zeitpunktes der Bezahlung diese Mühe verursacht.
Ich wünsche recht sehr, daß Ihnen der Aufsatz über Shakesp. gefallen, und eines Platzes in den Horen nicht unwürdig scheinen mag. Sollten Sie an einigem, was ich vorzüglich in der ersten Note gesagt, Anstoß nehmen, so ist es leicht durch einen Strich zu verbessern. Indessen fand ich, daß Sie diesen Herren durch die Vergleichung mit der Molierischen Magd letzthin noch viel zu viel Ehre erwiesen, denn diese hatte doch natürliches Gefühl. – Sie werden von selbst errathen, daß ich mich mit einer poëtischen Übersetzung Shakespearischer Stücke beschäftige. Schon vor vielen Jahren unternahm ich einmahl den Sommernachtstraum, worin Bürger auch einige der Lieder und gereimten Szenen gemacht. Jetzt, da sich meine Ideen über eine solche Übersetzung beträchtlich [2] verändert, und auch meine Kräfte, wie ich mir schmeichle sich mehr entwickelt haben, mußte ich sie bey der Durchsicht fast ganz umschmelzen. Den Romeo habe ich in diesem Winter neu übersetzt. Gern hätte ich mir das Vergnügen gemacht, gleich heute ein paar Szenen bey zu fügen, um Ihr Urtheil darüber zu erfahren, worauf ich in hohem Grade begierig bin. Allein die Abschrift des Aufsatzes hat mir keine Zeit übrig gelassen und doch wollte ich seine Absendung nicht gern einen Posttag länger aufschieben. Ich verspare also dieß und alles Übrige auf den nächsten oder einen der folgenden.
Fragmente aus meiner Übersetzung habe ich Ihnen deswegen nicht zur Einrückung in die Horen vorgeschlagen, weil ich glaubte sie würden außer dem Zusammenhange gar zu sehr verlieren, und weil sie nach meiner Absicht schon in diesem Sommer ganz im Druck erscheinen sollen. Wenn Sie es gut finden möchte ich in Ansehung des Aufsatzes gern anonym bleiben, das heißt am Ende des Jahres nicht mit Nahmen aufgeführt werden. Ihren Freunden mögen Sie mich nach Belieben nennen.
Die Post geht ab. Verzeihen Sie dieß flüchtige Geschreibe und leben Sie indessen recht wohl.
Ihr ganz ergebner
AWSchlegel.
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[1] Braunschweig d. 26 Febr. 1796 [Freitag]
Verzeihen Sie, mein geehrter und gütiger Freund, daß ich auf den Empfang des überschickten Geldes und des ersten Stücks der Horen von diesem Jahre so lange geschwiegen. Ich wollte nicht gern mit leerer Hand erscheinen, und schob daher auf zu schreiben, bis der beyliegende Aufsatz würde fertig ausgearbeitet seyn. Für ihre Güte, mir 100 r. auf Abschlag des Honorars zu senden, sage ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank, und bitte mich zu entschuldigen, daß ich Ihnen durch meine Unwissenheit des Zeitpunktes der Bezahlung diese Mühe verursacht.
Ich wünsche recht sehr, daß Ihnen der Aufsatz über Shakesp. gefallen, und eines Platzes in den Horen nicht unwürdig scheinen mag. Sollten Sie an einigem, was ich vorzüglich in der ersten Note gesagt, Anstoß nehmen, so ist es leicht durch einen Strich zu verbessern. Indessen fand ich, daß Sie diesen Herren durch die Vergleichung mit der Molierischen Magd letzthin noch viel zu viel Ehre erwiesen, denn diese hatte doch natürliches Gefühl. – Sie werden von selbst errathen, daß ich mich mit einer poëtischen Übersetzung Shakespearischer Stücke beschäftige. Schon vor vielen Jahren unternahm ich einmahl den Sommernachtstraum, worin Bürger auch einige der Lieder und gereimten Szenen gemacht. Jetzt, da sich meine Ideen über eine solche Übersetzung beträchtlich [2] verändert, und auch meine Kräfte, wie ich mir schmeichle sich mehr entwickelt haben, mußte ich sie bey der Durchsicht fast ganz umschmelzen. Den Romeo habe ich in diesem Winter neu übersetzt. Gern hätte ich mir das Vergnügen gemacht, gleich heute ein paar Szenen bey zu fügen, um Ihr Urtheil darüber zu erfahren, worauf ich in hohem Grade begierig bin. Allein die Abschrift des Aufsatzes hat mir keine Zeit übrig gelassen und doch wollte ich seine Absendung nicht gern einen Posttag länger aufschieben. Ich verspare also dieß und alles Übrige auf den nächsten oder einen der folgenden.
Fragmente aus meiner Übersetzung habe ich Ihnen deswegen nicht zur Einrückung in die Horen vorgeschlagen, weil ich glaubte sie würden außer dem Zusammenhange gar zu sehr verlieren, und weil sie nach meiner Absicht schon in diesem Sommer ganz im Druck erscheinen sollen. Wenn Sie es gut finden möchte ich in Ansehung des Aufsatzes gern anonym bleiben, das heißt am Ende des Jahres nicht mit Nahmen aufgeführt werden. Ihren Freunden mögen Sie mich nach Belieben nennen.
Die Post geht ab. Verzeihen Sie dieß flüchtige Geschreibe und leben Sie indessen recht wohl.
Ihr ganz ergebner
AWSchlegel.
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