• Heinrich Eberhard Gottlob Paulus to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Heidelberg · Place of Destination: Bonn · Date: 22.11.1818
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Heinrich Eberhard Gottlob Paulus
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Heidelberg
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 22.11.1818
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 341‒342.
  • Incipit: „[1] Einem vertraulichen Briefe an Sophie war die Innlage von Friederich offen beygelegt. Ich übersende sie Ihnen sogleich.
    Friedrich ist in der [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-35010
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.17,Nr.37
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U. u. Adresse
  • Format: 25,2 x 18,9 cm
    Language
  • German
[1] Einem vertraulichen Briefe an Sophie war die Innlage von Friederich offen beygelegt. Ich übersende sie Ihnen sogleich.
Friedrich ist in der Meinung, als ob die Entfernung der Orte vornehmlich unsre Sophie zurückhielte. Dies ist keineswegs der Fall; auch im Gemüth der Mutter nicht, welche zur Trennung so schnell entschlossen war, als sie bey den Gesinnungen und dem ganzen Betragen, wie Sie es damals 8–10 Wochen lang unausgesetzt geäussert hatten, die Tochter bey Ihnen herzlich vergnügt wissen zu können hoffte.
Durch alles Vorerzählen von schönen Meublen und dem Prunk der Umgebungen ist eine Sophie nicht zu beglücken, nicht einmal zu erfreuen. Aus der Achtung Ihrer Geistesgaben, Ihrer ausgebildeten Kenntnisse und Erfahrungen, Ihrer treflichen Mittheilungstalente, und zugleich aus der Hofnung, nicht zur Ostentation, sondern um ihrer selbst willen, geliebt zu seyn, entstand ihre Gegenliebe. O! es ist sehr schlimm, wenn man soviele Liebe, achtungsvolle Neigung, Hingebung, für sich hatte; [2] und dies alles nicht einmal in den ersten Monaten ungetrübt erhält.
Sophiens Festigkeit im Edlen und Guten und Wesentlichen kennen Sie. Sie ist das Wesen nicht, von welchem irgend ein Egoismus hoffen darf, sie in Ostentation, Eitelkeit, Schein, Verstellung, hinüber zu bilden. So weit kann man sich ihres Geistes nie bemächtigen. – Von Richtungen dieser Art konnte man, als sie ihr Jawort gab, nach all Ihren damaligen Äusserungen nichts ahnen. Es kann Individuen von glänzenden Eigenschaften geben, die sich im Reiche des Egoismus, in der vornehmen Welt, so verwöhnen, dass sie alles nur als Mittel für sich betrachten, alles dazu verbilden wollen. In einem Kampf gegen solche Gesinnungen zu leben kann nicht beglücken.
Ich beklage, dass ich manches nicht vor Ihrer Wegreise wusste. Schreiben lasst sich davon fast gar nicht. Gewiss, wenn Sie sich selbst mit allem dem, was vor dem Jawort war, prüfend vergleichen, finden Sie als Menschenkenner noch [3] weit mehr wie ich, was nicht seyn sollte, wenn es gut seyn soll.
Niemand kann dies mehr schmerzen als mich. Niemand hatte mehr Vertrauen.
Heute wenigstens vermag ich nicht weiter zu schreiben.
[Heidelberg] D. 22 Nov. [18]18
[4] An Herrn August Wilh. von Schlegel
Professor
zu
Bonn
[1] Einem vertraulichen Briefe an Sophie war die Innlage von Friederich offen beygelegt. Ich übersende sie Ihnen sogleich.
Friedrich ist in der Meinung, als ob die Entfernung der Orte vornehmlich unsre Sophie zurückhielte. Dies ist keineswegs der Fall; auch im Gemüth der Mutter nicht, welche zur Trennung so schnell entschlossen war, als sie bey den Gesinnungen und dem ganzen Betragen, wie Sie es damals 8–10 Wochen lang unausgesetzt geäussert hatten, die Tochter bey Ihnen herzlich vergnügt wissen zu können hoffte.
Durch alles Vorerzählen von schönen Meublen und dem Prunk der Umgebungen ist eine Sophie nicht zu beglücken, nicht einmal zu erfreuen. Aus der Achtung Ihrer Geistesgaben, Ihrer ausgebildeten Kenntnisse und Erfahrungen, Ihrer treflichen Mittheilungstalente, und zugleich aus der Hofnung, nicht zur Ostentation, sondern um ihrer selbst willen, geliebt zu seyn, entstand ihre Gegenliebe. O! es ist sehr schlimm, wenn man soviele Liebe, achtungsvolle Neigung, Hingebung, für sich hatte; [2] und dies alles nicht einmal in den ersten Monaten ungetrübt erhält.
Sophiens Festigkeit im Edlen und Guten und Wesentlichen kennen Sie. Sie ist das Wesen nicht, von welchem irgend ein Egoismus hoffen darf, sie in Ostentation, Eitelkeit, Schein, Verstellung, hinüber zu bilden. So weit kann man sich ihres Geistes nie bemächtigen. – Von Richtungen dieser Art konnte man, als sie ihr Jawort gab, nach all Ihren damaligen Äusserungen nichts ahnen. Es kann Individuen von glänzenden Eigenschaften geben, die sich im Reiche des Egoismus, in der vornehmen Welt, so verwöhnen, dass sie alles nur als Mittel für sich betrachten, alles dazu verbilden wollen. In einem Kampf gegen solche Gesinnungen zu leben kann nicht beglücken.
Ich beklage, dass ich manches nicht vor Ihrer Wegreise wusste. Schreiben lasst sich davon fast gar nicht. Gewiss, wenn Sie sich selbst mit allem dem, was vor dem Jawort war, prüfend vergleichen, finden Sie als Menschenkenner noch [3] weit mehr wie ich, was nicht seyn sollte, wenn es gut seyn soll.
Niemand kann dies mehr schmerzen als mich. Niemand hatte mehr Vertrauen.
Heute wenigstens vermag ich nicht weiter zu schreiben.
[Heidelberg] D. 22 Nov. [18]18
[4] An Herrn August Wilh. von Schlegel
Professor
zu
Bonn
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