• Julie Schlegel to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Hannover · Place of Destination: Braunschweig · Date: 14.10.1795
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Julie Schlegel
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Hannover
  • Place of Destination: Braunschweig
  • Date: 14.10.1795
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-1a-34097
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.23,Nr.51
  • Number of Pages: 4S. auf Doppelbl., hs. m. U.
  • Format: 18,9 x 11,4 cm
  • Incipit: „[1] Hanover d. 14ten
    octb 1795.
    Sie dürfen nicht glauben, lieber Bruder, daß Saumseligkeit von meiner Seite schuld daran ist, daß Sie [...]“
[1] Hanover d. 14ten
octb 1795.
Sie dürfen nicht glauben, lieber Bruder, daß Saumseligkeit von meiner Seite schuld daran ist, daß Sie erst jetzt den Ring erhalten. H. Wilhelmi hat mich immer von einer Woche zur anderen mit leeren Worten hingehalten bis er ihn mir endlich vor einigen Tagen schickte. ich wünsche daß er gantz Ihren Beyfall erhält. Der Preis ist 3 Th 12 g. Auch haben wir gesternn Ihren Koffer mit Fracht abgeschickt. Wenn Sie Ihn erhalten haben sind Sie ja wohl so gütig uns etwas Nachricht davon zu geben.
Wir freuen uns herzlich daß Sie in Braunschweig gantz Ihren Wünschen gemäß leben. Wie glücklich derjenige ist, der dis mit überzeugung sagt: können wir doppelt empfinden da auch wir recht glücklich sind. unsere Erwartungen, welche natürlich waren, da mein Mann so viele Jahre [2] umsonst gearbeitet hat, sind freilich unerfüllt geblieben, welches uns leid taht; unsere häusliches Glück und Zufriedenheit ward dadurch aber nie gestöhrt. Wir richten uns gern nach unserer Lage und freuen uns herzlich, daß wir, freilich nicht ohne Einschränkung aber doch ohne Schulden eben so, wie bis her fort leben können.
Sie fragen in Ihren Briefchen an mich wie ich mich befinde? ich bin recht gesund auch mein lieber Mann und die liebe Mutter sind recht wohl.
Wir haben das Vergnügen gehabt, die Schwester Henriette aus Moringen hir zu sehn, aber leider nur auf sehr kurze Zeit, nachdem wir schon mehrere Wochen immer Vergeblich auf sie gehoft hatten, kahm sie am Donnersttag gegen Abend, und fuhr den Sonnabend Mitag wider weg. Sie war sehr vergnügt die Zeit war aber zu kurz um sie recht genießen zu können. Künnftiges [3] Jahr will sie uns länger mit ihren Mann besuchen.
Daß schöne Herbst Wetter welches wir gehabt haben, haben wir recht genutzt. wir sind oft spaziehren gewesen, allein, und auch viel mit Papens. wir kommen auch alle Montage mit Papens zusammen, wo unsere Männer uns was vorlesen. Bisher sind die Briefe über die aesthetische Erziehung des Menschen in den Horen gelesen worden. welche uns, so dunkel sie oft für uns Frauen waren, durch die Erklärung welche uns bey jeder unverstänlichen Stelle gemacht ward, sehr angenehm viel Vergnügen machten. wir werden unsern umgang auf diese Art diesen Winter fortsetzen.
Nun lieber Bruder habe ich eine Bitte an Sie. ich kann hir gar keine weise Fürstenberger Taßen bekommen. Da ich nun weis, daß in Braunschweig [4] eine Niderlage davon ist, dürfte ich Sie wohl bitten uns dort ein Dutzend weiße Becher taßen zu kaufen und wenn es nicht zu theuer ist (denn das muß immer unser erstens seyn.) auch einen Milchtopf und Spühlkump, welches bey die taßen Paßt.
mein lieber Karl hat mir viel 1000 Complimente an Sie aufgetragen, und auch meine Mutter läßt sich Ihnen bestens Empfehlen:
Ihre
Schwester
Julie Schlegel.
Der Brief von Dresden war an meinen Mann adrßirt. Das Petschaft hätten wir aber nicht abmachen können ohne Ihren Brief auf zu machen, deshalb ist das Siegel so dick
[1] Hanover d. 14ten
octb 1795.
Sie dürfen nicht glauben, lieber Bruder, daß Saumseligkeit von meiner Seite schuld daran ist, daß Sie erst jetzt den Ring erhalten. H. Wilhelmi hat mich immer von einer Woche zur anderen mit leeren Worten hingehalten bis er ihn mir endlich vor einigen Tagen schickte. ich wünsche daß er gantz Ihren Beyfall erhält. Der Preis ist 3 Th 12 g. Auch haben wir gesternn Ihren Koffer mit Fracht abgeschickt. Wenn Sie Ihn erhalten haben sind Sie ja wohl so gütig uns etwas Nachricht davon zu geben.
Wir freuen uns herzlich daß Sie in Braunschweig gantz Ihren Wünschen gemäß leben. Wie glücklich derjenige ist, der dis mit überzeugung sagt: können wir doppelt empfinden da auch wir recht glücklich sind. unsere Erwartungen, welche natürlich waren, da mein Mann so viele Jahre [2] umsonst gearbeitet hat, sind freilich unerfüllt geblieben, welches uns leid taht; unsere häusliches Glück und Zufriedenheit ward dadurch aber nie gestöhrt. Wir richten uns gern nach unserer Lage und freuen uns herzlich, daß wir, freilich nicht ohne Einschränkung aber doch ohne Schulden eben so, wie bis her fort leben können.
Sie fragen in Ihren Briefchen an mich wie ich mich befinde? ich bin recht gesund auch mein lieber Mann und die liebe Mutter sind recht wohl.
Wir haben das Vergnügen gehabt, die Schwester Henriette aus Moringen hir zu sehn, aber leider nur auf sehr kurze Zeit, nachdem wir schon mehrere Wochen immer Vergeblich auf sie gehoft hatten, kahm sie am Donnersttag gegen Abend, und fuhr den Sonnabend Mitag wider weg. Sie war sehr vergnügt die Zeit war aber zu kurz um sie recht genießen zu können. Künnftiges [3] Jahr will sie uns länger mit ihren Mann besuchen.
Daß schöne Herbst Wetter welches wir gehabt haben, haben wir recht genutzt. wir sind oft spaziehren gewesen, allein, und auch viel mit Papens. wir kommen auch alle Montage mit Papens zusammen, wo unsere Männer uns was vorlesen. Bisher sind die Briefe über die aesthetische Erziehung des Menschen in den Horen gelesen worden. welche uns, so dunkel sie oft für uns Frauen waren, durch die Erklärung welche uns bey jeder unverstänlichen Stelle gemacht ward, sehr angenehm viel Vergnügen machten. wir werden unsern umgang auf diese Art diesen Winter fortsetzen.
Nun lieber Bruder habe ich eine Bitte an Sie. ich kann hir gar keine weise Fürstenberger Taßen bekommen. Da ich nun weis, daß in Braunschweig [4] eine Niderlage davon ist, dürfte ich Sie wohl bitten uns dort ein Dutzend weiße Becher taßen zu kaufen und wenn es nicht zu theuer ist (denn das muß immer unser erstens seyn.) auch einen Milchtopf und Spühlkump, welches bey die taßen Paßt.
mein lieber Karl hat mir viel 1000 Complimente an Sie aufgetragen, und auch meine Mutter läßt sich Ihnen bestens Empfehlen:
Ihre
Schwester
Julie Schlegel.
Der Brief von Dresden war an meinen Mann adrßirt. Das Petschaft hätten wir aber nicht abmachen können ohne Ihren Brief auf zu machen, deshalb ist das Siegel so dick
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