• Ludwig Emanuel Ernst to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Dresden · Place of Destination: Genf · Date: 10.01.1811
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Ludwig Emanuel Ernst
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Dresden
  • Place of Destination: Genf
  • Date: 10.01.1811
  • Notations: Fragment. Schluss fehlt. – Empfangsort erschlossen.
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: APP2712-Bd-5
  • Classification Number: Mscr.Dresd.App.2712,B,18,18
  • Number of Pages: 2 S., hs. m. U.
  • Format: 14,9 x 11,7 cm
  • Incipit: „[1] Dresden, d. 10. Januar 1811.
    Geliebtester Herr Bruder,
    Wir sind sehr gerührt, von Ihrer Sorgfalt, die Zahlung der 200 r.– [...]“
[1] Dresden, d. 10. Januar 1811.
Geliebtester Herr Bruder,
Wir sind sehr gerührt, von Ihrer Sorgfalt, die Zahlung der 200 r. für Ihren Bruder, zu entrichten. Wie sehr wenden Sie Ihre Mittel zur Unterstützung an, wo Sie Sichs vielleicht selbst an manchem nothwendigen Erfordernisse Ihres eigenen Bedarfs entziehen. Wir danken Ihnen herzlich für diese Berichtigung. Das Geld hat bey Gleditsch in Leipzig noch nicht erhoben werden können, weil von Heidelberg der Avisbrief dazu noch nicht eingegangen ist. Diese Freude haben Sie uns noch um Vieles vermehrt, indem wir durch Ihre Güte, Ihren neuausgearbeiteten Theil des Shackespear erhielten. Gewiß, meine Frau hat Recht, wenn sie sich beklagt, daß Sie von Ihrer brüderlichen Zärtlichkeit so viel Beweise von Zeit zu Zeit erhielte, wodurch es ihr um so peinlicher würde, daß sie so wenig Briefe und Nachrichten von Ihrem eigentlichen Leben und Befinden erhielte.
Die liebe Mutter in Hannover hat manche Bekümernisse gehabt, wovon ihre Lebenskräfte selbst sehr mitgenommen worden sind. Sie ist betrübt, daß ihre Verhältnisse mit der Schwiegerin in H. so incorrigible sind.
[2] Hier ein Auszug ihres Briefes, vom 1ten dieses.
(Es ist vom Sohne Moritzens die Rede, bey Carln)
Auf die Art hatte er auch viele gute Hofmeisterstellen, ohne des Vaters Willen aufgegeben, weil er nach Leipzig wünschte, welches ihm der Vater versprochen hatte, wenn es Zeit u Umstände erlaubten. Nun furchte er sich zum Vater zu gehen, u kam zu Carln. Ein unglücklicher Einfall. Von lange kann es keiner mit Julchen, u noch weniger mit dem fatalen Mädchen aushalten. Kurz der gute Mensch war in keiner guten Lage. Alle Abende war Spielgesellschaft, oder sie waren aus, da konnte August nicht Theil an nehmen. Da suchte er sich seinen eigenen Umgang der ihn wohl zu dem letzten Schritte verleitet hatte.
– Vor etwa 8. Tagen ist er heimlich von hier weggegangen, hat alle seine Sachen mitgenommen des Morgens zu Pferde, es sollen noch andere mit gewesen seyn.
– Schon lange wartete er auf die Entscheidung seines Schicksals wegen der Conscription, daß er mit fort sollte. –
Der Stellvertreter war kostbar – seine Mutter hatte ihm viel Klagebriefe deshalb geschrieben –
Diese Begebenheit hat mich sehr herunter gebracht, ich habe wenig Schlaf, wenig Appetit, bin sehr matt u schwach habe bald fast immer etwas Diarrhöe – Auch die Hofnung von Carls Verbesserung ist fehl geschlagen, er ist Municipal-Rath worden, mit etwas Arbeit u gar keiner Einnahme, seine Stelle beym Consistorio ist beträchtlich schlechter worden als sonst. – Von meiner Pension habe ich 200 r. rückstandig, – Carl gab mir sonst Zuschuß –
[1] Dresden, d. 10. Januar 1811.
Geliebtester Herr Bruder,
Wir sind sehr gerührt, von Ihrer Sorgfalt, die Zahlung der 200 r. für Ihren Bruder, zu entrichten. Wie sehr wenden Sie Ihre Mittel zur Unterstützung an, wo Sie Sichs vielleicht selbst an manchem nothwendigen Erfordernisse Ihres eigenen Bedarfs entziehen. Wir danken Ihnen herzlich für diese Berichtigung. Das Geld hat bey Gleditsch in Leipzig noch nicht erhoben werden können, weil von Heidelberg der Avisbrief dazu noch nicht eingegangen ist. Diese Freude haben Sie uns noch um Vieles vermehrt, indem wir durch Ihre Güte, Ihren neuausgearbeiteten Theil des Shackespear erhielten. Gewiß, meine Frau hat Recht, wenn sie sich beklagt, daß Sie von Ihrer brüderlichen Zärtlichkeit so viel Beweise von Zeit zu Zeit erhielte, wodurch es ihr um so peinlicher würde, daß sie so wenig Briefe und Nachrichten von Ihrem eigentlichen Leben und Befinden erhielte.
Die liebe Mutter in Hannover hat manche Bekümernisse gehabt, wovon ihre Lebenskräfte selbst sehr mitgenommen worden sind. Sie ist betrübt, daß ihre Verhältnisse mit der Schwiegerin in H. so incorrigible sind.
[2] Hier ein Auszug ihres Briefes, vom 1ten dieses.
(Es ist vom Sohne Moritzens die Rede, bey Carln)
Auf die Art hatte er auch viele gute Hofmeisterstellen, ohne des Vaters Willen aufgegeben, weil er nach Leipzig wünschte, welches ihm der Vater versprochen hatte, wenn es Zeit u Umstände erlaubten. Nun furchte er sich zum Vater zu gehen, u kam zu Carln. Ein unglücklicher Einfall. Von lange kann es keiner mit Julchen, u noch weniger mit dem fatalen Mädchen aushalten. Kurz der gute Mensch war in keiner guten Lage. Alle Abende war Spielgesellschaft, oder sie waren aus, da konnte August nicht Theil an nehmen. Da suchte er sich seinen eigenen Umgang der ihn wohl zu dem letzten Schritte verleitet hatte.
– Vor etwa 8. Tagen ist er heimlich von hier weggegangen, hat alle seine Sachen mitgenommen des Morgens zu Pferde, es sollen noch andere mit gewesen seyn.
– Schon lange wartete er auf die Entscheidung seines Schicksals wegen der Conscription, daß er mit fort sollte. –
Der Stellvertreter war kostbar – seine Mutter hatte ihm viel Klagebriefe deshalb geschrieben –
Diese Begebenheit hat mich sehr herunter gebracht, ich habe wenig Schlaf, wenig Appetit, bin sehr matt u schwach habe bald fast immer etwas Diarrhöe – Auch die Hofnung von Carls Verbesserung ist fehl geschlagen, er ist Municipal-Rath worden, mit etwas Arbeit u gar keiner Einnahme, seine Stelle beym Consistorio ist beträchtlich schlechter worden als sonst. – Von meiner Pension habe ich 200 r. rückstandig, – Carl gab mir sonst Zuschuß –
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