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<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc n="4454"><titleStmt><title>August Wilhelm von Schlegel an Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck</title><editor><persName role="Herausgeber"><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Herausgeberin"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName><persName role="Technische Koordination"><forename>Radoslav</forename><surname>Petkov</surname><affiliation>Universität Trier</affiliation></persName><persName role="Bearbeiterin"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname><affiliation>Philipps-Universität Marburg</affiliation></persName></editor><respStmt><orgName ref="https://www.uni-marburg.de">Philipps-Universität Marburg</orgName><orgName ref="https://www.slub-dresden.de">Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden</orgName><orgName ref="http://kompetenzzentrum.uni-trier.de">Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier / Trier Center for Digital Humanities</orgName><resp ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/contact">Mitwirkende</resp></respStmt></titleStmt><editionStmt><edition><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName><persName role="Bearbeiter/in"><forename>Olivia</forename><surname>Varwig</surname></persName></edition></editionStmt><publicationStmt><publisher><persName><forename>Jochen</forename><surname>Strobel</surname></persName><persName><forename>Claudia</forename><surname>Bamberg</surname></persName></publisher><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/">Namensnennung - Nicht-kommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland (CC BY-NC-SA 3.0 DE)</licence><ab type="version">version-07-21</ab><ab type="edition">Digitale Edition der Korrespondenz August Wilhelm Schlegels</ab><ab type="state">Neu transkribiert und ausgezeichnet; zweimal kollationiert</ab></availability><date when="2021-07-15"/><idno type="url">https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/letters/view/4454</idno></publicationStmt><sourceDesc><msDesc n="carrier2"><msIdentifier><institution>München, Bayerische Staatsbibliothek</institution><idno type="signatur">Clm 27378, Nr. 31</idno></msIdentifier><physDesc><objectDesc><ab type="type">Manuscript</ab><ab type="subtype">Original</ab><ab type="pages">4 S. auf Doppelbl., hs. m. U.</ab><ab type="note">Empfänger sowie Empfangsort erschlossen.</ab></objectDesc></physDesc></msDesc></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc ref="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/letters/view/4454"><correspAction type="sent"><persName key="766" ref="http://d-nb.info/gnd/118607960">August Wilhelm von Schlegel</persName><placeName key="887" ref="http://d-nb.info/gnd/1001909-1">Bonn</placeName><date when="1824-05-22">1824-05-22</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="http://d-nb.info/gnd/119263297">Christian Gottfried Daniel Nees von Esenbeck</persName><placeName key="6840" ref="http://d-nb.info/gnd/4378034-9">Poppelsdorf</placeName></correspAction></correspDesc></profileDesc></teiHeader><facsimile><graphic n="1" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-031b-f.tif"/><graphic n="2" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-031b-g.tif"/><graphic n="3" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-031b-h.tif"/><graphic n="4" decls="carrier2" url="https://august-wilhelm-schlegel.de/version-07-21/cake_fud/files/temp/images/default/AWS-aw-031b-i.tif"/></facsimile><text><body><div><p><milestone unit="start" n="22086"/>[1]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="22086"/> <placeName key="887">Bonn</placeName> d. 22sten Mai. 24.<lb/>Ich habe Sie tausendmal um Verzeihung zu bitten, verehrster Freund und College; daß ich <ref target="fud://7150">Ihren Brief</ref> so lange unbeantwortet gelassen. Ich nahm mir gleich bei dessen Empfange vor, Ihnen selbst in <placeName key="6840">Poppelsdorf</placeName> aufzuwarten: die anhaltende schlimme Witterung hat mich daran gehindert, u nachher ist mir unter mancherlei Geschäften die Sache aus dem Sinne gekommen. Ich fürchte überdieß die Fragen <persName key="3611">des Hrn. von Martius</persName>, dem ich gern gefällig seyn möchte, nur sehr unvollkommen beantworten zu können.<lb/>Die Sanskrit-Sprache besitzt einen großen Reichthum von Pflanzennamen; u scheint die Gattungen sehr genau zu unterscheiden, so daß die Engländer meistens die technischen Benennungen mit Sicherheit haben angeben können.<lb/>In <name key="3413" type="work">dem Real-Wörterbuch <hi rend="family:Courier">Amara-Kosha</hi></name> stehen die Pflanzennamen in einigen Abschnitten beisammen. Weit vollständiger ist jedoch <name key="3484" type="work">das Lexicon von <persName key="2553"><hi rend="family:Courier">Wilson</hi></persName></name>, aber hier stehen sie nach dem Alphabet, u also durch das Ganze zerstreut, u wenn man sie nicht schon im voraus kennt, kann man sie hier nicht aufsuchen. Indessen würde es gewiß der Mühe lohnen, aus diesem Lexicon die sämtlichen Botanischen Benennungen auszu<milestone unit="start" n="22087"/>[2]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="22087"/>heben und zusammenzustellen, um den ganzen vegetabilischen Reichthum Indiens auf einmal zu überschauen. Wenn Sie irgend einmal zu dieser Arbeit Lust haben, so biete ich Ihnen meine Dienste dabei bereitwillgst an.<lb/>Der Artikel von den Palmen im <name key="3413" type="work"><hi rend="family:Courier">Amara-Kosha</hi></name> ist sehr kurz: aber, wie gesagt, dieses Wörterbuch ist bei weitem nicht vollständig.<lb/>Der allgemeine Gattungsname ist <hi rend="family:Courier">trinadruma</hi>, <hi rend="underline:1">Grasbäume</hi>. Der <hi rend="family:Courier">Borassus flabelliformis</hi> kommt allerdings vor. Sein gewöhnlicher Name ist <hi rend="family:Courier">tāla</hi> oder <hi rend="family:Courier">tăla</hi>, ein einfaches Wort von ungewisser Ableitung. Eine andre dichterische Benennung, nach Art eines schmückenden Beiwortes, ist <hi rend="family:Courier">tṛiṇa-rāja</hi>, d. ist: <hi rend="underline:1">der König unter den Gräsern</hi>. <hi rend="family:Courier">Corypha Talliera</hi> heißt <hi rend="family:Courier">tāl</hi>̄<hi rend="family:Courier">i</hi>; welches die Form eines Femininums von <hi rend="family:Courier">tāla</hi> ist. <hi rend="family:Courier">Arenga saccharifera</hi> kann ich in <name key="3413" type="work"><persName key="2385">Colebrookeʼs</persName> Anmerkungen</name> nicht finden. – Der <hi rend="family:Courier">Borassus flabelliformis</hi> muß wohl ein sehr hartes Holz haben: es wird im <name key="1154" type="work"><hi rend="family:Courier">Râmâyaṇa</hi></name> als ein Zeichen der Wunderstärke des <persName key="8806"><hi rend="family:Courier">Râmas</hi></persName> gepriesen, daß er einen Pfeil durch sieben Stämme dieser Art hindurchgeschossen.<lb/>Die Einbildungskraft der Indischen Dichter scheint sich nicht so vorzugsweise auf den Palmbaum <milestone unit="start" n="22088"/>[3]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="22088"/> gelenkt zu haben, wie auf den Lotus; ich kann mich nicht einmal erinnern, ihn als eine besondre Zierde der Lustgärten und Lustwälder erwähnt gefunden zu haben, wo meistens der Mango, <hi rend="family:Courier">Michelia champaka</hi>, u <hi rend="family:Courier">Jonesia asoka</hi> hervortreten. Mythologische Beziehungen, deren der Lotus so viele hat, weiß ich vollends keine, wenn es nicht etwa dafür gelten mag, daß <persName key="12013"><hi rend="family:Courier">Bâlarâmas</hi></persName>, der Halbbruder des <persName key="6999"><hi rend="family:Courier">Krishnas</hi></persName>, den Palmyra-Baum oder <hi rend="family:Courier">Borass. flab.</hi> in seiner Fahne geführt. Aber die Helden führten allerlei Bilder in ihren Fahnen, <persName key="9342"><hi rend="family:Courier">Arjunas</hi></persName> sogar einen Affen.<lb/>Wenn Sie mir <name key="6856" type="work"><name key="11890" type="work">die Werke</name></name> <persName key="6855">des <hi rend="family:Courier">Rheede</hi></persName> u <persName key="6857"><hi rend="family:Courier">Rumphius</hi></persName> mit Anzeichnung der auf die Familie der Palmen bezüglichen Stellen senden wollen, so will ich sehen, was ich weiter ausmitteln kann. Aber ich fürchte, die Sanskrit-Namen sind sehr entstellt, u nicht aus ächten Quellen geschöpft. Vom <name key="6856" type="work"><hi rend="family:Courier">Hortus Malabar.</hi></name> weiß ich dieß schon.<lb/>Nun habe ich auch eine Gegenbitte an <persName key="3611">Hrn. von Martius</persName>. <persName key="3501">Othmar Frank</persName> rühmt sich in der Vorrede zu <name key="3502" type="work">seiner Chrestomathie</name>, die seltensten Sanskrit-Bücher auf Befehl <orgName key="11752">der K. Baier. Regierung</orgName> in <placeName key="292"><hi rend="family:Courier">London</hi></placeName> angekauft, u. in <orgName key="5956">die Königl. Bibliothek</orgName> geschafft zu haben, dergleichen in keiner andern Bibliothek Deutschlands beisammen zu finden <milestone unit="start" n="22089"/>[4]<note type="Notiz_zur_Transkription"><title>Paginierung des Editors</title></note><milestone unit="end" n="22089"/> seyen. Er drückt sich aber so wunderlich aus, daß man nicht sieht, ob er gedruckte Bücher oder Handschriften meynt. Im ersten Falle rühmt er sich mit Unrecht, denn die gedruckten Ausgaben von Sanskrit-Büchern finden sich so ziemlich alle in meiner Büchersammlung welche doch hoffentlich in Deutschland ist. Sind es aber wirklich Sanskrit-<hi rend="underline:1">Manuscripte</hi>, so würde mich Hr. von Martius ungemein verpflichten, wenn er mir ein Verzeichniß davon verschaffen wollte. <lb/>Ich darf wohl für <name key="3516" type="work">meinen <hi rend="family:Courier">Rámâyana</hi></name> auf die Subscription <orgName key="5956">der Königl. Bibliothek</orgName> in <placeName key="354">München</placeName> hoffen. Wenn Sie zu diesem Behufe <name key="2544" type="work">Ankündigungen</name> hinsenden wollen, so stehen Ihnen gern Exemplare zu Dienste.<lb/>Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung<lb/>Ganz der Ihrige<lb/>AWvSchlegel</p></div></body></text></TEI>
