• August Wilhelm von Schlegel to Helmina von Chézy

  • Place of Dispatch: Coppet · Place of Destination: Paris · Date: 06.10.1809
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
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    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Helmina von Chézy
  • Place of Dispatch: Coppet
  • Place of Destination: Paris
  • Date: 06.10.1809
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 240‒241.
  • Incipit: „[1] Coppet d. 6 Oct. [180]9
    Ich war eben im Begriff Ihnen zu schreiben, liebes Kind, und anzufragen, ob Sie den durch [...]“
    Manuscript
  • Provider: Biblioteka Jagiellońska, Krakau
    Language
  • German
[1] Coppet d. 6 Oct. [180]9
Ich war eben im Begriff Ihnen zu schreiben, liebes Kind, und anzufragen, ob Sie den durch eine Gelegenheit nach Paris geschickten Calderon, nicht als ein Zeichen des Lebens und Andenkens bekommen hätten, als Ihr letzter Brief mir den Empfang meldete. Es freut mich herzlich, wenn Ihnen das Buch einige Freude gemacht hat. In Ansehung des Briefwechsels müssen Sie so genau nicht mit mir rechnen, ich bedarf darin überhaupt viele Nachsicht von meinen Freunden, und muß wünschen, daß sie dann und wann ein Buch für einen Brief gelten lassen. Ich werde von den Buchhändlern gedrängt, und kann mit meinen litterarischen Arbeiten nicht so schnell vorrücken als ich wollte und sollte, was mich um so mehr ängstigt, da mir allem Ansehen nach im nächsten Frühlinge eine große Reise außer Europa bevorsteht, die mich von allem abschneiden wird.
An Ihrer Lage nehme ich herzlichen Antheil, und wünsche lebhaft, es möchte Ihnen besser gehen. Mir scheint aber, Sie haben die rechte Partei ergriffen, sich etwas in der Ferne zu halten. [2] Suchen Sie sich durch Ihre schriftstellerischen Arbeiten so viel Unabhängigkeit zu erwerben als möglich, behaupten Sie diese, und lassen Sie sich das übrige nicht anfechten.
Wenn Sie sich der französischen Sprache genugsam bemeistern können, um mit Sicherheit und Leichtigkeit deutsche Schriften zu übersetzen, so kann dieß sehr ersprießlich werden, denn an Nachfrage wird es nicht fehlen. Nur lassen Sie Ihre Handschrift immer vor dem Druck genau von französischen Kennern des Styls durchsehen, damit die Journalisten nichts ausländisches wittern können. Ich weiß aus Erfahrung, wie schwer es ist, dieß zu vermeiden.
Wie wäre es, wenn Sie die Schrift meines Bruders über die Indier übersetzten? Das Stück davon über die Sprache, welches ein gewisser Manget, als Anhang einer Schrift gleichen Inhalts von Adam Smith übersetzt oder im Auszuge gegeben, hat viel Aufmerksamkeit erregt und ist sehr günstig angezeigt worden. Hr. Chezy könnte den Druck der persischen Wörter besorgen, und vielleicht selbst noch Anmerkungen hinzufügen.
Im zweyten Bande meiner Vorlesungen [3] über dramatische Kunst und Litteratur werden Sie meine Ansichten vom Calderon finden. Verschaffen Sie sich doch den 1ten Theil, der schon in Paris seyn muß, denn er ist vor mehr als zwey Monaten ausgegeben. Vielleicht gewährt er Ihnen einige Unterhaltung. – Lassen Sie doch hören, was Sie vom Calderon zu übersetzen gedenken. Ich werde Sie gern zur Nachfolgerin haben.
Grüßen Sie Freund Koreff herzlichst von mir, und melden Sie mir recht genau, wie es ihm geht und was er macht und treibt.
Meine Freundin trägt mir auf, Ihnen in Erwiederung Ihres Briefes viel schönes zu sagen, und sie würde Ihnen nächstens wieder schreiben.
Die Rechnung bey Tourneisen werde ich schon selbst besorgen, denken Sie nicht weiter daran. Melden Sie mir nur, ob er jetzt in Paris oder in Cassel ist?
Von Friedrich habe ich seit langer Zeit keine andre Nachricht als was mir die Zeitungen melden, woraus ich schließen kann, daß er immer in der gleichen Thätigkeit ist. Er hat seine Frau nach Ungarn kommen [4] lassen, die zuvor in Wien im Arnsteinschen Hause lebte. Seine herrlichen Gedichte haben Sie ja wohl gesehen? Bis spät im Herbste bleiben wir hier, alsdann in einer französischen Provinzstadt, von wo aus ich, vermuthlich zu Anfange Januars einen Ausflug nach Paris machen werde. Alsdann wollen wir recht aus dem Grunde und vertraulich miteinander reden. Leben Sie bis dahin recht wohl und behalten Sie mich in freundlichem Andenken.
Ich muß mich anklagen, daß ich an den Herausgeber der Zeitung für die elegante Welt, noch nicht wegen ihrer Theilnahme daran geschrieben. Es geschieht nun aber nächstens gewiß.
[1] Coppet d. 6 Oct. [180]9
Ich war eben im Begriff Ihnen zu schreiben, liebes Kind, und anzufragen, ob Sie den durch eine Gelegenheit nach Paris geschickten Calderon, nicht als ein Zeichen des Lebens und Andenkens bekommen hätten, als Ihr letzter Brief mir den Empfang meldete. Es freut mich herzlich, wenn Ihnen das Buch einige Freude gemacht hat. In Ansehung des Briefwechsels müssen Sie so genau nicht mit mir rechnen, ich bedarf darin überhaupt viele Nachsicht von meinen Freunden, und muß wünschen, daß sie dann und wann ein Buch für einen Brief gelten lassen. Ich werde von den Buchhändlern gedrängt, und kann mit meinen litterarischen Arbeiten nicht so schnell vorrücken als ich wollte und sollte, was mich um so mehr ängstigt, da mir allem Ansehen nach im nächsten Frühlinge eine große Reise außer Europa bevorsteht, die mich von allem abschneiden wird.
An Ihrer Lage nehme ich herzlichen Antheil, und wünsche lebhaft, es möchte Ihnen besser gehen. Mir scheint aber, Sie haben die rechte Partei ergriffen, sich etwas in der Ferne zu halten. [2] Suchen Sie sich durch Ihre schriftstellerischen Arbeiten so viel Unabhängigkeit zu erwerben als möglich, behaupten Sie diese, und lassen Sie sich das übrige nicht anfechten.
Wenn Sie sich der französischen Sprache genugsam bemeistern können, um mit Sicherheit und Leichtigkeit deutsche Schriften zu übersetzen, so kann dieß sehr ersprießlich werden, denn an Nachfrage wird es nicht fehlen. Nur lassen Sie Ihre Handschrift immer vor dem Druck genau von französischen Kennern des Styls durchsehen, damit die Journalisten nichts ausländisches wittern können. Ich weiß aus Erfahrung, wie schwer es ist, dieß zu vermeiden.
Wie wäre es, wenn Sie die Schrift meines Bruders über die Indier übersetzten? Das Stück davon über die Sprache, welches ein gewisser Manget, als Anhang einer Schrift gleichen Inhalts von Adam Smith übersetzt oder im Auszuge gegeben, hat viel Aufmerksamkeit erregt und ist sehr günstig angezeigt worden. Hr. Chezy könnte den Druck der persischen Wörter besorgen, und vielleicht selbst noch Anmerkungen hinzufügen.
Im zweyten Bande meiner Vorlesungen [3] über dramatische Kunst und Litteratur werden Sie meine Ansichten vom Calderon finden. Verschaffen Sie sich doch den 1ten Theil, der schon in Paris seyn muß, denn er ist vor mehr als zwey Monaten ausgegeben. Vielleicht gewährt er Ihnen einige Unterhaltung. – Lassen Sie doch hören, was Sie vom Calderon zu übersetzen gedenken. Ich werde Sie gern zur Nachfolgerin haben.
Grüßen Sie Freund Koreff herzlichst von mir, und melden Sie mir recht genau, wie es ihm geht und was er macht und treibt.
Meine Freundin trägt mir auf, Ihnen in Erwiederung Ihres Briefes viel schönes zu sagen, und sie würde Ihnen nächstens wieder schreiben.
Die Rechnung bey Tourneisen werde ich schon selbst besorgen, denken Sie nicht weiter daran. Melden Sie mir nur, ob er jetzt in Paris oder in Cassel ist?
Von Friedrich habe ich seit langer Zeit keine andre Nachricht als was mir die Zeitungen melden, woraus ich schließen kann, daß er immer in der gleichen Thätigkeit ist. Er hat seine Frau nach Ungarn kommen [4] lassen, die zuvor in Wien im Arnsteinschen Hause lebte. Seine herrlichen Gedichte haben Sie ja wohl gesehen? Bis spät im Herbste bleiben wir hier, alsdann in einer französischen Provinzstadt, von wo aus ich, vermuthlich zu Anfange Januars einen Ausflug nach Paris machen werde. Alsdann wollen wir recht aus dem Grunde und vertraulich miteinander reden. Leben Sie bis dahin recht wohl und behalten Sie mich in freundlichem Andenken.
Ich muß mich anklagen, daß ich an den Herausgeber der Zeitung für die elegante Welt, noch nicht wegen ihrer Theilnahme daran geschrieben. Es geschieht nun aber nächstens gewiß.
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