• August Wilhelm von Schlegel to Georg Andreas Reimer

  • Place of Dispatch: Bonn · Place of Destination: Berlin · Date: 29.11.1841
Edition Status: Single collated printed full text with registry labelling
    Metadata Concerning Header
  • Sender: August Wilhelm von Schlegel
  • Recipient: Georg Andreas Reimer
  • Place of Dispatch: Bonn
  • Place of Destination: Berlin
  • Date: 29.11.1841
  • Notations: Abschrift. – Empfangsort erschlossen.
    Printed Text
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: 343347008
  • Bibliography: Briefe von und an August Wilhelm Schlegel. Gesammelt und erläutert durch Josef Körner. Bd. 1. Zürich u.a. 1930, S. 564‒565.
  • Incipit: „Bonn, d. 29. Novemb. [18]41
    Mein hochverehrter Herr und Freund!
    Seit meiner Zurückkunft ist es mir mit meiner Gesundheit übel ergangen. Ich war [...]“
    Manuscript
  • Provider: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • OAI Id: DE-611-35028
  • Classification Number: Mscr.Dresd.e.90,XIX,Bd.18,Nr.75
  • Number of Pages: 3 S. auf Doppelbl., hs.
  • Format: 20,3 x 13 cm
    Language
  • German
Bonn, d. 29. Novemb. [18]41
Mein hochverehrter Herr und Freund!
Seit meiner Zurückkunft ist es mir mit meiner Gesundheit übel ergangen. Ich war volle zwei Monate sehr unwohl, und bekam einen so heftigen Anfall meiner alten Übel, daß ich eine schwere Krankheit erwarten mußte. Zwei erfahrene Ärzte haben mich wieder auf die Beine gebracht; aber mir blieb davon eine Erschöpfung zurück, die an Lethargie gränzte. Dadurch habe ich nun viele Zeit verloren, und die gelehrten Arbeiten häufen sich über die Maßen. Sonst hätte ich Ihnen schon früher geschrieben, so bald ich voraussetzen konnte, sie seyen wieder in Ihrem Palaste angelangt.
Sie schienen in unsern letzten Gesprächen nicht abgeneigt, die dritte längst nöthig gewordene Ausgabe meiner Gedichte in Verlag zu nehmen; aber Sie verlangten, ich solle die bereits gedruckten Epigramme und Parodien, welche die Herren Niebuhr und Arndt betreffen, davon ausschließen.
Ich habe die Sache reiflich überlegt, und finde, daß ich ihren Vorschlag entschieden ablehnen muß. Wenn Sie also dieß zu einer conditio sine qua non machen, wenn Sie strenge auf Ihrer Foderung beharren, so können über dieß Geschäft keine weiteren Verhandlungen Statt finden; und ich werde dann eine andre Einrichtung treffen müssen. Hierüber wünsche ich Ihren Entschluß baldigst zu erfahren.
Es wäre möglich, daß ich irgend eine Kleinigkeit wegließe, oder veränderte, aber ganz nach eignen Urtheil und Geschmack, keinesweges aus persönlichen Rücksichten. In dieser Beziehung finde ich nichts, was ich zurücknehmen müßte. Alles ist dem literarischen Kriegsrechte vollkommen gemäß.
Erlauben Sie mir, für heute auf keine nähere Erörterung einzugehen, die für einen Brief allzu weitläuftig ausfallen würde. Ein andermal will ich Ihnen mein Verhältniß zu Hrn. Niebuhr erzählen, den ich hochgeachtet, bedauert und geschont habe.
Was Hrn. Arndt betrifft, so kann die Beilage statt aller Antwort dienen.
Ich lasse jetzt eine Sammlung meiner einzelnen französischen Schriften drucken, auf eigene Kosten, so bin ich gewiß, keine Klagen über schlechten Absatz zu hören.
Wenn mir Gott Leben und Gesundheit verleihet, so wünschte ich wohl, die sämtlichen von mir übersetzten Stücke Shakspeareʼs durchzucorrigiren. Es ist eine Arbeit, die sich recht gut zu schlaflosen Nachtstunden schickt.
Leben Sie mit den Ihrigen wohl, und empfangen Sie die Versicherung meiner freundschaftlichsten Gesinnungen.
Ergebenst
Bonn, d. 29. Novemb. [18]41
Mein hochverehrter Herr und Freund!
Seit meiner Zurückkunft ist es mir mit meiner Gesundheit übel ergangen. Ich war volle zwei Monate sehr unwohl, und bekam einen so heftigen Anfall meiner alten Übel, daß ich eine schwere Krankheit erwarten mußte. Zwei erfahrene Ärzte haben mich wieder auf die Beine gebracht; aber mir blieb davon eine Erschöpfung zurück, die an Lethargie gränzte. Dadurch habe ich nun viele Zeit verloren, und die gelehrten Arbeiten häufen sich über die Maßen. Sonst hätte ich Ihnen schon früher geschrieben, so bald ich voraussetzen konnte, sie seyen wieder in Ihrem Palaste angelangt.
Sie schienen in unsern letzten Gesprächen nicht abgeneigt, die dritte längst nöthig gewordene Ausgabe meiner Gedichte in Verlag zu nehmen; aber Sie verlangten, ich solle die bereits gedruckten Epigramme und Parodien, welche die Herren Niebuhr und Arndt betreffen, davon ausschließen.
Ich habe die Sache reiflich überlegt, und finde, daß ich ihren Vorschlag entschieden ablehnen muß. Wenn Sie also dieß zu einer conditio sine qua non machen, wenn Sie strenge auf Ihrer Foderung beharren, so können über dieß Geschäft keine weiteren Verhandlungen Statt finden; und ich werde dann eine andre Einrichtung treffen müssen. Hierüber wünsche ich Ihren Entschluß baldigst zu erfahren.
Es wäre möglich, daß ich irgend eine Kleinigkeit wegließe, oder veränderte, aber ganz nach eignen Urtheil und Geschmack, keinesweges aus persönlichen Rücksichten. In dieser Beziehung finde ich nichts, was ich zurücknehmen müßte. Alles ist dem literarischen Kriegsrechte vollkommen gemäß.
Erlauben Sie mir, für heute auf keine nähere Erörterung einzugehen, die für einen Brief allzu weitläuftig ausfallen würde. Ein andermal will ich Ihnen mein Verhältniß zu Hrn. Niebuhr erzählen, den ich hochgeachtet, bedauert und geschont habe.
Was Hrn. Arndt betrifft, so kann die Beilage statt aller Antwort dienen.
Ich lasse jetzt eine Sammlung meiner einzelnen französischen Schriften drucken, auf eigene Kosten, so bin ich gewiß, keine Klagen über schlechten Absatz zu hören.
Wenn mir Gott Leben und Gesundheit verleihet, so wünschte ich wohl, die sämtlichen von mir übersetzten Stücke Shakspeareʼs durchzucorrigiren. Es ist eine Arbeit, die sich recht gut zu schlaflosen Nachtstunden schickt.
Leben Sie mit den Ihrigen wohl, und empfangen Sie die Versicherung meiner freundschaftlichsten Gesinnungen.
Ergebenst
· Original , 29.11.1841
· Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
· Autographensammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
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