• Friedrich Creuzer to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Heidelberg · Place of Destination: Bonn · Date: 02.03.1823
Edition Status: Newly transcribed and labelled; double collated
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Friedrich Creuzer
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Heidelberg
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 02.03.1823
    Manuscript
  • Provider: Biblioteka Jagiellońska, Krakau
  • Incipit: „[1] Heidelberg d. 2. März
    1823
    Auf Ihre gütige Nachsicht hin, mein hochzuverehrender Herr und Freund, habe ich schwer gesündigt, indem ich [...]“
[1] Heidelberg d. 2. März
1823
Auf Ihre gütige Nachsicht hin, mein hochzuverehrender Herr und Freund, habe ich schwer gesündigt, indem ich so spät Ihnen meinen Dank für das äußerst gehaltreiche Geschenk Ihrer Indischen Bibliothek darbringe. Es bedarf wohl der Versicherung nicht, daß nicht Gleichgültigkeit gegen die kostbare Gabe und den von mir so hochgeschätzten Geber der Grund meines langen Schweigens gewesen, sondern eben nur eine durchs Zusammentreffen vieler Arbeiten veranlaßte Unterbrechung meiner Correspondenzen. Es war mir ein großer Trost, von meinem Freunde Welcker zu vernehmen, daß Sie Sich meiner noch gütigst erinnern, und mir selbst zu neuen Beweisen Ihres Wohlwollens Hofnung geben; wofür ich Ihnen meinen innigsten Dank sage.
Kaum hatte ich mich nach dem Tode des jüngern Voß, nicht ohne Bedenklichkeit, mich durch das Zureden einiger meiner Collegen bestimmen lassen, wieder der Redaction der Heidelbb. Jahrbb. beizutreten – als auch mein erster Gedanke an Sie, d.h. an den Mann, war, dessen frühere Beiträge einen unvergänglichen Werth behalten und im großen Publicum einen bleibenden Ruhm haben. Ehe ich Sie aber mit dieser neuen Bitte anzugehen wagte, wollte ich eine Nachläßigkeit gut machen, die während meiner gänzlichen Entfernung von diesem Institute man sich hatte zu Schulden kommen lassen. Ich dachte auf eine Anzeige Ihrer Indischen Bibliothek. Mir selbst konnte und durfte ich die Befugniß nicht geben, darüber zu sprechen. Ich habe also vor einigen Wochen meinen Freund und Collegen Prof. Umbreit darum gebeten – und dieser hat, nach einigen Anständen, mir die Zusage gegeben. Nach meiner hohen Achtung gegen die morgenländische Literatur und Ihre Verdienste darum glaubte ich keinen besseren und zugleich bescheideneren Sprecher wählen zu können. Kennten Sie den [2] Mann persönlich, so schmeichle ich mir, diese Wahl von Ihnen gebilligt zu sehen. – Jezt muß ich mich vorläufig auf seine neuerlich in den Jahrbb. gelieferte Kritik des Geseniussischen Jesajas berufen. – Es ist kein Professor hier, mit dessen Ansichten über das Alterthum ich mehr übereinstimmte. Er ist genauer Freund und Schüler des H. v. Hammer, und wird sich in wenigen Jahren noch durch mehrere gründliche Schriften weiter legitimiren. Er ist auch, obschon kein Kenner der Indischen Sprache, doch mit Ihren u anderen Arbeiten auf diesem Gebiete bekannt, und hegt die größeste Achtung für Ihre genialen Schriften ohne Ausnahmen. Mit Einem Worte: Freund Umbreit ist mehr berufen als ich, über die Indische Bibliothek zu sprechen – und ich könnte auch nunmehr, nachdem ich ihn selbst dringend gebeten, nicht mehr an seine Stelle treten wollen.
Nun aber auch meine wiederhohlte angelegentliche Bitte, um Ihre Hülfe – wenn anders die Heidelbb. Jahrbücher im Gebiete der Kunstlehre wieder etwas werden sollen. Es versteht sich, daß Ihnen die Wahl dessen, worüber Sie kritische Worte sprechen wollen, überlassen bleibt und bleiben muß.
Doch Eine bestimmte Bitte darf ich mir wohl sogleich erlauben. Sie wissen, daß das Domwerk von H. Dr. Sulpiz Boisserée nächstens in Paris fertig wird (das 1te Heft.). Wer könnte dies besser beurtheilen als Sie? Und Herr Sulp. Boisserée wünscht selbst, Sie möchten doch in den Heidelbb. Jahrbb. die Kritik deßelben übernehmen. – Diesem würdigen Manne erweisen Sie ja wohl gerne diese Gefälligkeit? – und lassen Sie auch mich keine Fehlbitte thun! Das Heft wird ohne Zweifel [3] früher in Ihren Händen seyn, als wir es, bei den beschränkten Mitteln unsers Bibliotheksfonds, dafür anschaffen können. Erhalten Sie mir ferner Ihr Wohlwollen. Ich verbleibe mit wahrer Verehrung
Ihr
ergebenster Freund u Diener
Fr. Creuzer.
N.S. Inliegendes Briefchen, bitte ich an H. Welcker gefälligst abgehen zu lassen.
[4] Seiner Hochwohlgebohren
des Herrn
A. W. von Schlegel
Ritters u Professors
an der Königl. Preußischen
Universität

in
Bonn.
Frei
[1] Heidelberg d. 2. März
1823
Auf Ihre gütige Nachsicht hin, mein hochzuverehrender Herr und Freund, habe ich schwer gesündigt, indem ich so spät Ihnen meinen Dank für das äußerst gehaltreiche Geschenk Ihrer Indischen Bibliothek darbringe. Es bedarf wohl der Versicherung nicht, daß nicht Gleichgültigkeit gegen die kostbare Gabe und den von mir so hochgeschätzten Geber der Grund meines langen Schweigens gewesen, sondern eben nur eine durchs Zusammentreffen vieler Arbeiten veranlaßte Unterbrechung meiner Correspondenzen. Es war mir ein großer Trost, von meinem Freunde Welcker zu vernehmen, daß Sie Sich meiner noch gütigst erinnern, und mir selbst zu neuen Beweisen Ihres Wohlwollens Hofnung geben; wofür ich Ihnen meinen innigsten Dank sage.
Kaum hatte ich mich nach dem Tode des jüngern Voß, nicht ohne Bedenklichkeit, mich durch das Zureden einiger meiner Collegen bestimmen lassen, wieder der Redaction der Heidelbb. Jahrbb. beizutreten – als auch mein erster Gedanke an Sie, d.h. an den Mann, war, dessen frühere Beiträge einen unvergänglichen Werth behalten und im großen Publicum einen bleibenden Ruhm haben. Ehe ich Sie aber mit dieser neuen Bitte anzugehen wagte, wollte ich eine Nachläßigkeit gut machen, die während meiner gänzlichen Entfernung von diesem Institute man sich hatte zu Schulden kommen lassen. Ich dachte auf eine Anzeige Ihrer Indischen Bibliothek. Mir selbst konnte und durfte ich die Befugniß nicht geben, darüber zu sprechen. Ich habe also vor einigen Wochen meinen Freund und Collegen Prof. Umbreit darum gebeten – und dieser hat, nach einigen Anständen, mir die Zusage gegeben. Nach meiner hohen Achtung gegen die morgenländische Literatur und Ihre Verdienste darum glaubte ich keinen besseren und zugleich bescheideneren Sprecher wählen zu können. Kennten Sie den [2] Mann persönlich, so schmeichle ich mir, diese Wahl von Ihnen gebilligt zu sehen. – Jezt muß ich mich vorläufig auf seine neuerlich in den Jahrbb. gelieferte Kritik des Geseniussischen Jesajas berufen. – Es ist kein Professor hier, mit dessen Ansichten über das Alterthum ich mehr übereinstimmte. Er ist genauer Freund und Schüler des H. v. Hammer, und wird sich in wenigen Jahren noch durch mehrere gründliche Schriften weiter legitimiren. Er ist auch, obschon kein Kenner der Indischen Sprache, doch mit Ihren u anderen Arbeiten auf diesem Gebiete bekannt, und hegt die größeste Achtung für Ihre genialen Schriften ohne Ausnahmen. Mit Einem Worte: Freund Umbreit ist mehr berufen als ich, über die Indische Bibliothek zu sprechen – und ich könnte auch nunmehr, nachdem ich ihn selbst dringend gebeten, nicht mehr an seine Stelle treten wollen.
Nun aber auch meine wiederhohlte angelegentliche Bitte, um Ihre Hülfe – wenn anders die Heidelbb. Jahrbücher im Gebiete der Kunstlehre wieder etwas werden sollen. Es versteht sich, daß Ihnen die Wahl dessen, worüber Sie kritische Worte sprechen wollen, überlassen bleibt und bleiben muß.
Doch Eine bestimmte Bitte darf ich mir wohl sogleich erlauben. Sie wissen, daß das Domwerk von H. Dr. Sulpiz Boisserée nächstens in Paris fertig wird (das 1te Heft.). Wer könnte dies besser beurtheilen als Sie? Und Herr Sulp. Boisserée wünscht selbst, Sie möchten doch in den Heidelbb. Jahrbb. die Kritik deßelben übernehmen. – Diesem würdigen Manne erweisen Sie ja wohl gerne diese Gefälligkeit? – und lassen Sie auch mich keine Fehlbitte thun! Das Heft wird ohne Zweifel [3] früher in Ihren Händen seyn, als wir es, bei den beschränkten Mitteln unsers Bibliotheksfonds, dafür anschaffen können. Erhalten Sie mir ferner Ihr Wohlwollen. Ich verbleibe mit wahrer Verehrung
Ihr
ergebenster Freund u Diener
Fr. Creuzer.
N.S. Inliegendes Briefchen, bitte ich an H. Welcker gefälligst abgehen zu lassen.
[4] Seiner Hochwohlgebohren
des Herrn
A. W. von Schlegel
Ritters u Professors
an der Königl. Preußischen
Universität

in
Bonn.
Frei
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