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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="3245"><titleStmt><title>Karl Friedrich Alexander von Arnswaldt an August Wilhelm von Schlegel</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition/></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-07-21</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Einmal kollationierter Druckvolltext mit Registerauszeichnung</ab></availability><date when="2021-07-15"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/letters/view/3245</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl n="carrier1"><title>Fiebiger, Otto: Briefe an August Wilhelm Schlegel. In: Die Grenzboten 73 (1914), S. 497‒499.</title><idno type="print">Fiebiger1914_ArnswaldtanAWS_05031789</idno></bibl><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>Dresden, Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek</institution><idno type="signatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.1,Nr.21</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="oai">DE-611-38970</ab><ab type="alternativeOai">DE-611-2452446</ab><ab type="alternativeSignatur">Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.1,S.105-108</ab><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="paper">23,3 x 19,1 cm</ab><ab type="note">Empfangsort erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/letters/view/3245"><correspAction type="sent"><persName key="2254" ref="http://d-nb.info/gnd/116352655">Karl Friedrich Alexander von Arnswaldt</persName><placeName key="173" ref="http://d-nb.info/gnd/4023349-2">Hannover</placeName><date when="1789-03-05">1789-03-05</date></correspAction><correspAction type="received"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="2" ref="http://d-nb.info/gnd/4021477-1">Göttingen</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier1" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-023y-0.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier1" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-023y-1.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier1" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-023y-2.jpg"/><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-38970_Bd.1/AWvS_DE-611-38970_Bd.1_tif/jpegs/00000105.tif.original.jpg"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-38970_Bd.1/AWvS_DE-611-38970_Bd.1_tif/jpegs/00000106.tif.original.jpg"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-38970_Bd.1/AWvS_DE-611-38970_Bd.1_tif/jpegs/00000107.tif.original.jpg"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://digital.slub-dresden.de/data/kitodo/AWvS_DE-611-38970_Bd.1/AWvS_DE-611-38970_Bd.1_tif/jpegs/00000108.tif.original.jpg"/></facsimile><text><body><div><p>[1] <placeName key="173">Hannover</placeName> am 5. März 1789. <lb/>Sie koennen gewiß, mein Bester, unsre <placeName key="2">Goettingschen</placeName> Abendunterhaltungen nicht mit der Sehnsucht zurückwünschen als ich, der ich den Abgang derselben bei dem Mangel eines vertrauten Umgangs, ganz nach meinem Sinne, doppelt fühle. <lb/>Geschäftsmänner, die nur für ihre Geschäfte leben, und das thun doch hier die meisten, sind für den ungenießbar, der etwas mehr als schaale Zeitungsunterhaltung sucht und doch wird man seines Lebens nur zur Hälfte froh ohne ein menschliches Wesen, dem [2] man auch seine geheimsten Gedanken und Empfindungen vertrauensvoll mittheilen kan, und mit dem man Liebe zu denselben Geistesbeschäftigungen theilt. <lb/>Meine ietzige einsame Muße hat die Neigung zu poetischer Lektüre, der ich in den leztern Jahren zum Theil entsagen mußte, wieder erweckt und ich habe Sie mir oft zum Theilnehmer des Genußes gewünscht, den sie mir verschafft hat. Vereinigen sich einmal Zeit und Lust bei Ihnen, so lesen Sie ia den <name key="8175" type="work">Adone</name> des <persName key="12047">Marino</persName>, dem ich mehrere sehr angenehme Abende verdanke. <lb/>Man wird durch Züge eines recht großen poetischen Genies, welches besonders in den Schilderungen sichtbar ist, für den Mangel an Geschmack schadlos gehalten, der nicht selten darinn beleidigt. Das Ganze ist eine so abentheuerliche Komposizion, als sie sich nur in der Imaginazion ihres Schöpfers gestalten könnte, allein die Details sind ungemein schön und die Versifikazion [3] so reizend und leicht als sie nur in den größten Meisterstücken der ital[iänischen] Poesie gefunden werden mag. ‒ Die beiden poetischen Samlungen von <persName key="7032">Kosegarten</persName> und <persName key="5832">Langbein</persName>, deren Sie gegen mich erwähnten, habe ich bereits gelesen und bin im ganzen mit Ihrem Urtheil über den Werth derselben einstimmig. Nur scheinen Sie mir dem ersteren der beiden Herren mehr Ehre widerfahren zu lassen, als er in der That verdient. Eine wilde zügellose Fantasie und etwas poetische Sprache, die er größtentheils <persName key="1611">Klopstock</persName> und <persName key="792">Stolberg</persName> abgeborgt hat, sind sein ganzer Beruf zur Dichtkunst und er wird Lesern von Geschmack schwerlich gefallen. Unaufhörlich ringt er nach kühnen gigantischen Bildern, die ihm nicht selten verunglücken und die mir nur zu deutlich bewiesen haben, daß sein Feuer an einem fremden Heerde angezündet sei. Oft wird sein Ausdruck durch seine Seltsamkeit possierlich; so erinnere ich mich, gleich in einem der erstern Stücke gelesen zu haben: ihr brausen die Eingeweide von Mitleid. Am meisten aber hat mich die Nachahmung der obengenannten beiden großen [4] Dichter beleidigt, die sich in dem Ideengang und der Sprache fast eines jeden Gedichts verräth, so sehr auch der V[er]f[asser] versichert, daß er alle Spur von Nachahmung vertilgt habe. Sie haben Recht, daß Langbein ungleich genießbarer ist, allein ich fürchte, daß seine Gedichte nur wenige Meßen überleben werden, denn wie <persName key="4597">Johnson</persName> einmal sagte, <hi rend="weight:bold">there is too little salt in to keep it sweet</hi>. <lb/>Ich soll heute Abend einem Schauspiel beiwohnen, welches sicher das erste seiner Art ist, das man in Hannovers Mauern erblickt hat; eine Gesellschaft von Friseurs und ihren Weibern stellt ein Stück von <persName key="12048">Stephanie</persName> vor einer sehr zalreichen Gesellschaft im Redoutensal vor. Da die Post erst morgen früh abgeht, so werde ich Ihnen den Ausgang noch mit einigen Zeilen in einem Postskript bekannt machen. <lb/>Leben Sie recht wol, bester Freund, so wie mein Herz es Ihnen wünscht und lassen Sie mich bald von Ihnen und Ihren Beschäftigungen etwas hören. <lb/>Ewig<lb/>Ihr Ihnen ganz eigner<lb/>K. Fr. Arnswaldt. <lb/>Ich glaubte Ihnen recht viel von der Friseurskomödie sagen zu koennen; allein zu schlecht, um zu amüsieren und zu gut, um darüber zu lachen, hab ich sie gleich nach dem ersten Akt verlassen. </p></div></body></text></TEI>
