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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="94"><titleStmt><title>Sophie Bernhardi an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-07-20</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2020-07-06"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/letters/view/94</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Krisenjahre der Frühromantik. Briefe aus dem Schlegelkreis. Hg. v. Josef Körner. Bd. 1. Der Texte erste Hälfte. 1791‒1808. Bern u.a. ²1969, S. 225‒227.</title><idno type="print">335976727_SBanAWS_04091805</idno></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.App.2712,B,15,41</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">APP2712-Bd-4</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2316529</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">25,2 x 19,2 cm</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-20/letters/view/94"><correspAction type="sent"><persName key="20531" ref="http://d-nb.info/gnd/118973665">Sophie Bernhardi</persName><placeName key="356" ref="http://d-nb.info/gnd/4050471-2">Rom</placeName><date when="1805-09-04">1805-09-04</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="228" ref="http://d-nb.info/gnd/1027948-9">Coppet</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000263.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000264.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/krisdefr_335976727_0001/krisdefr_335976727_0001_tif/jpegs/00000265.tif.original.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000335.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000336.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000337.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4/Mscr_APP2712-Bd-4_Bd.4_tif/jpegs/00000338.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="356">Rom</placeName> den 4ten Septbr 1805<lb/>Sie haben mir liebster Freund eine rechte Freude mit Ihrem Brief gemacht. Ich habe so oft das betrübte Gefühl daß ich mich von allen meinen Freunden, wen[n] sie von mir entfernt sind vergessen glaube, dann ist ein solcher Brief eine rechte Stärkung. Ich weiß daß ich Ihnen damit Unrecht thue, daß Ihre Freundschaft für mich unwandelbahr dieselbe bleibt, und sage mir das auch oft selbst, aber es hilft nichts, wen[n] in so vielen Wochen kein Brief von Ihnen komt so macht es mich traurich. Sie sehen daß ich meinen Fehler des Nichtschreibens ganz abgelegt habe und jeden Brief von Ihnen sogleich wie ich ihn empfangen beantworte, lassen Sie es sich doch also auch nicht verdriessen öfter zu schreiben. Ein seltsames Gefühl hatt es mir gemacht daß Sie in diesem Briefe sich so über den Frieden freuen welchen ich mit der Cabinetsordre erhalten habe, und wodurch mir wenigstens zwei Jare gesichert sind. Dieser Frieden mein theurer Freund ist lange wieder gestöhrt. <persName key="9">H. v. Humbold</persName> welcher früher glaubte daß die <persName key="515">königliche</persName> Erlaubniß mir alles helfen könte versichert nun daß sie nichts fruchten würde da <persName key="42">B[ernhardi]</persName> seine Erlaubniß nicht dazu gegeben hätte und ich immer noch von seiten der preusischen Gerichtsbarkeit als seine Frau die ihm gehorchen müsse betrachtet würde. Doch ich will Ihnen mein liebster Freund die Sachen in der Ordnung erzählen damit Sie sehen wie viele Sorgen und Schmerzen mir <persName key="96"><persName key="44">meine armen Kinder</persName></persName> ohne daß sie es wissen verursachen. <persName key="42">Bernhardi</persName> ist eingekommen beim Kabinetsministerio mit dem Vorgeben seine Frau sei gegen seinen Willen ausser Landes und [habe] ihm <persName key="96"><persName key="44">seine beiden Söhne</persName></persName> gewaltsam entführt, er bittet also daß man vermöge <persName key="9">des hiesigen Ministers</persName> mich zwingen möchte mit <persName key="96"><persName key="44">den Kindern</persName></persName> zurick zu kommen oder wenigstens diese mit ihm zu ver[2]einigen. <persName key="9">Humboldt</persName> hatt ein Rescript erhalten (welches er sehr wichtig nimt) dieß auf alle weise ins Werck zu richten indem es dem State nicht gleichgültig sein kann daß <persName key="96"><persName key="44">die Söhne</persName></persName> einseitig von der Mutter und vollends ausser Landes erzogen werden. <persName key="42">Bernhardi</persName> hatt an <persName key="9">H. v. Humboldt</persName> zugleich geschrieben und ihn gebeten <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> zu sich zu nehmen so lange bis er sie abhohlen könte oder einen andern mit seiner Volmacht schiken wirde um sie in empfang zu nehmen. <persName key="9">H. v. Humbold</persName> hatt hierauf von mir eine Antwort gefodert und sehr in mich gedrungen zu versprechen daß ich im April zurickkommen wolte, indem er mir versicherte daß ich sehr im Unrecht wäre weil gar keine Klage nichts von mir anhängig gemacht sei. Mann versichert mir auch daß es mir grosse Schwierigkeit machen wirde <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> zu behalten weil es Söhne sind und diese eine ausgedehntere Erziehung bedürfen als Töchter, und mein Auskommen unbestimt wäre, <persName key="451"><persName key="42">Bernhardis</persName> Vater</persName> dagegen doch ein Vermögen habe und wen[n] er selbst nicht fähig wäre <persName key="96"><persName key="44">die Kinder</persName></persName> zu erziehen so wirde man ihnen für sein Vermögen einen Vormund geben. Nur allein das Versprechen im April zurück zu kommen könte die Sache bis dahin beruhigen welche sonst noch leicht schärfere Befehle bewürken könne wodurch ich hier in grosse Verlegenheit kommen und gezwungen werden könne gleich mit <persName key="96"><persName key="44">meinen Kindern</persName></persName> zu gehen oder sie wenigstens zu senden.<lb/>Ich habe mich dadurch nicht schreken lassen und mit kaltem Blute alles gethan waß nothwendig ist. Ich habe hier das Glück gehabt <persName key="613">die Erzherzogin von Österreich Maria Anna</persName> kennen zu lernen, diese liebt mich und <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> wie eine Freundin und ich kann sicher darauf rechnen daß auf [3] den Fall daß das Schlimste eintreten solte wen[n] nemlich <persName key="42">B[ernhardi]</persName> selbst herkäme mit allen möglichen Volmachten daß ich selbst in ihrem Palast mit <persName key="96"><persName key="44">meinen Kindern</persName></persName> Schutz fände, und daß sie <persName key="42">B[ernhardi]</persName> ohne sich an seine Volmachten zu kehren nach hause schickte und daß erst ein weitläuftiger Prozeß mit ihr sein müste ehe etwaß mit mir erfolgen könte. Nie bin ich so glücklig gewesen <persName key="613">eine Schwester</persName> zu haben und habe sie nun in <persName key="613">dieser Fürstin</persName> gefunden die mich wahrlig liebt. Ich habe also auf ihren Rath, den[n] wir treiben meine Sache gemeinschaftlich, <persName key="9">H. v. Humbold</persName> geantwortet auf alle Fragepunkte, jedoch nicht versprochen im April zurückzukommen. Dann haben <persName key="56"><persName key="48">meine Brüder</persName></persName> vermöge meiner Volmacht den Prozeß gegen <persName key="42">B[ernhardi]</persName> anhängig gemacht, dan habe ich noch einmal an <persName key="515">den König</persName> geschrieben, meine Klage gegen <persName key="42">B[ernhardi]</persName> erwähnt und ihn gebehten mir zu erlauben troz <persName key="42">B[ernhardis]</persName> Anzeigen <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> bis nach ausgemachter Sache bei mir zu behalten. Dan habe ich an <persName key="556">den Geheimerath Beime</persName> geschrieben, um seinen Schutz mit möglichster Dehmuht gebeten und auch ihm im kurzen meine Klagen gegen <persName key="42">Bernhardi</persName> geschrieben. Dieß alles habe ich natürlich <persName key="276">Hufeland</persName> geschickt, i[h]m die Freundschaft <persName key="613">der Herzogin</persName> für mich auf ihren Auftrag geschrieben und ihm gesagt daß [er] mit dem waß er für mich thut sie verbinden würde. Ich habe ihm auch geschrieben daß ich einem Reisenden eine Summe mitgegeben habe welcher sie Ihnen mein geliebter Freund einhändigen würde um sie an ihn zu befördern. Ich bitte Sie nun liebster bester Freund so bald Sie können eine Summe so groß als möglig an <persName key="276">Hufeland</persName> zu befördern, und ihm recht freundlig dabei zu schreiben. <persName key="613">Die Herzogin</persName> selbst wird [4] sehr angelegentlich in meiner Sache an <persName key="515">den König</persName> schreiben und solte dieser eine solche Kleinigkeit <persName key="613">einer Fürstin</persName> abschlagen, so giebt es noch viele Mittel um mir <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> zu erhalten. Solte man mir die Einwendung machen von seiten des Gerichts daß ich kein sicheres Auskommen habe um <persName key="96"><persName key="44">meine Söhne</persName></persName> zu erziehn, so darf ich sagen daß <persName key="613">die Herzogin</persName> <persName key="96"><persName key="44">meine Kinder</persName></persName> wie die ihrigen betrachtet und niemand wird zweiflen daß sie mittel hatt <persName key="96"><persName key="44">zwei Söhne</persName></persName> zu erziehn. Sie sehen aber wohl mein theurer Freund daß ich nicht wünschen kann daß es dahin komt daß ich in der that ihrer Unterstützung in dem Sinne bedarf, den[n] wie sie zu mir ihren Rang als Fürstin aufhebt und ihn nur zu meinem Vortheil braucht so kann ich nicht wünschen daß es erscheint als wolle ich sie als Fürstin brauchen. <persName key="42">Bernhardi</persName> fährt fort mich zu lästern und erlaubt sich das Schmähligste, darum bitte ich Sie geliebter Freund vertrauen Sie <name key="383" type="work">Egidio und Isabella</name> doch der Post damit es nur noch zu Ostern gedruckt wird, ich bitte Sie thuen Sie dieß ja, es ist schon ein zu langer Zwischenraum. Von meinem Briefe wird Ihnen Ihre eigne Klugheit sagen waß Sie verschweigen müssen. <persName key="56"><persName key="48">Meine Brüder</persName></persName> grüssen Sie wie <persName key="102">Knorring</persName> von ganzen Herzen. <persName key="96"><persName key="44">Die Kinder</persName></persName> sind recht wohl und glücklig und bitten Sie sie nicht zu vergessen. Schreiben Sie mir doch wie die Folgen des Krieges einen Einfluß auf Ihr Leben haben können. Leben Sie recht wohl, lassen Sie mich versichert sein daß Sie immer mein Freund bleiben wie ich ewig bin<lb/>Ihre Freundin<lb/>S[ophie] Tieck<lb/><lb/>Ich habe diesen Brief in höchster Eil geschrieben, und bitte Sie mir nicht übel zu nehmen wen[n] alles abgerissen klingt, Sie wissen wohl selbst wie meine Seele ewig gleich bleibt, noch einmal leben Sie recht glücklig. Ich wolte ich könte Sie einmal sprechen.</p></div></body></text></TEI>
