• August Wilhelm von Schlegel to Johann Ehrenbaum

  • Place of Dispatch: Berlin · Place of Destination: Stuttgart · Date: [6. Juni 1841]
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Johann Ehrenbaum
  • Place of Dispatch: Berlin
  • Place of Destination: Stuttgart
  • Date: [6. Juni 1841]
  • Notations: Konzept. – Datum sowie Absende- und Empfangsort erschlossen. – Datierung durch das Schreiben von Ehrenbaum vom 23. Mai 1841.
    Printed Text
  • Bibliography: Körner, Josef: Ein unehelicher Sohn August Wilhelm Schlegels? In: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins e.V. Nr. 15, H. 1. Köln 1933, 124–125.
  • Incipit: „[1] Ew. Wohlgeboren geschätztes Schreiben vom 23 Mai habe ich empfangen und danke Ihnen für Ihre Mittheilung.
    Ich bin es gewohnt verläumdet [...]“
    Manuscript
  • Provider: Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek
  • OAI Id: 512520879
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIIb,Nr.5
  • Number of Pages: 2 1/2 S.
    Language
  • German
[1] Ew. Wohlgeboren geschätztes Schreiben vom 23 Mai habe ich empfangen und danke Ihnen für Ihre Mittheilung.
Ich bin es gewohnt verläumdet zu werden, und fand es niemals nöthig, mich öffentlich zu vertheidigen. Der Ruf meines Charakters ist zu fest gegründet in der Achtung nicht nur meiner Mitbürger und Landesgenossen, sondern in den weitesten Kreisen, wo ich irgend in persönlichen Verhältnissen gestanden habe, als daß mich dergleichen berühren könnte. Auch finde ich es nicht einmal der Mühe werth verläumderische Zeitungsartikel zu lesen.
Auf Ew. Wohlgeboren Vorschlag in diesem Falle Maßregeln zu ergreifen, kann ich um so weniger eingehen, da Sie nicht näher bezeichnen worin die verbreiteten gehäßigen Gerüchte bestehen und ich es nicht zu errathen weiß. So viel aber ist klar: sie können nur aus den lügenhaften Aussagen des Peter Busch hervorgegangen seyn, und dieser Zug vollendet das Bild seiner tiefen sittlichen Ausartung und Verdorbenheit, die mir längst bekannt war.
Es würde eine lange Geschichte seyn wenn ich Ihnen alles erzählen wollte, was ich seit seinem Knabenalter für ihn gethan. Auch pflege ich [2] von meinen Wohlthaten kein Register zu halten. Meine Mitbürger in Bonn sowohl als der Director und die Professoren der Maler-Akademie in Düsseldorf werden sie bezeugen.
Peter Busch war der Sohn eines Strumpfwirkers der durch Krankheit unfähig geworden zu arbeiten, aus der städtischen Armencasse unterstützt ward, und einer armen Tagelöhnerin. Seine schwächliche Constitution machte ihn unfähig zu jedem Handwerke das körperliche Kräfte erfodert. Einige Zeichnungen von ihm veranlaßten bei mir den Gedanken, er könne durch Ausbildung in den zeichnenden Künsten sich ein besseres Loos verschaffen. Ich ließ ihn in Bonn unter der Leitung eines geschickten Bildhauers das Zeichnen und Modelliren erlernen; dann brachte ich ihn selbst nach Düsseldorf und unterhielt ihn dort mehrere Jahre auf meine Kosten. Mein verehrter Freund, der Director Schadow hegte anfangs eine günstige Erwartung von ihm, die er jedoch in der Folge zurücknahm. Die Hoffnung, daß aus ihm ein ächter Künstler werden könne, mußte aufgegeben werden. Indessen hatte er genug gelernt, um durch Fleiß in den Mittelstufen zwischen der Kunst und dem Handwerke reichlich seinen Unterhalt zu erwerben. Ich erklärte ihm, ich könne nun nichts weiter für ihn thun. Als er [3] nach Stuttgart ging, sah ich ihn zum letzten mal. Sein ganzes Wesen und Betragen, sowie manches was ich von seinem Lebenswandel erfuhr, misfielen mir in hohem Grade. Ich entließ ihn mit ernsten Ermahnungen. Seitdem hat er mir jahrelang kein Zeichen des Lebens gegeben. Von Dankbarkeit habe ich nicht die geringste Spur an ihm bemerkt.
Es wäre gewiß eine Umkehrung aller sittlichen Begriffe, den ehemaligen Wohlthäter eines Unwürdigen, der sich jenem ganz entfremdet hatte, für dessen spätere Aufführung und letzten verzweifelten Entschluß verantwortlich machen zu wollen.
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[1] Ew. Wohlgeboren geschätztes Schreiben vom 23 Mai habe ich empfangen und danke Ihnen für Ihre Mittheilung.
Ich bin es gewohnt verläumdet zu werden, und fand es niemals nöthig, mich öffentlich zu vertheidigen. Der Ruf meines Charakters ist zu fest gegründet in der Achtung nicht nur meiner Mitbürger und Landesgenossen, sondern in den weitesten Kreisen, wo ich irgend in persönlichen Verhältnissen gestanden habe, als daß mich dergleichen berühren könnte. Auch finde ich es nicht einmal der Mühe werth verläumderische Zeitungsartikel zu lesen.
Auf Ew. Wohlgeboren Vorschlag in diesem Falle Maßregeln zu ergreifen, kann ich um so weniger eingehen, da Sie nicht näher bezeichnen worin die verbreiteten gehäßigen Gerüchte bestehen und ich es nicht zu errathen weiß. So viel aber ist klar: sie können nur aus den lügenhaften Aussagen des Peter Busch hervorgegangen seyn, und dieser Zug vollendet das Bild seiner tiefen sittlichen Ausartung und Verdorbenheit, die mir längst bekannt war.
Es würde eine lange Geschichte seyn wenn ich Ihnen alles erzählen wollte, was ich seit seinem Knabenalter für ihn gethan. Auch pflege ich [2] von meinen Wohlthaten kein Register zu halten. Meine Mitbürger in Bonn sowohl als der Director und die Professoren der Maler-Akademie in Düsseldorf werden sie bezeugen.
Peter Busch war der Sohn eines Strumpfwirkers der durch Krankheit unfähig geworden zu arbeiten, aus der städtischen Armencasse unterstützt ward, und einer armen Tagelöhnerin. Seine schwächliche Constitution machte ihn unfähig zu jedem Handwerke das körperliche Kräfte erfodert. Einige Zeichnungen von ihm veranlaßten bei mir den Gedanken, er könne durch Ausbildung in den zeichnenden Künsten sich ein besseres Loos verschaffen. Ich ließ ihn in Bonn unter der Leitung eines geschickten Bildhauers das Zeichnen und Modelliren erlernen; dann brachte ich ihn selbst nach Düsseldorf und unterhielt ihn dort mehrere Jahre auf meine Kosten. Mein verehrter Freund, der Director Schadow hegte anfangs eine günstige Erwartung von ihm, die er jedoch in der Folge zurücknahm. Die Hoffnung, daß aus ihm ein ächter Künstler werden könne, mußte aufgegeben werden. Indessen hatte er genug gelernt, um durch Fleiß in den Mittelstufen zwischen der Kunst und dem Handwerke reichlich seinen Unterhalt zu erwerben. Ich erklärte ihm, ich könne nun nichts weiter für ihn thun. Als er [3] nach Stuttgart ging, sah ich ihn zum letzten mal. Sein ganzes Wesen und Betragen, sowie manches was ich von seinem Lebenswandel erfuhr, misfielen mir in hohem Grade. Ich entließ ihn mit ernsten Ermahnungen. Seitdem hat er mir jahrelang kein Zeichen des Lebens gegeben. Von Dankbarkeit habe ich nicht die geringste Spur an ihm bemerkt.
Es wäre gewiß eine Umkehrung aller sittlichen Begriffe, den ehemaligen Wohlthäter eines Unwürdigen, der sich jenem ganz entfremdet hatte, für dessen spätere Aufführung und letzten verzweifelten Entschluß verantwortlich machen zu wollen.
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