• August Wilhelm von Schlegel to Friedrich Christoph Förster

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Berlin · Date: 02.09.1827
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Friedrich Christoph Förster
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Berlin
  • Date: 02.09.1827
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 461‒462.
  • Incipit: „Bonn d. 2ten Sept. [18]27
    Ihr Schreiben vom 9ten Aug., mein hochgeehrtester Herr Doktor, nebst Ihrer gütigen Sendung des Conversations-Blattes habe ich [...]“
    Manuscript
  • Provider: Freies Deutsches Hochstift, Frankfurt am Main
  • Classification Number: Hs-3836
  • Number of Pages: 2 S. auf Doppelbl., hs. m. U. u. Adresse
  • Format: 8°
    Language
  • German
Bonn d. 2ten Sept. [18]27
Ihr Schreiben vom 9ten Aug., mein hochgeehrtester Herr Doktor, nebst Ihrer gütigen Sendung des Conversations-Blattes habe ich erst vor ein paar Tagen empfangen, und sage Ihnen für beides meinen verbindlichsten Dank. Die Kürze des Termins macht es mir nun völlig unmöglich, vor dem 12ten Sept. Ihnen etwas für Ihr Kunstblatt zu liefern, da ich überdieß manche nach einer viermonatlichen Abwesenheit vorgefundne Geschäfte noch nicht beseitigt habe. Auf die Bedingungen kommt mir nichts an, und ich bin weit von der Anmaßung entfernt, etwas vor andern Mitarbeitern voraus haben zu wollen. Aber ich kann mich nicht entschließen, auch nur einen Aufsatz in den Druck zu geben, den ich nicht reiflich überdacht und sorgfältig ausgearbeitet hätte.
Es hat mir Vergnügen gemacht, die Zeilen auf die schöne theatralische Darstellung an meinem letzten Abend in Berlin, womit ich die Langeweile auf dem beschwerlichen Wege zwischen Berlin und Hamburg zerstreute, in Ihrer Zeitschrift zu lesen. Auf die Julia habe ich der Frl. Sophia Müller einige Zeilen in ihr Stammbuch geschrieben: indessen wenn sie selbst sie nicht mitgetheilt hat, halte ich mich auch nicht dazu berechtigt, wiewohl der Inhalt eines Stammbuches eben kein Geheimniß ist.
Auf spezielle Theater-Kritiken könnte ich mich aus mancherlei Gründen schwerlich einlassen: ich finde es mißlich und bedenklich, wenn sie nicht wenigstens auf frischer That geschrieben werden. Eher könnte ich mich zu allgemeinen Bemerkungen und Anerkennungen entschließen. Ich habe die Überzeugung gewonnen, daß es nicht sowohl an dem Mangel an Talenten liegt, als an der Verfassung der Theater und den äußeren Umständen, wenn unsre tragische Bühne immer noch viel zu wünschen übrig läßt. Doch glaube ich, darf man dreist behaupten, daß unsre ausgezeichnetsten Künstler in diesem Fache leisten, was weder in London noch Paris (seit Talmaʼs Tode) zu finden ist, und das ist immer schon viel.
Indem ich Ihnen meinen wärmsten Dank für alle während meines Aufenthalts in Berlin mir erzeigten freundschaftlichen Gefälligkeiten wiederhole, bitte ich Sie, meiner ausgezeichnetsten Hochachtung versichert zu seyn.
Ergebenst
A. W. v. Schlegel
Bonn d. 2ten Sept. [18]27
Ihr Schreiben vom 9ten Aug., mein hochgeehrtester Herr Doktor, nebst Ihrer gütigen Sendung des Conversations-Blattes habe ich erst vor ein paar Tagen empfangen, und sage Ihnen für beides meinen verbindlichsten Dank. Die Kürze des Termins macht es mir nun völlig unmöglich, vor dem 12ten Sept. Ihnen etwas für Ihr Kunstblatt zu liefern, da ich überdieß manche nach einer viermonatlichen Abwesenheit vorgefundne Geschäfte noch nicht beseitigt habe. Auf die Bedingungen kommt mir nichts an, und ich bin weit von der Anmaßung entfernt, etwas vor andern Mitarbeitern voraus haben zu wollen. Aber ich kann mich nicht entschließen, auch nur einen Aufsatz in den Druck zu geben, den ich nicht reiflich überdacht und sorgfältig ausgearbeitet hätte.
Es hat mir Vergnügen gemacht, die Zeilen auf die schöne theatralische Darstellung an meinem letzten Abend in Berlin, womit ich die Langeweile auf dem beschwerlichen Wege zwischen Berlin und Hamburg zerstreute, in Ihrer Zeitschrift zu lesen. Auf die Julia habe ich der Frl. Sophia Müller einige Zeilen in ihr Stammbuch geschrieben: indessen wenn sie selbst sie nicht mitgetheilt hat, halte ich mich auch nicht dazu berechtigt, wiewohl der Inhalt eines Stammbuches eben kein Geheimniß ist.
Auf spezielle Theater-Kritiken könnte ich mich aus mancherlei Gründen schwerlich einlassen: ich finde es mißlich und bedenklich, wenn sie nicht wenigstens auf frischer That geschrieben werden. Eher könnte ich mich zu allgemeinen Bemerkungen und Anerkennungen entschließen. Ich habe die Überzeugung gewonnen, daß es nicht sowohl an dem Mangel an Talenten liegt, als an der Verfassung der Theater und den äußeren Umständen, wenn unsre tragische Bühne immer noch viel zu wünschen übrig läßt. Doch glaube ich, darf man dreist behaupten, daß unsre ausgezeichnetsten Künstler in diesem Fache leisten, was weder in London noch Paris (seit Talmaʼs Tode) zu finden ist, und das ist immer schon viel.
Indem ich Ihnen meinen wärmsten Dank für alle während meines Aufenthalts in Berlin mir erzeigten freundschaftlichen Gefälligkeiten wiederhole, bitte ich Sie, meiner ausgezeichnetsten Hochachtung versichert zu seyn.
Ergebenst
A. W. v. Schlegel
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