• Georg Andreas Reimer to August Wilhelm von Schlegel

  • Place of Dispatch: Leipzig · Place of Destination: Bonn · Date: 26.03.1825
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: Georg Andreas Reimer
  • Recipient: August Wilhelm von Schlegel
  • Place of Dispatch: Leipzig
  • Place of Destination: Bonn
  • Date: 26.03.1825
  • Notations: Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 419‒421.
  • Incipit: „[1] Leipzig 26/3. [18]25
    Ihr verehrliches Schreiben vom 15ten d., welches von Berlin hieher und von hier nach Dresden mir nachgesandt wurde, [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-35028
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.18,Nr.33
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs. m. U. u. Adresse
  • Format: 25,1 x 21,7 cm
    Language
  • German
[1] Leipzig 26/3. [18]25
Ihr verehrliches Schreiben vom 15ten d., welches von Berlin hieher und von hier nach Dresden mir nachgesandt wurde, empfing ich vorgestern am letzten Orte, von woher ich vor einigen Stunden zurückgekehrt bin. Mit diesen Umständen werden Sie, höchstverehrter Herr und Freund, gütig meine verzögerte Antwort entschuldigen, die nach dem Inhalt Ihres Schreibens keinen Aufschub litt. Daß dieser mich überrascht und mich in der That betrübt hat, kann ich Ihnen nicht verbergen.
Erlauben Sie mir zuvörderst denjenigen Theil Ihres Briefes zu beantworten, welcher sich entweder auf bestehende oder verabredete Verhältnisse, und die daraus gegen mich entspringenden Anklagen bezieht, so weit ich dies aus dem Gedächtniß, bei dem Mangel der darauf sich beziehenden schriftlichen Verhandlungen zu thun im Stande bin. Von einer solidarisch zwischen Ihnen und Tieck zu liefernden Fortsetzung unter gemeinschaftlichem Titel ist, wenn mein Gedächtniß nicht trügt, nicht die Rede gewesen, wol aber däucht es mir als wenn Sie anfänglich, wie die Idee der Bearbeitung des Sh.[akspeare] bei Ihnen noch nicht ganz aufgegeben war, es nicht ganz ablehnten Tieck zum Mitarbeiter anzunehmen, namentlich für die mehr humoristischen Stücke. Doch liegt auch hieran wol weniger, da auf jeden Fall das fest steht, daß Sie im Jahr 1818 Tieck durch eine offene und jetzt auch gedruckte Erklärung zur Fortsetzung bemächtigten, indem Sie sich ganz von dem Werke lossagten, und diese Erlaubniß ist zuvörderst befolgt worden. Wie nun die Umstände, und die gewiß nicht ungegründete Besorgniß, daß die neuandringenden Uebersetzungen zu spottwohlfeilen Preisen, die Vorbereitung Ihrer Uebersetzung hemmen würden, eine neue Ausgabe erfoderlich machten, schrieb ich Ihnen sogleich und bat mit allem, was ich vorzustellen vermochte, Ihre erneute Theilnahme dem Werke zu zuwenden, oder wenigstens die vorhandenen Stücke der Revision zu unterwerfen. Ich glaube dies geschah bereits im September. Hr. Weber an welchen ich mich deshalb zuerst und zugleich wandte, und den ich bat meine Bitten und Gründe bei Ihnen kräftig zu unterstützen wird dies näher angeben können. Von ihm erhielt ich auch anfänglich die erfreulichsten Mittheilungen der Möglichkeit von Ihrer Seite das Werk wieder berücksichtigt zu sehen. Allein diese Hofnungen schwanden nur zu bald da zwei später an Sie gerichtete mit den dringendsten Bitten erfüllten Briefe nicht einmal eine Erwiederung hervorzubringen vermochten. Was war natürlicher, als der Gedanke: Sie hätten sich gänzlich von dem Werke abgewandt, besonders da Monate vergingen ohne weitere directe, oder auch nur vermittelnde Mittheilung, in einem Zeitpunkt, wo jeder Tag Aufschub den zu hoffenden Erfolg verringern mußte. So schien mir also alle Hofnung von dieser Seite verloren, und dennoch war es wol wünschenswerth das Vorhandene bei der seltenen Vollendung, die ihm beiwohnte, von kleinen Mängeln befreit zu sehen, und da Sie selbst hiezu wenig bereit waren, so war es vielleicht verzeihlich, daß Tieck sich bei seinem unausgesetzten Studium dazu nicht ganz ungeeignet halten mochte, und ich glaubte sein Erbieten hiezu um so eher annehmen zu können, als Sie selbst ihn, in Ihrer Erklärung, mit der größten Resignation, als einen solchen bezeichnet hatten, unter dessen Bearbeitung das Werk nur gewinnen könne. Wie sehr nun [Tieck] Ihre unerreichten und unerreichbaren Verdienste um Sh.[akspeare] anerkennt, hat er nicht [nur] in der Ankündigung erklärt, sondern er hat es auch mir mehrfältig bei der [2] [gemeinschaftlich?] gemachten Vergleichung mit dem Original erklärt und seine höchste Bewunderung ausgesprochen. Bei alledem konnten doch leicht, da das Werk nun seit länger als einem Vierteljahrhundert Ihrer Pflege entzogen war kleine Fehler stehen geblieben seyn, die leicht zu verwischen waren, und wodurch Ihrem unsterblichen Verdienst kein Abbruch geschah. So hat es sich auch gefunden, und es haben sich kleine Auslassungen, geringe Mängel der Form und mehrere nicht unerhebliche Druckfehler gezeigt, welche gleich die erste Auflage enthielt, und die unbegreiflicher weise stehen geblieben sind. Sie werden es selbst so finden bei Vergleichung der gedruckten Bogen, welche ich in kurzem Ihnen mitzutheilen mir erlauben werde. Ungeachtet die Vosse sich ein gleiches aneignen zu wollen früher öffentlich erklärten, und großen Theils bei Ausführung ihres Unternehmens das auch nicht unterlassen haben, nichts destoweniger bleibt das Geschehene Unrecht, wie ich Ihnen frei hiemit eingestehe, und hiemit die Erklärung hinzufüge: daß alles dasjenige was nach genommener Einsicht Ihnen nicht genügen sollte, umgedruckt werden soll, und in der alten oder der von Ihnen bezeichneten Gestalt hergestellt. Das verspreche ich Ihnen hiemit feierlich. Es würde mich höchlich bekümmern etwas gethan zu haben, was Ihnen das Andenken an ein solches über alles Lob erhabene Werk unangenehm machen könnte. Jede Ihrer Weisungen in dieser Beziehung werde ich aufs pünktlichste befolgen.
Was nun das Entschädigungsverhältniß anlangt, so erbitte ich mir darüber auch Ihre Bestimmungen, und ich werde keinen Anstand nehmen, zu gewähren, was Ihre Billigkeit fodern, oder den Verhältnissen angemessen sich zeigen mag. Dies Erbieten habe ich bereits früher gethan, und wiederhole es hiemit, ohne Rücksicht auf dasjenige, was die bestehenden Gesetze zu unserm gegenseitigen Vortheil aussagen möchten. Uebrigens ist es Ihnen vielleicht nur entfallen, daß Sie früher, bei Bezeichnung der Gründe welche einer Entschädigung entgegen treten, sich freiwillig des Rechts daran begeben. Dies wird Hr. Weber auch bezeugen können. Allein ich verzichte gern auf das dadurch erlangte, da die Verhältnisse eine solche jetzt möglich, und mithin mir zur Pflicht machen. Haben Sie nur die Güte mich von Ihren Wünschen zu unterrichten. Sollte es aber möglich seyn, daß Sie selbst noch die Fortsetzung zu übernehmen geneigt wären, wie es fast aus Ihrem Briefe hervorleuchtet, so bliebe mir in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig, und ich würde gern die Kosten opfern, und das angekündigte Unternehmen ganz aufgeben, ungeachtet mehr als 800 Thaler daran gewandt sind, wenn ich mit einiger Zuverlässigkeit darauf bauen könnte. In dieser Beziehung bitte ich [mich] mit wenig Worten, wo möglich umgehend zu unterrichten, damit ich dann wenigstens so viel als thunlich an den laufenden Kosten sparen möge. Diese Ihre gefällige Antwort hieher an die Weidmannische Handlung zu richten.
Sollte zugleich diese meine Erklärung irgend etwas enthalten, was Ihnen nicht genügte, oder irgend etwas Ihren Wünschen Zusagendes unberührt gelassen haben, so bitte ich um Aufschluß darüber, und ich werde [3] Alles thun, was in meinen Kräften steht, um Ihren Forderungen zu begegnen, und dadurch möglichst und thätig den Grad der Verehrung zu bezeichnen, womit ich Ihnen unveränderlich ergeben bin und bleibe als
Ihr
gehorsamster
G. Reimer
Die Ankündigung wird Ihnen Hr. Weber mittheilen. Tieck hat selbst versprochen Ihnen zu schreiben, und wird näher bezeichnen was zu seiner und meiner Entschuldigung bei Ihnen gereichen mag.
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[1] Leipzig 26/3. [18]25
Ihr verehrliches Schreiben vom 15ten d., welches von Berlin hieher und von hier nach Dresden mir nachgesandt wurde, empfing ich vorgestern am letzten Orte, von woher ich vor einigen Stunden zurückgekehrt bin. Mit diesen Umständen werden Sie, höchstverehrter Herr und Freund, gütig meine verzögerte Antwort entschuldigen, die nach dem Inhalt Ihres Schreibens keinen Aufschub litt. Daß dieser mich überrascht und mich in der That betrübt hat, kann ich Ihnen nicht verbergen.
Erlauben Sie mir zuvörderst denjenigen Theil Ihres Briefes zu beantworten, welcher sich entweder auf bestehende oder verabredete Verhältnisse, und die daraus gegen mich entspringenden Anklagen bezieht, so weit ich dies aus dem Gedächtniß, bei dem Mangel der darauf sich beziehenden schriftlichen Verhandlungen zu thun im Stande bin. Von einer solidarisch zwischen Ihnen und Tieck zu liefernden Fortsetzung unter gemeinschaftlichem Titel ist, wenn mein Gedächtniß nicht trügt, nicht die Rede gewesen, wol aber däucht es mir als wenn Sie anfänglich, wie die Idee der Bearbeitung des Sh.[akspeare] bei Ihnen noch nicht ganz aufgegeben war, es nicht ganz ablehnten Tieck zum Mitarbeiter anzunehmen, namentlich für die mehr humoristischen Stücke. Doch liegt auch hieran wol weniger, da auf jeden Fall das fest steht, daß Sie im Jahr 1818 Tieck durch eine offene und jetzt auch gedruckte Erklärung zur Fortsetzung bemächtigten, indem Sie sich ganz von dem Werke lossagten, und diese Erlaubniß ist zuvörderst befolgt worden. Wie nun die Umstände, und die gewiß nicht ungegründete Besorgniß, daß die neuandringenden Uebersetzungen zu spottwohlfeilen Preisen, die Vorbereitung Ihrer Uebersetzung hemmen würden, eine neue Ausgabe erfoderlich machten, schrieb ich Ihnen sogleich und bat mit allem, was ich vorzustellen vermochte, Ihre erneute Theilnahme dem Werke zu zuwenden, oder wenigstens die vorhandenen Stücke der Revision zu unterwerfen. Ich glaube dies geschah bereits im September. Hr. Weber an welchen ich mich deshalb zuerst und zugleich wandte, und den ich bat meine Bitten und Gründe bei Ihnen kräftig zu unterstützen wird dies näher angeben können. Von ihm erhielt ich auch anfänglich die erfreulichsten Mittheilungen der Möglichkeit von Ihrer Seite das Werk wieder berücksichtigt zu sehen. Allein diese Hofnungen schwanden nur zu bald da zwei später an Sie gerichtete mit den dringendsten Bitten erfüllten Briefe nicht einmal eine Erwiederung hervorzubringen vermochten. Was war natürlicher, als der Gedanke: Sie hätten sich gänzlich von dem Werke abgewandt, besonders da Monate vergingen ohne weitere directe, oder auch nur vermittelnde Mittheilung, in einem Zeitpunkt, wo jeder Tag Aufschub den zu hoffenden Erfolg verringern mußte. So schien mir also alle Hofnung von dieser Seite verloren, und dennoch war es wol wünschenswerth das Vorhandene bei der seltenen Vollendung, die ihm beiwohnte, von kleinen Mängeln befreit zu sehen, und da Sie selbst hiezu wenig bereit waren, so war es vielleicht verzeihlich, daß Tieck sich bei seinem unausgesetzten Studium dazu nicht ganz ungeeignet halten mochte, und ich glaubte sein Erbieten hiezu um so eher annehmen zu können, als Sie selbst ihn, in Ihrer Erklärung, mit der größten Resignation, als einen solchen bezeichnet hatten, unter dessen Bearbeitung das Werk nur gewinnen könne. Wie sehr nun [Tieck] Ihre unerreichten und unerreichbaren Verdienste um Sh.[akspeare] anerkennt, hat er nicht [nur] in der Ankündigung erklärt, sondern er hat es auch mir mehrfältig bei der [2] [gemeinschaftlich?] gemachten Vergleichung mit dem Original erklärt und seine höchste Bewunderung ausgesprochen. Bei alledem konnten doch leicht, da das Werk nun seit länger als einem Vierteljahrhundert Ihrer Pflege entzogen war kleine Fehler stehen geblieben seyn, die leicht zu verwischen waren, und wodurch Ihrem unsterblichen Verdienst kein Abbruch geschah. So hat es sich auch gefunden, und es haben sich kleine Auslassungen, geringe Mängel der Form und mehrere nicht unerhebliche Druckfehler gezeigt, welche gleich die erste Auflage enthielt, und die unbegreiflicher weise stehen geblieben sind. Sie werden es selbst so finden bei Vergleichung der gedruckten Bogen, welche ich in kurzem Ihnen mitzutheilen mir erlauben werde. Ungeachtet die Vosse sich ein gleiches aneignen zu wollen früher öffentlich erklärten, und großen Theils bei Ausführung ihres Unternehmens das auch nicht unterlassen haben, nichts destoweniger bleibt das Geschehene Unrecht, wie ich Ihnen frei hiemit eingestehe, und hiemit die Erklärung hinzufüge: daß alles dasjenige was nach genommener Einsicht Ihnen nicht genügen sollte, umgedruckt werden soll, und in der alten oder der von Ihnen bezeichneten Gestalt hergestellt. Das verspreche ich Ihnen hiemit feierlich. Es würde mich höchlich bekümmern etwas gethan zu haben, was Ihnen das Andenken an ein solches über alles Lob erhabene Werk unangenehm machen könnte. Jede Ihrer Weisungen in dieser Beziehung werde ich aufs pünktlichste befolgen.
Was nun das Entschädigungsverhältniß anlangt, so erbitte ich mir darüber auch Ihre Bestimmungen, und ich werde keinen Anstand nehmen, zu gewähren, was Ihre Billigkeit fodern, oder den Verhältnissen angemessen sich zeigen mag. Dies Erbieten habe ich bereits früher gethan, und wiederhole es hiemit, ohne Rücksicht auf dasjenige, was die bestehenden Gesetze zu unserm gegenseitigen Vortheil aussagen möchten. Uebrigens ist es Ihnen vielleicht nur entfallen, daß Sie früher, bei Bezeichnung der Gründe welche einer Entschädigung entgegen treten, sich freiwillig des Rechts daran begeben. Dies wird Hr. Weber auch bezeugen können. Allein ich verzichte gern auf das dadurch erlangte, da die Verhältnisse eine solche jetzt möglich, und mithin mir zur Pflicht machen. Haben Sie nur die Güte mich von Ihren Wünschen zu unterrichten. Sollte es aber möglich seyn, daß Sie selbst noch die Fortsetzung zu übernehmen geneigt wären, wie es fast aus Ihrem Briefe hervorleuchtet, so bliebe mir in dieser Hinsicht nichts zu wünschen übrig, und ich würde gern die Kosten opfern, und das angekündigte Unternehmen ganz aufgeben, ungeachtet mehr als 800 Thaler daran gewandt sind, wenn ich mit einiger Zuverlässigkeit darauf bauen könnte. In dieser Beziehung bitte ich [mich] mit wenig Worten, wo möglich umgehend zu unterrichten, damit ich dann wenigstens so viel als thunlich an den laufenden Kosten sparen möge. Diese Ihre gefällige Antwort hieher an die Weidmannische Handlung zu richten.
Sollte zugleich diese meine Erklärung irgend etwas enthalten, was Ihnen nicht genügte, oder irgend etwas Ihren Wünschen Zusagendes unberührt gelassen haben, so bitte ich um Aufschluß darüber, und ich werde [3] Alles thun, was in meinen Kräften steht, um Ihren Forderungen zu begegnen, und dadurch möglichst und thätig den Grad der Verehrung zu bezeichnen, womit ich Ihnen unveränderlich ergeben bin und bleibe als
Ihr
gehorsamster
G. Reimer
Die Ankündigung wird Ihnen Hr. Weber mittheilen. Tieck hat selbst versprochen Ihnen zu schreiben, und wird näher bezeichnen was zu seiner und meiner Entschuldigung bei Ihnen gereichen mag.
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