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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="118"><titleStmt><title>Sophie Bernhardi an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-07-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-07-06"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/letters/view/118</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 297‒304.</title><idno type="print">335976727_SBanAWS_16031806</idno></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,15,46</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-4</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2316539</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">8 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">24,4 x 19,2 cm</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/letters/view/118"><correspAction type="sent"><persName key="20531" ref="http://d-nb.info/gnd/118973665">Sophie Bernhardi</persName><placeName key="356" ref="http://d-nb.info/gnd/4050471-2">Rom</placeName><date when="1806-03-16">1806-03-16</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="228" ref="http://d-nb.info/gnd/1027948-9">Coppet</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000337.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000338.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000339.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000340.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000341.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000342.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000343.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000344.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000405.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000406.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000407.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000408.tif.original.jpg"/><graphic n="5" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000409.tif.original.jpg"/><graphic n="6" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000410.tif.original.jpg"/><graphic n="7" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000411.tif.original.jpg"/><graphic n="8" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000412.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="356">Rom</placeName> den 16ten März 1806<lb/>Ich schike Ihnen mein geliebter Freund und Bruder erst heut einen Brief, welchen ich schon vor mehreren Wochen geschrieben habe ehe der Ihrige ankam, und nur durch Kranckheit bin ich gehindert worden ihn früher abzusenden und in der That bin ich auch heute noch so wenig wohl daß ich unterlassen würde zu schreiben wen[n] es mich nicht ängstigte auf Ihren lieben freundlichen Brief so spät zu antworten, und wen[n] mich nicht die Nohtwendigkeit der Geschäfte dazu zwänge. Ich leide wieder an allen meinen alten Übeln auf einmal, und bin so ermattet daß es mir eine große Anstrengung ist mich auf alles im gehörigen Zusammenhange zu besinnen waß ich Ihnen nohtwendig sagen muß.<lb/>Ich schicke Ihnen meinen vor einigen Wochen geschriebenen Brief, jedoch bitte ich Sie die Klage nicht eher einzuleiten bis ich Ihnen darüber noch einmal geschrieben habe, den[n] es könte sein wen[n] Sie eine Klage gegen <persName key="42"><persName key="451">die Herren</persName></persName> führen daß Sie nicht gegen dieselben bei einer andern Klage zeugen können. Darnach will ich mich erst erkundigen.<lb/><lb/>den 29ten<lb/>Es geht mir so übel daß ich erst heut und nur mit Anstrengung fortfahren kann zu schreiben. Zuerst also liebster Freund danke ich Ihnen für Ihre bereitwillige Hülfe von ganzen Herzen, ich wünsche nichts so sehr als Ihnen nur einmal wieder mündlig zu sagen wie sehr mich Ihre treue Freundschaft rührt, und in Ihren Busen manches niederzulegen worüber nur Sie mich verstehen können. Ich bin gezwungen vielerlei über Geschäfte zu sprechen und will deshalb nur gleich anfangen, weil ich nicht weiß wie lange mir meine große Ermattung zu schreiben erlaubt.<lb/>Zuerst also über die Angelegenheit mit <persName key="96"><persName key="44">meinen Kindern</persName></persName> welche mir doch das Wichtigste und Nächste ist. Sie werden sich erinnern daß ich Ihnen in meinem großen Briefe geschrieben habe, ich sei bei <persName key="515">dem Könige</persName> eingekommen mir zu erlauben <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> bis nach ausgemachter Sache behalten zu dürfen. <persName key="9">Herr v. H.[umboldt]</persName> hatte dieß als das einzige Mittel gerathen und zugleich verlangt, ich solle <persName key="613">die Herzogin</persName> dahin vermögen zugleich mit mir an <persName key="515">den König</persName> zu schreiben. <persName key="613">Die Herzogin</persName> glaubte nicht daß es gut wäre, erstlich weil noch gar keine dringende Gefahr sei zweitens weil wir auf jeden Fall wen[n] <persName key="515">der König</persName> mein Gesuch abschlagen solte einige Monathe dadurch gewännen, wen[n] sie dan ihren Brief schriebe. Es hatt sich erwiesen wie gut dies war. Vor einiger Zeit kam <persName key="554">der H. D[oktor] K[ohlrausch]</persName> zu mir, und fand mich kranck. Er sagte ich solte mir doch die Angelegenheit [2] mit <persName key="42">B[ernhardi]</persName> nicht mehr zu Herzen nehmen und sie als abgemacht betrachten. <persName key="9">H. v. H.[umboldt]</persName> habe seinen Bericht so eingerichtet daß ich nichts mehr zu besorgen habe. Ich habe jezt die Antwort <persName key="515">des Königs</persName> erhalten, in welcher man mir nicht mein Gesuch abschlägt sondern die Erlaubniß <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> in <placeName key="356">Rom</placeName> erziehen zu dürfen welches ich gar nicht gebeten habe, und zwar aus den Gründen weil sich in dem Bericht der Behörde also des <persName key="9">H. v. H.[umboldt]</persName> so viele Gründe gegen mein Gesuch befinden und auch <persName key="42">Bernhardi</persName> mit so vielen dagegen eingekommen ist. Im Gegentheil sei <persName key="515">der König</persName> bewogen worden <persName key="42">B[ernhardi]</persName> zu erlauben, ein Recht weiter zu verfolgen, welches ich auch nicht habe schmälern wollen sondern nur gebeten man möchte mir <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> bis nach dem ausgemachtem Prozeß lassen. Sie können nicht glauben wie sehr mich dies in Erstaunen gesezt hatt, den[n] nicht allein können Sie darauß [ersehen] wie die Berichte über mich abgefaßt werden, sondern auch daß <persName key="42">B.[ernhardi]</persName> nohtwendig muß unterrichtet worden sein, ich wolle <persName key="515">beim Könige</persName> einkommen weil es ihm sonst nicht möglig gewesen wäre es zu wissen und dagegen zu verfahren. Da die Berichte nicht so gut für mich abgefaßt sind wie man mich versichert so werde ich auch denselben die mir versichern die Briefe an <persName key="42">B[ernhardi]</persName> seien so kurze und grobe Antworten keinesweges mehr glauben, und auch Sie liebster Freund werden leicht den Zusammenhang einsehen. Man hat mit einem Schlage alles beendigen wollen, und <persName key="9">H. v. H.[umboldt]</persName> verrechnet sich nur darin immer daß er die Freundschaft <persName key="559"><persName key="613">meiner hiesigen Freunde</persName></persName> für zu lau hält. Jezt ist nun von meiner Seite und von Seiten <persName key="613">der Herzogin</persName> noch nichts geschehen weil wir abwarten wolten waß sich von Seiten des <persName key="9">H. v. H.[umboldt]</persName> ergeben wird um unsere Schritte darnach abzumessen. Gestern Abend war <persName key="559">der Cardinal Vikarius</persName> hier und erzählte mir <persName key="9">H. v. H.[umboldt]</persName> sei vorgestern bei ihm gewesen welches nicht ohne diplomatische Absicht sein könne indem er ihn niemals freundschaftlich besuche. Er <persName key="559">der Cardinal</persName> habe auch jeden Augenblick erwartet <persName key="9">H. v. H.[umboldt]</persName> würde über meine Angelegenheit sprechen indeß sei es nicht geschehen und man müsse nun den Erfolg abwarten. Ich erwarte nun jeden Tag etwaß und bin auf alles mögliche gefaßt. Ich will nichts über die Art und weise sagen wie man hier mit mir umgeht, Sie mein geliebter Freund werden alle Bemerkungen darüber selber machen.<lb/>Jezt liebster Freund haben wir ausser allen Bitten und Angelegenheiten noch große und wichtige Bitten an Sie wo wir von Ihnen Rath und [3] Hülfe wünschen. Damit Sie aber einsehen mein geliebter Bruder daß kein unverschämter Leichtsinn uns dahin bringt so zwingt mich dieß weitläuftig Sie mit allen Verhältnissen bekant zu machen, und ich bitte Sie diesen Brief wenigstens eben so sorgfältig als meinen andern grossen zu bewahren wen[n] sie ihn nicht verbrennen wollen. Daß diese Bitten und Vorschläge die Angelegenheiten des Geldes betreffen sollen, werden Sie schon errahten, und darum sein Sie nicht ungeduldig wen[n] ich von ferne anfange. Sie wissen mein liebster Freund und Bruder daß wir gezwungen waren mit fremdem Gelde hieher zu reisen, durch den langen Auffenthalt in <placeName key="354">München</placeName>, <persName key="48">meines Bruders</persName> dortige Kranckheit, und <persName key="56">meines jüngeren Bruders</persName> verzögerte Ankunft. Sie wissen daß ich hier glaubte, <persName key="56">mein jüngerer Bruder</persName> würde mit ansehnlichen Summen und <persName key="48">mein Älterer</persName> gar nicht hieher kommen. Stadt dessen sind <persName key="56">meines Bruders</persName> Hoffnungen in <placeName key="15">Berlin</placeName> getäuscht worden, und sein langer Auffenthalt dort verbunden mit einer Kranckheit hatt ihm viel gekostet, nach langer Zögerung kam er nach <placeName key="354">München</placeName> und fand dort <persName key="48">meinen Bruder Ludwig</persName> kranck und entschlossen mitzureisen, beide kamen also ohne Geld an. Wie viel <persName key="48">mein Bruder Ludwig</persName> bedarf in all und jeder Rücksicht, wie weit dieß gehen kann habe ich von neuen erfahren. So sehr es <persName key="56">meinen Bruder Friedrich</persName> schmerzte so brauchte auch er viel. Wie viel es in <placeName key="356">Rom</placeName> kostet eine Haushaltung auf einen so anständigen Fuß zu führen als wir es nach unseren Verbindungen missen ist unglaublig, und da dieß alles von <persName key="102">Knorrings</persName> Einnahme bestritten werden muste und 2000 Thaler welche er erwartet von <persName key="357">seinem Bruder</persName> ausgeblieben sind und vieleicht ganz ausbleiben so können Sie sich denken daß wir gezwungen wurden zu leihen, da nun die Zinsen hier so unglaublig hoch bezalt werden vom 100 nehmlig im Monath 12 so ist daß der Weg ungeheure Summen zu verliehren. Ich könte nun mit Leichtigkeit mir von <persName key="613">der Herzogin</persName> eine Summe verschaffen, aber ich will Ihnen deutlig machen welchen Schaden ich dadurch <persName key="96"><persName key="44">meinen Kindern</persName></persName> thue und Sie werden selbst einsehen daß ich dieß nicht thun soll und mir dringend rathen es zu unterlassen. Ich bitte Sie aber liebster Freund bewahren Sie diese Briefe gut. Jezt bin ich zu <persName key="613">der Herzogin</persName> in dem Verhältniß einer Freundin und Schwester, sie begleitet gleichsam mit den Augen die Erziehung <persName key="96"><persName key="44">meiner Kinder</persName></persName> und es fält ihr gar nicht ein daß man wenig für sie oder für mich thun könte. Es sind die folgende ihre ausdrück{4]lichen Worte: Ich bitte Gott daß er uns beide lange miteinander leben läßt damit wir beide Freude an <persName key="96"><persName key="44">den Kindern</persName></persName> erleben, solten Sie aber eher sterben als ich so werde ich <persName key="96"><persName key="44">Ihre Kinder</persName></persName> ganz wie die meinigen versorgen, solte ich aber früher sterben als Sie so werden Sie sehen daß ich sie auch wie die meinigen bedenke. Sie sehen mein geliebter Freund zu welchen Hoffnungen für <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> mich solche Worte <persName key="613">einer grossen Fürstin</persName> berechtigen, ausserdem habe ich viele Spuren daß [sie] etwaß für mich thun will, wie unmöglich ist es also daß ich eine Summe von ihr fodern könte, wodurch ich die Ansicht von mir niedriger stelte, wie unmöglig auch die Haushaltung einzuschränken da ich für das Glück <persName key="96"><persName key="44">meiner Kinder</persName></persName> ja nichts schlimmres thun könte als zu zeigen daß sie sich mit einem geringem Glücke begnügen könten. Sie sehen mein geliebter Freund wie gegründet meine Hoffnung auf ein gutes Vermögen für <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> ist und wie glücklig sind sie wen[n] sie niemals die Angst und Qual zu ertragen brauchen der ich so oft unterlegen bin, wie glücklig bin ich daß ich durch einen Zusammenfluß günstiger Umstände sie darüber wegheben kann. Aber dieß ist nicht das einzige Gute welches ich ihnen erweisen kann, ich habe durch mein Gemüth durch meine Art zu sein einmal in jeder Rücksicht grosse Erwartungen erregt, und <persName key="613">die Herzogin</persName> wird sich bemühen wen[n] es nöthig sein solte mich und <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> bei ihrer Familie so zu empfehlen daß wir die wärmste Aufnahme fänden. Sie und <persName key="775">ihr Bruder der Erzherzog Karl</persName> lieben sich mit einer solchen innigen Zärtligkeit, und sie hatt mir mehr als einmal gesagt, wen[n] <persName key="775">mein Bruder Karl</persName> Sie kennen solte der würde recht ihr Freund sein und alles für Sie thun waß in seinen Kräften stände. Sagen Sie nun selbst mein geliebter Freund kann man glücklichere Aussichten haben für <persName key="96"><persName key="44">zwei Kinder</persName></persName> die schön sind wie die Engel, die der Himmel mit glücklichen Anlagen begabt hatt, die Fürsten mit Zärtligkeit lieben, ihnen ein Vermögen versprechen und ihnen zugleich ein Feld öffnen wo sie alle Anlagen entwikeln können? Und kann ich irgend einen Schrit thun wodurch ich sie und mich um so viele Stufen niedriger stelle? Werden Sie nicht ungeduldig noch vieles zu lesen waß noch folgen muß ehe ich [5] Ihnen unsere Bitte ausspreche. Ausser allen andern Gründen warum mich <persName key="102">Knorring</persName> nicht verlassen wird ist es ein Punkt der Ehre, und auch <persName key="613">die Herzogin</persName> betrachtet es so, da nun aber bei dem fortwährendem Kriege es leicht kommen könte daß verlangt wirde die Russischen Unterthanen solten sich entfernen, und wir wohl gar nicht zweifeln dürften daß man ihn als einen Russen anzeigen wirde, so hatt <persName key="613">die Herzogin</persName> an <persName key="807">den Churfürsten von Sachsen</persName> geschrieben ihm den Charackter als Cammerherr zu bewilligen wo sie dan ihn als von <persName key="808">ihrem Vetter</persName> ihr empfolen ihn in Schutz nehmen könte und er wenigstens so lange als sie und wir alle bleiben könte. Sie wirde dieß von <persName key="717">dem Kaiser</persName> gebeten haben wen[n] sie nicht zweifelhaft wäre ob er dazu nicht katolisch sein miste und die Erkundigungen darüber uns zu weitläuftig waren. Zugleicherzeit wird nun <persName key="102">Knorring</persName> dieß Mittel benutzen sich eine völlige Unabhängigkeit zu verschaffen indem er <persName key="645">seinem Vater</persName> schreiben wird daß er seinen Wünschen gemäß anfienge sich um Ehrenstellen zu bewerben, ihm das mit dem Cammerherren als den Anfang nennen und ihm alle die Aussichten zeigen die er wircklich hatt wen[n] er sie benutzen will, ihm aber auch zugleich deutlig machen daß er mit seinem jetzigen Einkommen nicht imstande ist den Rang eines vornehmen Edelmanns bei einem grossen Hofe zu behaupten, und unter dem Vorwande darum <persName key="645">dem Vater</persName> nicht grössere Ausgaben zu veranlassen wird er <persName key="645">den Vater</persName> [bitten] ihm das Vermögen auszalen [zu lassen] wovon er ihm jezt die Zinsen giebt und welches ongefähr 12000 Rubel beträgt weil es <persName key="102">Knorring</persName> hier Gelegenheit [habe] zu viel höheren Zinsen unterzubringen welches auch die Warheit ist. Dies Mittel wodurch beiden geholfen wird nimt <persName key="645">der Vater</persName> gewiß an, erstlich weil bei seinem grossen Vermögen ihm die Summe welche gefodert wird nichts macht, zweitens weil er sie doch nicht anders benuzt indem er <persName key="102">Knorring</persName> die Zinsen davon giebt, drittens weil er es sehr gern sehen wird wen[n] <persName key="102">Knorring</persName> glänzender lebt ohne ihm mehr zu kosten, viertens weil er ja doch nicht weigern könte wen[n] <persName key="102">Knorring</persName> der lange majoren mit ihm in ein solches Verhältniß treten wolte ihm das Vermögen <persName key="809">seiner Mutter</persName> zu bezalen, endlig aber weil er sich auf keinen Fall compromitiren könte Fürstlichen Personen welche diese Bitte <persName key="102">seines Sohnes</persName> unterstützen werden, eine so geringe Sache zu weigern. Kurz Sie können wie es <persName key="102">Knorring</persName> ist ausser Zweifel sein daß dieß geschieht, aber [6] es ist nicht möglich daß <persName key="102">Knorring</persName> dieß Geld eher als Ostern 1807 erhält weil <persName key="645">der Vater</persName> ja natürlig seine baaren Summen ausgeliehen hatt, diese erst Michaelis aufkündigen kann und Neujahr erst erhalten und so währt es natürlich bis Ostern ehe es <persName key="102">Knorring</persName> bekomt; da es nun möglich ist daß sich Umstände ereignen unter denen <persName key="613">die Herzogin</persName> nicht hier bleiben könte ich also dan auch abreisen miste, so wiste ich nicht wie ich es in unserer jetzigen Lage solte. Auch ist es nicht möglig weiter zu leben oder die Zinsen immerfort so ungeheuer zu bezalen. Darum bittet Sie mein geliebter Freund nun <persName key="102">Knorring</persName> da vieleicht es in der Schweitz am ersten möglig ist weil diese von dem Kriege nicht gelitten hatt, und wir uns nur Ihnen so anvertrauen können indem kein Anderer den Zusammenhang der Zustände so einsehen kann wie Sie, alles anzuwenden waß Ihnen möglig ist um ihm auf ein Jahr auf sein Wort und Ehre eine Summe aufzunehmen, welche diese Verlegenheiten beendigt. Ich schreibe Ihnen dieß dreist aus dem Herzen herauß, und weiß daß Sie einsehen welch eine Wohlthat Sie mir dadurch erzeigen. Sie wissen wen Sie etwaß von diesen Geschichten und wie viel Sie vertrauen können. <persName key="102">Knorring</persName> bittet Sie wen[n] Sie ihm können auf ein Jahr die Summe von 1000 Scudi verschaffen, es versteht sich zu Zinsen und es versteht sich daß er seine Wechsel darüber ausstelt, nur miste es an einen Menschen sein dem man in sofern vertrauen könte daß er keinen üblen Gebrauch bei <persName key="552"><persName key="102">Knorrings</persName> Familie</persName> damit machte, welches ihm natürlig jezt unangenehm wäre, da er diese Summe von <persName key="645">seinem Vater</persName> fodert. Wen[n] Sie dieß zu Stande bringen so fahren Sie fort wie Sie immer thuen das Glück und die Ruhe meines Lebens zu bereiten, den[n] freilig wen[n] dieß nicht möglig ist so weiß ich [nicht] wie wir es einrichten sollen und ich bin dan immer in Furcht daß alle meine schöne Hoffnungen auf einmal zusammenbrechen. Sie sind ein verständiger Freund, Sie fühlen wie viel Glück ich noch für <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> erwarten darf und fühlen es wie für Ihre eigne. Ihr zärtliches grosmühtiges Herz freut sich gewiß darauf wen[n] wir im Alter <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> erwachsen und glücklich sehen. Ich brauche Sie nicht dringend zu bitten für diese Sache zu thun waß in Ihren Kräften steht, Sie sehen gewiß ein wie wichtig es für uns alle ist, und ich hoffe mit Sicherheit Sie geben eine gute Antwort auf diese meine Bitte, nur darum bitte ich Sie dieß bald zu thun, damit wir aus der Unruhe kommen.<lb/><persName key="102">Knorring</persName> würde Ihnen dieß alles selbst geschrieben haben wen[n] er [7] nicht glaubte daß Sie mehr Freundschaft für mich als für ihn hätten. An alle andere Dienge welche ich Ihnen zu sagen habe kann ich heut nur flüchtig denken theils weil ich das Schreiben nicht mehr aushalten kann theils weil der Brief auf die Post muß. Für <name key="524" type="work">Ihre Elegie</name> danken wir recht von Herzen, ich glaube die Kunst der Sprache ist niemals höher getrieben als <name key="524" type="work">in diesen Gedicht</name>, und ich glaube es kann nur böser Wille sein wen[n] man dieß nicht einsieht. Selbst <persName key="810">Tiedge</persName> hatt sie ausserorndlich bewundert. Mit <name key="565" type="work">Ihrem Aufsaz über den Zustand der Kunst</name> haben Sie hier ein schlimmes Glück gemacht. <persName key="508">F.[rau] v. H.[umboldt]</persName> und <persName key="554">der D.[oktor] K.[ohlrausch]</persName> sind Ihnen grausam böse daß Sie <persName key="811">Reinhard</persName> nicht mehr erhoben und an <persName key="723">einem verdienten Künstler wie Rehberg</persName> kein gutes Haar gelassen haben. <persName key="755">Koch</persName> ist Triumpfierend und hatt seitdem einen ganz andern Tohn angenommen, er ist seiner Sache viel gewisser und auf Ihre Autorität so grob daß gar kein Auskommen mehr mit ihm ist. <persName key="756">Schick</persName> hatt sich sehr naiv so sehr über sein Lob gefreut daß er sich es abgeschrieben hatt und auch gar kein Hehl aus dieser Empfindung macht wofür ich ihn recht lieb habe. Sie können in Ihrer Entfernung gar nicht denken welch einen Aufruhr dieß Blat hier veranlaßt hatt.<lb/>Daß <persName key="812">F[rau] v. Eibenberg</persName> und <persName key="635">der Prinz von Gotha</persName> hier sind wissen Sie wohl. <persName key="812"><persName key="635">Diese Fürstlichen Personen</persName></persName> haben beschlossen doch auch nicht hinter <persName key="495">Lucian Bonnaparte</persName> zurückzubleiben welcher französische Comödien giebt und sie spielen nun zur Ehre der Deutschen Nation Deutsche und zwar <persName key="50">den Kotzebue</persName>, und zwar <name key="813" type="work">den Wirwar</name> wen[n] Sie dieß dumme Zeug kennen. Es ist in der That erstaunenswürdig daß Menschen die hieher nach <placeName key="356">Rom</placeName> kommen nicht ihre allerkleinstädtischte Erbärmligkeit vergessen und nicht einmal den <persName key="50">Kotzebue</persName> zuhause lassen.<lb/>So eben erhalte ich einen Brief von <persName key="449">Voigt</persName> der mir schreibt daß <name key="383" type="work">Egidio und Isabella</name> nicht angekommen ist, schreiben Sie mir doch lieber Freund wan Sie es geschickt haben, am Ende ist Ihre Furcht erfült und es ist auf der Post verlohren gegangen. <name key="512" type="work">Florio und Blantscheflur</name> habe ich zwar beendigt aber noch nicht abgeschrieben, <persName key="48">mein Bruder Ludwig</persName> hatt mir dieß ein wenig verekelt. Sie wissen wie ich Ihnen die ersten Gesänge mittheilte sagte ich auch Ihnen daß ich gesonnen sei es von Vorne an wieder durchzugehen, und zu verbessern. Dasselbe habe ich auch ihm gesagt er bewunderte auch beim Lesen <name key="512" type="work">das Gedicht</name> sehr, und verlangte er wolte es abschreiben weil ihm daß ein so grosses Vergnügen mache [8] und zugleich die Kleinigkeiten darin verbessern. Ich sperte mich sehr dagegen es half aber nichts. Nach vielen Monathen fieng er es endlig mit Gewalt an zu thun, und nun sahe ich ein daß die Meinung war ich solle ihn für meinen Herren und Meister immer bewundern wie ungeschickt ich und wie kunstreich er sei, meine Verse die besten oft fand er schlecht und lahm und änderte sie mir steif und hart, sprach immer darüber als hätte ich den gemeinsten Zusammenhang des Menschenverstandes nicht beobachtet und könne kein Mensch meine Verse verstehen, bewunderte immer die grosse Nachlässigkeit mit der ich gearbeitet hätte, sprach mir die Erfindung ab weil ich mich zu sehr an dem alten Gedicht gehalten habe, erklärte es für eine Einbildung von mir daß ich glaube die höchste Keuschheit sei in der Liebe in diesen Blumennaturen nohtwendig etz dabei bewunderte er aber immer <name key="512" type="work">das ganze Gedicht</name> ob ich gleich nicht weiß waß so angesehen noch daran zu bewundern bleibt. Ich habe es endlich auch mit Gewalt zurückgenommen und werde es ganz umschreiben, und es dan Ihnen mein theurer Freund wen[n] <persName key="48">der Bruder</persName> abgereißt sein wird zum Durchsehen schiken, Sie sind der einzige Mensch der meine Gedichte corrigiren soll. Nach Ostern wird <persName key="48">mein Bruder Ludwig</persName> nach Deutschland zurickgehen, er wird dan warscheinlig seinen Weg über <placeName key="280">Genf</placeName> nehmen um Sie zu besuchen und bittet Sie doch zu schreiben ob Sie um diese Zeit in <placeName key="228">Coppet</placeName> sein werden und ob er dan einige Tage mit Ihnen leben kann. Er hatt jezt ganz von neuen Lust eine Anzeige <name key="344" type="work">vom <persName key="4">Schak[spaer]</persName></name> zu machen, nur möchte er sich dem nicht aussetzen daß es <persName key="137">Goethe</persName> nicht aufnehme oder es so ansähe als wolle er sich dazu drängen ein Mitarbeiter <name key="94" type="periodical">der Zeitung</name> zu sein, da man es ihm nicht angebothen hatt. Antworten Sie doch ja hierauf. Waß seine Rückreise anbetrift wie die von <placeName key="452">Ziebingen</placeName> aus betrieben wird wie man mich dabei beleidigt und viele andere Dienge will ich Ihnen nächstens schreiben, nur halten Sie meine Briefe geheim. Leben Sie wohl mein Freund und Bruder, <persName key="102">Knorring</persName> grüßt Sie tausendmal, gebe der Himmel daß Sie uns erfreulich antworten. Ich bin so ermattet daß ich nicht mehr kann. Leben Sie recht glücklich. Lassen Sie doch <persName key="222">F.[rau] v. St.[aël]</persName> den Brief für <persName key="56">meinen Bruder</persName> an <persName key="495">Lucian Bonaparte</persName> schiken.<lb/>Ewig Ihre Schwester<lb/>S[ophie] Tieck</p></div></body></text></TEI>
