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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="5636"><titleStmt><title>Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></edition></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-07-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Neu transkribiert und ausgezeichnet; zweimal kollationiert</ab></availability><date when="2020-07-06"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/letters/view/5636</idno></publicationStmt><sourceDesc><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,Nr.7</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">DE-611-36881</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2084040</ab><ab type="alternativeSignatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.21,S.27-30</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">23,1 x 19 cm</ab><ab type="note">Datum sowie Absende- und Empfangsort erschlossen. – Datierung: Hier ist von der entzündeten Hand noch nicht die Rede, daher muss der Brief vor dem 21. Juli 1791 geschrieben worden sein.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/letters/view/5636"><correspAction type="sent"><persName key="264" ref="http://d-nb.info/gnd/1019578068">Johanna Christiane Erdmuthe Schlegel</persName><placeName key="173" ref="http://d-nb.info/gnd/4023349-2">Hannover</placeName><date when="1791-07-15">[nach Juni 1791, vor dem 21. Juli 1791]</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="1378" ref="http://d-nb.info/gnd/4001783-7">Amsterdam</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-36881_Bd.21/AWvS_DE-611-36881_Bd.21_tif/jpegs/00000027.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-36881_Bd.21/AWvS_DE-611-36881_Bd.21_tif/jpegs/00000028.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-36881_Bd.21/AWvS_DE-611-36881_Bd.21_tif/jpegs/00000029.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-36881_Bd.21/AWvS_DE-611-36881_Bd.21_tif/jpegs/00000030.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p><milestone unit="start" n="3685"/>[1]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="3685"/> Liebster Willhelm,<lb/>Es freut uns ungemein, daß Du so gesund u wohl bist, u Du scheinst doch auch vergnügt zu seyn? Mit uns ist es nicht immer der Fall, Die Witterung ist so entsetzlich schlecht, immer kalt windig u viel Regen, das macht, daß <persName key="255">der Vater</persName> den Husten gar nicht los werden kann, Du weist daß er 8 Monathe beständig an den Gesängen gearbeitet, was ihm wohl angegriffen, u keine Bewegung dabey, zu weilen heimlichen Aerger, u nun vollens da zu <persName key="9158">dem Kalten u Brosaischen Abt</persName>, u <persName key="5262">Saalfeld</persName>, noch <persName key="5306">Leß</persName>, der der aller Brosaischte ist dazu gekommen ist, wird es vollens arg, alles was Starck u Poetisch ist soll heraus, u sie machen selbst Verse, nun verliert der Vater die Geduld u hat ihnen mit aller Höflichkeit ein wenig Bescheid gesagt. der Himmel gebe daß es hielft, der Vater hat bey dieser Arbeit <persName key="8469">Koppe</persName> sehr vermist. Ließe der Abt nicht alles liegen so wäre das meiste fertig geweßen ehe Leß gekommen, es sind schon eine Partie gantz fertig das heißt von alle Abrobiert geweßen, u nun geht es mit Leß wieder von vorn an, es ist nicht aus zu halten wie sich der Vater scheren läst, mir wäre die geduld lange gerissen. Zu den fatalen Husten, der von Verschleimung im unterleibe, entstanden, der bald schwächer bald stärcker ist, hat er noch einen sonderbaren Zufall bekommen. kurtz um das Podagra, an Beyden Beinen an Enckeln u auch etwas an den einen Knie <persName key="5260">Wichmann</persName> war verreist wir ließen <persName key="14702">D Haußen</persName> kommen, der die Sache <milestone unit="start" n="3686"/>[2]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="3686"/> <hi rend="offset:4">nicht</hi> ernstlich genung an grief, er ließ ihm an den Stellen Wachs Taffent auf machen, übrigens ließ er ihm thun was er wollte, der Vater der sich nicht gern zu giebt wandelte oder Hinckte in den feigten garten her um den ohngeachtet gab sich der Schmertz der ihm 3 bis 4 Nachte nicht hatte schlaffen laßen, aber der Husten wurde wieder Stärcker, u wäre Wichmann nicht gekommen der ihm gleich ins Bette kriegte u weidere Medicin gab auch muß er von Zeit zu Zeit Thee trüncken um die Ausdünstung zu unter halten, so hätten wir üble Händel kriegen können. Nun hoffe ich, soll es sich bald geben, u den gleich bey dem Brunen, den er längste hätte trüncken sollen, da er es so viele Jahr im Junius gethan, ist es gewiß nicht gut geweßen daß es so lange auf geschoben. Mache Dir aber keine Sorge es wird bald über gehn, er ist so munter daß es ihm zur Last wird im Bette zu seyn. Aber Betaure mich auch ein bischen, ich fünde mein Schicksal traurig, immer in Angst unruhe zu leben, u ich bin auch nicht Jung mehr, ich habe auch oft was zu stümpern, des Nachts keinen Schlaf, kurtz ich fühle mich die meiste Zeit sehr sehr unglüklich. Nun genung geklagt. <persName key="6513"><persName key="6536">Gärtners</persName></persName> u <persName key="5368">Cruße</persName> der sich wohl befündet, aber sehr mager ist, sind 8 Tage hier geweßen <persName key="5368">C</persName> hat bey uns logirt <persName key="6513"><persName key="6536">G</persName></persName> schienen mit der Auf nahme u ihrer aufendhalte recht zu frieden zu seyn, ohn geachtet es mir in eine Unbeqväme Zeit fiel da der Diener u das küchen Mädchen äbzogen u die Neuen an, so habe ich doch 2 mal ziemlich hoch tracktiert, das eine mal 16 Person, ein mal <milestone unit="start" n="3687"/>[3]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="3687"/> gab <persName key="1393">Carl</persName> was, nehmlich 2 Wagen nach <placeName key="9177">Marien Wärter</placeName> des Abens <hi rend="offset:4">wurde</hi> bey uns Suppiert. Wir sind auch einige mal aus geweßen, zum Eßen. Die unortnung war den Vater auch wohl nicht recht gut geweßen. Cruße glaubt gute Aussichten zu haben, wegen des Heyrathens der M Gärtnern ist kein Wort war. <persName key="2139">Henriette</persName> kömmt, gegen das Ende des Augustes wieder, wie sie von <placeName key="60">Braunschweig</placeName> herüber kömmt ist noch nicht gewiß, vieleicht holt sie <persName key="1393">Carl</persName>, wenn Carl <hi rend="offset:4">nicht</hi> nach <placeName key="2755">Haarburg</placeName> reist, wo er mehr Neigung zu hat. <persName key="2139">Jettchen</persName> hat in allen Betracht ein sehr vergnügt u glücklich Jahr gehabt, wie es ihr hier wieder schmecken wird wird die Zeit lehren. <persName key="4752">M Rehberg</persName> ist bis, etwan vor 8 Tagen auch in <placeName key="2718">Osnabrück</placeName> geweßen <persName key="6865"><persName key="2720">Mößers</persName></persName> haben Sie sehr gebethen mit nach <placeName key="1873">Pyrmont</placeName> zu gehen, sie konnte es aber nicht an nehmen, ohne daß <hi rend="offset:4">es</hi> Mößers Unbeqvämlickten zu gezogen hätte weil der Wagen nicht darnach eingerichtet ist. <persName key="1579">Herr Rehberg</persName> hat sich also entschloßen hin zu reißen, u <persName key="4751">seine Schwester</persName> nach <placeName key="1873">Pyrmont</placeName> zu brüngen, die armen Leute haben da auch schlecht Wetter. <persName key="4751">Caroline</persName> hat oft u lange Briefe die sehr angenehm zu leßen waren an <persName key="2725">ihre Mutter</persName> geschrieben, Die arme Frau ist itzo ganz allein in dem schlechten Wetter, u ist auch etwas unpas geweßen. Allerdings kommen ein Theil von den Truppen von Ostintien zurück, bey mir erweckt es <persName key="2140">sehr traurige <milestone unit="start" n="3688"/>[4]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="3688"/> Entfündung</persName>, ich mag von alle dem nichts hören u sehen, schon der Anblick eines Oficiers macht mich traurig Ich bin eine der Glicklisten Mütter, u doch auch zu gleich eine der Unglicklisten, ob ich eine Cur brauche lieber Willhelm? Ich glaube schwerlich ob ich es wohl nöthig hätte bey den Umständen gieng es nicht u denn ist der Sommer bald vor bey, nun wenn ich nur keine Sorgen u unruhe wegen den Vater mehr habe so thue ich es wohl noch, wenn Jettchen wieder kömmt. In <placeName key="2755">Haarburg</placeName> u <placeName key="13">Dreßden</placeName> ist alles gut. <persName key="115">Lottchen</persName> schreibt mir sie hätte auf künftig Jahr ein hübsches Logie in <placeName key="1524">Bilnitz</placeName> gemüthet das ist mir sehr lieb, was sie itzo haben war gar zu schlecht. Lottchen hat itzo <persName key="14703">eine Schöne Niece</persName> bey sich auf 8 Wochen vor die sich sehr gefürchtet hat weil sie eitel ist und sie glaubte, sie aufheitern zu müssen! Es ist aber beßer aus gefallen, <hi rend="overstrike:1">sie</hi> Lottchen beschreibt sie sehr reizent u liebenswürdig u so schön, daß sie sie nicht genung ansehn könnte u dabey so erzogen daß sie itzo gar keine Beschwerde machte, wenig oder viel mehr gar keine Bedürfnüße, sie eße auserortenlich wenig u die simpelsten Speißen am Liebsten, sie trünck keinen Caffee u Thee keinen Wein u Bier. Aufwartung braucht sie auch nicht sie thut sich alles selber, u ist sehr ortenlich. Unsere Neuen Leute scheinen, gut ein zuschlagen gebe es Gott! mit Stift u den vorigen Mädchen habe ich viel aus gestanden. Stift ist ein Bösewicht er hat lauter Zu sammen hetzerey gemacht unter den Leuten, u mir unbeschreiblich viel Verdruß. Das Küchen Mädchen außer faul u unreinlich eine <milestone unit="start" n="45540"/>xxx<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Nicht entziffert</title></note><milestone unit="end" n="45540"/> alles das u daß der Vater in den Jahren so oft kranck geweßen, hat mir es sehr erschwert daß ich allein geweßen bin. Nun wenn es nur izt den Vater bald ganz beßer wird, will ich gern alles vergeßen. u besonders auch wenn ich immer gute Nachricht von <persName key="115"><persName key="2139"><persName key="766"><persName key="8"><persName key="1393"><persName key="187">meinen Kindern</persName></persName></persName></persName></persName></persName> kriege. Meine Kinder mein <milestone unit="start" n="3691"/>Reichtum u mein Stoltz. Wie ist es kannst Du es noch nicht absehn, ob Du auf länger da seyn wirst. wenn Du nur hier gewiße Aussichten hättest so wünschte ich es nicht, Es <milestone unit="start" n="3689"/>[3]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="3689"/> <persName key="4989">Arenswald</persName> niemals was gesagt daß eine Hofnung auf die Zukunft machen könte, ich glaube <persName key="2254">der Junge</persName> ist kein rechter treuer Freund, sondern, ein Adlicher Herr. <milestone unit="start" n="44808"/>[2]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="44808"/> Ich kann mich nicht enthalten, zu glauben, daß es meinen Kindern, bey ihren Talenden nicht so geht wie es sollte Deine treue Mutter Schlegel<lb/><milestone unit="start" n="3690"/>[1]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="3690"/> Lieber Willhelm wirst Du den Brief auch lesen können er ist in allen Betracht so schlecht geschrieben, auch daß macht mir manche fatale Empfündung, daß man mir in der Jugent nichts hat lernen <milestone unit="start" n="45539"/>lass<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Unsichere Lesung</title></note><milestone unit="end" n="45539"/> <note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Randbeschriftung</title></note><milestone unit="end" n="3691"/><lb/><milestone unit="start" n="3692"/><persName key="2725">Die Rehbergen</persName> hat eine große Freude gehabt. <persName key="723">Ihr Sohn in <placeName key="356">Rohm</placeName></persName> hat sich gemahlt, u das Bild ihr zu geschückt, er hat wie <persName key="5265">Fritz</persName> die Haare herein gekämmt, nach dem sie es einen Tag von fern und in der Nähe besahe u sich gefreut hat sie es gleich nach <placeName key="1873">Pyrmont</placeName> geschückt.<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Randbeschriftung am oberen Blattrand</title></note><milestone unit="end" n="3692"/></p></div></body></text></TEI>
